Testimonials


Lara Wiedemann ehrenamtliche Mitarbeiterin beim WEISSEN RING e. V. Wo engagieren Sie sich ehrenamtlich und was ist dabei Ihre Rolle?Ich bin als ehrenamtliche Mitarbeiterin beim WEISSEN RING tätig, einer Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer und ihre Angehörigen. Der Verein wurde 1976 in Mainz gegründet und umfasst inzwischen 400 Außenstellen in ganz Deutschland. Über unser Opfer-Telefon können Betroffene von Straftaten und Gewalt in Kontakt mit lokalen Ansprechpartner*innen treten.Meine Aufgabe ist die persönliche Unterstützung und Betreuung der Betroffenen. Dazu zählen vor allem die Bereitstellung immaterieller Hilfen wie menschlicher Beistand, die Hilfe im Umgang mit Behörden oder die Begleitung zu Terminen bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht. Wir sind auch in der Lage finanzielle Unterstützung zu gewährleisten, wenn tatbedingte Notlagen bestehen.Die Herausforderungen sind ganz unterschiedlich, je nachdem wer vor mir sitzt. Bei den Straftaten ist alles dabei – von der älteren Dame, der auf offener Straße die Handtasche entrissen wird, bis hin zu Mord.  Seit wann engagieren Sie sich beim WEISSEN RING und wie haben Sie davon erfahren?Ich bin inzwischen seit einem Jahr beim Weißen Ring als Mitarbeiterin tätig. Zum Engagement gebracht hat mich damals eine Infoveranstaltung der Uni Potsdam zum Thema „Ehrenamtliches Engagement neben dem Studium“. Dort haben sich verschiedene lokale Vereine vorgestellt, auch der Weiße Ring Potsdam Stadt.Die Arbeit des WEISSEN RINGS hatte ich bis dahin bereits einige Jahre aus der Ferne verfolgt und den konkreten Wunsch, mich selbst dort einzubringen. In der Infoveranstaltung wurden Fragen zu den genauen Aufgaben, dem Arbeitsaufwand und der Vereinbarkeit mit dem Studium beantwortet. Danach war der Kontakt hergestellt und die erste Hürde für meinen Einstieg in den Verein genommen. Wer ist dort sonst noch ehrenamtlich aktiv?Die Außenstelle Potsdam Stadt zählt derzeit knapp zehn Ehrenamtliche. Dabei sind bei uns Menschen unterschiedlicher Geschlechter und Altersklassen vertreten – Studierende, Personen im Arbeitsleben sowie Pensionierte. Es dürfen sich auch Minderjährige engagieren, allerdings nur im Rahmen der Prävention – für die Opferfallbearbeitung wird, auch im Sinne des Selbstschutzes, Volljährigkeit vorausgesetzt.Viele unserer Mitarbeiter*innen haben einen inhaltlich verwandten Hintergrund zu unserem Engagement – etwa juristisch, polizeilich oder psychosozial. Das ist allerdings keine Voraussetzung. In erster Linie geht es bei der Opferbetreuung darum, zuzuhören und emotionale Unterstützung für die Betroffenen zu leisten. Alles weitere kann man in der Ausbildung zur*m Opferbetreuer*in lernen.Als Gruppe Potsdam Stadt setzen wir uns einmal im Monat zusammen und besprechen aktuelle Geschehnisse auf Landes- und Bundesebene, Opferfälle und vergangene wie anstehende Aktionen im Rahmen der Prävention. Welche 3 Sachen haben Sie zuletzt bei Ihrer Tätigkeit erledigt? Welche anderen Aufgaben gibt es für Ehrenamtliche?Der letzte Fall, den ich betreut habe, handelte von Körperverletzung. Nach einem Erstgespräch am Telefon habe ich entschieden, dass ein persönliches Treffen sinnvoll ist, um weitere Hilfen zu leisten. Vor Ort konnte ich den Betroffenen helfen, den Weg zu einer juristischen Beratung zu finden und auch einen Rechtsberatungscheck ausstellen, der eine durch den Weißen Ring getragene Erstberatung ermöglicht.Eine weitere Tätigkeit, die für mich regelmäßig anfällt, ist die Protokollierung unserer Team-Besprechungen.Neben allen Aufgaben, die mit der Opferbetreuung einhergehen, gibt es noch die Möglichkeit, sich in die Prävention einzubringen. In unserem Team gibt es einen Hauptverantwortlichen, der im Austausch mit entsprechenden Kontaktpersonen von Polizei, Universität und anderen Einrichtungen steht und Präventionsveranstaltungen initial plant. Für die Veranstaltungen benötigen wir immer zusätzliche Unterstützung – etwa bei der Standbetreuung auf dem „Markt der Möglichkeiten“. Dort habe ich auch schon ausgeholfen und Interessierte über unsere Arbeit, aber auch über Warnzeichen von Gewalt, aufgeklärt.               „Das Ehrenamt hilft mir dabei, selbstsicher und gut organsiert zu sein.“ Was studieren Sie und in welchem Verhältnis steht Ihr Engagement zu Ihrem Studium?Ich habe einen ganz anderen fachlichen Hintergrund – was ich sehr schätze: ich studiere Ernährungswissenschaft, das ist ein sehr theoretisches und logisches Studium. Meine Aufgaben beim WEISSEN RING erfordern wiederum meine sozialen Kompetenzen. Die Interaktion mit anderen, das Einnehmen einer Helferposition und auch die Arbeit im Team sehe ich deshalb als wichtigen Ausgleich zu meinem Vollzeitstudium. Das Ehrenamt hilft mir dabei, selbstsicher und gut organsiert zu sein, was sich natürlich positiv auf meinen Studienalltag auswirkt. Wenn ich mich ebenfalls engagieren möchte, benötige ich dafür Vorkenntnisse oder bestimmte Fähigkeiten?Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Alles nötige Wissen wird dir in der Ausbildung zur*m Opferbetreuer*in vermittelt. Wichtig wäre, dass du dich in dein Gegenüber hineinversetzen kannst und mit Respekt begegnest – das sollte aber eigentlich generell eine Selbstverständlichkeit sein. Um Betroffenen Hilfe leisten zu können und auch deine eigene psychische Gesundheit nicht zu vernachlässigen, ist es außerdem wichtig, dass es dir möglich ist, den nötigen Abstand zu den oft sehr traumatischen und möglicherweise triggernden Geschichten zu bewahren, die du zu hören bekommst. Das ist sicherlich auch in gewissem Rahmen erlernbar. Wenn du bereits weißt, dass gewaltvolle Themen bei dir Erinnerungen oder Ängste auslösen können oder du sehr schnell emotional involviert bist, solltest du dich womöglich eher gezielt bei der Präventionsarbeit des WEISSEN RINGS engagieren. Wie werde ich eigentlich auf ein Beratungsgespräch vorbereitet?Wenn du als Interessent*in zum WEISSEN RING kommst, wirst du zu drei Erstgesprächen mit Betroffenen mitgenommen. So lernst du, wie die Opferarbeit ablaufen kann und ob das etwas für dich ist.Vielleicht merkst du dabei auch, dass dir die ganze Sache viel näher geht als du dachtest. In diesem Fall könntest du dich, wie gesagt, eher auf die Präventionsarbeit konzentrieren. Solltest du aber weiterhin Interesse an der Opferarbeit haben, wirst du in einem mehrstufigen Seminarprogramm darauf vorbereitet, als Opferhelfer*in professionell zu agieren. In einem zweitägigen Grundseminar wirst du mit den nötigen Formalitäten der Opferarbeit vertraut gemacht. Außerdem werden einige alte Fälle als Beispiele herangezogen und in kleinen Rollenspielen Gesprächsführung und zwischenmenschlicher Umgang geübt.In dem Seminar triffst du viele Gleichgesinnte und kannst dich über Sorgen und Schwierigkeiten austauschen. Die Seminarleitung besteht aus Mitarbeitenden des Landesbüros und vielen ehrenamtlichen Vortragenden und auch alten Hasen, die ihre Erfahrung mit dir teilen!Nach diesem Grundseminar zählst du als volle*r Mitarbeiter*in und darfst eigenständig Opferbetreuungen übernehmen. Am Anfang und auch bei jedem späteren Fall, der dich unsicher fühlen lässt, hast du die Möglichkeit von einer*m erfahreneren Mitarbeiter*n begleitet zu werden und ihr zu zweit Hilfe leistet. Mit der Zeit wirst du dich aber auch schnell sicherer fühlen und besser einschätzen können, welche Möglichkeiten der Hilfe im Individualfall möglich sind. Bei Fragen und Problemen kann man sich jederzeit an das Team wenden und Ratschläge einholen.               „Besonders schätze ich die Dankbarkeit, die entgegengebracht wird.“ Was schätzen Sie besonders an Ihrem Engagement beim WEISSEN RING?Die Dankbarkeit, die von Betroffenen entgegengebracht wird!Manchmal habe ich am Ende eines Gesprächs das Gefühl, dass ich für die Person gar nicht viel tun konnte. Vielleicht ging es aus juristischer Sicht nicht weiter oder die Voraussetzungen für eine finanzielle Unterstützung waren nicht gegeben. In solchen Momenten hat mir mein Gegenüber aber schon oft gezeigt, dass ein offenes Ohr bereits sehr viel wert ist.Außerdem gefallen mir die vielen Weiterbildungsmöglichkeiten, die der WEISSE RING kostenlos anbietet. Nach Abschluss des Grund- und Aufbauseminars kann man jedes Jahr an unterschiedlichen Fortbildungen teilnehmen. Es gibt etwa fachbezogene Einheiten zur „Begleitung im Strafverfahren“, „Grundlagen der Viktimologie“ oder auch Fallbesprechungen, aber auch ganz allgemeingültige Seminare wie „Präsentationstraining“ oder „Projektmanagement“. Haben Sie Tipps für andere Studierende, die sich ehrenamtlich engagieren möchten?Einfach den Kontakt herstellen!Vielleicht hast du Sorgen, dass dir ein Ehrenamt neben dem Studium zu viel wird oder du nicht in der Lage bist, wöchentlich feste Zeiten für das Ehrenamt einzuplanen, da dein Alltag durch das Studium jeden Tag anders aussieht? So ging es mir auch! Aber in aller Regel sind ehrenamtliche Vereine dankbar für jede Hilfe, auch wenn das vielleicht nur eine halbe Stunde pro Woche ist. Und du selbst wirst, neben der Tatsache, dass du stolz auf dein Engagement sein kannst, auch unheimlich viel dazulernen, was dir mit Sicherheit für deinen weiteren Karriereweg helfen wird. Vielen Dank für die ausführlichen Einblicke in die Tätigkeit beim WEISSEN RING e. V., Lara Wiedemann! Das Interview wurde im Juni 2022 geführt. Mehr Informationen zum Verein und zum Einstieg in das ehrenamtliche Engagement finden Sie hier: WEISSER RING e. V.°Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften; °Sport-, Gesundheits- und Bewegungswissenschaften;
Porträt Lara Wiedemann gerahmt
Steffi Bahro Konfliktberaterin im Zusammenhang mit Verschwörungserzählungen beim mobilen Beratungsteam MITMENSCH Wo arbeiten Sie?Ich arbeite am Brandenburgischen Institut für Gemeinwesenberatung – demos. Hier gibt es sechs regionale Mobile Beratungsteams, die sich für die Stärkung des demokratischen Gemeinwesens inklusive einer kritischen Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Rassismus und Verschwörungsideologien einsetzen. Selbst arbeite ich in einem zusätzlichen Mobilen Beratungsteam, welches als einziges für ganz Brandenburg und nicht nur für eine bestimmte Region zuständig ist. Wir heißen MITMENSCH und bieten Beratung bei Konflikten im Zusammenhang mit Verschwörungserzählungen. Was haben Sie studiert?Ich habe Germanistik und Geschichte im Doppelstudiengang (Magister und Lehramt für Gymnasien) studiert. Im Anschluss war ich Mitglied in einem interdisziplinären Doktorandenkolleg, in welchem Dissertationen zur Erforschung der Geschichte und Rezeption liberaler und demokratischer Bewegungen entstanden sind. Ich selbst habe mich in meinem Forschungsprojekt über „Die politische Mnemonik der Zaubermärchen“ damit beschäftigt, wie durch Erzählungen gezielt Selbst- und Weltbilder für die geistige Entwicklung ungebildeter Menschen konstruiert wurden, um bestehende politische Ordnungen zu festigen oder um neue politische Ordnungen hervorzubringen. Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Ursprünglich wollte ich Lehrerin werden. In der Schule habe ich dann festgestellt, dass mir die Einzelwahrnehmung der Schüler:innen derart wichtig ist, dass es mir unangenehm war, in die Klasse zu kommen und sofort inhaltlich zu arbeiten, ohne zu wissen, wie es den Schüler:innen heute geht, welche Gedanken oder Probleme sie vielleicht gerade ablenken und was sie eigentlich interessieren würde. Ich fand, dass die Schule und die pädagogische Arbeit zu wenig Raum für die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung bieten. Bei meiner beruflichen Neuorientierung geholfen hat ein Professor und Mentor sowie das Feedback von meinen Freund:innen. Sie kannten mich als Menschen, mit dem man schnell vertrauliche Themen bespricht und der flexibel über Problemlösungen nachdenkt und dazu bei Bedarf auch gerne praktisch beiträgt. Da lag es nahe, einen Weg als Beraterin einzuschlagen. Ich habe mich auf die Stelle mit dem Beratungsschwerpunkt Konflikte im Zusammenhang mit Verschwörungserzählungen aber auch auf Basis meiner Beschäftigung mit strategischem Erzählen beworben und auf Grund persönlicher Erfahrungen mit Verschwörungsgläubigen im sozialen Nahfeld. Wen beraten Sie?Mein Kollege und ich beraten Angehörige, Freunde und Kollegen von Verschwörungsgläubigen. Wir beraten zu zweit, um den Ratsuchenden unterschiedliche Perspektiven auf ihre Konflikte und eine Auswahl an Lösungswegen aufzuzeigen. Beraten Sie nach bestimmten Methoden/ Ansätzen? Grundlegend für unsere Arbeit ist ein systemischer Beratungsansatz, bei dem es um die Klärung von realistischen Einfluss- und Handlungsmöglichkeiten und die Stärkung der individuellen Ressourcen zur Deeskalation bestehender Konflikte geht. Wir arbeiten mit systemischen Fragen nach Zielen, Wirklichkeitskonstruktionen, Ausnahmen vom Problem und Konfliktmustern, aber bei Bedarf auch mit Aufstellungen – zum Beispiel bei Entscheidungsproblemen, ob man eine Beziehung abbrechen, nur pausieren oder unter bestimmten Voraussetzungen fortsetzen möchte. Wo ist Ihr Beratungsangebot angesiedelt? Handelt es sich dabei nur um ein temporäres Angebot? Das Beratungsangebot ist unbefristet, weil Verschwörungserzählungen eine Gefahr für die Demokratieentwicklung sind und leider auch nach der Pandemie weiterhin von demokratiefeindlichen Akteur:innen erdacht und verbreitet werden. Denn eigentlich verschiebt sich immer nur der Fokus. Es braucht ja nur ein außerordentliches Ereignis wie 9/11, eine Krise wie die Pandemie oder ein konsequentes Vorgehen gegen den Klimawandel, um die Geschichte verschwörungsideologisch umzudeuten, indem man den Menschen einredet, dass es sich bei den offiziellen Problembeschreibungen und lösungsorientierten Maßnahmen eigentlich nur um einen erlogenen Vorwand handelt, um Freiheitsrechte einzuschränken, einen schleichenden Genozid zu initiieren und egoistische Interessen zu tarnen. Sind die emotionalisierenden Feindbilder erstmal verinnerlicht und der Widerstandsgeist geweckt, werden alle davon abweichenden Sichtweisen und lösungsfokussierten Strategien misstrauisch abgelehnt. Die Gefahr der Radikalisierung von Verschwörungsgläubigen zeigt sich leider nicht nur bei den Attentätern von Hanau und Halle oder im Falle der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke. Er wurde auf Grund seines Engagements in der Flüchtlingskrise von rechten Verschwörungsextremisten beschuldigt, eine planmäßige „Umvolkung“ und Islamisierung Deutschlands voranzutreiben. Inwiefern konnte Ihr Studium Sie auf Ihre Tätigkeit heute vorbereiten? Haben Sie eine spezielle Weiterbildung für den Einstieg benötigt?Kenntnisse zum Phänomenbereich Verschwörungserzählungen + Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit demokratiefeindlichen Bestrebungen (biographischer Bezug, Studium, Rathenau-Kolleg)Eine elementare Voraussetzung an die zukünftige Stelleninhaber:in war ausdrücklich eine Qualifikation als systemische Beraterin/Coachin oder ein Studium wie Sozialarbeit bzw. Psychologie und Beratungserfahrungen in sozialen/familiären Bereichen . Welche Fragen werden typischerweise an Sie herangetragen?Die Menschen sind meist nach langem Ausprobieren von Strategien, die nicht funktionieren, mit ihrem Latein am Ende, wenn sie zu uns kommen. Sie suchen nach neuen Wegen, um die inneren und äußeren Konflikte, die durch diverse Konfrontationen mit dem Verschwörungsdenken immer wieder geschürt und nicht gelöst werden, zu reduzieren. Ratsuchende, die auf Distanz zu verschwörungsgläubigen Angehörigen leben und nur ab und zu, insbesondere zu Familienfeiern auf Tuchfühlung mit verschwörungsgläubigen Eltern, Geschwistern, Onkeln, Tanten und Cousins gehen, wollen sich häufig situations- bzw. anlassbezogen auf das Wiedersehen und wahrscheinliche Reizpunkte vorbereiten. Welche Emotionen begegnen Ihnen häufig bei Ihren Beratungen? Wie gehen Sie damit um? Liebe und Zuneigung sind oft die zentrale Motivation, um mit uns über die verschwörungsideologisch bedingten Konflikte nachzudenken und einen sozialverträglichen Umgang mit der verschwörungsgläubigen Person zu finden. Aber auch Frustration, Enttäuschung und Erschöpfung auf Grund vieler gescheiterter Kommunikationsversuche, Trauer über Kontaktabbrüche seitens Verschwörungsgläubiger und Verunsicherung oder sogar Angst, weil die Persönlichkeit von Verschwörungsgläubigen sich durch die ständige geistige Fokussierung auf und bestätigendende Deutung des feindlichen Weltbildes teilweise stark zum Negativen verändert. Wenn eine narzisstische Person sich beispielsweise auf den Verschwörungsglauben stützt, um ihre eigene Genialität gegenüber den verblendeten „Systemlingen“ in der Familie zu demonstrieren, kann es zu psychisch stark belastenden Abwertungen und Konflikten kommen. Welche persönlichen Kompetenzen/ Soft Skills sind Ihrer Ansicht nach für diese Tätigkeit besonders wichtig? Man braucht vor allem Empathie, muss in schwierigen Situationen Ruhe ausstrahlen und wissen, wie man sein Gegenüber dabei unterstützen kann, mehr Klarheit über die eigenen Einfluss- und Handlungsmöglichkeiten zu gewinnen sowie die bisher genutzten und ungenutzten Ressourcen bewusster wahrzunehmen und zu aktivieren. Wann sprechen Sie von Erfolg in Ihrer Arbeit? Gibt es auch Situationen, in denen Sie eine Grenze ziehen würden und mit dem Beratungsangebot nicht weiterhelfen können?Ein Beratungsprozess ist erfolgreich, wenn der MITMENSCH eines Verschwörungsgläubigen sich weniger belastet fühlt sowie mehr Klarheit über und Zuversicht in Hinblick auf konkrete Kommunikations- und Handlungsoptionen hat. Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Die Einschätzung des Potentials für Selbst- und Fremdgefährdungen und die Konfrontation mit konkreten Gefährdungen. Ihre Tipps für Berufsinteressierte /-einsteiger*innen?Wer als Geistes- oder Sozialwissenschaftler:in in dem Feld beratend tätig werden möchte, sollte die zusätzlichen Kosten einer zertifizierten systemischen Weiterbildung nicht scheuen und vielleicht lieber erst in anderen Beratungskontexten für Familien oder Menschen in besonderen Lebenssituationen Erfahrungen sammeln, bevor man sich auf Konflikte rund um Verschwörungserzählungen oder sonstige weltanschaulichen Differenzen fokussiert. Abgesehen von demos sind übrigens auch Sektenberatungsstellen und Weltanschauungsbeauftragte zuständig sind für Angehörige von Verschwörungsgläubigen. Bei Letzteren könnte man vermutlich auch ein Praktikum anfragen. Ob man die nötige Empathie und Resilienz für eine Beratungstätigkeit in kritischen Lebenssituationen mitbringt, kann man auch durch ein ehrenamtliches Engagement in der Telefonseelsorge wie der studentischen Nightline in Erfahrung bringen.  Das Interview wurde im Februar 2022 geführt.°Bildungs-, Erziehungswissenschaften, Pädagogik und Soziale Arbeit; °Geistes-, Sprach-, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften;
Porträt Steffi Bahro beige gerahmt
Robert Postler Datenschutzberater bei MKM Datenschutz GmbH Was haben Sie studiert?Ursprünglich hatte ich begonnen, Betriebswirtschaftslehre (Diplom) zu studieren. Nach vier Semestern bin ich jedoch in einen Bachelorstudiengang in Wirtschaftsrecht gewechselt und habe nach dem Abschluss noch einen Masterstudiengang im gleichen Fach absolviert. Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen? Haben Sie sich bewusst auf Datenschutz spezialisiert? Benötigt man hierfür spezielle Zusatzausbildungen oder sind alle Jurist*innen für diese Tätigkeit automatisch ausreichend qualifiziert?Schon während meines Studiums habe ich mich außercurricular in einer studentischen Unternehmensberatung an meiner Universität engagiert. Für mich war somit immer klar, dass ich im Bereich Unternehmensberatung und Recht arbeiten möchte.Nach Abschluss meines Masterstudienganges und noch weit vor Inkrafttreten der Europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) bin ich auf die ausgeschriebene Stelle von MKM Datenschutz in Nürnberg, bzw. Berlin für einen Datenschutzberater aufmerksam geworden. Im Bewerbungsverfahren habe ich mich dann gegen 20 andere Bewerber*innen, die alle Volljurist*innen waren, durchgesetzt – auch aufgrund der angeeigneten Softskills, die ich aufgrund meines Engagements neben meinem Studium erworben habe.Ein bestimmtes Studium oder eine mehrjährige Ausbildung benötigt man für die Datenschutzberatung nicht. Da eine gute Datenschutzberatung jedoch sehr rechtslastig ist, ist ein Wirtschaftsrechtsstudium oder ein Studium der Rechtswissenschaften von großem Vorteil. Gleichzeitig sollte eine gewisse IT-Affinität vorhanden sein und man sollte einen ausgeprägten Sinn für Kreativität besitzen, denn es müssen immer wieder pragmatische Lösungen gefunden werden.Entscheidet man sich als Datenschutzberater*in tätig zu werden, sollte man sich zum*r Datenschutzbeauftragten zertifizieren lassen. Hierfür gibt es verschiedene Weiterbildungskurse von verschiedenen Anbietern, die unterschiedlich gut oder geeignet sind. Nach Abschluss eines solchen zertifizierten Weiterbildungskurses ist man jedoch noch kein*e gute*r Datenschutzberater*in. Jetzt fängt die Arbeit erst richtig an, da man thematisch bisher nur an der Oberfläche gekratzt hat.Nicht jede Juristin oder jeder Jurist ist automatisch für die Datenschutzberatung geeignet. Dafür habe ich schon zu viele Kolleginnen und Kollegen wieder gehen sehen, denen das Thema Datenschutz zu speziell oder zu besonders war, denn besagter Bereich ist schwer mit anderen Rechtsbereichen zu vergleichen. Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Ich habe unser regelmäßiges Datenschutzmeeting im Team geleitet, eine Datenschutzverletzung eines Kunden zur Bearbeitung in unsere spezielle Praxisgruppe weitergeleitet und eine Rückfrage eines Kunden zu einem unserer Legal Tech Tools per E-Mail beantwortet. Arbeiten Sie in Ihrem Beruf viel im Team oder eher für sich alleine?Ich arbeite sehr viel im Team. Einzelkämpfer*innen werden es schwer haben, denn das Thema Datenschutz ist dermaßen komplex und vielschichtig, dass man allein langfristig nicht erfolgreich sein wird. Haben Sie eine klassische 40-Stunden-Woche?Eine klassische 40-Stunden-Woche habe ich nicht, dies hängt jedoch mehr mit meiner Position im Unternehmen zusammen. Ich habe auch Kolleginnen und Kollegen, die eine 30 oder 35-Stunden-Woche haben. Je nach Arbeitgeber sind viele Arbeitszeitmodelle möglich. Werden Sie immer von Ihren Klient*innen/Kund*innen angefragt oder gehen Sie auch aktiv auf Menschen zu, um diese für Ihre Belange zu sensibilisieren oder über neue Gesetze zu informieren?Es kommt beides vor. Durch Empfehlungen unserer Kund*innen, welche ausschließlich juristische Personen sind, kommen auch immer Anfragen von neuen Interessent*innen. Gleichzeitig bieten wir auch Vorträge und Webinare an, um verschiedenste Menschen in ihren Bereichen für den Datenschutz zu sensibilisieren. Wen beraten Sie hauptsächlich? Gibt es bestimmte Themen die besonders häufig auftreten (z.B. die Verarbeitung von personenbezogenen Daten im Netz, der Umgang mit Fotografien auf Events, usw.)?Wir beraten Unternehmen aus den verschiedensten Bereichen. Von KMU über Automobilzulieferern, IT-Unternehmen, Banken, Pharmaunternehmen, Maschinenbauunternehmen und noch vielen weiteren ist das Beratungsportfolio sehr breit aufgestellt.Ich persönlich habe mich auf die Beratung im Datenschutz komplexer Unternehmensstrukturen und Netzwerke spezialisiert – auch in Verbindung mit dem Austausch und der Verarbeitung besonderer Kategorien personenbezogener Daten. Ein Bereich, der nicht ganz trivial ist, jedoch immer wieder schöne Herausforderungen bietet.Ein Dauerbrenner sind aktuell immer wieder Cookie-Banner oder die Datenübertragung an Dienstleister in die USA. So unterschiedlich wie die Unternehmen sind, so unterschiedlich sind jedoch auch die Herausforderungen –  auch wenn es gegebenenfalls ein gleiches oder ähnliches Thema betrifft. Dadurch ist es stets abwechslungsreich. Langeweile und Monotonie kenne ich nicht in der Datenschutzberatung.  Wie groß ist die Schnittmenge Ihrer Arbeit mit dem IT-Bereich? Haben Sie hier eventuell spezielle Weiterbildungen durchlaufen?Die Schnittmenge zur IT ist groß und wächst stetig weiter, was ich als sehr reizvoll empfinde. Eine spezielle Weiterbildung habe ich hierzu noch nicht durchlaufen, halte jedoch hiernach Ausschau. Neben einer sehr hohen IT-Affinität versuche ich mich selbst in diesem Bereich weiterzubilden und lese sehr viel. Ich komme jedoch in der Datenschutzberatung immer mal wieder an den Punkt, bei dem mir die Flughöhe im Bereich IT zu hoch ist. Niemand kann alles wissen, insbesondere nicht bei den Schnittmengen im Bereich Datenschutz. Im Jahr 2018 ist die europäische DSGVO in Kraft getreten. Wie haben Sie das erlebt? Mussten Sie viel mit Verunsicherungen umgehen? Welche Änderungen waren hier wegweisend?Diese Zeit werde ich nicht so schnell vergessen. Das Telefon stand praktisch nicht mehr still, da viele Unternehmen verunsichert und nicht darauf vorbereitet waren. Die mediale Berichterstattung und die Verbreitung einer Panik aufgrund der möglichen, hohen Bußgelder haben die Situation nicht gerade entspannt.Eine wesentliche Änderung hierdurch war es, dass das Thema Datenschutz in den Unternehmen auf einmal ernst genommen wurde. Das BDSG a.F. war ein zahnloser Tiger, jedoch mit Inkrafttreten der DSGVO war das Thema Datenschutz auf einmal ein Dauerbrenner in den Vorstands- und Geschäftsführungsebenen und hat einen ganz neuen Stellenwert erreicht. Reicht es, angesichts zunehmender Globalisierung und variierender Vorschriften, heutzutage als Datenschutzberater*in nur die Vorschriften innerhalb Deutschlands oder der EU zu kennen? Mussten Sie sich auch die Datenschutzrichtlinien anderer Länder aneignen?Wie in vielen anderen Bereichen auch, schadet es nie auch immer ein wenig über den Tellerrand zu schauen. Es ist von großem Vorteil, wenn man bspw. das Datenschutzniveau oder gesetzliche Bestimmungen im Land des Dienstleisters, dessen Einsatz man vielleicht gerade prüft, kennt oder ein Stückweit einordnen kann. Stößt man als Datenschutzberater*in auch auf Widerstand? Was sind die häufigsten Zweifel, denen Sie begegnen?Als gute*r Datenschutzberater*in sollte man schon ein dickeres Fell haben, denn im seltensten Fall wird man mit offenen Armen empfangen. Für so manches Unternehmen ist Datenschutz lästig, schränkt ein und kostet nur Geld. Gleichwohl ist Datenschutz eine Vorgabe der Gesetzgebung, die die Unternehmen sicherzustellen haben und entsprechend umsetzen müssen. Darüber hinaus wird unser Leben immer digitaler und es braucht gewisse Leitplanken, um Informationen und personenbezogene Daten der Menschen zu schützen. Die wenigsten Unternehmen erkennen den Datenschutz aktuell als Chance, ich denke hier wird noch ein Wandel stattfinden. Sehen Sie in Ihrem Tätigkeitsbereich auch gute Einstiegsmöglichkeiten für Bachelor of Laws-Absolvent*innen?Auf jeden Fall! Ich muss mich nur im Kreis meiner Kolleg*innen umschauen, denn da haben wir auch Bachelor of Laws-Absolvent*innen. Als gute*r Datenschutzberater*in benötigt man nicht unbedingt ein Staatsexamen oder Master of Laws. Viel wichtiger ist das Engagement und die Bereitschaft, sich in einem komplexen Bereich wie dem Datenschutz weiterbilden zu wollen. Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Verliert nie den Mut und die Motivation in eurer Bewerbungsphase. Bei „Jura“ denken viele deutsche Unternehmen an Staatsexamen, wie man unschwer an den diversen Stellenausschreibungen erkennen kann. Versucht, euch neben dem Studium Softskills anzueignen (bspw. in der Projektarbeit/ im Projektmanagement, an eurer Präsentationskompetenz und Rhetorik), denn daran mangelt es vielen Volljurist*innen, da diese während des Studiums selten über den Tellerrand schauen (können).  Das Interview wurde im Januar 2022 geführt.°Rechtswissenschaften;
Porträt Robert Postler beige gerahmt
Johannes Thom Assistant im Bereich Disputes bei Coca-Cola Europacific Partners in Sofia, Bulgarien Was haben Sie studiert?Ich habe „Law in Context“ (Bachelor of Law) an der TU Dresden im Bachelor studiert. Im Rahmen dieses Studiums habe ich einen einjährigen Erasmus-Aufenthalt an der Universität in Bologna absolviert. Mein Master-Programm „Politik und Verfassung“ (Master of Arts) habe ich ebenfalls an der TU Dresden absolviert. Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Zuletzt habe ich auf interne und externe Mails geantwortet, die neuen Disputes der Woche bearbeitet und ältere Fälle zur Zahlung freigegeben. Wo liegen die hauptsächlichen Schwerpunkte Ihrer Aufgaben? Verfolgen Sie als Jurist einen anderen Ansatz als Ihre Kolleg*innen aus anderen Disziplinen?Meine beruflichen Schwerpunkte liegen eindeutig im wirtschaftlichen Bereich. Die  Disputes, die von mir bearbeitet werden, sind alle finanzieller Natur. Es geht hierbei hauptsächlich um das Aufklären von Fällen, bei denen irgendwo etwas schiefgelaufen ist. Unsere Abteilung bezeichnet sich intern selber als die „Detektive von Coca-Cola“. Ich habe hierbei selten bis kaum Berührungspunkte mit juristischen Problemfeldern. Wie sind Sie mit Ihrem juristischen Studienhintergrund zu einer Tätigkeit in der Finanzabteilung eines Unternehmens gekommen? Hatten Sie von Anfang an vor, in diesem Bereich zu arbeiten?Ich habe meinen Masterabschluss mitten in der Corona-Pandemie beendet und zu einer ungünstigen Zeit meinen Fuß auf den Arbeitsmarkt gesetzt. Da meine Partnerin Bulgarin ist und ich gerne nach Sofia ziehen wollte, habe ich mich hauptsächlich auf Stellen in der bulgarischen Hauptstadt beworben. In Sofia haben viele internationale Unternehmen aus steuerlichen Gründen ihre Finanz- und Wirtschaftsabteilungen, es gab also kaum Jobangebote im politikwissenschaftlichem oder juristischem Tätigkeitsfeld. Ich bin mehr oder weniger aus Zufall in das Unternehmen geraten und konnte mit meinen Sprachkenntnissen (Deutsch, Englisch und Italienisch) punkten. Ich hatte also definitiv nicht vor, in einem Großunternehmen in der Finanzabteilung zu arbeiten und ich hatte auch keinerlei Kenntnisse auf diesem Feld. Meine erste Stelle nach der Uni habe ich also direkt als Quereinsteiger begonnen. Arbeiten Sie in Ihrem Beruf eher für sich alleine oder viel im Team? Falls Letzteres zutrifft, haben Ihre Kolleg*innen einen ähnlichen fachlichen Hintergrund wie Sie oder ist das Team bunt durchmischt?Ich arbeite derzeit in einem Team von insgesamt sechs Personen. Meine Kolleginnen und Kollegen haben überwiegend einen wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund. Eine Kollegin hat aber bspw. auch einen Masterabschluss in Biologie. Auch in der gesamten Finanzabteilung sind die fachlichen Hintergründe sehr durchgemischt (bspw. Wirtschaftswissenschaften, Sprachwissenschaften, Soziologie, Jura etc.). Haben Sie eine klassische 40-Stunden-Woche?Ich arbeite in einer klassischen 40-Stunden-Woche, Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr. Was finden Sie an Ihrem Beruf besonders spannend oder herausfordernd?Unsere Abteilung ist in ständiger Kommunikation mit fast allen Abteilungen des Unternehmens. Dadurch versteht man sehr schnell die Arbeitsweise eines international agierenden Unternehmens. Weiterhin ist das Lösen der Fälle an sich eine spannende Aufgabe, da man zum Teil lange und intensiv suchen muss, um den Fehler zu finden. Da ich vorher kaum Berührungspunkte mit wirtschaftlichen Themen hatte, waren vor allem die ersten Monate sehr herausfordernd. Neben einem ein-monatigen Training musste ich mir viele Sachen selber aneignen, um die Materie komplett zu verstehen.   Welche Kompetenzen sind, aus Ihrer Sicht, besonders wichtig, um in Ihrem Berufsfeld erfolgreich zu werden?Folgende Kompetenzen sind meiner Meinung nach wichtig: analytisches Denken, ein gutes Auge für Details, gute Fremdsprachenkenntnisse (die Kommunikation innerhalb des Unternehmens wird auf Englisch geführt), Teamfähigkeit und Geduld.   Sehen Sie in Ihrem Tätigkeitsbereich auch gute Einstiegsmöglichkeiten für Bachelor of Laws-Absolvent*innen?Grundsätzlich kann dieser Tätigkeitsbereich interessant sein, da man zunächst in einem Bereich arbeitet, der fachfremd ist. Dadurch kann das jeweilige Portfolio erweitert werden und man wird interessanter für etwaige Arbeitgeber in der Zukunft. Man lernt Skills kennen, die so im Studium nicht vermittelt wurden. Dies kann, meiner Meinung nach, eine sehr interessante Einstiegsmöglichkeit sein. Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Ein Tipp von meiner Seite ist definitiv über den Horizont des Studiums hinauszusehen. Während des Studiums scheint es oft, dass man später in einem gewissen Tätigkeitsfeld arbeiten wird und sich dementsprechend auch nur für diese Felder bewirbt. Dem ist aber häufig nicht so. Wir leben in einer unglaublich dynamischen Zeit in der man sich immer wieder neu erfinden kann und auch muss. Es kann dabei sehr lohnend sein, in Berufsfelder einzutreten, die man während des Studiums überhaupt nicht auf dem Schirm hatte.Ein weiterer Tipp ist für eine gewisse Zeit im Ausland zu leben. Dies kann natürlich schon während des Studiums (Erasmus etc.) geschehen.  Das Interview wurde im November 2021 geführt.°Rechtswissenschaften; °Politik-, Sozial-, Organisations-, Planungs- und Verwaltungswissenschaften;  
Porträt Johannes Thom beige gerahmt
Oskar de Felice Head of Legal Product beim Legal Tech Unternehmen Flightright Was haben Sie studiert?Ich habe Jura studiert und beide Staatsexamina abgelegt. Im Schwerpunkt hatte ich mich auf Völker- und Europarecht fokussiert. Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen? Haben Sie sich bewusst auf Legal Tech spezialisiert?Ich war schon immer technikaffin, aber im Studium war Legal Tech für mich noch kein präsentes Thema. Es war dann ein sehr glücklicher Zufall, dass ich bei Flightright gelandet bin.Anfangs habe ich mich noch klar als Inhouse-Jurist gesehen. Es hat aber nicht lange gedauert, bis ich gemerkt habe, dass meine Fähigkeit an der Schnittstelle von Recht und Technik zu arbeiten für unser Team und für mich einen echten Mehrwert erzeugt. Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Ich leite ein kleines Team aus Jurist:innen und einem Projektmanager, weshalb ein wesentlicher Teil meiner Arbeit durch Teamführung geprägt ist. Zuletzt habe ich unsere Quartalsziele vorbereitet. In den nächsten drei Monaten möchten wir unter anderem unser rechtliches Controlling verbessern.Ich selbst arbeite gerade hauptsächlich an der Entwicklung eines neuen Produkts. Dafür tausche ich mich regelmäßig mit den Entwickler:innen zum Status Quo aus. Wir diskutieren häufig, ob eine Herausforderung eher technisch oder rechtlich gelöst werden sollte. Bei einer Frage zur Risikominimierung bei Vertragsschluss haben wir uns z.B. für die Struktur einer invitatio ad offerendum entschieden; das war mit weniger technischem Aufwand realisierbar, aber nun müssen die Jurist:innen die AGB und internen Prozesse anpassen.Zuletzt habe ich noch einen Vortrag für eine Richtertagung vorbereitet, bei der wir der Richterschaft den Einsatz unserer Algorithmen näherbringen. Arbeiten Sie in Ihrem Beruf viel im Team oder eher für sich alleine?Ich arbeite fast ausschließlich im Team. Da unsere Arbeit sehr projektgeprägt ist, arbeiten wir in unterschiedlichen Zusammensetzungen. Fast immer sind Projektmanager:innen, Programmierer:innen und Operations Mitarbeiter:innen dabei. Wenn es um Risikobewertungen geht, arbeiten wir eng mit der Finanzabteilung zusammen und bei großen Verfahren unterstützt uns die PR-Abteilung dabei, unsere Ziele öffentlich zu kommunizieren. Haben Sie eine klassische 40-Stunden-Woche?Es ist schon etwas anderes als in einer Großkanzlei zu arbeiten. Lange Nächte und durchgearbeitete Wochenenden gibt es bei uns nicht. Aber wenn etwas fertig werden muss, bleibe ich auch mal länger. Dafür werde ich aber auch nicht schief angeguckt, wenn ich erst um 11:00 Uhr im Büro bin. Wie weit muss Ihr technisches Verständnis reichen, um bei der Bearbeitung der Fälle mitzuwirken?Für die rein juristische Arbeit braucht es kein technisches Verständnis. Unsere Fälle kommen aus dem Reiserechtsbereich und dort überwiegend aus dem Bereich der Fluggastrechteverordnung. Um dort materielle oder prozessuale Probleme zu bearbeiten, benötigt man kein technisches Wissen.Da wir um die 80.000 Klagen gleichzeitig vor Gericht haben, darf man bei der Steuerung größerer Portfolios keine Angst vor Excel haben und auch ein bisschen die Mathekenntnisse aus der Mittelstufe wieder aktivieren. Kommunizieren Sie viel mit IT-Spezialist*innen oder arbeiten Sie in rein rechtlichen Themengebieten?Ich arbeite bei Flightright an der Schnittstelle von Jura und IT. Daher bin ich fast täglich mit IT-Spezialist:innen im Gespräch. Über die Zeit lernt man sehr gut eine gemeinsame Sprache zu  sprechen. Die IT-ler:innen müssen sich daran gewöhnen, nicht zu technisch zu werden und ich habe gelernt, wie man komplexe juristische Aussagen klar und einfach formuliert.Bei Flightright habe ich auch gelernt, den Code der Entwickler:innen zumindest zu lesen und ein Gefühl zu bekommen, was programmiert wurde und wie komplex (oder einfach) die Anforderungen sind. Das hilft mir für die Zusammenarbeit mit den IT-ler:innen und bei der Planung unserer Anforderungen. Wie läuft der Kontakt zu den Mandant*innen ab? Muss man sich das wie ein Callcenter vorstellen?In der Abteilung in der ich arbeite haben wir haben kaum Kundenkontakt. Die Arbeit der Volljurist:innen bei Flightright ist voll und ganz darauf fokussiert, die Vielzahl der Fälle zu strukturieren und Strategien für Portfolios von mehreren tausend Fällen zu erarbeiten. Auch in den großen Musterverfahren, die uns immer wieder vor den BGH oder EuGH führen, haben wir wenig Kontakt zu den Kund:innen. Unsere Kund:innen erwarten von uns die Durchsetzung von Kleinstbeträgen und tragen kein Prozesskostenrisiko. Sie wollen ein Ergebnis sehen und geben die Umsetzung ganz in unsere Hände.Selbstverständlich haben wir aber in einer Vielzahl von Fällen Nachfragen zum Sachverhalt oder müssen Vergleichsangebote besprechen. Diese Arbeit – wie auch die größte Menge der Einzelfallbearbeitung – wird von unseren Wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen und anderweitig juristisch ausgebildeten Kolleg:innen durchgeführt. Diese Arbeit überwache und steuere ich. Wie viele der bearbeiteten Fälle landen tatsächlich vor Gericht?Je nach Starrköpfigkeit der Airline gehen bis zu 2/3 der Fälle vor Gericht; es kommt immer wieder vor, dass Airlines pauschal alles ablehnen. Es gibt aber auch Airlines mit denen wir eine gute Arbeitsbeziehung haben und wirklich nur die rechtlich streitigen Fälle gerichtlich geltend gemacht werden müssen. In den letzten Jahren haben wir pro Jahr über 50.000 Fälle vor Gericht gebracht. Dank Legal Tech ist es zum Beispiel für Flugreisende deutlich leichter geworden, Entschädigungsansprüche zu überprüfen und durchzusetzen. Hat dies aus Ihrer Sicht zu einer besseren rechtlichen Stellung von Verbraucher*innen geführt? Hat sich dadurch beispielsweise das Auftreten von Fluggesellschaften gegenüber geschädigten Fluggästen verändert?Vor einigen Jahren haben Airlines noch alles darangesetzt, die Rechte von Passagieren komplett unter den Teppich zu kehren. Hier haben Fluggastrechte-Portale wie Flightright dafür gesorgt, dass das nun nicht mehr möglich ist. Bei den meisten Airlines herrscht aber weiterhin eine grundlegende Ablehnungshaltung. Wenn Passagiere ihre Rechte selbst einfordern, wird selten direkt bezahlt. Es scheint so, als ob es noch immer lukrativer ist, die Klagen abzuwarten, als sich direkt gegenüber den Fluggästen rechtskonform zu verhalten.Diese Ablehnungshaltung hat insbesondere in der Corona Zeit noch einmal stark zugenommen. Es wird also spannend wie es sich entwickelt, wenn sich der Reiseverkehr wieder normalisiert. Sehen Sie in Ihrem Tätigkeitsbereich auch gute Einstiegsmöglichkeiten für Bachelor of Laws-Absolvent*innen?In der Einzelfallbearbeitung haben wir gute Erfahrungen mit LL.B. Absolvent:innen gemacht. Wenn dann auch noch technisches Interesse und die Lust auf Projektverantwortung dazu kommt, kann man bei Flightright mit einem LL.B. spannende Aufgaben übernehmen.Gleichzeitig ist aber gerade bei kleineren und mittleren Unternehmen wie Flightright  Flexibilität gefragt. Als Volljurist kann man einfach mehr unterschiedliche Bereiche abdecken. Um mehr Optionen zu haben, würde ich Jura Studierenden daher immer empfehlen mindestens das erste Staatsexamen zu machen. Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Unbedingt Praktika und Ferien- oder Nebenjobs machen! Die ersten Erfahrungen im Umgang mit Kolleg:innen oder Aufgaben außerhalb der eigentlichen Kernkompetenzen sind das Zünglein an der Waage bei der Einstellungsentscheidung und machen den Berufseinstieg viel einfacher.Wenn du eine Stelle im Legal Tech Bereich anstrebst, mach dir bewusst auf was du dich fokussierst. Ich empfehle als Jurist:in bei der Kernkompetenz Jura zu bleiben. Wer zu viel Fokus auf den Tech Part legt, wird bei der Arbeit nie Zeit für Jura auf hohem Niveau haben. Auf der anderen Seite wird es dir als Jurist:in einfach möglich sein, deine Wünsche an die Entwickler zu übermitteln. Hauptsache du hast eine Offenheit für die technische Komplexität und denkst gerne in „wenn-dann“ Sätzen.  Das Interview wurde im Oktober 2021 geführt.°Rechtswissenschaften;
Porträt Oskar de Felice beige gerahmt
Nushin Yazdani Nushin Yazdani Transformationsdesignerin, Künstlerin und Bildungsreferentin Welche Berufsbezeichnung geben Sie sich selber? Sehen Sie sich eher als Wissenschaftskommunikatorin oder als Designerin?Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, da ich an so vielen thematischen Schnittstellen arbeite. Gerade passt für mich Transformationsdesignerin, Künstlerin und Bildungsreferentin am besten. Thematisch beschäftige ich mich besonders mit sogenannter Künstlicher Intelligenz und den Auswirkungen dieser Technologien. Mit Transformationsdesign möchte ich betonen, dass ich systemisch arbeite und die jeder Gestaltungsleistung unterliegenden Strukturen betrachte – und überlege, wie ich sie durch Design, also mittels des Gestaltungsprozesses, ändern kann. Hier geht es also fundamental um die Frage: In welcher Welt wollen wir leben? Viele Designer*innen sehen sich schon lange nicht mehr als bloße Produzent*innen von bspw. Sofadesigns oder ästhetischen Screens. Es geht um Accessibility und darum, wer systematisch ausgeschlossen wird. Es geht um unsere Ressourcennutzung, wie zerstörend sie ist und wie ungleich verteilt. Es geht um grundlegende Fragen zu Rassismus, Sexismus, Klassismus und anderen Diskriminierungsformen. Denn alles, was wir gestalten hat Auswirkungen auf uns und unsere Umwelt. Was war Ihre ursprüngliche Motivation diese Berufe/ Tätigkeiten zu wählen? Waren das politische Themen, die Ihnen den Antrieb gegeben haben oder war es eher eine künstlerische Schaffenskraft?Ich habe Interfacedesign studiert und mich daher schon viel damit beschäftigt, welche Auswirkungen Design hat. Das habe ich dann mit meiner aktivistischen Arbeit verknüpft. Viele Themen habe ich damals im Studium vermisst, aber mittlerweile hat sich das an unseren Unis und Hochschulen durch viele freiberuflich und prekär beschäftigte Dozent*innen geändert, die mit Leidenschaft und Engagement diese Themen vorantreiben.Es ist einfach zwingend notwendig, sich mit Technologien wie KI auseinanderzusetzen. Man könnte da in fast jedem Studienfach drüber sprechen, finde ich. KI hat so enorme Auswirkungen auf unser Leben. Immer häufiger werden menschliche Entscheidungen an vermeintlich intelligente Maschinen ausgelagert, um Arbeitsprozesse zu vereinfachen und effizienter zu gestalten. Diese Maschinen erkennen nicht nur Gesichter, sie sortieren auch Bewerbungen, beeinflussen Gerichtsprozesse, bestimmen, wer einen Kredit bekommen sollte, entscheiden über Polizeieinsätze und kontrollieren Grenzübergänge. Und da sie die Strukturen in unserer Gesellschaft einfach reproduzieren, treffen sie dabei rassistische, sexistische oder andere diskriminierende Entscheidungen. Dagegen müssen wir etwas tun. Aber gleichzeitig können wir nicht immer nur reagieren, wir müssen uns auch Gegenvorschläge überlegen, wie eine gerechtere Welt denn aussehen könnte. Das kann man mit vielen unterschiedlichen Mitteln tun, Kunst ist eines davon.Toni Cade Bambara hat gesagt, „the role of the artist is to make the revolution irresistible,“ also, die Rolle des*der Künstler*in ist es, die Revolution unwiderstehlich zu machen. Dies finde ich eine gute Beschreibung dafür, was Kunst kann und wonach wir als Gestalter*innen streben sollten. Wie strukturieren Sie Ihre Arbeit? Arbeiten Sie überwiegend in Projekten? Sind diese unabhängig voneinander oder aufeinander abgestimmt?Ich teile mir meine Zeit auf und arbeite seit meinem Abschluss vor zwei Jahren in Teilzeit angestellt und freiberuflich. Das macht mir viel Spaß, denn ich kann einerseits angestellt in einem festen Team arbeiten und aber gleichzeitig auch eigene kürzere Projekte verfolgen, die ich spannend finde. Ich arbeite auch viel mit meinem Kollektiv dgtl fmnsm (LINK: http://www.digitalfeminism.net/) zu queerfeministischen Technologien. Außerdem gebe ich Workshops und halte Vorträge. Generell habe ich tendenziell immer eher zu viel zu tun, ich kann mich nicht beklagen ;) Wichtig ist mir daher in meinen Jobs und freien Projekten Flexibilität, gute Arbeitsstrukturen und dass gut und achtsam miteinander umgegangen wird. Ich habe gerade einen Artikel beim Gunda-Werner-Institut (LINK: https://www.gwi-boell.de/de/2021/06/17/fuer-die-gute-sache-ausgebrannt) veröffentlicht, in dem ich darüber schreibe, wie häufig auch in non-profits ausbeuterische Arbeitsstrukturen vorherrschen. Mit meiner Arbeit versuche ich dies bewusst aufzubrechen und anders zu machen. Wie sind Sie zum Thema KI gekommen und was fasziniert Sie da am meisten?Den Einstieg ins Thema KI habe ich damals im Studium über Creative AI gefunden. Da ging es darum, wie mittels KI beispielsweise grafisch gestaltet werden kann. Und dann bin ich aber auch schnell auf Berichte gestoßen, in denen es darum ging, wie algorithmische Systeme in total einschneidenden Situationen, zum Beispiel vor Gericht, mitentscheiden. Und dabei aber Rassismus reproduzieren. Ich habe erfahren, wie sehr Gedankenspiele wie „Minority Report“ eigentlich schon der Wahrheit entsprechen, nur sieht das alles sehr viel unspektakulärer aus. Das hat mich total gepackt, denn ich habe gemerkt, wie diese Technologien selbst und auch die Berichterstattung darum verschleiern, was eigentlich vorgeht. Während in den Medien gleichzeitig eine ganz komische Binariät aufgemacht wird zwischen göttlicher Superintelligenz, die die Menschheit retten wird, und gruseligen Weltuntergangsvorstellungen. Das führt sehr stark an der Realität vorbei und macht es sehr schwer, die tatsächliche Diskriminierung anzufechten, die vom Einsatz algorithmischer Entscheidungssysteme ausgeht.Vielleicht kann ich das mal anhand eines Beispiels skizzieren: In den USA und auch in der Schweiz wurden algorithmische Systeme verwendet, die das Risiko für Herzversagen berechnen oder die Funktionsfähigkeit der Lunge. Bei beidem wurde nun festgestellt, dass Schwarze Menschen durch diese Systeme rassistisch benachteiligt und erst später medizinisch behandelt werden als weiße Menschen (LINK: https://algorithmwatch.ch/de/racial-health-bias/). Woran liegt das? An jahrhundertelangen rassistischen Kontinuitäten, die auch und eben mit besonderer Wirkkraft in der Medizin eine Rolle spielen. Die Schätzformeln, die der Berechnung zu Grunde liegen, benutzen unterschiedliche Werte für weiße und Schwarze Menschen – weiße Menschen werden mit denselben Werten eher als Risikopatient*innen eingestuft und kommen bspw. eher auf eine Transplantationsliste. Worauf beruhen diese rassistischen Praktiken? Der transatlantische Versklavungshandel wurde ideologisch unter anderem damit „gerechtfertigt“, dass Schwarze Menschen physisch stärker seien als weiße Menschen, aber ihnen wurde das Menschsein abgesprochen, um sie auszubeuten und zu töten. Dieser Mythos von der körperlichen Andersartigkeit aufgrund von Race wird bis heute – auch in der „analogen“ Medizin – reproduziert. Welche drei Sachen haben Sie auf Arbeit zuletzt erledigt?In einem größeren freiberuflichen Projekt arbeite ich gerade an einer Plattform, die neue und andere Vorstellungen zu Technologieentwicklungen darstellen soll. Dafür recherchiere ich spannende Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen, die wir für Beiträge auf der Plattform einladen könnten. Das macht mir sehr viel Spaß. Viel zu viel Raum nimmt leider noch das Beantworten von Mails und organisatorische Arbeit ein, das sollte nicht verschwiegen werden ;) Und meine Kollaborateurin Nakeema Stefflbauer und ich haben uns mit einem Videoprojekt für eine Ausstellung in Detroit beworben und wurden angenommen – dafür muss ich nochmal letzte Videobearbeitungen machen. Wen wollen Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?Mit meiner Arbeit möchte ich unterschiedlichste Menschen erreichen. Meine Vorträge und Workshops sind besonders für Menschen konzipiert, die sich noch nicht so viel mit KI auseinandergesetzt haben. Es macht Spaß, da gemeinsam Mythen zu den Technologien zu besprechen und auszuräumen. Häufig haben sich viele der Teilnehmenden auch noch nicht mit strukturellen Diskriminierungsformen in der Gesellschaft auseinandergesetzt (oder mussten es nicht). Ich möchte den Raum für Austausch, gemeinsames Lernen, vielleicht auch für Konfrontation, Diskussion und miteinander Wachsen schaffen. Ich lerne auch immer sehr viel von den Teilnehmenden und ihren Erfahrungen.Und andererseits möchte ich Räume schaffen und in Räumen sein, in denen ich mich wohl und sicher fühlen kann. In denen es keine ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse gibt und keine Mackerhaftigkeit. In denen Menschen kreativ sein und ausprobieren können, ohne ge-mansplaint zu werden oder ständig Mikroaggressionen ausgesetzt zu werden. Für interessierte Studierende: Welches Equipment benötigt man, um anzufangen? Gibt es Fördermöglichkeiten?Ich brauche für meine Arbeit gerade nur einen Laptop. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen: Das Studium kann neben dem Erlernen von bestimmten Skills auch eben dazu dienen, herauszufinden, in welche Richtung man gehen will, welche Themen einen interessieren, und mit wem man vielleicht auch später noch zusammenarbeiten möchte. Schaut euch an, welche Wege die Personen gegangen sind, die das machen, was ihr selbst gern machen würdet. Vielleicht haben sie auch mal Zeit für ein Telefonat mit euch – aber falls ihr so etwas anfragt, bereitet euch ein bisschen vor und überlegt euch spezifische Fragen. Das macht für alle Beteiligten mehr Spaß und Sinn :) Welche Rolle spielen Netzwerke in Ihrer Arbeit? Wie gestaltet sich das?Netzwerken ist, wie in vielen anderen Berufen, auch im Design ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. Gerade Menschen, die strukturell diskriminiert werden, können oft nicht von etablierten Netzwerken profitieren, da ihnen der Zugang erschwert wird. Viel zu viele Menschen in Entscheidungspositionen und angesehene Stiftungen für junge Erwachsene fördern immer wieder homogene Gruppen, zum Beispiel weiße Studierende oder Studierende aus Akademiker*innen-Haushalten. Rassismus im Bildungssystem ist sehr real, wie die wichtige Arbeit von Personen wie zum Beispiel Aylin Karabulut zeigt (LINK: https://youtu.be/XS01aBy-zsw). Aber es gibt immer mehr Netzwerke von marginalisierten Menschen für marginalisierte Menschen, da steckt eine enorme Kraft dahinter und es ist großartig, wie so etablierte sexistische und/oder rassistische Strukturen aufgebrochen werden. Falls du dies liest und dabei denkst, dass du nie eine Chance hättest, in so eine Stiftung aufgenommen zu werden, probiere es! Organisationen wie ApplicAid  (LINK https://www.applicaid.org/) können dich dabei unterstützen. Wenn Sie sich was für die Zukunft wünschen könnten, was den Umgang mit KI-Technologien betrifft, was wäre das?Ich wünsche mir eine harte Regulierung von algorithmischen Entscheidungssystemen, besonders, wenn sie Menschen klassifizieren oder überwachen. Selbstverpflichtungen der Industrie bringen nichts. Und generell müssen wir uns andere gesellschaftliche Systeme überlegen und ausprobieren – der Neoliberalismus, in dem wir leben und der effizienzsteigernde KI-Systeme so pusht, macht nicht nur uns, sondern auch unseren Planeten kaputt. Inspirierend finde ich hier Initiativen wie Deutsche Wohnen enteignen oder Mein Grundeinkommen, die uns erahnen lassen, wie es auch anders gehen könnte. Und natürlich sind wir hier in Deutschland extrem privilegiert. Man darf nicht vergessen, dass der Reichtum in Deutschland auf der Ausbeutung von Ländern des Globalen Südens fußt, immer noch. Gerade für Technologien wie KI werden Rohstoffe aus dem Globalen Süden extrahiert, Menschen arbeiten zum Beispiel unter katastrophalen Bedingungen in Minen, um die Rohstoffe zu schürfen, und auch die prekär beschäftigten Clickworker*innen, die an den Datensätzen arbeiten, die die Grundlage für KI-Systeme bilden, sind größtenteils nicht-weiße und/oder in Armut gehaltene Menschen. Dafür muss in Deutschland ebenfalls ein breites gesellschaftliches Bewusstsein entstehen – und dann auch was dagegen getan werden.  Das Interview wurde im Juli 2021 geführt.°Geistes-, Sprach-, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften;
Porträt Nushin Yazdani beige gerahmt
Stephanie Wittenburg Gleichstellungsbeauftragte im Bezirksamt PankowBildquelle: Pressestelle des Bezirksamts Pankow Was haben Sie studiert und wie sind Sie Gleichstellungsbeauftragte für einen Berliner Bezirk geworden?In den 1990er Jahren studierte ich Landschaftsplanung an der TU Berlin und war anschließend einige Jahre in der Landschaftsarchitektur und Gartendenkmalpflege tätig. 2007 ging ich zurück an meine Alma Mater und arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Lehre und Forschung am Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung.2014 wurde ich vom Frauenbeirat meiner Fakultät zur Frauenbeauftragten gewählt - dies markierte meinen Einstieg in die institutionalisierte Gleichstellungsarbeit. Von meiner Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin wurde ich dafür zur Hälfte freigestellt. Darüber war ich sehr dankbar, denn die Tätigkeit als Frauenbeauftragte war sehr umfangreich. Ich begleitete zum Beispiel sehr viele Stellenbesetzungsverfahren - von der studentischen Hilfskraft bis zur Professur, erarbeitete mit der Fakultät einen Frauenförderplan, führte zahlreiche Beratungsgespräche durch und lernte die Fakultät dadurch sehr gut kennen. In dieser Zeit habe ich sehr viel gelernt, von dem ich auch heute noch zehren kann.Zum Ende meiner Tätigkeit an der TU Berlin entschied ich mich bewusst dafür, im Gleichstellungsbereich zu bleiben. Daher ging ich 2017 als Referentin der zentralen Gleichstellungsbeauftragten an die Universität Potsdam. Dort blieb ich 2 Jahre, ein Jahr davon auch als stellvertretende zentrale Gleichstellungsbeauftragte. Anschließend war ich ein Jahr lang Leiterin der Geschäftsstelle des Berliner Chancengleichheitsprogramms bevor ich zum 1. Januar 2021 in das Bezirksamt Pankow wechselte und hier nun als Gleichstellungsbeauftragte angestellt bin. Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich in Ihrer alltäglichen Arbeit?Die Arbeit ist thematisch so vielfältig, dass kein Arbeitstag dem anderen gleicht. Sie reicht von der Neu- oder Umbenennung von Straßen und Plätzen nach Frauen über das sehr anspruchsvolle Thema häusliche Gewalt bis hin zur Umsetzung einer geschlechtergerechten Haushaltsführung im Bezirk. Auch die Verwaltung von bezirklichen Zuwendungen oder der Senatsverwaltungen stehen auf meiner Arbeitsagenda, des Weiteren die Weitergabe bei mir zusammenlaufender gleichstellungsrelevanter Informationen an die verschiedenen Bündnisse, Netzwerke und Einrichtungen im Bezirk. Wo haben Sie Handlungsspielraum, wenn es um Gleichstellungsfragen im Bezirk Pankow geht?Basierend auf den Reglungen des Berliner Landesgleichstellungsgesetzes setzen die bezirklichen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten den verfassungsrechtlichen Auftrag zur Gleichstellung und gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern in den Bezirken durch. Der damit einhergehende Handlungsspielraum ist vergleichsweise groß und äußert sich z.B. in der Weisungsungebundenheit, einem eigenen Öffentlichkeitsrecht oder der Möglichkeit, über das Bezirksamt Vorlagen mit frauenpolitischem Hintergrund zur Kenntnisnahme in die BVV einzubringen.Gleichwohl braucht es für die Umsetzung von Projekten Mitstreiter*innen (gesellschaftlich relevante Gruppen und Akteur*innen, Behörden, Betriebe), die das Vorhaben unterstützen. In der Vergangenheit habe ich die positive Erfahrung gemacht, dass sich Menschen mit Offenheit, konstruktiven Vorschlägen und Kreativität für Vorhaben gewinnen lassen - unabhängig von der Größe des Handlungsspielraums. Sind Sie in Ihrem Beruf eher eine Einzelkämpferin oder arbeiten Sie häufig mit anderen Menschen in Teams oder Allianzen zusammen?Als Gleichstellungsbeauftragte arbeite ich mit vielen Kolleg*innen im Bezirksamt zusammen. Es sind Informationen auszutauschen, Rücksprachen und manchmal auch Rat einzuholen, Themen gemeinsam anzustoßen und umzusetzen. Eine gute Vernetzung ist sehr wichtig, denn die Expertise der Kolleg*innen ist häufig unverzichtbar, vor allem, wenn man neu in der Institution und im Team ist.Ebenso wichtig wie die Vernetzung nach innen ist die nach außen: Hier baue ich auf das sehr aktive Netzwerk von Gleichstellungsakteur*innen im Bezirk Pankow auf, welches meine Vorgängerin über viele Jahre mit großem Engagement aufgebaut hat. In enger Zusammenarbeit mit dem Frauenbeirat Pankow, dem Arbeitskreis der Pankower Frauenprojekte, dem lokalen Bündnis für Familien, dem Netzwerk für Alleinerziehende in Pankow, der Fachgruppe ‚Bezirklicher Aktionsplan gegen häusliche Gewalt‘ setze ich mich täglich dafür ein, dass Gleichstellungsarbeit, so wie es das Berliner Landesgleichstellungsgesetz will, zu einer Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Frauen im Bezirk führt.Eine wichtige Bedeutung kommt dem politischen Austausch auf Bezirksebene sowie dem fachlichen Austausch auf Landesebene zu: Ähnlich wie an Hochschulen treffen sich die bezirklichen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten einmal monatlich und finden sich v.a. zu gleichstellungspolitisch relevanten Fragen zusammen. Einmal jährlich veranstaltet die Landesarbeitsgemeinschaft einen Fachtag, zuletzt zum Thema: „Sorge- und Umgangsrecht nach häuslicher Gewalt im Kontext der Istanbul Konvention“. Welche vier Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?- die Vorbereitung einer Ausschusssitzung der Bezirksverordnetenversammlung - die Aufhebung eines bestehenden Vertragsverhältnisses mit einer externen Arbeitnehmerin - die Organisation einer alternativen Preisverleihung, die pandemiebedingt in Präsenz ausfallen muss - die Abstimmung in einem Beratungsfall Wie wichtig sind Weiterbildungen für Ihren Beruf? Was haben Sie erst in der Berufspraxis gelernt?Das ist eine interessante Frage, da es keine Berufsausbildung oder kein Studium zur Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten gibt. Frauen, die sich auf dieses Wahlamt oder die Stelle bewerben, kommen aus allen möglichen Berufsfeldern und sind unterschiedlichen Alters, wenn sie diesen Weg einschlagen. Hinzu kommt: Die meisten Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten üben, da sie i.d.R. nicht weisungsgebunden sind, ihre Arbeit nach eigenem Ermessen sowie nach persönlicher Interessenlage und Ressourcensituation aus. Fachspezifische Weiterbildungen sind daher sinnvoll und wichtig; einen Markt hierfür gibt es, wenn auch keinen besonders großen. Ich würde daher behaupten, dass Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte ihr berufspraktisches Wissen erst in Ausübung ihrer Tätigkeit erlernen. Auf welche Fähigkeiten und Charaktereigenschaften kommt es in Ihrem Beruf besonders an?Wichtig ist die Fähigkeit, kontextual denken und auf querliegendes Institutionen-, Prozess- und Fachwissen rekurrieren zu können. Hilfreich ist auch die innere Bereitschaft, sich immer wieder in neue und durchaus komplexe Themengebiete einzuarbeiten und so einen interdisziplinären Wissensspeicher aufzubauen.Die Tätigkeit einer Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten ist eine sehr kommunikative: Menschen wollen beraten und informiert werden, dies in Einzelgesprächen, Sitzungen oder auf Veranstaltungen. Frau sollte sich diesbezüglich über drei Aspekte bewusst sein: Zum einen, dass es ein Amt/eine Stelle in der ersten Reihe ist. Hier muss sie gewillt sein, sich und ihre Themen entsprechend zu präsentieren und manchmal auch mit Widerständen zu arbeiten. Zum anderen sollte sie in der in der Lage sein, die Menschen in ihren jeweiligen Lebens-, Arbeits- und Wissenssituationen inhaltlich abzuholen. Die Kenntnisse zu Themen wie Gleichstellung, Gleichberechtigung, Diskriminierung oder Diversität sind häufig sehr unterschiedlich ausgeprägt; manche Menschen hatten oder haben zu diesen Themen gar keine Beziehung. Hinzu kommt, dass sich Menschen häufig in vulnerablen Situationen an Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte wenden - hier ist ein wertschätzender, emphatischer Umgang und ein offenes Ohr, ohne zu überrennen, gefragt. Proaktives Engagement sowie eine solidarische, feministische Grundagenda ist in dem Beruf meines Erachtens nach auch unabdingbar. Können Sie uns von Ihrem letzten Erfolgserlebnis in Ihrer Arbeit berichten: Was konnten Sie durchsetzen bzw. woran konnten Sie erfolgreich mitwirken?Mir ist es gelungen, Akteur*innen für ein Thema zu gewinnen, für das sich in der Vergangenheit niemand zuständig fühlte und bei dem Verantwortlichkeiten immer wieder zurückgewiesen wurden. Die AG-Sitzungen werden zudem von einer externen Fachexpertin begleitet, deren Finanzierung auf meinem erfolgreichen Drittmittelantrag basiert. Mussten Sie schon einmal unliebsame Kompromisse mittragen?Da noch relativ neu auf meiner jetzigen Stelle: nein.In meiner beruflichen Vergangenheit bin ich jedoch schon einige Kompromisse eingegangen. Diese würde ich jedoch nicht als unliebsam, sondern als partiellen Gewinn für beide Seiten bezeichnen. Dieser Gewinn wiederum kann ein Trittstein für die nächste Verhandlung sein - ein Kompromiss ergibt sich nicht immer unmittelbar, sondern manchmal über mehrere Stufen über einen längeren Zeitraum. Das mag manchmal hinderlich erscheinen, aber dieses Tänzeln um Positionen trägt am Ende zu einer gewissen Klarheit auf beiden Seiten bei, im Sinne von: Was wollen wir? Was ist uns wichtig? Was sind wir bereit zu tun? Im besten Fall verbessert sich dadurch die Ausgangssituation, von der man ursprünglich gestartet ist und wenn nicht, gibt es immer auch weitere Möglichkeiten, die Dinge neu zu justieren. Was begeistert Sie an Ihrem Beruf?Frauen- oder Gleichstellungsbeauftragte zu sein ist mehr Berufung, als Beruf. Diejenigen Frauen, die sich für diesen Arbeitsbereich entscheiden, tun dies i.d.R. sehr bewusst. Die persönlichen Motive mögen sehr verschieden sein, aber es wird immer wieder deutlich, dass es einen unausgesprochenen feministischen Grundkonsens in der Gleichstellungsarbeit gibt. Jede Kollegin trägt auf ihre Art zur tatsächlichen Gleichstellung von Frauen in der Gesellschaft bei und baut damit existierende Barrieren und Ungerechtigkeiten ab - manchmal nur für eine Person, manchmal für eine ganze Gruppe. Es macht Freude und motiviert, Teil eines so wichtigen gesamtgesellschaftlichen Veränderungsprozesses zu sein. Ihre Tipps für Berufsinteressierte und -einsteiger*innen?Ein wichtiger Punkt ist, seinem Bauchgefühl zu folgen. Eine Tätigkeit, die keinen Spaß macht und in der man nicht aufgeht, muss und sollte man nicht bis zum Renteneintritt ausüben. Das ist natürlich nicht immer gleich von Anfang an klar; manchmal entwickeln und verändern sich Aufgaben auch. Eine gute Variante ist, sich ein Jahr Zeit zu geben. Hat man nach diesem Jahr das Gefühl, sicher zu sein, in dem was man tut, zudem Spaß an der Arbeit, ein gutes Kollegium und die Option, sich beruflich weiterzuentwickeln, sollte man bleiben. Wenn einen später das Gefühl ereilt, doch gehen zu müssen, sollte dabei nicht die Angst vor dem Weggang, sondern die Perspektive auf ein neues berufliches Kapitel dominieren, denn worauf sich jede*r verlassen kann, ist das im Laufe der Zeit erworbene Wissen und die damit verbundene Fachexpertise. Trust yourself!Wichtig ist auch, im Arbeitsleben an seiner Resilienz zu arbeiten, gut mit seinen persönlichen Reserven zu haushalten und auch mal Nein zu sagen, sollte die Belastung zu hoch werden. Eine professionelle Begleitung des Arbeitslebens, z.B. durch Supervision, kann dabei helfen, sich hier entsprechend auszurichten.Egal, in welchem Berufsfeld eine Person tätig wird/ist: die Aneignung von Gender-, Diversity- und interkulturellen Kompetenzen ist immer zu empfehlen! Die hier erlernten Kompetenzen können Sie als Multiplikator*innen in die Arbeitswelt hineintragen und damit zu einer Verbesserung eben dieser beitragen.°Politik-, Sozial-, Organisations-, Planungs- und Verwaltungswissenschaften;
Porträt Stephanie Wittenburg beige gerahmt

Gleichstellungsbeauftragte

Stephanie Wittenburg

Dr. Norbert Marwan Wissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) Was machen Sie beruflich? Welche Berufsbezeichnung geben Sie sich selbst?- Physiker- Wissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)- Stellvertretender Abteilungsleiter „Komplexe Systeme“ Was haben Sie studiert? Welche Studienschwerpunkte haben Sie sich gesetzt und hatten Sie damals schon ein berufliches Ziel vor Augen?Vor meinem Studium hatte ich eine geowissenschaftliche Facharbeiterausbildung (mit Abitur) gemacht. Danach habe ich an der TU Dresden Physik studiert mit dem Schwerpunkt Nichtlineare Dynamik und Komplexe Systeme im Hauptstudium. Parallel dazu hatte ich einige geowissenschaftliche Vorlesungen an der Bergakademie Freiberg gehört und später auch als studentische Hilfskraft am Geotechnischen Institut der TU Dresden gearbeitet. Während des Studiums hatte ich noch kein konkretes Ziel vor Augen. Ich hatte mich vor allem von meinen Interessen leiten lassen. Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen? War es für Sie immer ein Wunsch, an einem Forschungsinstitut zu arbeiten? Zu welchem Zeitpunkt Ihres Studiums/ Ihrer Promotion haben Sie das entschieden?Schon als Kind wollte ich „Forscher“ werden. Das Interesse für Geologie war durch die Tätigkeit meines Vaters auch schon sehr zeitig geweckt, daher auch die geowissenschaftliche Facharbeiterausbildung, die es leider heutzutage nicht mehr gibt. Nach Abschluss meiner Ausbildung gab es leider durch die Wiedervereinigung wenige Perspektiven in der Geologie, daher hatte ich mich für meine anderen Interessen entschieden und Physik studiert. Am Ende des Studiums, als ich auf der Suche nach einem Thema für die Diplomarbeit war, hatte ich glücklicherweise Prof. Kurths von der Uni Potsdam kennengelernt, wodurch sich zufällig Physik und Geowissenschaften kombinieren ließen. Die Kooperationen mit Geowissenschaftler*innen, die sich damals ergeben hatten, pflege ich noch heute.Wie vielen Doktorand*innen war ich während und nach der Promotion unsicher, ob ich in der Wissenschaft bleiben kann. Durch die interdisziplinäre Ausrichtung meiner Forschungstätigkeit, zu der dann während der Postdoc-Phase auch noch medizinische Fragestellungen dazukamen, bekam ich das Angebot, zum PIK zu wechseln. Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Ein wissenschaftliches Manuskript für die Zeitschrift Communications in Statistics begutachtet; mit einer Doktorandin und einem Postdoc über deren aktuelle Fortschritte in einem Forschungsprojekt diskutiert; etwas programmiert und getestet, um Paläoklimadaten, die aus einem Tropfstein aus dem Pazifikraum stammen, mit verschiedenen anderen Daten zu vergleichen. Gerade letzteres kommt leider oft zu kurz, macht aber am meisten Spaß, weil ich kreativ sein und mir neue Methoden ausdenken und testen kann. Sie sehen sich in Ihrem Berufsalltag ein Thema ganz genau an, das oft verdrängt wird, aber für uns alle relevant ist. Wie gehen Sie damit um? Fällt es Ihnen schwer optimistisch zu bleiben?In meinen Forschungen untersuche ich u. a. auch das Klima von vor Millionen von Jahren, als es deutlich wärmer war als heute. Dadurch habe ich wohl eine etwas holistischere Sichtweise. Mich beunruhigen allerdings die Geschwindigkeit des Klimawandels, die damit verbundenen potentiellen Konflikte, aber auch die drohende Rohstoffknappheit, das Ignorieren der großen Probleme und der Erkenntnisse der Wissenschaften und die fehlende Nachhaltigkeit unseres Tuns. Die aktuelle Corona-Pandemie zeigt, dass wider Erwarten selbst in offensichtlichen und akuten Krisen die Menschheit nicht in der Lage ist, gemeinsam die großen Probleme zu meistern. Das erschreckt mich und lässt meinen Optimismus weiter schrumpfen. Ich war bereits im Kindes- und Jugendalter im Natur- und Umweltschutz sehr aktiv und hatte bereits damals keine allzu optimistischen Erfahrungen machen können. Viele ändern ihre Meinung und Lebensweise wahrscheinlich erst, wenn sie selbst betroffen sind. Trotzdem ist es wichtig, wissenschaftlich zu zeigen, wohin die Reise gehen wird und welche Möglichkeiten der (Klima-)Entwicklung es gibt. Meine Hoffnung liegt in der jungen Generation, die wieder neuen Schwung in die Umweltbewegung bringt. Wenn es in Ihrer Macht stünde: Was sollten wir alle ab heute schon an unserem Verhalten ändern, um den Klimawandel zu verlangsamen?Nachhaltig leben, weniger Fleisch essen, weniger Auto fahren, auf weitere Urlaubsreisen verzichten und Strom sparen kann eigentlich jeder. Viele andere Dinge (wie die Dekarbonisierung der chemischen und Zementindustrie oder Wärmedämmung der Gebäude) können aber nur von der Politik und der Wirtschaft gemeinsam angegangen werden, da sie nicht in der Macht der Einzelnen stehen. Sprechen Sie bei der Arbeit überwiegend Englisch? Würde man in Ihrem Team auch ohne Deutschkenntnisse gut zurechtkommen?Wir sind ein sehr internationales Institut, in unserer Abteilung haben wir sehr viele ausländische Promovierende und Postdocs. Das bedeutet natürlich, dass alle Treffen und Gespräche auf Englisch sind. Wir haben auch etliche Gäste bei uns, die keine Deutschkenntnisse haben und natürlich trotzdem gut klarkommen. Wissenschaftler*innen welcher Fachrichtungen kommen in Ihrem Team zusammen? Wie gestaltet sich die interdisziplinäre Arbeit? Genießen Sie das oder ist es auch herausfordernd?Momentan haben wir einen Mix aus Physik, Mathematik, Meteorologie, Geowissenschaften und verschiedenen technischen Wissenschaften. Wir hatten auch schon Kooperationen mit Medizin und sogar Kunst- und Medienwissenschaften. Vor allem letzteres war eine Herausforderung, weil sich die Arbeitsweise doch ziemlich unterscheidet, aber es war auch spannend. In der Regel verfolgen aber alle die gleichen Ziele und wenn man schnell eine gemeinsame Sprache findet, klappt es auch sehr gut. Wichtig ist, dass alle Seiten Verständnis haben und bereit sind, Neues zu lernen. Aus meiner Sicht ist es für alle Seiten eine Bereicherung und gewinnbringend. Leider ist aber die Förderlandschaft noch immer nicht so richtig auf interdisziplinäre Projekte ausgerichtet, auch wenn immer wieder behauptet wird, man wolle die interdisziplinäre Forschung fördern. Es scheitert meist an der Begutachtung, da die ausgewählten Gutachter*innen in der Regel nur Expert*innen für sehr spezielle Themen sind und dann selten Verständnis für interdisziplinäre Fragestellungen und Forschungsansätze mitbringen. Studierende fragen sich häufig, wann sie welche Spezialisierungen wählen sollten. Wie war das bei Ihnen? Mussten Sie sich früh auf ein Forschungsfeld festlegen oder konnten Sie in verschiedene Bereiche reinschauen und sich dann orientieren?Obwohl ich ein klassisches Physikstudium absolviert hatte, blieb ich doch meinen Interessen treu und habe mich nebenher weiter mit Geologie beschäftigt. Die studienbasierte Spezialisierung begann zwar im Hauptstudium mit einigen speziellen Vorlesungen, aber so richtig hat erst die Diplomarbeit die Weichen gestellt. Ein IAESTE-Praktikum im damaligen Jugoslawien während des Hauptstudiums war auch sehr hilfreich, wo ich interdisziplinär an der Schnittstelle zwischen Datenverarbeitung, Elektrotechnik und Geowissenschaften arbeiten konnte. Während der Promotion und des Postdocs konnte ich in weitere Bereiche (medizinische Anwendungen) schauen. Das lag aber auch an der Natur der Arbeitsgruppe an der Uni Potsdam, die extrem interdisziplinär unterwegs war. Aus meiner Sicht ist es wichtig, offen für Neues zu sein und immer neugierig zu bleiben. Wenn Sie auf Ihr Studium zurückblicken, welche damals erworbenen Kompetenzen erscheinen Ihnen aus heutiger Sicht besonders wichtig für Ihre aktuelle Tätigkeit?Wahrscheinlich die eher breite und interdisziplinäre Sichtweise und keine Spezialisierung in nur einer Richtung. So richtig prägend waren hingegen die Diplomarbeits- und Promotionszeit in Potsdam, in der ich in einer sehr offenen und kreativen Arbeitsgruppe arbeiten konnte. Das spiegelt sich auch in meinem Anspruch als Betreuer von Promovierenden wider: immer ein offenes Ohr haben, Offenheit gegenüber anderen Forschungsgebieten, neue Ideen und selbständiges Denken und Arbeiten fördern, und den Promovierenden die Neugierde erhalten. Was begeistert Sie an Ihrem Beruf?Die Freiheit, neue Ideen ausprobieren zu können sowie am Ende neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu erzielen. Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen:Auch wenn es während des Studiums oder der Promotion schwerfällt – es hilft sehr, sich schon frühzeitig die Frage zu stellen, ob man eine wissenschaftliche Laufbahn an einer Uni (oder Forschungsinstitut) oder lieber eine Karriere in der Wirtschaft anstrebt. Diese Fragen sollte man auch offen mit Betreuer*innen diskutieren. Sehr wichtig ist auch das rechtzeitige Knüpfen von Netzwerken, um später viele Möglichkeiten zur Zusammenarbeit nutzen zu können. Vielleicht ergibt sich daraus dann auch mal ein neuer Karriereweg?°Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften;
Protestschild Platzhalter Norbert Marwan beige gerahmt
Nadine Lux Nadine Lux Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin von sciencehoch3, einer Agentur für WissenschaftskommunikationFoto: Daniel Kause Wo arbeiten Sie und was ist dort Ihre genaue Aufgabe?Vor ein paar Jahren habe ich mit zwei Freund*innen ein StartUp gegründet und in dieser Firma arbeite ich weiterhin als geschäftsführende Gesellschafterin. Wir heißen „sciencehoch3“ und sind eine Agentur für Wissenschaftskommunikation. Ich bin hauptsächlich als Konzeptionerin und Trainerin für Wissenschaftskommunikation tätig. Was haben Sie studiert?Ich habe Physische Geographie, Raumplanung und Medienwissenschaft studiert. Damals noch als Magister, da mir das interdisziplinäre Arbeiten wichtig war. Später habe ich noch berufsbegleitend an der TU Berlin den Masterstudiengang Wissenschaftskommunikation und Marketing absolviert. Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Das war interessengeleitet. Mir hat es schon immer Spaß gemacht, Umwelt- und Wissenschaftsthemen zu kommunizieren. Bereits in der Schule habe ich mit Freund*innen eine Ausstellung zum Washingtoner Artenschutzabkommen gestaltet, wir wurden dafür sogar beim Bundesumweltwettbewerb ausgezeichnet. Im Studium habe ich dann als Redakteurin für verschiedene Tageszeitungen gearbeitet und habe mit Kommiliton*innen einen Geo-Lehrpfad gestaltet, auf dem wir auch Führungen für Schulklassen angeboten haben. In meiner Abschlussarbeit habe ich Webfilme für unsere Forschungsgruppe produziert. Die sind, glaube ich, immer noch online, auch nach mehr als 15 Jahren… Das Thema Wissenschaftskommunikation begleitet mich also schon eine ganze Weile. Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Wir haben gerade eine Webseite gelauncht, zu einem spektakulären Forschungsprojekt am Südpol, das mit einem in das Gletschereis eingebauten Detektor Neutrinos aus dem All sucht und damit dem Urknall auf der Spur ist. Dann habe ich gerade auch diverse Online-Workshops zum Thema Wissenschaftskommunikation für internationale Nachwuchswissenschaftler*innen geleitet und Wissenschaftler*innen eines Sonderforschungsbereichs gecoacht. Und natürlich habe ich auch die „klassischen Geschäftsführer*innentätigkeiten“ - Gesellschafter*innenversammlung und Jahres-Finanzabschluss - erledigt. Wer sind denn Ihre häufigsten Kund*innen?Ganz häufig unterstützen wir verschiedene Einrichtungen und Arbeitsgruppen an Universitäten und Forschungseinrichtungen. Für Workshops und Trainings sind dies oft Graduiertenakademien oder Career Services oder ähnliche Einrichtungen der Führungskräfteausbildung und Personalentwicklung. Im Bereich der Redaktionsleistungen arbeiten wir oft im Team mit Pressestellen oder Kommunikationsabteilungen. Wir beraten aber auch einzelne Wissenschaftler*innen, thematische Arbeitsgruppen und Forschungsverbünde, die ihre Arbeit gezielt kommunizieren wollen. In den letzten Jahren haben wir verstärkt auch Projekte für Ministerien wie das BMBF oder Landesministerien und für Förderorganisationen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft begleitet. Was sind die häufigsten Themen? Haben Sie sich auf bestimmte Themen spezialisiert und wie gut müssen Sie sich damit dann auskennen?Als Agentur sind wir auf Wissenschafts- und Forschungskommunikation spezialisiert, das macht auch den Unterschied zur klassischen Kommunikations- oder Werbeagentur aus. Wir arbeiten meist themenübergreifend, bringen aber natürlich unsere persönlichen fachlichen Hintergründe mit. Die reichen dabei von den Natur- zu den Geisteswissenschaften, bei mir zum Beispiel Geo und Medien, bei meinen Geschäftspartnerinnen Astrophysik, Journalistik, Germanistik und Mathematik. Über unsere Berufserfahrungen kommen dann noch andere Themen hinzu: Pressesprecher*innen- und Referent*innen-Tätigkeiten, Moderation, Marketing, EU-Projektmanagement, Wissenschaftsmanagement, Karriereentwicklung in der Wissenschaft. In unserem Kernthema Wissenschaftskommunikation müssen wir uns selbstverständlich gut auskennen und sind da auch entsprechend in der deutschsprachigen und internationalen Community vernetzt, bilden uns regelmäßig fort und verfolgen neue Formate und Entwicklungen in dem Bereich. Das macht oft ja auch sehr viel Spaß, diese neue Formate selbst auszuprobieren. Das Wissen können wir dann an unsere Kund*innen weitergeben. Wie sieht ein typisches Projekt bei Ihnen aus?Ein typisches Projekt gibt es eigentlich nicht. Unsere Aufträge sind so vielfältig wie die Wissenschaft selbst. Sie reichen von einzelnen Konzeptions-Workshops oder Pressetexten bis hin zur jahrelangen Begleitung von Kommunikationsvorhaben. Für eine*n einzelne*n Kundin*en bis zu großen Forschungskonsortien mit zehn, fünfzehn Partner*innen, zum Beispiel Universitäten im In- und Ausland, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, weiteren Agenturen aus der Kreativbranche etc. Die Konstellationen sind also immer neu, es gibt viel Abwechslung. Das ist genau das, was ich an meinem Beruf sehr liebe: Wir müssen immer flexibel bleiben und können uns aufgrund unserer Firmenstruktur dem Bedarf unserer Kund*innen anpassen. Dann vergrößern wir unser Team mit Grafiker*innen, Designer*innen, Fotograf*innen. Spannend wird es auch, wenn wir mit internationalen Partner*innen zusammenarbeiten oder die Projekte rein digital werden. Mit unseren Kund*innen und Partner*innen in Berkeley zum Beispiel haben wir auch lange vor Corona alles per Zoom-Konferenz erledigt. Für internationale Projekte gibt es dann noch kleinere „weltzeitliche“ Herausforderungen zu beachten, zu welcher Uhrzeit man zum Beispiel Meetings ansetzt. Allen Projekten ist aber eins gemeinsam: Es ist immer Team-Arbeit und bringt unterschiedlichste Menschen zusammen. Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Kompetenzen, die man als Wissenschafts- kommunikator*in mitbringen sollte?Offenheit und sich immer auf neue Situationen einlassen zu können. Ganz wichtig ist, die Perspektive wechseln und sich in andere hineinversetzen zu können. Es geht nicht darum, wie ich selbst mein Forschungsthema sehe, sondern was die anderen davon verstehen. Für sie muss ich meine Kommunikation gestalten. Und zwar so, dass sie anschlussfähig ist an die Lebenssituation meines Gegenübers. Egal ob es eine Webseite, ein Buch, ein Vortrag, ein Schüler*innen-Workshop, ein Kurz-Video oder eine Social Media Kampagne ist. Sie arbeiten zusammen in einem Team mit einer Astrophysikerin und mit einer Germanistin – welche Rolle spielt diese Fächerpalette bei Ihrer täglichen Arbeit?Das spielt eine sehr große Rolle, denn genau das erwarten unsere Kund*innen von uns: den Blick über den fachlichen Tellerrand. Für mich passt das hervorragend, denn wir ergänzen uns super. Und vielleicht kennt manch einer das ja aus eigener Erfahrung: Der Blick von außen, ohne Fach- oder Spezialkenntnisse der Details, ist oft sehr hilfreich, um die zentralen Inhalte für die Kommunikation zu identifizieren. Sie sind spezialisiert auf den Bereich Trainings und Online-Medien. Welche Kommunikationsform ist Ihr Lieblingsformat?Wenn man an Online-Medien denkt, ganz klar Bewegtbild. Also Webvideoformate für diverse Plattformen. Videos oder Filme können schnell und einfach Inhalte transportieren, die sich in Texten nur schwer ausdrücken lassen. Videos geben auch einen persönlichen, authentischen Einblick in den Forschungsalltag. Und genau den wollen wir oftmals in der Wissenschaftskommunikation abbilden. Seit einigen Jahren bin ich ehrenamtlich in der Jury des „FastForward Science“ Webvideowettbewerbs von „Wissenschaft im Dialog“ tätig. Es macht großen Spaß, die vielen eingereichten Videos zu sichten und zu sehen, wie kreativ hier Wissenschaft und Forschung dargestellt wird.Was mir in meinen Workshops am meisten Spaß macht, ist der Elevator Pitch. Auch hier ist es toll zu sehen, wie unglaublich kreativ Forschende mit diesem Vortragsformat umgehen. Für mich springt dabei immer ein Live-Einblick in die Forschung heraus. Und wenn dann alle in der Kaffeepause miteinander ins Gespräch kommen, hat der Pitch schonmal perfekt funktioniert. Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Immer am Zahn der Zeit zu bleiben. Es gibt weltweit so viele gute Initiativen zu Wissenschaftskommunikation, dass es fast ein Vollzeit-Job ist, da immer gut informiert zu sein. Auch unterschiedlichste Arbeitszeiten und Arbeitstage mit bis zu 12 Stunden sind schon mal eine Herausforderung, da Projekte nicht immer bis ins kleinste Detail planbar sind und unsere Kund*innen oftmals unter hohem Zeitdruck agieren. Diese Arbeitsspitzen kennen natürlich auch Angestellte. Es fällt mir aber ehrlich gesagt leichter als in früheren Tätigkeiten, weil wir viel mehr Einfluss auf die Auswahl unserer Aufgaben haben und da fällt es dann gar nicht so sehr auf, dass man eine lange „Schicht“ hinter sich hat. Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Ein Tipp, der wahrscheinlich für viele Berufe gilt: Möglichst früh testen, ob mir das Arbeiten in diesem Bereich Spaß macht. Also unbedingt schon im Studium oder während der Promotionszeit nebenbei in kleineren Projekten oder Initiativen mitarbeiten. Oftmals gibt es auch Jobs für Studierende, die mit Wissenschaftskommunikation zu tun haben, eventuell kann man eine Forschungs-Webseite betreuen, Social Media-Kanäle bespielen oder im weiten Feld der Öffentlichkeitsarbeit tätig werden. Wer später stärker in den Bereich Journalismus möchte, sollte sich schon frühzeitig um Praktikumsplätze, kleinere Redakteurstätigkeiten und vielleicht auch ein Volontariat oder Traineeship bemühen. Gut ist es auch, Kontakte zu Personen und Institutionen zu knüpfen. Das heißt, an Veranstaltungen teilnehmen oder sich – derzeit virtuell ­– dazuzuschalten. Wer vor allem das eigene Forschungsthema an ein fachfremdes Publikum kommunizieren möchte, kann auch erst mal mit Freunden und Familie diskutieren. Vielleicht macht das so sehr Spaß, dass als nächstes ein Auftritt bei einem Science Slam ansteht oder die Teilnahme an Hochschulwettbewerben. Weiter kann man natürlich auch an Workshops teilnehmen – häufig an der eigenen Uni – und wer es dann noch intensiver möchte, kann auch entsprechende Studiengänge belegen oder eine Ausbildung zum Fachjournalisten anstreben. Einen sehr guten Überblick hat die Webseite „wissenschaftskommunikation.de“. Auf jeden Fall freue ich mich, wenn demnächst ganz viele gute Wissenschaftskommunikatorinnen und -kommunikatoren aktiv werden.°Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften; °Geistes-, Sprach-, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften; °Politik-, Sozial-, Organisations-, Planungs- und Verwaltungswissenschaften;
Porträt Nadine Lux beige gerahmt
Dr. Alexander Knüttel Dr. Alexander Knüttel Gründer und Geschäftsführer von AKmira optronics, einem Potsdamer Start-up im Bereich der Medizintechnik Was machen Sie beruflich und was entwickelt Ihre Firma?Ich bin Gründer und Geschäftsführer einer Firma, die Bauteile entwickelt, Scanner sozusagen, die in der Medizin für endoskopische Untersuchungen an unterschiedlichen Stellen des menschlichen Körpers eingesetzt werden können. Endoskope waren bisher so ausgestattet, dass sie zweidimensionale Bilder von den Körperstellen, in die sie eingeführt werden, erzeugen. In Zukunft möchte man das Ganze aber dreidimensional haben, also eine hohe Genauigkeit bei der Untersuchung erzielen. Um das zu erreichen, hat unsere Firma eine Kombination aus einem Endoskop mit einem 3D-Mikroskop entwickelt. Und das wird unser Produkt in wenigen Jahren ausmachen. Wann haben Sie Ihre Firma gegründet, wie groß ist ihre Firma und aus Fachexpert*innen welcher Disziplinen besteht Ihr Team?Die Firma habe ich Ende letzten Jahres (Anm. der Red.: Ende 2020) gegründet. Derzeit bestehen wir aus einem Team von vier Personen. Das Team soll aber auf eine Größe von bis zu neun oder zehn Personen aufgebaut werden. Wir sind also ein typisches Start-up-Unternehmen.Unser Projekt umfasst verschiedene technische Disziplinen: Optik, Elektronik, FPGA-Programmierung (also extrem schnelle Bausteine, mit denen Hardware programmiert werden kann), GPU-Programmierung (also Grafikkarten) und PC-Programmierung. Derzeit sind wir ganz besonders auf der Suche nach Software-Programmierer*innen, CPU- und GPU-Programmierer*innen. Was haben Sie studiert? Haben Sie sich bereits im Studium auf Optik spezialisiert? Ich bin Physiker. Im Studium habe ich mich noch nicht auf die Optik spezialisiert, sondern viel im Bereich der Kernspinntomografie/ MRI gemacht. Darin habe ich auch promoviert. Während meines Postdoc-Aufenthalts in den USA bin ich dann in die Optik gewechselt. Wie läuft so eine Produktentwicklung ab? Worauf kommt es dabei an?So eine Entwicklung baut sich auf: Zunächst macht man sich theoretische Gedanken, dann simuliert man vielleicht etwas. Dafür gibt es schöne Simulationstools. Wenn wir jetzt für unseren Bereich reden, ist der nächste Schritt, die Entwicklung an einem optischen Tisch aufzubauen. Damit es zu einem Produkt wird, müssen die einzelnen Bestandteile über Konstruktionen zusammengefügt werden. Am optischen Tisch wird das Produkt zunächst in Groß aufgebaut. Das ist gar nicht so einfach. Das Produkt muss nämlich so geschaffen sein, dass es sich später leicht miniaturisieren lässt. Ist bei einer Produktentwicklung im Grunde ständig Erfindungsgeist und Kreativität gefragt?Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, eine Entwicklung ist nicht nur eine Aneinanderreihung von Ideen, die dann automatisch zu einem Produkt führt. Es sind in etwa 30 % Ideenreichtum und 70 % harte Arbeit und Ausdauer, die man an den Tag legen muss, damit das Produkt am Ende funktioniert. Am Anfang stehen natürlich die Ideen. Das ist klar. Ohne Ideen entwickelt man keine neuen Produkte. Entwickler*innen sind aber keine „Daniel Düsentriebs“, die ständig etwas erfinden. Man muss sich mit den einzelnen Prozessen einer Entwicklung intensiv beschäftigen, damit ein Resultat entsteht. Ich habe in meinem Leben schon 23 Patente erteilt bekommen und zwei weitere sind in Anmeldung. Darauf bin ich schon sehr stolz. Die Umsetzung der Ideen war dann aber immer die eigentliche Arbeit. Lernt man das Umsetzen von Ideen bereits im Studium oder ist das Learning by Doing?Ich würde sagen, das ist im Grunde alles Learning by Doing. Für mich stellte das Studium, ähnlich wie die Schule, die Berechtigung dar, dass ich etwas machen kann. Auf jeden Fall wurde ich im Studium an verschiedene Themen herangeführt und habe mich auf einen Bereich spezialisiert und das war eine große Hilfe. Die Kreativität und die Ausdauer für die Entwicklung lernt man aber nicht unbedingt im Studium. Erst in der Praxis habe ich wichtige Erfahrungen gesammelt und mich richtig entfaltet. Ich habe zum Beispiel nach dem Studium gelernt, dass die Dinge im Grunde erst einmal nicht funktionieren, wie man sie sich überlegt und dass man erst Zug um Zug zum Erfolg kommt. Wie entwickelt man ein gutes Produkt, das auch im Alltag gut anwendbar ist?Das hängt davon ab, wie lange Sie schon im Geschäft sind. Mit Medizintechnik beschäftige ich mich schon mein halbes Leben. Ich habe gelernt wie Ärzt*innen ticken, was sie brauchen und wollen. Ich habe aber auch gelernt, was ich kann und was ich nicht kann, was ich will und nicht will. Der Bereich Medizintechnik ist sehr breit gefächert. Es ist unmöglich hier alles zu wissen, alle Anwendungen, die Software-Zertifizierungen etc. Hilfreich ist in meiner Arbeit aber ein großes Netzwerk, in dem ich bei konkreten Fragen Ansprechpartner*innen finde. Das nötige Wissen für die eigene Entwicklung kann man sich so peu à peu aneignen.Auch ist mir aufgefallen, dass in Medizintechnik-Studiengängen hauptsächlich Generalist*innen ausgebildet werden. Ich lege aber viel mehr Wert auf Expert*innen aus den klassischen Ausbildungsbereichen, wie Optik, Elektronik, Physik und Programmierung. Medizintechnik ist so breitgefächert. Man kann nicht in jede Richtung gehen. Wie halten Sie sich mit dem nötigen Wissen aus der Medizin auf dem Laufenden? Haben sie direkten Kontakt mit den Mediziner*innen?Man muss immer Kontakt zu den Endkund*innen haben. Auf jeden Fall. Gerade als neu gegründetes Start-up braucht es diesen engen Kontakt, beispielsweise, wenn es um das Design des Produktes oder des Gerätes geht, die Handhabung usw. Die Erfahrungen und Wünsche der Kund*innen muss man sich zu Herzen nehmen und sich auch hier das entsprechende Wissen aneignen. Wir sind keine medizinischen Expert*innen und das müssen wir auch nicht sein. In erster Linie bin ich Physiker, der endoskopische Scanner baut, die Ärzt*innen in Zukunft verwenden. Das Wissen für meine Arbeit aus dem medizinischen Bereich kann ich mir durch die Kontakte mit dem medizinischen Fachpersonal aneignen. Was sind Ihre Aufgaben als CEO Ihrer Firma? Wofür sind Sie tagtäglich verantwortlich?Da wir noch sehr am Anfang sind, geht es jetzt erst einmal darum das Projekt aufzusetzen und das ist ein Prozess, der nicht über Nacht beendet ist. Das involviert Investor*innengespräche, Administration, auch so Profanes, wie z. B. die Auseinandersetzung mit Server-Strukturen und ähnliches. Auch muss ich neue Mitarbeiter*innen einarbeiten. Derzeit bin ich am Rekruten, eine ziemliche Highlight-Aufgabe für mich. So ein Projekt steht und fällt ja mit dem Team. Ich habe die Ideen, brauche aber gute Leute, die sie mit mir umsetzen. Wir sind ja ein High-Potential-Start-up.Darüber hinaus muss ich in meinem Netzwerk agieren, Kooperationspartner*innen suchen, denn alles können wir nicht selber machen und ich muss den Kontakt zu den Mediziner*innen halten. War es für Sie schon im Studium klar, dass sie gründen wollen?Nein, das kam erst später. Während meiner Postdoc-Phase in den USA habe ich den US-amerikanischen Entrepreneurship-Spirit kennengelernt und das hat mir gefallen. Das wollte ich dann auch machen. Nachdem ich zwei, drei Jahre wieder in Deutschland war, habe ich mein erstes Start-up gegründet. Haben Sie dann einfach losgelegt oder mussten Sie sich erst dazu weiterbilden, wie man eine Firma gründet?Auch hier lernt man am besten wieder durch Learning by Doing. Ich habe IHK-Kurse zum Thema Gründung besucht. Allerdings muss ich sagen, dass ich am meisten gelernt habe, wenn ich mich mit Leuten unterhalten habe oder eigene Erfahrungen sammelte. Allein durch Kurse lernt man’s nicht. Sie müssen aus Fehlern lernen. Das bleibt Ihnen leider nicht erspart. Auch brauchen Sie eine hohe Motivation und ein sehr gutes Durchhaltevermögen. Man muss durch Wände gehen wollen und letztendlich durch sie gehen. Wie gehen Sie mit Rückschlägen um, wenn Sie nicht durch Wände gehen können?Am Ende geht es um Persistenz, d. h. auch in schwierigen Zeiten, so wie jetzt in der Corona-Krise, durchhalten. Rückschläge begleiten einen ein Leben lang. Das bedeutet, in Krisen auch vor viel harter Arbeit und langen Arbeitstagen nicht zurückschrecken, sondern durchhalten und Tag für Tag alles geben. Auch Glück gehört dazu, aber eben nicht nur.   Wie schnelllebig ist Ihr Bereich? Haben Sie einen hohen Konkurrenzdruck?Derzeit ist der Konkurrenzdruck noch nicht so hoch. Jetzt geht es vor allem darum möglichst viel Kraft für die Projektidee aufzubringen. Das ist sehr herausfordernd. Es geht zum Beispiel darum mit technischen Rückschlägen umzugehen. Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Ich habe Investor*innengespräche geführt. Das ist für den Aufbau eines Start-up-Unternehmens notwendig und begleitet mich ständig.Außerdem bin ich dabei die Gewerberäume mitaufzusetzen, die Einrichtung zu organisieren usw.Vor allem beschäftigt mich gerade aber die Suche nach Kandidat*innen für das Team. Was begeistert Sie an Ihrem Beruf?Mein Beruf ist sehr abwechslungsreich. Ich befasse mich mit neuen Ideen und gehe immer gern gedanklich spazieren. Ich bin Erfinder und etwas Neues auf den Weg zu bringen, begeistert mich sehr.Das ist auch der Grund, weshalb ich nach Potsdam gezogen bin. Ich komme aus Mannheim und habe durch Recherchen erfahren, dass Brandenburg für technologische Neuerungen sehr aufgeschlossen ist. Das hat mich dazu gebracht, meinen Lebensmittelpunkt hierhin zu verlagern. Und Potsdam ist eine schöne Stadt, auch wenn das nicht der ausschlaggebende Punkt war, hierher zu kommen. Ihre Tipps für Berufsinteressierte und -einsteiger*innen:Der erste und wichtigste Rat, den ich weitergeben möchte: neugierig sein. Außerdem möchte ich dazu raten, sich selbst nie abhalten zu lassen, auch zum Beispiel in der aktuellen Krise nicht. Ich halte es hierbei wie Freddy Mercury: „The show must go on!“ - es geht immer weiter. Knien Sie sich rein und blenden Sie Umweltbedingungen, die derzeit nicht ideal sind, ein Stück weit aus! Es gibt in diesem Land sehr viel Potential. Ich möchte die Leute dazu ermutigen, ihr Wissen und ihre Kreativität einzusetzen. °Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften;
Porträt Alexander Knüttel beige gerahmt

Physiker und Start-up-Gründer

Dr. Alexander Knüttel

Helga Kuechly - Wissenschaftskommunikation Foto: privatHelga Kuechly arbeitet beim WWF im Bereich Fernerkundung.SteckbriefDiplom Geoökologie in Potsdam, Abschlussjahr 2011seit 2011 selbständig mit verschiendenen Projektenseit 2021 beim WWF als "Geospatial Analyst"Das Interview wurde im April 2020 geführt.Wo arbeitest du und was ist deine Aufgabe?Aktuell arbeite ich beim WWF im Bereich Fernerkundung. Ich arbeite zu den Themen Walddaten, Mangroven, Lichtverschmutzung/künstliche Beleuchtung in der Nacht und in Citizen Science-Projekten . In einem weiteren Projekt im Bereich Öffentlichkeitsarbeit wollen wir eine deutschsprachige eLearning Plattform mit Webinaren und Tutorials zum Thema Copernicus Daten veröffentlichen. Darüber hinaus bin ich noch im Bereich GIS/Fernerkundung im Naturschutz selbständig tätig. Mein letztes großes Projekt war die Kartierung von Mangroven im Rufiji Delta, Tanzania für den WWF/US Forest Service (Online Map Story).Welches waren deine vorherigen beruflichen Stationen?Im Bereich GIS/Fernerkundung habe ich davor schon als wissenschaftliche Mitarbeiterin im GFZ im Bereich Wissenschaftskommunikation und GIS/Fernerkundung sowei bei der LUP – LUFTBILD UMWELT PLANUNG GmbH (Potsdam), als entsandte Mitarbeiterin am Berliner Umweltatlas der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen (Berlin) und als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB, Berlin) im Projekt "Verlust der Nacht" gearbeitet. In Neuseeland war ich am Nationalmuseum Te Papa Tongarewa und als Biodiversity Officer am Department of Conservation (Wellington, Neuseeland) beschäftigt.Wie bist du zu deinem Job gekommen?Über mein Netzwerk. Welches sind die wichtigsten Fähigkeiten, die man für diese Arbeit mitbringen sollte?Neben dem fachlichen Wissen ganz viel Selbstmotivation. Denn die freie und flexible Arbeit an einem Forschungsinstitut oder selbständig zu arbeiten, erfordert ein hohes Maß an Selbstorganisation und Eigeninitiative. Dazu noch Offenheit und Spaß am Kontakt mit Menschen.Wie sieht eine typische Arbeitswoche bei dir aus?In meinen Projekten arbeite ich ziemlich eng mit anderen KollegInnen zusammen. Es gibt also selten einen Tag, an dem ich acht Stunden allein vor dem Rechner sitze. Dazu kommen noch ein paar Treffen, meist virtuell, mit anderen externen Personen. Ins Gelände komme ich aktuell leider nur sehr selten.KontaktHelga Kuechly, "Geospatial Analyst" beim WWFThemen:  Fernerkundung, GIS, Geodaten, Walddaten, Mangroven, Lichtverschmutzung, Citizen ScienceHabt ihr Fragen an Helga Kuechly? Dann könnt ihr sie gerne kontaktieren: LinkWas gefällt dir an deinem Beruf und was fordert dich am meisten heraus?Aktuell genieße ich es sehr, dass meine Arbeit kommunikativer geworden ist. Davor war ich eher wochenlang „allein im Kämmerlein“ mit Klassifikationen von Satellitendaten beschäftigt. Als herausfordernd empfinde ich derzeit, Prioritäten für meinen weiteren Berufsweg zu setzten. Mein Vertrag ist befristet und so mache ich mir Gedanken, wo und wie ich in den nächsten Jahren arbeiten werde.KontaktHelga Kuechly, "Geospatial Analyst" beim WWFThemen:  Fernerkundung, GIS, Geodaten, Walddaten, Mangroven, Lichtverschmutzung, Citizen ScienceHabt ihr Fragen an Helga Kuechly? Dann könnt ihr sie gerne kontaktieren: LinkWie viel von dem erlernten Wissen aus deinem Studium brauchst du in deinem Job?Der interdisziplinäre Ansatz des Studiums hilft mir sehr und von allem vieles irgendwann schon einmal gehört zu haben - neu einarbeiten muss man sich ja in jedes Thema. Unser breites Wissen hilft uns auch mit verschiedenen Akteuren kommunizieren zu können. Und selbstverständlich auch das Handwerkszeug wie R, QGIS, ArcGIS etc…Wie denkst du rückblickend über dein Geoökologiestudium an der Uni Potsdam?Ich bin erst zum Hauptstudium nach Potsdam gekommen, davor war ich einige Jahre im Ausland. Ich habe sehr die Freiheit genossen, die man beim Studium hatte. Zum Beispiel auch das Lehrangebote der Berliner Universitäten zu besuchen oder mein interdisziplinäres Studienprojekt, in dessen Rahmen wir vom DAAD gefördert mit Niels Blaum in der Kalahari waren und eine Research Note darüber veröffentlicht haben. Klasse war auch die Einbindung von exzellenten Forschenden aus den in Potsdam ansässigen Forschungsinstituten wie PIK und GFZ in die Lehre. Schade fand ich, dass einige Diplomprüfungen sehr stark von dem Engagement der Lehrenden abhing.Hast du Tipps für unsere Studierenden für einen erfolgreichen Berufseinstieg?Auf jeden Fall sollte man sich schon während des Studiums mit der Frage beschäftigen, wo es hingehen könnte. Erste berufliche Erfahrungen während des Studiums helfen, eine neue Sichtweise, Möglichkeiten und Kontakte zu knüpfen. Vorteilhaft ist es auch, potentielle Institutionen/Firmen etc. zu recherchieren und kontaktieren, am besten per Telefon (eine E-Mail kann unter Hunderten untergehen). Und wenn man es sich leisten kann, dort schon vor Studienabschluss ein Praktikum oder die Abschlussarbeit machen. Einige Mitstudierende haben so ihren ersten Job bekommen.  Aber am Wichtigsten finde ich: Wenn Spaß & Interesse da ist, findet sich der Weg.Eindrücke der ArbeitBlogbeitrag zum Citizen Science Projekt zum Thema Licht bei NachtCOPERNICUS für die Praxis: von der Wissenschaft zur AnwendungRUFIJI DELTA MANGROVE MAPPINGWWF - Space + Science for Naturelinkedin.com/in/helga-kuechly/twitter.com/helsche Zurück zur Übersicht - Unsere Alumni Ob in der Forschung, im Naturschutz, einer Umweltbehörde, NGO, der Industrie oder selbständig: Die Berufe, in denen unser Absolvent*innen arbeiten, sind vielfältig! Erfahre mehr von unseren Alumni...
Porträt Helga Kuechly beige gerahmt
Sandra Timmke - Wirtschaft (Immissionsschutz) Foto: privatSandra Timmke arbeitet im Ingenieurbüro sfi an Genehmigungsverfahren des Immissionsschutzes.SteckbriefMaster of Science Geoökologie in Potsdam, Abschlussjahr 2019Bachelor der Geographischen Wissenschaften an der Freien Universität Berlinseit 2019 Projektassistentin im Ingenieurbüro sfi - Sachverständige für Immissionsschutz GmbHDas Interview wurde im November 2020 geführt.Wo arbeitest du und was ist deine Aufgabe?Ich arbeite als Projektassistentin in dem Ingenieurbüro sfi - Sachverständige für Immissionsschutz GmbH. Erstellt werden bei uns Genehmigungsanträge nach Bundes‑Immissionsschutzgesetz, sowie die dazugehörigen Unterlagen wie Umweltverträglichkeits- oder FFH-Prüfungen und Immissionsgutachten, wie Schall-, Ammoniak oder Staubgutachten. Zu meinen Aufgaben gehört die Erarbeitung der Anträge mit den dazugehörigen Formularen, aber auch die Erstellung der naturschutzfachlichen Gutachten, wie Eingriffs-Ausgleichs-Planungen oder Umweltprüfungen. Außerdem bin ich bei der Durchführung von Biotopkartierungen, der Erarbeitung von Schutzkonzepten für z.B. Zauneidechsen und deren Umsiedlung im Zuge von Bauvorhaben beteiligt.Was hat dich da an dem Job gereizt?Tatsächlich ging es mir in erster Linie darum, nach dem Studium einen schnellen Einstieg in das Berufsleben zu finden. Dabei war mir jedoch wichtig, einen abwechslungsreichen Job zu bekommen. Da es sich bei dem Büro um ein kleines Team handelt, bearbeite ich verschiedenste Bereiche. Und auch unsere Auftraggeber sind sehr vielseitig, wodurch die Bearbeitung der Anträge nie langweilig wird.KontaktSandra Timmke arbeitet im Ingenieurbüro sfi: www.sfimm.de/content/sandra-timmkeWelches sind die wichtigsten Fähigkeiten, die man für diese Arbeit mitbringen sollte?Man sollte offen, vielseitig interessiert und motiviert sein, sich immer wieder in neue Sachverhalte einzuarbeiten. Außerdem benötigt man Geduld und ein gewisses Durchsetzungsvermögen, da man mit vielen verschiedenen Gewerken, wie Architekten und Behörden zusammenarbeitet. Daher sind auch Kommunikation und eine strukturierte Arbeitsweise wichtig. In stressigen Phasen sollte man einen kühlen Kopf bewahren können.Wie sieht eine typische Arbeitswoche bei dir aus?Da wir ein kleines Team sind, sprechen wir uns viel miteinander ab und große Projekte werden immer mindestens zu zweit bearbeitet. Meine Arbeitswoche ist je nach Jahreszeit sehr unterschiedlich. Im Winter sitze ich eher am Schreibtisch. Vom Frühling bis Herbst geht es auch immer wieder ins Feld für Vegetationskartierungen, der Aufnahme von Bodenprofilen oder ähnliches. Es wird vor allem im Herbst stressig, da nun alle Auftraggeber noch die naturschutzfachlichen Arbeiten erledigt haben wollen, bevor die Vegetationsperiode vorbei ist. Generell ist man aber auch viel am Telefon, bespricht die Projekte mit den verschiedenen Akteuren, erinnert an bestehende Fristen und telefoniert Unterlagen hinterher.Was gefällt dir an deinem Beruf und was fordert dich am meisten heraus?Mir gefällt die Abwechslung besonders. Ich verfasse Gutachten und kann aber auch im Feld arbeiten. Durch die verschiedenen Auftraggeber bekomme ich Einblicke in viele unterschiedliche Sachverhalte. Darin liegt jedoch auch die Herausforderung. Gerade am Anfang muss man sich viel Anlesen und kein Projekt ist wie das davor. Man sucht ständig nach Lösungen, die die Interessen der Auftraggeber und geltende Gesetze vereinen. Auch die Kommunikation mit Behörden und Auftraggebern kann kompliziert und anstrengend sein. Wenn man mit vielen verschiedenen Menschen zu tun hat, kann es hin und wieder auch etwas frustrierend sein, wenn etwas nicht so vorangeht, wie man das gerne möchte.Wie viel von dem erlernten Wissen aus deinem Studium brauchst du in deinem Job?Tatsächlich hat man im Studium, auch in meinem Masterstudium,  eigentlich nur die Grundlagen gelernt und wurde, zumindest in meinem Fall, eher auf eine akademische Karriere vorbereitet.Trotzdem habe ich von vielen Dingen bereits gehört und kann mich dadurch schneller in Sachverhalte einarbeiten. Die Vielseitigkeit in meinem Bachelor- und Masterstudium  erleichtert mir die Kommunikation mit den anderen Gewerken. Häufig weiß ich, wovon sie sprechen und muss zumindest keine Grundlagen-Fragen klären.Wie denkst du rückblickend über dein Geoökologiestudium an der Uni Potsdam?Im Nachhinein kann ich sagen, dass mir der Bezug zum „richtigen“ Berufsleben etwas gefehlt hat. Dennoch bereue ich mein Bachelor- und Masterstudium keinesfalls. Ich wollte mich nie in eine Richtung festlegen und ich hatte das Glück, dies durch meine Studienwahl nicht tun zu müssen und nun einen Job gefunden zu haben, der abwechslungsreich ist und in dem mir die Vielseitigkeit der Studieninhalte zugutekommt.KontaktSandra Timmke arbeitet im Ingenieurbüro sfi: www.sfimm.de/content/sandra-timmkeHast du Tipps für unsere Absolvent*innen für einen erfolgreichen Berufseinstieg?Ich würde sagen, man sollte hinter dem stehen, was man im Studium tut und das belegen, was einen interessiert. Dabei ist es egal, ob man sich auf eine Sache spezialisiert oder nicht. Offenheit, Interesse und Motivation sind sehr wichtig. Außerdem kann ich jedem empfehlen, wenn möglich, Praktika zu machen. Bei einem guten Praktikum lernt man sehr viel über das Berufsleben und kann abschätzen, was einem Spaß macht und interessiert. Mir hat außerdem mein Nebenjob in einem Ingenieurbüro sehr viel geholfen. Gerade als Berufsanfänger ohne richtige Erfahrung schauen viele Arbeitgeber auch, wo bereits zumindest als Nebenjob gearbeitet wurde. Zurück zur Übersicht - Unsere Alumni Ob in der Forschung, im Naturschutz, einer Umweltbehörde, NGO, der Industrie oder selbständig: Die Berufe, in denen unser Absolvent*innen arbeiten, sind vielfältig! Erfahre mehr von unseren Alumni...
Porträt Sandra Timmke beige gerahmt
Karsten Voigt - Praktischer Naturschutz Foto: A. FuttererKarsten Voigt arbeitet als Ranger im Naturpark Nuthe-Nieplitz.SteckbriefBachelor und Master Geoökologie in Potsdam, Abschlussjahr 2015Seit 2016 Mitarbeiter bei der Naturwacht der Stiftung Naturschutzfond BrandenburgDas Interview wurde im April 2020 geführt.Wo arbeitest du und was ist deine Aufgabe?Ich arbeite als Ranger im Naturpark Nuthe-Nieplitz südlich von Potsdam. Unser Slogan ist “Mittler zwischen Mensch und Natur”. Meine Aufgabengebiete umfassen die Umweltbildung (Führungen und Vorträge zu Themen wie z.B. Elbebiber, Brutvögel, Wolf), die Umweltbeobachtung (Datenerfassung zu Tierbeständen wie heimische Brutvögel,  Elbebiber und Wasserhaushalt) und die Schutzgebietsbetreuung (Gebietskontrollen mit Sensibilisierung von Touristen, Arten - und Biotopschutz wie z.B. der Feuchtwiesenmahd). Zusätzlich bin ich naturparkweit für das Biber- Konfliktmanagement zuständig.Kontakt NaturwachtFür Fragen zur Arbeit oder einen PraktikumsplatzLink zur WebseiteWas hat dich da an dem Job gereizt?Für mich ist es eine ideale Symbiose zwischen meinen berufsbezogenen Interessen. Der direkte Bezug zur Natur, der Kontakt mit der Bevölkerung und das Draußen sein haben mich gereizt. Diese Vielfältigkeit sowie Naturschutz an vorderster Stelle betreiben zu können, haben mich überzeugt.Kontakt NaturwachtFür Fragen zur Arbeit oder einen PraktikumsplatzLink zur WebseiteFoto: EMBWie sieht eine typische Arbeitswoche bei dir aus?Die Arbeit ist  jahreszeitenabhängig und die Schwerpunkte unterscheiden sich über das Jahr. Es gibt Projekte, die an einem Tag erledigt werden können, aber auch Projekte, die über mehrere Wochen und Monate hinweg laufen. Ungefähr die Hälfte der Zeit bin ich draußen unterwegs. Aber jede Woche ist im Prinzip anders strukturiert. Typische Bestandteile einer Woche sind das Monitoring (Wasserpegel, Biber oder Vögel), die Gebietskontrolle (Überprüfung der Einhaltung der Naturschutzverordnung) und Zusammenarbeit mit Partnern und Experten (z.B. Naturparkverwaltung, Untere Naturschutzbehörde). Auch das Vorbereiten und Durchführen von Führungen ist Teil der Arbeit. Insgesamt gibt es eine gute Mischung zwischen Team- und Einzelarbeit. Aktuell versuche ich Eigentümer und Landnutzer zu sensibilisieren, Maßnahmen der FFH-Managementplanung umzusetzen und sie u.a. bei der Beantragung von Fördermitteln zu unterstützen.Foto: EMBEin Portrait über Karsten Voigt und seine Arbeit erschien im Sommer 2021 in dem Magazin "EMB von hier".Für die Online-Version des Magazin-Portrait hier klickenWas gefällt dir besonders an deinem Beruf?Der tägliche Kontakt mit der Natur gefällt mir besonders und dass jeder Tag unterschiedlich sein kann. Außerdem die gute Mischung aus Team- und Einzelarbeit.Ein Portrait über Karsten Voigt und seine Arbeit erschien im Sommer 2021 in dem Magazin "EMB von hier".Für die Online-Version des Magazin-Portrait hier klickenWelches sind die wichtigsten Fähigkeiten, die man für diese Arbeit mitbringen sollte?Verhandlungsgeschick, Überzeugungsfähigkeit und gute Kommunikationsfähigkeiten. Die Umsetzung von Naturschutzprojekten kann mitunter lange dauern und dann ist Durchhaltevermögen gefragt. Seit der ersten Anstellung von Rangern in Brandenburg Anfang der 90er Jahre hat sich der Beruf stetig weiterentwickelt und ist vielseitig und anspruchsvoll. Erfahrungen in der Umweltbildung und Zusammenarbeit mit Behörden und der regionalen Bevölkerung sind gefragt. Aber auch die Artenkenntnis und das Naturschutzrecht sowie neuste naturschutzfachliche Entwicklungen sind wichtig.Wie viel von dem erlernten Wissen aus deinem Studium brauchst du in deinem Arbeitsalltag?Vor allem das im Studium vermittelte Prozessverständnis und der interdisziplinäre Ansatz helfen mir heute, neue Zusammenhänge schnell zu verstehen. Die Lehrinhalte der Landschaftsplanung, des  Naturschutzrechts und der Biotopkartierung helfen mir aktuell am meisten. Eindrücke von der Arbeit Wie denkst du rückblickend über dein Geoökologiestudium an der Uni Potsdam?Rückblickend denke ich, dass mir der Bachelor eine sehr gute Grundausbildung in den Naturwissenschaften gegeben hat. Am schönsten waren die Ausflüge und die praktischen Exkursionen sowie die inspirierende Zeit mit KommilitonInnen und DozentInnen.Wenn du dir im ersten Semester einen Rat hättest geben können, welcher wäre das?Mach Erasmus (im Bachelor und im Master möglich) und sammle Auslands - und Lebenserfahrung! Mein Erasmusjahr in Schottland war die beste Zeit meines Studiums.Hast du Tipps für unsere Studierenden für einen erfolgreichen Berufseinstieg?Keine Angst vor dem Berufseinstieg, GeoökologInnen werden gebraucht und gesucht. Durch Hiwi-Jobs kann man einfach Erfahrung und Referenzen sammeln und bekommt eine Orientierung.Artikel mit/über Karsten Voigt und seine Arbeitemb-von-hier-das-magazin/Portrait Karsten Voigtnaturschutzfonds.de/natur-schuetzen/naturwacht-brandenburgmaz-online.de/Lokales/Teltow-Flaeming/Ranger-fuehren-durch-den-Waldmz-web.de/landkreis-wittenberg/erfahrungsaustausch-bei-naturschuetzern-ranger-bei-nagernmaz-online.de/Lokales/Teltow-Flaeming/Naturparks-unterstuetzen-World-Ranger-Daymaz-online.de/Lokales/Potsdam-Mittelmark/Sterne-gucken-mit-dem-Ranger Zurück zur Übersicht - Unsere Alumni Ob in der Forschung, im Naturschutz, einer Umweltbehörde, NGO, der Industrie oder selbständig: Die Berufe, in denen unser Absolvent*innen arbeiten, sind vielfältig! Erfahre mehr von unseren Alumni...
Porträt Karsten Voigt beige gerahmt

Ranger im Naturpark

Karsten Voigt

Florian Hacker - Angewandte Forschung/Politikberatung Foto: privatFlorian Hacker arbeitet als stellvertretender Leiter des Bereichs Ressourcen & Mobilität beim Öko-Institut e.V.SteckbriefDiplom Geoökologie in Potsdam, Abschlussjahr: 2007Stellvertretender Leiter des Bereichs Ressourcen & Mobilität beim Öko-Institut e.V.13 Berufsjahre beim aktuellen ArbeitgeberDas Interview wurde im Juni 2020 geführt.Wo arbeitest du und was ist deine Aufgabe?Ich arbeite im Berliner Büro des Öko-Instituts. Das Institut ist auch noch an den Standorten Freiburg und Darmstadt vertreten. Ich bin im Bereich Ressourcen und Mobilität tätig, wobei mein Schwerpunkt auf dem Themenfeld Mobilität/Verkehr liegt. Unsere Projekte lassen sich unter der Überschrift „Wie können wir eine ökologisch nachhaltige Mobilität erreichen?“ zusammenfassen. Meine Aufgaben haben sich über die Zeit stark verändert. In der Anfangszeit war ich vor allem mit Datenrecherchen und -analysen beschäftigt, später kam die Projektleitung dazu. Heute ist das Spektrum breit. Es reicht von der Entwicklung von Projektideen, über die Projektakquise und -leitung, bis zur Ergebniskommunikation und Teamleitung.Was hat dich da an dem Job gereizt?Mich hat schon immer die Verbindung von naturwissenschaftlichem Wissen und dem Verständnis von gesellschaftlichen Prozessen interessiert. Wichtige Impulse für meine Entscheidung, mich weg von der naturwissenschaftlichen Forschung und hin zur anwendungsorientierten Umweltforschung und Beratung zu orientieren, waren ein Praktikum in der Grundsatzabteilung am Umweltbundesamt und die Wahl des Zusatzfachs "Umweltmanagement" an der Forschungsstelle für Umweltpolitik der Freien Universität Berlin. Konkret auf die Stellenausschreibung hat mich ein Freund und heutiger Kollege aufmerksam gemacht, nachdem ich mich kurz zuvor mit ihm über seine berufliche Tätigkeit unterhalten hatte.KontaktFlorian Hacker, Stellvertretender Bereichsleiter beim Öko-Institut e.V.Für Fragen zur Arbeit oder einen Praktikumsplatz: www.oeko.deWelches sind die wichtigsten Fähigkeiten, die man für diese Arbeit mitbringen sollte?Durchhaltevermögen und Optimismus, dass sich im Verkehrssektor irgendwann doch etwas bewegt. Für die konkrete Projektarbeit ist es wichtig, dass man sich schnell in Themen einarbeiten kann und auch in kurzer Zeit erste Lösungsansätze entwickeln kann. Gerade Beratungsprojekte haben oft kurze Laufzeiten oder Ministerien benötigen kurzfristig fachlichen Input für politische Entscheidungen. „Pragmatische“ Ansätze sind daher oft erforderlich. Jenseits davon ist ein grundsätzliches Interesse an politischen Entscheidungsprozessen und den beteiligten Akteuren hilfreich.KontaktFlorian Hacker, Stellvertretender Bereichsleiter beim Öko-Institut e.V.Für Fragen zur Arbeit oder einen Praktikumsplatz: www.oeko.deWie sieht eine typische Arbeitswoche bei dir aus? Eine typische Arbeitswoche gibt es eigentlich nicht. Es gibt aber strukturierende Ereignisse und typische, wiederkehrende Dinge. In meinem Arbeitsumfeld haben wir regelmäßige Teamtreffen – im Gesamtteam und in Projektteams. Oft bereite ich diese als Projektleiter vor und koordiniere sie. In meinem Arbeitsalltag nimmt zudem die Abstimmung mit Auftraggebern und Projektpartnern einen Großteil meiner Arbeitszeit ein. Die konkrete Projektbearbeitung hat über die Jahre in meiner Tätigkeit an Bedeutung verloren, dafür bin ich mehr mit dem Schreiben von Projektanträgen und der Verbreitung der Ergebnisse beschäftigt.Was gefällt dir an deinem Beruf und was fordert dich am meisten heraus?Es motiviert mich, dass ich an einem aus meiner Sicht drängenden Umweltproblem arbeite und wir als Öko-Institut mit unseren Vorschlägen wahrgenommen werden. In meiner Rolle komme ich mit zahlreichen gesellschaftlichen Akteuren in Kontakt und lerne deren Perspektiven kennen.Eine Herausforderung stellt die hohe „Taktfrequenz“ im Projektumfeld dar. Zudem ist es nicht immer einfach, den Optimismus in einem Sektor zu bewahren, der hinsichtlich einer nachhaltigen Entwicklung doch deutlich hinterherhinkt.Wie viel von dem erlernten Wissen aus deinem Studium brauchst du in deinem Job?Mein Fachwissen aus dem Geoökologiestudium spielt in meinem Beruf keine Rolle. Anders sieht es beim Methodenwissen aus. Insbesondere das Wissen aus methodischen Grundlagenfächern findet im Berufsalltag Anwendung. Ansonsten bin ich aber auch froh über die Breite der Ausbildung, ohne die ich sicherlich nicht dort gelandet wäre, wo ich heute bin. Ringvorlesungen zur Klimaforschung und Ausflüge in die Sozialwissenschaften im Studium haben mir wichtige Impulse gegeben.Wie denkst du rückblickend über dein Geoökologiestudium an der Uni Potsdam?Ich habe die Studienzeit in Potsdam in positiver Erinnerung. Mich hat lange eine Unsicherheit begleitet, ob ich das richtige Fach gewählt habe. Im Rückblick sehe ich das wesentlich entspannter. Zum einen haben die Zweifel dazu geführt, dass ich die Angebote jenseits des Kernangebots noch stärker genutzt habe und dadurch zusätzliche Anregungen bekommen habe. Und zum anderen würde ich rückblickend sagen, dass die Studienwahl keine so grundlegende Festlegung war, wie ich sie vielleicht zu Studiumsbeginn empfunden habe. Für mich war es wohl die richtige Wahl.Hast du Tipps für unsere Studierenden für einen erfolgreichen Berufseinstieg?Mir haben drei Dinge bei der Orientierung und beim Berufseinstieg geholfen. Die Möglichkeit, das Lehrangebot jenseits des Hauptfachs an der Uni wahrnehmen zu können, die Einblicke in konkrete Tätigkeiten und die geknüpften Kontakte durch Praktika. Darüber hinaus waren vor allem beim Berufseinstieg persönliche Gespräche in meinem Umfeld für die Orientierung extrem hilfreich und schließlich auch der Türöffner zu meiner heutigen Tätigkeit.Weiterführende Linksblog.oeko.de/viele-menschen-haben-ihre-existenz-rund-um-das-auto-aufgebaut3sat.de/gesellschaft/makro/e-auto-verbindliche-quote Zurück zur Übersicht - Unsere Alumni Ob in der Forschung, im Naturschutz, einer Umweltbehörde, NGO, der Industrie oder selbständig: Die Berufe, in denen unser Absolvent*innen arbeiten, sind vielfältig! Erfahre mehr von unseren Alumni...
Porträt Florian Hacker beige gerahmt
Damaris Zurell - Wissenschaft/Lehre Foto: Karoline WolfDamaris Zurell arbeitet als neuberufene Professorin für Ökologie und Makroökologie an der Universität Potsdam.SteckbriefDiplom Geoökologie in Potsdam, Abschlussjahr: 2007Professorin für Ökologie und Makroökologie an der Universität Potsdam seit 2020Das Interview wurde im Juni 2020 geführt.Wo arbeitest du und was ist deine Aufgabe?Ich bin neuberufene Professorin für Ökologie und Makroökologie an der Universität Potsdam mit dem tenure track Verfahren. D.h. es muss noch eine Evaluierung erfolgen, bevor ich entfristet werde. Meine Aufgaben teilen sich auf in Wissenschaft, Lehre und Administration. Damit habe ich das Glück, meine inhaltlichen Schwerpunkte (gemeinsam mit meinem Team) selbst zu bestimmen.Wir versuchen zu verstehen und vorherzusagen, welche Prozesse die Verbreitung von Tieren und Pflanzen bestimmen und wie sie auf verschiedene Bedrohungen des globalen Wandels reagieren. Quantitative Datenanalysen und ökologische Modelle sind ein zentraler Pfeiler unserer Arbeit.Was hat dich da an dem Job gereizt?Vor oder während des Studiums war nie ein explizites Ziel, in der Wissenschaft zu bleiben. Mein Wissensdurst und der Reiz der Selbstbestimmtheit haben mich wohl in diese Richtung gelenkt. Ich lerne viele verschiedene Menschen auf der ganzen Welt kennen und kann meine eigenen Ideen umsetzen. Das ist wahnsinnig spannend.KontaktDamaris Zurell, Professorin für Ökologie und Makroökologie an der Universität PotsdamFür Fragen zur Arbeit oder einen Praktikumsplatz: https://damariszurell.github.io/Welches sind die wichtigsten Fähigkeiten, die man für diese Arbeit mitbringen sollte?Die Wissenschaft verlangt viele verschiedene Fähigkeiten. In einer Leitungsposition sollte man strukturiert sein, aufgeschlossen und empathisch gegenüber anderen Menschen und gute Managementfähigkeiten haben. Sowie eine gewisse Leidenschaft für bestimmte Themenfelder haben und daraus eine Agenda für sich und sein Team entwickeln können. Bis dahin ist es aber oft ein steiniger Weg mit vielen befristeten Verträgen. Unterwegs braucht man also auch eine gewisse Portion Sturheit und den Glauben an ein (ungewisses) Ziel. KontaktDamaris Zurell, Professorin für Ökologie und Makroökologie an der Universität PotsdamFür Fragen zur Arbeit oder einen Praktikumsplatz: https://damariszurell.github.io/Wie sieht eine typische Arbeitswoche bei dir aus?Jede Woche kann anders aussehen je nach Jahreszeit, Vorlesungszeit und laufenden Kooperationen, und alle Tage sind unterschiedlich. Generell startet meine Woche aber immer mit einem Team-Meeting, in dem wir gemeinsam unsere Wochenziele besprechen. Dazu kommen dann individuelle Treffen zu bestimmten Projekten, in denen wir Vorgehen planen und Ergebnisse diskutieren. Ein paar Stunden pro Woche sind immer für das Schreiben reserviert, z.B. Fachartikel und Projektanträge, sowie für Begutachtungen, z.B. Gutachten für Fachzeitschriften, Förderorganisationen und studentische Arbeiten. Je nach Bedarf kommen dann Vorträge, Seminare, Vorlesungen, Fachkonferenzen, Expertenworkshops, und Feldarbeiten dazu. Die Administration im Hintergrund kostet auch viel Zeit, ist aber weniger spannend zum Erzählen.Was gefällt dir an deinem Beruf und was fordert dich am meisten heraus?Am besten gefällt mir die Selbstbestimmtheit, die Internationalität und die Dynamik. Es ist aber auch sehr herausfordernd, alle Aufgaben immer fristgerecht zu erledigen und so zu strukturieren, dass das Privatleben nicht leidet.Wie viel von dem erlernten Wissen aus deinem Studium brauchst du in deinem Job?Natürlich habe ich mich auf bestimmte Themenfelder spezialisiert. Dennoch würde ich fast behaupten, dass mir sämtliches erlerntes Wissen im Job hilft.Wie denkst du rückblickend über dein Geoökologiestudium an der Uni Potsdam?Ich habe das Studium sehr genossen. Wir hatten ein tolles Sozialgefüge innerhalb der Studierendenschaft. Im Diplom hatten wir viele Freiheiten in der Kursbelegung, wir hatten viele spannende Exkursionsangebote und viele interessante Dozent*innen. Mir persönlich hat die Breite des Studiums und das damalige Kursangebote sehr gefallen (zugegeben, nicht alles waren meine Lieblingsfächer). Diese Breite kann eine Stärke und eine Schwäche sein. Nicht umsonst hält sich die Studierendenmeinung, wir Geoökolog*innen können alles, aber nichts richtig. Ich persönlich empfinde die Breite als Stärke.Hast du Tipps für unsere Studierenden für einen erfolgreichen Berufseinstieg?Sucht euch die Kurse und Praktika im Studium nicht danach aus, was am einfachsten erscheint, sondern fordert euch und eure Fähigkeiten immer aufs Neue heraus, um daran zu wachsen und eure wirklichen Interessen zu erkennen. Wartet nicht auf Jobinserate sondern bewerbt euch auch initiativ; drückt dabei immer ganz klar aus, warum euch genau diese Arbeit reizen würde.Weiterführende Linksdamariszurell.github.io/scholar.google.com/citationsresearchgate.net/profile/Damaris_Zurelltwitter.com/ZurellLab Zurück zur Übersicht - Unsere Alumni Ob in der Forschung, im Naturschutz, einer Umweltbehörde, NGO, der Industrie oder selbständig: Die Berufe, in denen unser Absolvent*innen arbeiten, sind vielfältig! Erfahre mehr von unseren Alumni...
Porträt Damaris Zurell beige gerahmt
Randolf Klinke - Planungsbüro Foto: privatRandolf Klinke arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der LUP (Luftbild Umwelt Planung GmbH) in Potsdam.SteckbriefDiplom Geoökologie, Abschlussjahr: 2013Seit 2014 wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der LUP - Luftbild Umwelt Planung GmbH.Das Interview wurde im Mai 2020 geführt.Wo arbeitest du und was ist deine Aufgabe?Ich arbeite bei der LUP (Luftbild Umwelt Planung GmbH) in Potsdam im Fachbereich „Fernerkundung“. Meine Aufgaben sind vereinfacht gesagt die Auswertung von Luftbild- und Satellitendaten hinsichtlich umweltrelevanter Themen. Insbesondere die frei verfügbaren Satellitendaten des europäischen Copernicus-Programms werden von uns genutzt, um biophysikalische Parameter abzuleiten und dadurch Prozesse der Erdoberfläche besser verstehen oder Entwicklungsprognosen herleiten zu können. Die oftmals komplexe Vorverarbeitung dieser Daten wird dabei - soweit wie möglich - automatisiert. Die Arbeit umfasst also neben der Entwicklung und Analyse von Algorithmen auch die programmiertechnische Umsetzung in R oder Python. Zusätzlich werden für fernerkundlichen Fragestellungen Referenzdaten in Form von Messungen, Boden- oder Pflanzenproben vor Ort aufgenommen werden. Je nach Projekt finden somit auch Geländebegehungen statt. Zusätzlich gehören auch Projektsteuerungsfunktionen und Planungstätigkeiten zu meinen Aufgaben.KontaktRandolf KlinkeWissenschaftlicher Mitarbeiter bei der LUP Habt ihr Fragen an Randolf Klinke? Dann könnt ihr ihn gerne kontaktieren: LinkWie bist du zu deinem Job gekommen?Mein vorheriger Arbeitgeber - das Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) - war als Kooperationspartner in einem Forschungs- und Entwicklungsprojekt der LUP GmbH beteiligt. Da die LUP zu diesem Zeitpunkt für ein neues Projekt mehrere Mitarbeiter suchte, konnte ich unproblematisch und „auf kurzem Wege“ den Arbeitsgeber wechseln. Von Vorteil war, dass man durch die gemeinsamen Projektbesprechungen bereits sehr früh von den neuen Projekten bzw. neu zu besetzenden Stellen erfahren hat.KontaktRandolf KlinkeWissenschaftlicher Mitarbeiter bei der LUP Habt ihr Fragen an Randolf Klinke? Dann könnt ihr ihn gerne kontaktieren: LinkWelches sind die wichtigsten Fähigkeiten, die man für diese Arbeit mitbringen sollte?Ein Grundverständnis in allen (oder zumindest vielen) Teildisziplinen der Umwelt- und Geowissenschaften. Wichtig ist auch ein gewisses Interesse, Zusammenhänge erkennen und verstehen zu wollen. Dabei kommt es weniger auf einst gelernte Grundlagen (Mathe, Physik, etc.) an, sondern eher darauf, Lösungsansätze zu finden, zu evaluieren und dann ggf. umzusetzen. Man sollte in hohem Maße eigenständig und eigenverantwortlich arbeiten können, auch wenn man eigentlich nie allein in einem Projekt ist.Wichtig ist ebenfalls, dass man sich beim wissenschaftlichen Arbeiten nicht „verliert“ und immer auch Abgabetermine und sonstige Fristen im Auge behält. Umfassende Kenntnisse in den gängigen Fernerkundungs-/GIS-Programmen sind für meine Arbeit natürlich Grundvoraussetzung. Darüber hinaus sind Programmierkenntnisse erwünscht und oft sehr hilfreich. Dazu helfen der sichere Umgang mit Messgeräten und die Bereitschaft auch gern mal „draußen zu sein“. Auch ein Führerschein ist daher sehr willkommen. Und allem voran sollte man Interesse an Fernerkundungsdaten haben und mit ihren jeweiligen Spezifikationen sehr vertraut sein.Wie sieht eine typische Arbeitswoche bei dir aus?Das kommt ganz auf die aktuellen Projekte an. Derzeit bearbeite ich etwa drei bis vier verschiedenen Projekte gleichzeitig. Manche sind einfacher und schneller abzuarbeiten als andere, da bereits „workflows“ aus Vorgängerprojekten existieren und man die Daten durch Skripte oder fertige Modelle „nur“ noch prozessieren und die Ergebnisse evaluieren bzw. aufbereiten muss. Andere Projekte, insbesondere Forschungs- und Entwicklungsprojekte, erfordern zunächst viel Einarbeitungszeit und eine aufwändige (Literatur-) Recherche, um den aktuellen Stand der Technik zu erfassen. Ist ein Konzept entwickelt, geht es an die Algorithmenentwicklung.Aktuell findet bei uns viel im Themenkomplex „Wald und Forst“ statt. Es wird beispielsweise geprüft, inwieweit Fernerkundungsdaten die Dürreschäden der letzten zwei Jahre abbilden. So können großflächige Schadenserfassungen durchgeführt werden und durch eine Modellierung sind auch Entwicklungsprognosen möglich. Doch dafür müssen Modelle zunächst erstellt und kalibriert werden. Das geschieht in meinem Fall fast immer in der Programmierumgebung von R.Andere Projekte wiederum erfordern mehr Geländearbeit, beispielsweise um Referenzdaten zu sammeln, Pflanzen zu bestimmen oder mit einem Spektrometer die spektrale Signatur von Pflanzengesellschaften zu erfassen und diese als Trainingsdaten für ein Modell zu nutzen. In der Regel werden alle Projekte im Team bearbeitet, wobei jeder Projektmitarbeiter einen gewissen Teil (je nach Fachrichtung/ Expertise) zunächst "für sich" bearbeitet. Besprechungen innerhalb der Arbeitsgruppe finden meistens wöchentlich statt. Zudem geht man mehrmals im Jahr auf Tagungen und Konferenzen, um sich mit anderen Firmen oder Instituten auszutauschen oder die eigenen Ergebnisse vorzustellen. Da bisher kein Projekt dem anderen gleicht, gestalten sich auch die „typischen“ Arbeitswochen mitunter sehr unterschiedlich.Was gefällt dir an deinem Beruf und was fordert dich am meisten heraus?Genau diese „Unbeständigkeit“ ist extrem spannend aber auch gleichzeitig sehr herausfordernd. Jedes Projekt ist anders und erfordert (meistens) viel Einarbeitungszeit und das bei einem oftmals recht begrenzten Zeitrahmen. Das kann manchmal zu recht stressigen Phasen führen, ist jedoch auch sehr abwechslungsreich und eben spannend. Zudem hat man die Möglichkeit vieles auszuprobieren. In den Fernerkundungsdaten stecken mitunter so viele Informationen, dass viele Anwendungsbereiche vielleicht noch gar nicht bekannt sind. Im besten Fall springt am Ende ein Produkt (in Form eines Programms oder einer allgemeinen Herangehensweise) heraus, die genutzt und weiterverwendet werden kann. Wir arbeiten bei der LUP GmbH auch sehr eng mit anderen Forschungseinrichtungen und Universitäten zusammen. Durch diese Vernetzung bekommt man sehr schnell Zugang zu neuer Technologie und Methoden und bleibt sehr nah an der Forschung. Wir werden ebenso ermutigt, Ergebnisse in wissenschaftlichen Veröffentlichungen der Allgemeinheit verfügbar zu machen.Wie viel von dem erlernten Wissen aus deinem Studium brauchst du in deinem Job?Zugegeben, aus dem Studium - insbesondere dem Grundstudium - nutze ich eigentlich relativ wenig. Die meisten Kenntnisse, die ich heute benötige, habe ich mir im Berufspraktikum und in der Zeit nach dem Studium angeeignet. Was allerdings nicht heißen soll, dass die Inhalte des Studiums nicht wichtig waren. Ich sehe sie eher als Grundlage, die Vertiefung erfolgt darauf aufbauend dann später. Zwei Beispiele dazu: Mit der Programmiersprache R kam ich das erste Mal im Geoökologie-Studium in Berührung. Ich lernte, wie man sie installiert, welche Oberflächen es gibt und was es mit verschiedensten Paketen auf sich hat. Einfache Programme und sogar eine simple Modellierung konnte ich damit erstellen, das war es dann jedoch auch schon. Die Frustrationsrate war hoch und R wurde nicht mein ständiger Begleiter - vieles wurde weiterhin mit Excel o.ä. bearbeitet. Erst im Berufsleben, als Problemstellungen komplexer wurden und Abläufe optimiert und automatisiert werden mussten, kramte ich das Wissen aus der Schublade. Mittlerweile ist R ein unverzichtbarer Begleiter in meinem Beruf geworden.Ähnlich verhält es sich mit Fernerkundungsdaten. Im Studium hat man einen kleinen Überblick bekommen, wozu die Daten benutzt werden, wie man sie auswertet und was sie für Vor- und Nachteile haben. Die gesamte Komplexität hat sich mir jedoch erst viel später erschlossen (und das ist vielleicht auch gut so :-). Das Interesse war geweckt und die erlernten Fähigkeiten halfen mir sicher auch, meinen Praktikumsplatz und später meine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter zu bekommen. Das Wichtigste, was mir das Studium jedoch vermittelt hat, ist wohl die Fähigkeit, strukturiert zu denken und Aufgaben und Ziele zu priorisieren.Wie denkst du rückblickend über dein Geoökologiestudium an der Uni Potsdam?Highlight des Studiums waren sicherlich die zahlreichen Praktika und Exkursionen. Angefangen von unserer Ersti-Fahrt nach Brückentin (kein zwingender Studienbestandteil :-) ging es mehrfach zur ökologischen Station nach Gülpe, zum Geländepraktikum in den Harz, im Rahmen von Vertiefungsrichtungen dann auch an den Rhein und nach Polen zum Białowieża-Nationalpark und schließlich während des interdisziplinären Studienprojekts nach Griechenland. Diverse Praktika (Gelände-, Bodenkunde-, Chemie-) lockerten den Uni-Alltag auf und man konnte zum ersten Mal auch die Theorie in die Praxis umsetzen. Auch wenn ich vieles von den erlernten Dingen heute (leider) nicht mehr benötige oder anwenden kann, erinnere ich mich immer wieder sehr gern an die Zeit und das Erlebte zurück. Und nebenbei hat das Studium mir geholfen, Antworten auf wichtige Fragen des Lebens zu geben:"Wie bringt man einen Kasten Bier in absoluter Dunkelheit zur Unterkunft inmitten einer vollkommen überfluteten Flussaue?" "Kann man Messtransekte auch so planen, dass diese nicht durch meterhohe Sträucher, tiefe Bäche und über Bahnschienen verlaufen?" "Wie hebt man im Bodenkunde-Praktikum im Winter eine Bodengrube aus, wenn der Boden gefroren ist?"... und viele andere mehr :-)Hast du Tipps für unsere Studierenden für einen erfolgreichen Berufseinstieg?Das Geoökologie-Studium vereinigt viele Disziplinen und ist demnach sehr breit gefächert. Ich glaube, daher ist es wichtig, irgendwann im Verlauf des Studiums zu wissen, wo man (in etwa) hin möchte. Welche von den zahlreichen Teildisziplinen macht mir Spaß bzw. liegt mir besonders? Strebt man eine wissenschaftliche Karriere an oder möchte man eher in einem (Planungs-) Büro arbeiten oder sich gar selbstständig machen? Kann man diese Fragen beantworten, kann man bereits innerhalb des Studiums einige Weichen stellen, beispielsweise bei der Wahl des Praktikums oder bei der Auswahl der Themen für Bachelor-/ Masterarbeiten. Oft schreiben Firmen oder andere Institute auch praxisnahe Themen aus, über die man dann recht schnell "einen Fuß in die Tür" bekommen kann. Auch ausgeschriebene HiWi-Stellen sind oftmals eine gute Möglichkeit, den potentiellen späteren Arbeitgeber kennenzulernen.Weiterführende Linkslup-umwelt.de Zurück zur Übersicht - Unsere Alumni Ob in der Forschung, im Naturschutz, einer Umweltbehörde, NGO, der Industrie oder selbständig: Die Berufe, in denen unser Absolvent*innen arbeiten, sind vielfältig! Erfahre mehr von unseren Alumni...
Porträt Randolf Klinke beige gerahmt
Nico Heitepriem - Strategische Landnutzung Foto: privatNico Heitepriem arbeitet als Innovationsmanager bei der agrathaer GmbH im Bereich strategische Landnutzung.SteckbriefDiplom Geoökologie, Abschlussjahr 2008Name des Arbeitgebers: agrathaer GmbH - strategische LandnutzungZehn Berufsjahre im Bereich, seit 2019 bei agrathaerDas Interview wurde im Mai 2020 geführt.Über welches Thema hast du deine Abschlussarbeit geschrieben?Der Titel meiner Diplomarbeit ist "Analyse zur Problematik sinkender Grundwasserstände in der Schorfheide – mit geostatistischen Methoden und GIS.“ Und das Thema meiner Doktorarbeitarbeit ist "Biodiversitätsmanagement für Immobilien. Strategie, Organisation und Umsetzung.“Wo arbeitest du und was ist deine Aufgabe?Als Innovationsmanager bei der agrathaer GmbH arbeite ich in verschiedenen Aufgabenbereichen. Ein großer Bestandteil meiner Arbeit sint die Koordination sowie operativ-praktische und wissenschaftliche Tätigkeiten für unterschiedliche Projekte. Der Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Innovationen: Beispielsweise für ein nachhaltiges Waldmanagement oder die Entwicklung eines zukunftsfähigen Anbauverfahrens im Obstbau. Desweiteren gehören gutachterliche Aufgaben, das Förderprogramm Management für die Aktion Brandenburg sowie diverse inter- und transdisziplinäre Tätigkeiten im Rahmen der täglichen Projektarbeit zu meinem Aufgabenprofil.KontaktDr. Nico Heitepriem, InnovationsmanagerHabt ihr Fragen zum Beruf an Nico Heitepriem? Dann könnt ihr ihn gerne kontaktieren: LinkWas hat dich an dem Job gereizt und wie bist du zu deinem Job gekommen?Bereits im Grundstudium wusste ich, dass ich mehr möchte, als die Welt rein aus der naturwissenschaftlichen oder umweltplanerischen Perspektive zu analysieren und zu erforschen. Nachhaltigkeit und Transdisziplinarität haben mich früh inspiriert und letztlich motiviert, meine Vertiefung im Bereich Umweltmanagement und –ökonomie zu wählen. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Promovend am Centre for Sustainability Management der Leuphana Universität in Lüneburg, hat sich mein Weg manifestiert. Nachhaltigkeitsmanagement, Innovationen sowie Landschafts- und Regionalmanagement wurden feste Bestandteile, nicht nur beruflich, sondern auch meines Privatlebens.Welches sind die wichtigsten Fähigkeiten, die man für diese Arbeit mitbringen sollte?Wie in vielen anderen Berufen, die man als GeoökologIn antritt, sollte man ein guter Netzwerker sein, unterschiedliche Perspektiven einnehmen können und letztlich seine sozialen Skills nicht vernachlässigen. Projekte zu managen heißt, mit sehr vielen Leuten zusammen zu arbeiten, die aus den verschiedensten Disziplinen kommen und diverse (eigene) Ansprüche und Erwartungen mitbringen. Hier erfolgreich zu agieren und zu kooperieren, bedeutet viel Fingerspitzengefühl mitzubringen und andere auch mit den eigenen Kompetenzen überzeugen zu können. Die teils hervorragende, methodische Ausbildung des Geoökologiestudiums der Uni Potsdam (z.B. in GIS oder Planungstools) kommt mir dabei oft zu Gute. Und auch meine Promotion im Bereich BWL und Sustainability Management hat meine Karriere unterstützt.KontaktDr. Nico Heitepriem, InnovationsmanagerHabt ihr Fragen zum Beruf an Nico Heitepriem? Dann könnt ihr ihn gerne kontaktieren: Link Eindrücke von der Arbeit Videobeitrag über die Bedrohung der Sanddorn-Ernte durch die Fruchtfliege. Brandenburg Aktuell, 17. September 2019.Wie sieht eine typische Arbeitswoche bei dir aus?Teamwork und individuelle Verantwortung gehören in jeden meiner Arbeitstage. Vor allem aber komme ich in meinem Beruf auch mal raus. Diese Abwechslung macht mich tatsächlich glücklich.Was gefällt dir an deinem Beruf und was fordert dich am meisten heraus?In einem inter- und transdisziplinaren Arbeitsfeld diverse Interessen unter einen Hut zu bringen, ist eine große Herausforderung, kann aber auch unheimlich Spaß machen. Vor allem, wenn man mit den richtigen KollegInnen und -partnerInnen in einem Boot sitzt.Wie viel von dem erlernten Wissen aus deinem Studium brauchst du in deinem Job?Geowissenschaften, Geoinformatik, Umweltplanung und die betriebswirtschaftlichen Grundlagen gehören immer noch in meinen Arbeitsalltag.Wie denkst du rückblickend über dein Geoökologiestudium an der Uni Potsdam?Die mathematisch-naturwissenschaftlichen Grundlagenfächer waren eine große Herausforderung zu Beginn des Studiums. Doch auch, wenn es anstrengend war, ist es rückblickend gut gewesen, diese Grundlagen zu legen. Denn damit bin ich in der Lage, eine systemische Sichtweise einnehmen zu können, die anderen, spezialisierten Studiengängen oft fehlt. Dies hervorzuheben, hat mir oft auch in meinen Bewerbungsverfahren einen Vorsprung vor Mitbewerbern verschafft.Wenn du dir im ersten Semester einen Rat hättest geben können, welcher wäre das?Überlegt euch gut, wo ihr eure Schwerpunkte im Master setzten wollt, sofern ihr diesen anstrebt und verliert dieses Ziel nicht aus den Augen. Meinen Traumberuf anzutreten, hat auch Mühen gekostet, aber es hat sich gelohnt. Und, geht lieber öfter zu den Vorlesungen als ich, das spart letztlich Zeit (Lernen) und Nerven (Prüfungsangst).Hast du Tipps für unsere Studierenden für einen erfolgreichen Berufseinstieg?Hebt genau das hervor, was andere vielleicht kritisieren würden: Wir sind keine Universalgenies, aber unser herausragendes Verständnis vom Großen und Ganzen - ist bei vielen zukunftsträchtigen Berufen im Bereich der Nachhaltigkeit - eines der wichtigsten Argumente, um andere von euch zu überzeugen. Zurück zur Übersicht - Unsere Alumni Ob in der Forschung, im Naturschutz, einer Umweltbehörde, NGO, der Industrie oder selbständig: Die Berufe, in denen unser Absolvent*innen arbeiten, sind vielfältig! Erfahre mehr von unseren Alumni...
Porträt Nico Heitepriem beige gerahmt

Innovationsmanager

Nico Heitepriem

Sophie Ittner - Umweltpolitik/Forschung Foto: Andreas KubatzkiSophie Ittner arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ecologic Institut im Bereich Landwirtschaft und Boden.SteckbriefBachelor und Master Geoökologie, Abschlussjahr 2016wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ecologic Institut seit 2018Das Interview wurde im Mai 2020 geführt.Wo arbeitest du und was ist deine Aufgabe?Ich bin wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ecologic Institut im Bereich Landwirtschaft und Boden. Es geht in meiner Arbeit um die Evaluation von Politikinstrumenten und wie gut diese in Bezug auf den Schutz von Umweltgütern funktionieren. Mein Schwerpunkt ist es, die Auswirkung der Landwirtschaft auf die Umweltgütern zu untersuchen. Die Projekte, die ich bearbeite, umfassen die Themenbereiche Boden, Biodiversität und Wasser.KontaktSophie Ittner, wissenschaftliche MitarbeiterinEcologic Institut, Bereich Landwirtschaft und BodenHabt ihr Fragen an Sophie Ittner? Dann könnt ihr sie gerne kontaktieren: LinkWas hat dich da an dem Job gereizt?Es hat mich gereizt, am aktuellen Umweltgeschehen beteiligt zu sein und ein Einblick in die Umweltpolitik und deren Wirkungen zu bekommen. Ich bin auf den Job durch den Newsletter www.greenjobs.de aufmerksam geworden.Welches sind die wichtigsten Fähigkeiten, die man für diese Arbeit mitbringen sollte?Analytisches, vernetztes Denken ist besonders wichtig. Ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit ist es, verschiedene Daten zu Umweltthemen auszuwerten und im jeweiligen Umweltkontext richtig zu interpretieren. Statistische Grundkentnisse sind dafür ebenfalls von großem Vorteil. Außerdem sind gute Englischkentnisse wichtig, denn viele Projekte laufen komplett in englischer Sprache ab.KontaktSophie Ittner, wissenschaftliche MitarbeiterinEcologic Institut, Bereich Landwirtschaft und BodenHabt ihr Fragen an Sophie Ittner? Dann könnt ihr sie gerne kontaktieren: LinkWie sieht eine typische Arbeitswoche bei dir aus?Ich arbeite Teilzeit mit 32 Stunden pro Woche, so wie die meisten bei uns. Es gibt regelmäßige Teammeetings innerhalb der verschiedenen Projekte, indem wir uns über den Projektstand und aktuelle politische Themen austauschen. Die Tage sind sehr unterschiedlich. An manchen Tagen recherchiere ich sehr viel, an anderen werte ich Daten aus oder verfasse Texte. Und es gibt Tage, an denen ich mich per Skype oder per Email mit externen Partner über die Projekte viel austausche.Darüber hinaus organisieren wir mehrere Workshops pro Jahr und ich nehme an Konferenzen teil, um z.B. die Projekte vorzustellen und zu Netzwerken. Aber auch Interviews mit Akteuren zu führen und Umfragen zu unterschiedliche Themen zu erstellen und durchzuführen, gehört zu meinen Aufgaben. Des Weiteren ist das Verfassen von Projektanträgen und Akquirieren neuer Projekte ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit.Was gefällt dir an deinem Beruf und was fordert dich am meisten heraus?Es gefällt mir, dass ich in verschiedenen Themenbereichen arbeite und mir einzelne Projekte sogar aussuchen kann. Das können Projekte zum Thema Wasser, Boden oder zur Biodiversität sein. Interessant ist auch, dass ich eigene Projektanträge schreibe, meine Ideen miteinbringen und somit Akzente setzen kann. Wir arbeiten meist in einem interdisziplinären Team aus zwei bis fünf KollegInnen  zusammen und mit einer Vielzahl externer Partner, besonders aus Europa, aber auch weltweit. Die Projekte sind transdisziplinär, d.h. wir arbeiten auch mit den Praktikern aus der Landwirtschaft und politischen Akteuren zusammen. Herausfordernd ist, dass man in vielen Projekten gleichzeitig arbeitet. Ein sehr gutes Zeit- und Projektmanagement ist sehr wichtig und man muss mit Zeitdruck und Deadlines gut umgehen können.Wie viel von dem erlernten Wissen aus deinem Studium brauchst du in deinem Job?Ich nutze sehr viel von dem Wissen und Fertigkeiten, die uns beigebracht wurden. Besonders die Zusammenhänge beim Einarbeiten in neue Umweltthemen schnell zu verstehen und richtig einordnen zu können, hilft mir enorm in meinem Beruf. Die profitiere sehr von der Breiten und fundierte Ausbildung der Geoökologie. Auch die Fähigkeiten Daten gut auszuwerten, nutze ich viel.Wie denkst du rückblickend über dein Geoökologiestudium an der Uni Potsdam?Fünf Sterne, ich möchte nichts anderes studiert haben! Es war ein tolles Studium und hat mir ermöglicht, in einen für mich sinnvollen Bereich einen sehr guten Einstieg zu bekommen. Ich habe die Atmosphäre an der Uni Potsdam immer sehr genossen und unter meinen Kommilitonen sogar Freunde fürs Leben gefunden.Hast du Tipps für unsere Studierenden für einen erfolgreichen Berufseinstieg?Macht euch keine zu schweren Gedanken wegen eurer beruflichen Zukunft. Ich habe mir während des Studiums zu oft Druck gemacht, weil das Studium der Geoökologie so breit aufgestellt ist und ich nicht genau sagen konnte, worin meine Stärke liegt. Mittlerweile weiß ich: Die Interdisziplinarität der Geoökologie ist seine besondere Stärke. Die fundierte Breite des Studiums und Fähigkeit Zusammenhänge schnell zu erfassen, ist auf dem Arbeitsmarkt sehr nachgefragt.Weiterführende Linksecologic.eu/15243ecologic.eu/node/15284ecologic.eu/node/10491 Zurück zur Übersicht - Unsere Alumni Ob in der Forschung, im Naturschutz, einer Umweltbehörde, NGO, der Industrie oder selbständig: Die Berufe, in denen unser Absolvent*innen arbeiten, sind vielfältig! Erfahre mehr von unseren Alumni...
Porträt Sophie Ittner beige gerahmt
Dr. Philipp Richter Referent im Ministerium des Innern und für Kommunales des Landes Brandenburg (MIK)Foto: Karoline Wolf Was haben Sie studiert und worauf haben Sie sich spezialisiert?Ich habe – damals noch auf Diplom – Politikwissenschaften mit den Ergänzungsbereichen Öffentliches Recht und Wirtschaftspolitik studiert und später in Verwaltungswissenschaften promoviert. Meine Vertiefungsbereiche im Studium waren „Regierungssystem der Bundesrepublik Deutschland“ und „Vergleichende Politikwissenschaft“, wobei ich mich inhaltlich schon während des Studiums viel mit Verwaltung und Verwaltungsstrukturen beschäftigt habe.   Wo arbeiten Sie und wie sind Sie in Ihren Beruf gekommen?Ich arbeite im Ministerium des Innern und für Kommunales des Landes Brandenburg – oder kurz gesagt im „MIK“. In Brandenburg war vor einigen Jahren eine Verwaltungsstrukturreform geplant – genau zu diesem Thema hatte ich meine Diplomarbeit geschrieben und später auch promoviert. Als 2016 eine Stelle für diesen Bereich ausgeschrieben war, habe ich mich beworben und wurde genommen. Was sind Ihre Aufgaben bzw. wofür sind Sie verantwortlich?Mittlerweile bin ich im Bereich Digitalisierung für das Thema Onlinezugangsgesetz (OZG) und hier für das OZG-Themenfeld „Ein- und Auswanderung“ zuständig. Brandenburg verantwortet für diesen Bereich bundesweit die Digitalisierung von Verwaltungsleistungen – ein sehr spannendes und hochaktuelles Aufgabengebiet.  Repräsentieren oder konzeptualisieren: Wie gestaltet sich Ihr Arbeitsalltag?Gerade beim Thema Onlinezugangsgesetz ist kein Tag wie der andere – viele Prozesse und Strukturen müssen sich im föderalen Kontext erst noch etablieren. Und OZG heißt vor allem eins: Koordination. Bundesministerien, die Ministerien anderer Länder, Kommunalverwaltung, IT-Dienstleister, externe Berater, usw. müssen für die Umsetzung des OZG alle zusammenwirken. Das verlangt viel Abstimmungsarbeit.     Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Ich habe mich mit einer größeren Stadt eines anderen Bundeslandes über die Umsetzungsmöglichkeiten des OZG im Bereich „Ein- und Auswanderung“ ausgetauscht, mit dem Brandenburger Projektteam zum „Aufenthaltstitel“ die letzten Schritte zur Inbetriebnahme unserer Online-Lösung besprochen und mich mit Beratern über die Möglichkeiten eines digitalen Bürgerassistenten ausgetauscht. Sind Sie viel unterwegs oder sitzen Sie hauptsächlich im Büro?Wenn wir die Vor-Corona-Zeiten als Maßstab nehmen: Im OZG-Kontext fallen durchaus viele Außentermine an, aber der Großteil der Arbeit findet – wie es sich für Bürokratie gehört – natürlich im Büro statt. Diese Frage hängt aber – wie so vieles in einem Ministerium – vom konkreten Aufgabengebiet ab, in dem man arbeitet.  Bei den ganzen Verwaltungsvorschriften - Wie flexibel sind Sie in der Gestaltung Ihrer Arbeit?Auch wenn man es intuitiv vielleicht nicht vermutet: ich bin sehr flexibel bei der Gestaltung meiner Arbeit. Aber auch hier gilt, dass dies innerhalb eines Ministeriums stark vom Aufgabengebiet abhängt. Es macht einen Unterschied, ob Sie in stark rechtlich determinierten Bereichen arbeiten oder – wie ich derzeit – de-facto in Projektstrukturen.      Rückblickend auf Ihr Studium: Wovon profitieren Sie heute in Ihrem Beruf ganz besonders?Auch wenn einem als Student*in die Antwort vielleicht zunächst unbefriedigend erscheint: aber am Ende sind es die während des Studiums erworbenen Metakompetenzen, von denen man profitiert. Wie erläutert mache ich inhaltlich mittlerweile etwas Anderes als während meines Studiums bzw. meiner Promotion. Aber der im Studium erworbenen Abstraktionsgrad zu Prozessen, Strukturen, Methoden, Theorien und empirischen Analysen helfen einem grundsätzlich, Problemlösungsfähigkeiten zu entwickeln. Ist ein Promotion Voraussetzung für den Beruf des/der Referent*in?Nein – keinesfalls. In meinem Fall hat die Promotion – wie oben erläutert – aber wegen der inhaltlichen Nähe zur ausgeschriebenen Stelle dem Einstieg sicherlich nicht geschadet. Wie politisch darf man als Referent*in im Ministerium sein?Die politische Linie gibt natürlich die jeweils legitimierte Hausleitung vor. Als Referent*in in einem Ministerium müssen Sie aber in jedem Fall politisch denken können, um Sachverhalte und die Konsequenzen ihrer Entscheidungen politisch einzuordnen und deren Relevanz für die Hausleitung abschätzen zu können.     Was reizt Sie an Ihrem Beruf und was fordert Sie ganz besonders heraus?Meine aktuelle Arbeit im Bereich Onlinezugangsgesetz ist eine extrem Spannende an der Schnittstelle zwischen Verwaltungsmodernisierung, Digitalisierung und Mehrebenenpolitik. Und das ist zugleich die Herausforderung: alle Akteure unter einen Hut zu bringen, ist für alle am OZG-Umsetzungsprozess beteiligten Personen sicherlich nicht immer einfach.  Was hat Sie am Beruf des/der Referent*in überrascht? Gibt es Mythen über die Verwaltungsarbeit, mit denen gebrochen werden sollte?Man sollte Verwaltungsarbeit nicht mit staubiger Aktenarbeit gleichsetzen. Die Aufgabenbereiche sind sehr vielfältig und die Gestaltungsmöglichkeiten durchaus hoch. Auch die Weiterentwicklungsmöglichkeiten und die Möglichkeiten der Einteilung der eigenen Arbeitszeit und des Arbeitsortes sind flexibler als man gemeinhin denkt.  Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen? Viele Wege führen nach Rom: Gerade für Nicht-Jurist*innen ist der Weg in die öffentliche Verwaltung im Bereich des Höheren Dienstes wenig vorgezeichnet. Sammeln Sie während Ihres Studiums praktische Erfahrungen im Umfeld öffentlicher Verwaltung, beschäftigen Sie sich mit für Verwaltung praxisrelevanten Themen, steigen Sie – wie bei mir im Bereich Wissenschaft – gegebenenfalls zunächst in anderen Bereichen ein und bewerben sich später auf Stellen der öffentlichen Verwaltung. Und schließlich ein Tipp zum Schluss: der Bereich der Digitalisierung der Verwaltung wird in den nächsten Jahren sicherlich nicht an Bedeutung verlieren.  °Rechtswissenschaften; °Politik-, Sozial-, Organisations-, Planungs- und Verwaltungswissenschaften
Porträt Philipp Meyer beige gerahmt
Ann-Kathrin Keil Personalreferentin in einem mittelständischen Unternehmen in Oberfranken Was machen Sie beruflich?Ich arbeite als Personalreferentin in einem mittelständischen Unternehmen in Oberfranken. Was haben Sie studiert und wie sind Sie in Ihren Beruf gekommen?Ich habe BWL studiert, erst den Bachelorstudiengang, anschließend ein Masterstudium. Spezialisiert habe ich mich im Bachelor auf Marketing und Personal und im Master auf Personal und Organisation. Nach dem Studium habe ich als Personalsachbearbeiterin in einem Versandhandel angefangen und bin dann bei einem neuen Arbeitgeber in die Position als Personalreferentin gewechselt. Wollten Sie schon immer ins Personalwesen gehen bzw. wann war für Sie klar, dass es das ist, was Sie machen wollen?Nein, wollte ich nicht. Das Bachelorstudium war an meiner Hochschule sehr breit gefächert und ich hatte überlegt mich z.B. auf Wirtschafts-IT zu spezialisieren. Im Grundstudium durchläuft man alle Sparten bis man sich letztendlich spezialisiert. In dieser Zeit habe ich gemerkt, dass mir das Personalwesen, Kommunikation & Organisation sehr gut gefällt. Nach dem BA habe ich gemerkt, dass es definitiv die richtige Entscheidung war und konnte mein Masterstudium ebenfalls meinen Interessen anpassen. Zwischen Personaleinstellungen und -austritten - Für wie viele Personen sind Sie verantwortlich und welche Aufgaben haben Sie als Personalreferentin in Ihrem Unternehmen?Ich bin für ca. 120 Personen (verschiedene Hierarchiestufen) zuständig. Ich bearbeite den kompletten Personalprozess von der Einstellung bis zur Freisetzung, das heißt, ab der Personalplanung, welche zum Recruiting führt, über das Onboarding zur Mitarbeiterbetreuung zum Mitarbeiteraustritt, welcher in die Personalplanung übergeht und damit den Kreis schließt. Das sind alles sehr große und breit bestellte Felder, Einzelaufgaben sind unter anderem: Stellenausschreibungen erstellen, Bewerbungen sichten, Bewerber einladen, Bewerbungsgespräche führen, Führungskräfte in der Auswahl der Kandidaten beraten, Führungskräfte bei der Mitarbeiterführung unterstützen und beraten, Probezeitgespräche führen, administrative Aufgaben (Verträge, Zeugnisse, usw. erstellen, Mailbearbeitung, …), Bewerber- und Mitarbeiterkontakt, Personalmarketing, … Wie treffen Sie Personalentscheidungen?Es gibt oft keine sofortigen definitiven Entscheidungen. Falls es sich um einen Konflikt handelt, versucht man für beide Seiten eine Lösung zu finden und aufzuzeigen wo das Problem entstanden sein könnte. Geht es um ein grobes Fehlverhalten einer Person, wird dies erklärt und auch was die Konsequenz davon ist. Bei meinem Arbeitgeber werden wenige Abmahnungen erteilt und auch wenig arbeitgeberseitige Kündigungen ausgesprochen. Es gibt wenig Konflikte und wenig Fluktuation. Von welchem im Studium erworbenen Wissen oder gemachten Erfahrungen profitieren Sie heute noch?Vor allem von den Kommunikations-, Lern- und Organisationstechniken. Ersteres hilft mir in Bewerbungsgesprächen, in Meetings und in Mitarbeitergesprächen. Die letzten beiden helfen mir, meine Arbeit zu strukturieren und mir neue Themen schnell anzueignen. Das Thema Führungsstile & Personalmarketing hilft mir ebenfalls in mehreren Bereichen. Es wirkt sich auf das Recruiting ebenso aus wie auf die Mitarbeiterbetreuung und die Beratung der Führungskräfte. Wie wichtig ist branchenspezifisches Wissen für Ihre Arbeit?Selbstverständlich muss ich wissen, was mein Unternehmen denn überhaupt macht, schließlich muss ich die Firma für Bewerber interessant machen und gleichzeitig die richtige Person auswählen. Allerdings kann ich nicht alles im Detail wissen. Es ist wichtiger einen Überblick zu haben und mein Handwerk als Personalreferentin gut zu beherrschen. Eine gesunde Portion Interesse an neuen Themen ist hierbei nicht schlecht, denn der Arbeitsmarkt wandelt sich ständig, neue Methoden kommen auf und das Interesse bzw. die Bedürfnisse der Bewerber und Mitarbeiter wechseln generationenbedingt. Angst vor Veränderungen sollte man im Personalwesen nicht haben.   Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Ich habe Bewerbungen gesichtet und an die zuständige Abteilungsleitung weitergeleitet. Weiterhin habe ich verschiedene Plattformen für Ausschreibungen bzw. deren Angebote verglichen (Reichweite, Zielgruppe, Preis, Zusatzangebote, etc.). Zuletzt habe ich mit einer Abteilungsleitung über das weitere Vorgehen einer Ausschreibung gesprochen, welchen Zeitplan wir haben, was wann erledigt sein muss und welche Maßnahmen wir ergreifen möchten. Ihre Eltern haben nicht studiert: Welche Herausforderungen haben Sie als Arbeiterkind meistern müssen, die Ihre Kommiliton*innen mit studierten Eltern nicht hatten? Und andersherum: Was können Sie als Bildungsaufsteigerin vielleicht sogar besser?Ich musste mir den kompletten Studienablauf, die Sprache, Verhaltensweisen, usw. erstmal aneignen. Z. B. auf ein Gespräch mit einem Professor habe ich mich ziemlich lange vorbereitet, weil ich gar nicht im Kopf hatte, dass ich einfach in das Büro gehen kann. Ich war um jede Prüfung froh die ich geschafft habe, weil ich dachte, wenn man durchfällt, fliegt man raus. Das sins solche Kleinigkeiten, die man erst lernen muss, um zu verstehen, wie man richtig studiert. Andererseits hatte ich durch meine vorher absolvierte Ausbildung im Einzelhandel und die Berufserfahrung wenig Probleme mit dem Aufstehen, der Konzentration oder dem Durchhaltevermögen. Ich konnte schwer nachvollziehen, wenn jemand zu spät zur Vorlesung kam oder Vorlesungen ausfallen ließ. Für mich war das Studium mein Job und ich musste nicht erst lernen diese Disziplin aufzubauen. Was begeistert Sie an Ihrem Beruf?Ich arbeite mit Menschen und kann diese, wenn es gut läuft, glücklich machen. Jemandem einen Job zu verschaffen in einem Unternehmen hinter dem man steht, das ist toll. Sich mit den Kollegen zu unterhalten und zu hören wie es gerade im Job läuft und ihnen gut zuzureden, zu gratulieren für gute Arbeit oder Probleme aus der Welt zu schaffen, macht mir ebenfalls Freude. Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen:Macht Praktika! Das Personalwesen steht aufgrund der Personendaten etwas abseits zu anderen Abteilungen. Man kann über die Themen, die anstehen, nicht mit Kollegen aus anderen Abteilungen sprechen. Vieles unterliegt dem Datenschutz und da man mit der eigenen Präsenz direkt die Außenwirkung einer Firma beeinflusst, werden als Referenten*innen selten blutige Anfänger eingestellt. Sucht euch Praktika und saugt so viel Wissen in euch auf, wie es nur möglich ist. Fragt aktiv, ob ihr an Gesprächen teilhaben dürft. Lasst euch alles erklären, was ihr nicht versteht. Seid nicht enttäuscht, wenn der erste Job eine Sachbearbeiterstelle ist, einfach weitermachen. Dann seid ihr auf dem richtigen Weg.°Wirtschaftswissenschaften;
Porträt Ann-Kathrin Keil beige gerahmt

Personalreferentin

Ann-Kathrin Keil

David Michel Veranstaltungsmanager am Zentrum für Hochschulsport PotsdamFoto: Thomas Roese Was machen Sie beruflich?Ich bin Veranstaltungsmanager am Zentrum für Hochschulsport Potsdam. Was haben Sie studiert und wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Ich habe Sportmanagement im Bachelor und Sportwissenschaft-Leistungssport im Master an der Universität Potsdam studiert. Während und vor dem Studium bin ich bereits einigen Nebentätigkeiten im Baugewerbe, auf Messen, im Rundfunk, im Einzelhandel, in der Gastronomie, im Nachwuchsleistungssport und der Veranstaltungsbranche nachgegangen. Dazu kamen vor allem Hauptbeschäftigungen an einem Fußballinternat, in einem StartUP oder auch an der Universität selbst. Ich denke, dass vor allem dieser Kontrast direkt aber auch indirekt dazu geführt hat, mich der Veranstaltungsbranche zu widmen. Direkt, weil mir vor allem die Tätigkeiten auf Veranstaltungen immer mehr gefallen haben und indirekt, weil ich gleichzeitig festgestellt habe, ein Allrounder zu sein. Ich habe mich einfach ausprobiert, um mich selber besser kennenzulernen. Auf welche fachlichen bzw. sozialen Kompetenzen kommt es in Ihrem Beruf Ihrer Meinung nach besonders an?Zu Beginn ist es hilfreich, ein Grundverständnis des Projektmanagements und erste Kenntnisse im Veranstaltungsmanagement mitzubringen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es in meinem Beruf aber vor allem darauf ankommt, immer offen für Neues zu sein. Man sollte sich weder vor neuen Ideen noch vor dem Aufwand des Lernens verschließen. Es gibt in der Sportwissenschaft einen schönen Spruch: „Läufer werden gemacht, Sprinter werden geboren“. In der Veranstaltungsbranche zählt es ein Läufer zu sein und an jeder positiven wie negativen Erfahrung zu wachsen. Am Ende, sofern es ein Entwicklungsende überhaupt gibt, lebt man vor allem von seinem Netzwerk, den eigenen Erfahrungen und dem Willen immer neue Veranstaltungsprojekte zu realisieren. In welchen Punkten bereitet ein sportwissenschaftliches Studium auf Ihren Beruf vor? Was lernt man erst in der Praxis?Das Studium hat mir persönlich geholfen, Kontakte für den späteren Werdegang zu knüpfen und erste Instrumente der BWL oder des Projektmanagements kennen zu lernen. Gleichzeitig hat mich mein Masterstudium gelehrt, kritisch zu hinterfragen und faktenbasiert zu argumentieren. In der Praxis lernt man zum anderen das zielorientierte Arbeiten. Es wird einem ständig der Spiegel vorgehalten, man lernt vor allem Charaktere richtig einzuschätzen und diese entsprechend ihren Fähigkeiten einzusetzen. Ist es für Ihren Beruf ratsam sich auf Sportarten zu spezialisieren bzw. sich für gewisse Sportarten zu begeistern?Juristinnen und Juristen würden sagen: „Es kommt darauf an.“  Ein Eventmanager/in ist im Grunde ein Projektmanager/in. Exzellente Projektmanager kann man auf fast jedes Projekt setzen. Nichtsdestotrotz kann eine Spezialisierung helfen. To make a long Story short: Eine Spezialisierung/Begeisterung hilft. Versteifen sollte man sich aber nicht. Welche drei Sachen haben Sie bei der Arbeit zuletzt erledigt?Ich habe Arbeitsanweisungen für eine wissenschaftliche Hilfskraft verfasst, einen Dienstreiseantrag gestellt und eine Präsentation für meinen Arbeitsbereich vorbereitet. Was für Sportevents organisieren Sie? Und wie viele Events organisieren im Jahr?Das Portfolio reicht von einen Bouldercup mit 60 Personen über eine Jumping Party bis zu 160 Personen und ein Klitschnass Festival mit bis zu 550 Personen bis hin zu einem Campus Festival mit geschätzten 1500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Gleichzeitig darf ich am Universitätsball der Uni Potsdam mitwirken. In einem Jahr bin ich an bis zu 15 Events beteiligt. Worauf kommt es bei einer Planung eines Sportevents an?Ich denke nicht, dass ein Sportevent anders ist als beispielsweise ein Gesundheitskongress. Es unterscheiden sich lediglich Zielgruppe und Inhalte. Bei der Planung dreht es sich vor allem immer um die W-Fragen, die mit fortschreitender Zeit immer mehr im Detail beschrieben werden. Gleichzeitig muss dem Aufgabencontrolling eine Menge Aufmerksamkeit gewidmet werden. Arbeiten Sie eher im Team oder für sich allein?Absolut im Team. Alleine hat noch keiner eine Großveranstaltung organisiert. Haben Sie die Möglichkeit in Ihrem Beruf selbst sportlich aktiv zu sein?So gern ich auf dem Klitschnass Festival auch Teilnehmer wäre, gelingt mir das nie. Ich habe immer andere Dinge während einer Veranstaltung zu tun. Allerdings finde ich dann außerhalb des Jobs auch einmal Zeit mich sportlich zu betätigen – sei es im Verein, im Fitnessstudio oder den Kursen des Hochschulsports. Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Dafür zu sorgen, dass alles im Fluss bleibt und sich jeder im Team seiner Aufgabe bewusst ist. Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Probiert euch aus. Lernt eure Stärken und Schwächen kennen. Seid bei Bewerbungsschreiben und –Gesprächen authentisch, ehrlich und ganz ihr selbst. Fragt euch bei jeder Stellenausschreibung, was euch im Beruf wichtig ist und ob euch das die werbende Stelle geben kann. Am Ende sollte der Arbeitgeber/die Arbeitgeberin sich um euch bemühen – nicht andersherum.°Sport-, Gesundheits- und Bewegungswissenschaften;
Porträt David Michel beige gerahmt
Antonia Meyer Kommunikationsberaterin 365 Sherpas – Corporate Affairs & Policy Advice Was machen Sie beruflich und was haben Sie studiert?Ich arbeite als Beraterin in einer Berliner Kommunikations- und Politikberatung. Ich betreue unterschiedliche Kunden aus der Energie-, Handels- und Finanzbrache und unterstütze sie bei der externen Kommunikation und der Interessenvertretung. Ich habe im Bachelor Politikwissenschaft und Geschiche studiert. Meinen Master-Abschluss habe ich in Politikwissenschaft absolviert. Wie sind Sie in Ihren Beruf gekommen?Ich habe während meines Studiums einige Praktika absolviert, um herauszufinden, welche Art von Organisation und vor allem auch Arbeitsweise zu mir passt. Eine Kommilitonin machte mich auf eine Kommunikationsberatung aufmerksam, die zu dem Zeitpunkt nach weiteren Praktikant*innen gesucht hat. Ich konnte mir zu Beginn nicht viel unter einer Kommunikationsberatung vorstellen, wollte es aber kennenlernen. Und schnell hat sich gezeigt: obwohl das Feld sehr speziell wirkt, ist die Bandbreite der Tätigkeiten groß. Ich berate z. B. Unternehmen aus dem Erneuerbaren-Energien-Bereich dazu, wie sie sicherstellen können, dass auch künftig genug Flächen für Windräder ausgewiesen werden. Gleichzeitig planen wir die Social-Media-Kommunikation von Ministerien und helfen Unternehmen, ihre oft komplexen Themen verständlich zu kommunizieren. Die abwechslungsreichen Themen und Aufgaben, die sich aus den unterschiedlichen Kundenmandaten ergeben, sowie das sehr teamorientierte Arbeiten haben mir recht schnell gezeigt, dass ich mir das langfristig vorstellen kann.  Was sind die wichtigsten Fähigkeiten und Charaktereigenschaften, die man für die Arbeit als Berater*in mitbringen muss?Wenn man Kommunikationsberater*in werden möchte, braucht es Mut, Offenheit, politisches Interesse sowie hohes Eigenengagement. Es geht darum, Unternehmen und Organisationen auf ihrem Weg zu begleiten – und es auch „aushalten“ zu können, wenn der Kunde erst noch überzeugt werden muss. Das ist eine Kompetenz, die man in den ersten Jahren erlernt und dann weiter schärft. Dabei kommt es vor allem auf hohe Analysefähigkeit, schnelle Auffassungsgabe, Neugier für gesellschaftliche Entwicklungen, ein Verständnis für politisch-kommunikative Zusammenhänge sowie eine strategische Kompetenz an. Im besten Fall präsentieren Sie gerne und können Menschen von Ihren Ideen überzeugen. Es braucht aber keine „Rampensau“, um ein*e gute*r Berater*in zu sein. Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Erstellung einer Workshop-Präsentation, in der wir dem Kunden aufgezeigt haben, wie Unternehmen Twitter in der politischen Arbeit nutzen können und welchen Mehrwert es für die Interessenvertretung hat.Feedbackgespräch mit einem Kollegen für ein Positionspapier zum Thema Integration Erneuerbarer Energien und Reform des EEG.Planung der Budgets für das Jahr 2021 für die einzelnen Kundenmandate, die ich betreue. Wie entwickelt man eine Kommunikationsstrategie?Das Wichtigste ist: sie muss immer individuell entlang der Herausforderungen und Ziele der jeweiligen Organisation erstellt werden. Das klingt erstmal offensichtlich. Aber es erfordert ein tiefes Verständnis der Themen sowie der internen und externen Entwicklung. Wie wirkt sich eine Wahljahr wie 2021 auf mein Vorgehen aus? Wie wird mein Thema in der Öffentlichkeit wahrgenommen? Was will ich langfristig erreichen? Wen will ich überhaupt erreichen? Wer hat ähnliche Interessen und wer nicht? Eignet sich eine großangelegte Kampagne oder geht es eher darum, den Austausch mit Expert*innen zu suchen? Diese Fragen muss man beantworten, um die passende Strategie zu entwickeln. Wie viel Verantwortung tragen Sie und wie macht sich diese bemerkbar?Ich betreue mehrere Kundenprojekte und übernehme dort Aufgaben wie das strategische und inhaltliche Sparring. Unsere Ergebnisse verantworte ich dann gegenüber unseren Ansprechpartner*innen beim Kunden. Meist bin ich erste Ansprechpartnerin. Es kommen aber auch interne Aufgaben hinzu wie passende Teamaufstellung, Budgetplanung, Angebotserstellung. Für einige der Teammitglieder trage ich außerdem Personalverantwortung: Feedbackgespräche, persönliche Weiterentwicklung etc. Inwiefern ist branchenspezifisches Fachwissen für Ihren Beruf wichtig? Könnten Sie jedes Unternehmen beraten?Die Antwort ist klar: ja. Wir als Beratung werden die Themen der Kund*innen nicht besser kennen als deren Fachabteilungen. Unsere Expertise ist Kommunikation. Wir schauen uns also im Detail an, was der/die Kunde/Kundin erreichen möchte. Wenn wir das für realistisch halten, dann können wir uns in Themen und Branchen schnell einarbeiten. Jedoch erarbeitet man sich über die Jahre doch in einigen Branchen gutes Fachwissen, so dass man hier nicht bei Null anfängt.  Arbeiten Sie im Team oder allein?Ich arbeite ausschließlich im Team. Das heißt nicht, dass ich Texte, Präsentationen, Ideen etc. nicht eigenständig entwickle. Aber der Vorteil ist, dass ich dann immer jemanden habe, der das mit mir diskutiert und bespricht. Wann sprechen Sie im Rahmen ihrer Arbeit von Erfolg?Wenn wir durch Kommunikation etwas bewegt haben: also wenn sich Türen für Gespräche öffnen, wenn die Zielgruppe das Thema oder die Botschaft versteht und diskutieren möchte, wenn Nachfragen kommen und manchmal auch wenn Widerstand kommt. Kommunikation ist aber tendenziell schwer messbar. Sie haben Politikwissenschaften studiert.Wovon profitieren Sie rückblickend auf ihr Studium heute in Ihrem Beruf ganz besonders?Das zentrale Element ist, Kontexte herzustellen und unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und einordnen zu können. Und die zahlreichen Hausarbeiten, die ich verfassen musste: dort war gutes Zeitmanagement und Engagement gefragt. Das ist in der Beratung auch sehr wichtig. Was finden Sie an Ihrem Beruf besonders spannend?Durch meinen Beruf bin ich immer up-to-date, was politische Entwicklungen und Diskussionen angeht. Hinzu kommt, dass man sieht, wie sich große Debatten in den einzelnen Branchen wiederfinden – also von der Meta-Diskussion zur konkreten Umsetzung. Zwei Beispiele: Klimaschutz und Digitalisierung. Beide Themen sind ausnahmslos für alle unsere Kund*innen relevant. Doch wie sie diese Themen für sich nutzen, diese angehen und welchen Beitrag sie leisten möchten, ist sehr unterschiedlich. Das gibt mir ein tiefergehendes Verständnis dieser übergeordneten Debatten. Haben Sie Tipps für Berufsinteressierte /-einsteiger*innen?Unter Kommunikationsberatung können sich nicht viele etwas vorstellen: daher würde ich eine Praktikum während des Studiums empfehlen, um die Arbeitsweise und Aufgaben kennenzulernen.°Geistes-, Sprach-, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften; °Politik-, Sozial-, Organisations-, Planungs- und Verwaltungswissenschaften;
Porträt Antonia Meyer beige gerahmt
Ibrahim Ghubbar Head of Strategy & Communication bei der Perseus Technologies GmbH Was machen Sie beruflich?Ich bin Head of Strategy & Communication bei der Perseus Technologies GmbH, einem Berliner Startup für Cybersecurity. Neben meiner Rolle als Pressesprecher leite ich unsere Content- und Marketing-Abteilung. Was haben Sie studiert und wie sind Sie in Ihren Beruf gekommen?Nach meinem Abitur habe ich ein Bachelorstudium in Politik- und Medienwissenschaft an der Universität Regensburg absolviert sowie ein Masterstudium in Politische Kommunikation an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Parallel dazu habe ich immer als Werkstudent und Praktikant in PR-Agenturen und journalistischen Redaktionen gejobbt. Nach dem Studium habe ich in verschiedenen Funktionen erst als Berater und anschließend als Kommunikationsreferent in der Sparkassen-Finanzgruppe gearbeitet. In dieser Zeit habe ich u.a. die Social Media-Strategie und die politische Online-Kommunikation der Sparkassen mitgestaltet. Was ist das für ein Unternehmen, für das Sie arbeiten und was sind Ihre Aufgaben als Head of Strategy & Communication?Perseus ist ein drei Jahre junges Insurtech für Cybersecurity. In Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartner*innen aus der Versicherungs-, Finanz-, und IT-Branche bieten wir speziell für mittelständische Unternehmen einen Rundum-Schutz gegen Cybergefahren an. Neben didaktisch durchdachten E-Learning-Trainings und Hacker-Simulationen bieten wir auch einen Cyber-Notfallhilfe-Service an. Als Startup sind wir agil und passen uns schnell an neue Situationen an. Während des Corona-Lockdowns haben wir von heute auf morgen ein Online-Schulungskonzept zur Cybersicherheit im Homeoffice erstellt, das allen Homeoffice-Mitarbeiter*innen kostenlos zur Verfügung stand. Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Jour Fixe mit unserer Video-Agentur, Brainstorming-Session mit einem unserer Sales Manager, Feedback-Gespräch mit einem meiner Mitarbeiter. Als „Head of…“ muss man sicher Führungskompetenzen mitbringen. Wie eignet man sich diese an?Neben einem klassischen Führungskräfte-Training zum Umgang mit Mitarbeiter*innen, bei dem man lernt wie man mit unterschiedlichen Persönlichkeiten umgeht, habe ich in den vergangenen Jahren viel im beruflichen Alltag gelernt. Etwa bei der Leitung von Terminen oder beim Projektmanagement und natürlich auch von meinen eigenen Führungskräften. Hier habe ich viele positive, aber auch negative Beispiele im Führen von Menschen erlebt. Mitarbeiter*innenführung ist keine Einbahnstraße! Es ist daher äußerst wichtig, dass man sich und sein eigenes Handeln auch mal hinterfragt und aktiv nach Feedback vom eigenen Team fragt. Wie entwickelt man eine Kommunikationsstrategie?Das wichtigste für eine Kommunikationsstrategie ist die Informationsrecherche und Vorbereitung. Wir versuchen immer ein Ziel zu definieren, wie wir es erreichen und welche Kennzahlen (KPIs) einen Abschluss (idealerweise erfolgreich) definiten. Das Ziel kann einen rein öffentlichkeitswirksamen Charakter haben (PR/Öffentlichkeitsarbeit) oder auch vertrieblicher Natur sein (Marketing). Manchmal erhalten wir einen konkreten Auftrag, in anderen Fällen prüfen wir selbst, mittels empirischer Mittel, ob es einen Kommunikationsbedarf oder -anlass für ein Thema gibt. In dieser Phase der Recherche stimmen wir uns viel mit anderen Teams ab.Danach geht es auch schon an die eigentliche Kommunikationsarbeit: Wo erreichen wir unsere Zielgruppe mit unserer Botschaft und auf welchem Kanal? Haben wir diese Fragen beantwortet, geht es an die „Orchestrierung“ der Kampagne, bei der wir den Kommunikationszeitpunkt und -kanal festlegen. So spielen auch externe Faktoren eine wichtige Rolle, z.B. das Inkrafttreten eines neuen Gesetzes oder eine Fachmesse.  Arbeiten Sie im Team oder allein?Ich habe ein Team von elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Auf welche Fähigkeiten und Charaktereigenschaften kommt es in Ihrem Beruf besonders an?In meinem Job stehe ich häufig im Kontakt mit Medienvertreter*innen, Agenturen, Veranstalter*innen, Geschäftspartner*innen und Kolleg*innen aus anderen Abteilungen. Hier ist oft mein Verhandlungsgeschick gefragt, aber auch meine Kreativität und eine schnelle Auffassungsgabe. Beides geht allerdings nicht ohne Empathie und natürlich Wissensdurst. So oft es geht, versuche ich mich mittels Zeitungen, Blogs und sozialen Netzwerken auf dem aktuellsten Stand zu halten und neue Ideen zu schöpfen. Sie haben u.a. Politikwissenschaften studiert. Wovon profitieren Sie rückblickend auf ihr Studium heute in Ihrem Beruf ganz besonders?Im Studium habe ich gelernt strukturiert zu denken und verschiedene Positionen einander gegenüberzustellen oder zu hinterfragen. Dadurch kann ich im beruflichen Alltag Sachverhalte abstrakt betrachten und die Perspektiven aller beteiligten Player nachvollziehen. Wie wichtig sind im Studium erworbene Soft Skills, wie Auslandserfahrungen, Fremdsprachen, Präsentationsfähigkeiten etc. für Ihren Beruf?Sehr! Im Rahmen eines Praktikums und eines ERASMUS-Semesters war ich zwei Mal im Ausland. Dabei konnte ich meine Englisch-Kenntnisse auf ein neues Level heben. Das hilft mir jetzt sehr, da unsere Unternehmenssprache Englisch ist. Zudem habe ich im Rahmen der Berufsvorbereitung ein Mentoring-Programm durchlaufen, bei dem uns Vertreter*innen aus der Wirtschaft gecoacht haben.  Was begeistert Sie an Ihrem Beruf?Jeder Tag ist anders und ich lerne ständig dazu – es wird nie langweilig! Haben Sie Tipps für Berufsinteressierte /-einsteiger*innen?Einfach mal Dinge ausprobieren und keine Angst davor haben Fehler zu machen!°Geistes-, Sprach-, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften; °Politik-, Sozial-, Organisations-, Planungs- und Verwaltungswissenschaften;
Porträt Ibrahim Ghubbar beige gerahmt
Benjamin Weber Leiter der Hertha BSC Fußball-AkademieBildquelle: City-Press / Hertha BSC Was machen Sie beruflich und wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Ich bin Leiter der Hertha BSC Fußball-Akademie. Von 2000 bis 2006 habe ich ein Diplom-Studium der Sportwissenschaft mit dem Schwerpunkt Sportökonomie / Sportmanagement an der Universität Potsdam absolviert. Im Rahmen eines Pflichtpraktikums sammelte ich beim NDR praktische Erfahrungen im journalistischen Bereich und war im Anschluss für zweieinhalb Jahre als studentischer Mitarbeiter bereits bei Hertha BSC im sportlichen Bereich angestellt und konnte hier erste Erfahrungen sammeln. Nach dem Studium zog es mich dann zunächst ins Sportmarketing. 2007 bin ich wieder zu Hertha BSC zurückgekehrt, wo ich zunächst im Marketing- und Sponsoring-Bereich gearbeitet habe. Seit 2014 bin ich in der Funktion des Akademie-Leiters für den gesamten Nachwuchs zuständig. Welche Ziele verfolgt die Hertha BSC Fußball-Akademie und welche Aufgaben haben Sie dabei als Leiter?Ich bin gesamtverantwortlich für die Hertha BSC Fußball-Akademie mit den Kernbereichen Sport, Organisation und Finanzen. In der Akademie werden 250 Kinder und Jugendliche in elf Jahrgangsmannschaften ausgebildet – von der U9 (8 Jahre) bis zur U23 (bis 23 Jahre). Ca. 80 Mitarbeiter*innen kümmern sich um den Nachwuchs, hiervon sind ca. 30 Mitarbeiter fest angestellt, der andere Teil setzt sich aus Teilzeitbeschäftigten, Studenten und ehrenamtlich Tätigen zusammen. Das Ziel der Akademie besteht darin, talentierte Nachwuchssportler auf ihrem Weg in den Profi-Fußball bestmöglich auszubilden und zu fördern. Gleichermaßen ist es für uns wichtig, die Nachwuchsspieler schulisch zu begleiten. Vor diesem Hintergrund haben wir eine duale Ausbildungsphilosophie aus Schule und Sport mit den drei Kernaufgaben: Schulische Ausbildung, Sportliche Ausbildung und Persönlichkeitsentwicklung. Welche Kompetenzen und Fähigkeiten sollte man als Leiter*in einer Fußball-Akademie mitbringen?Für die Arbeit im Nachwuchs bedarf es vor allem viel Zeit, da ein Großteil der Arbeit am Wochenende stattfindet. Wichtig dabei ist natürlich die Begeisterung für den Sport, Spaß an Organisation, aber auch die Bereitschaft Führung zu übernehmen und das Interesse mit Jugendlichen zu arbeiten. Ein wichtiger Aspekt ist zudem die Freude an der Arbeit im Team: Fußball ist ein Mannschafssport – nicht nur auf dem Spielfeld. Was die Qualifizierung betrifft, ist ein Studium mit Sportbezug in jedem Fall hilfreich, aber nicht zwingende Voraussetzung. Darüber hinaus können je nach Anforderungen Trainerqualifikationen von Vorteil sein. In welchen Punkten bereitet ein Studium (z. B. der Sportwissenschaften) auf Ihren Beruf vor? Was lernt man erst in der Praxis?Kurz gesagt: Im Studium erlernt man das Handwerkszeug für die Praxis. In der Praxis geht es dann um die Anwendung dessen, was man im Studium gelernt hat. Aus meinem Studium habe ich hauptsächlich mitgenommen, Aufgaben anzugehen, Prozesse zu strukturieren und Probleme zu lösen. Darüber hinaus habe ich im Studium gelernt, mich in unbekannte Themenfelder einzuarbeiten. Auch wenn es Pflichtvorlesungen gab, die mich damals vielleicht weniger interessiert haben, so war die Beschäftigung mit den Themen, die dort behandelt wurden, für die spätere Praxis sehr nützlich. Ein praktisches Beispiel: Durch den Besuch von Vorlesungen in Zivilrecht und Öffentliches Recht erlernt man ein Grundverständnis dafür, wie Recht überhaupt funktioniert. Welche drei Sachen haben Sie bei der Arbeit zuletzt erledigt?Ich habe letzte Absprachen mit den Trainern getroffen über das kommende Wochenende anlässlich des Saisonbeginns in der A- und B-Junioren Bundesliga.Es gab eine Mitarbeiterversammlung.Ich habe mich mit Fragen beschäftigt, die den Fortlauf des Schul- und Sportbetriebs unter Corona-Maßnahmen betreffen und mich dafür mit den neuen Bestimmungen des Landes Berlin auseinandergesetzt. Wo arbeiten Sie? Sitzen Sie meist am Schreibtisch oder sind Sie viel unterwegs (z. B. auf dem Sportplatz, auf Reisen mit dem Nachwuchs)?Normalerweise bin ich zur Hälfte unterwegs und zur Hälfte am Schreibtisch. Aufgrund der Corona-Pandemie bin ich in diesem Jahr nun mehr in Berlin. Da der Spielbetrieb jetzt erst beginnt, arbeite ich allerdings derzeit mehr am Schreibtisch. Ansonsten sind wir regelmäßig mit unseren Jugendmannschaften im Ausland unterwegs. Wir reisen u.a. regelmäßig ins Vereinigte Königreich, waren aber auch schon in den USA oder in China. Mit der U12 waren wir in den vergangenen Jahren mal in Japan. Beim Reisen mit unseren Nachwuchsmannschaften geht es um den sportlichen Vergleich, aber gleichermaßen auch um die persönliche Entwicklung und Erfahrungen für unserer Nachwuchsspieler. Sie sollen durch Reisen auf den Alltag eines Profi-Spielers vorbereitet werden und lernen, unter Reisebedingungen sportliche Leistungen erbringen zu können, aber sollen darüber hinaus auch andere Kulturen kennenlernen, die sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung weiterbringen. Ein Highlight der letzten Jahre war sicherlich die Teilnahme an der UEFA Youth League in der Saison 2018/19, als wir mit unserer U19 u.a. Spiele in Polen, Aserbaidschan und Spanien absolvieren durften. Hier waren sicherlich Orte dabei, die die Spieler und auch Funktionäre ohne den Fußball vielleicht nie gesehen hätten. Die Akademie als Ort der Jugendarbeit: Wie wichtig sind pädagogische Kompetenzen für Ihren Beruf?Im Mittelpunkt der Arbeit der Akademie steht die Vereinbarkeit von Schule und Sport. Es geht uns nicht nur um die Frage „Wer schafft es in den Profi-Sport?“, sondern auch um Persönlichkeitsentwicklung und Qualifikation für den „normalen“ Arbeitsmarkt. Daher arbeiten wir sehr eng mit verschiedenen Schulen zusammen. Wir begleiten Wege junger Menschen. Das erfordert pädagogische Konzepte und damit auch soziale sowie sozialpädagogische Kompetenzen. Für meine Arbeit sind dabei Pädagogik- und Didaktik-Kenntnisse aus dem Studium hilfreich. Inwiefern sind Sie an der Auswahl und Förderung bzw. Entwicklung des Nachwuchses beteiligt?Meine Aufgabe ist es, in Abstimmung mit der Vereinsführung und meinen Kollegen in der Akademie-Leitung bei der Auswahl und Förderung des Nachwuchses alle Fäden zusammenzuführen. Im Team hat jeder seine Aufgaben. Beispielsweise gibt es eine Scouting-Abteilung, die Spieler beobachtet, die Entwicklungen analysiert und anschließend den Trainern und der sportlichen Leitung Vorschläge unterbreitet. Bei der Auswahl setzen wir den Fokus auf die Region Berlin und Brandenburg. Die in unserem Internat wohnenden Jugendlichen kommen – bis auf wenige Ausnahmen – ebenfalls aus dieser Region. Hertha repräsentieren oder strategisch im Hintergrund arbeiten: Was bestimmt Ihren Berufsalltag mehr?Neben dem Repräsentieren und der strategischen Planung, das beides zu meinen Aufgaben gehört, muss ich noch eine Ergänzung hinzufügen: die operative Arbeit. Es verteilt sich auch hier alles recht gleichmäßig. Es gibt in einer Saison immer verschiedene Phasen. Steht zum jetzigen Zeitpunkt vor allem viel operative Arbeit aufgrund der Wiederaufnahme des Spielbetriebs unter Corona-Bedingungen mit zahlreichen Absprachen mit Behörden und Verbänden im Vordergrund, bestimmen in der Regel im Frühjahr vor allem strategische Themenfelder den Arbeitsalltag, wie zum Beispiel Budget- und Haushaltsplanungen, Lizensierung, Personalfragen sowie Abstimmungen mit der Geschäftsführung und den Gremien des Vereins. Repräsentative Aufgaben kommen im Jahresverlauf unregelmäßig dazu. Welche Aufgaben erledigen Sie im Team und für welche Aufgaben sind Sie ganz allein verantwortlich?Alleine Arbeiten gibt es in meinem Arbeitsalltag nicht. Ob Sport, Finanzen oder Spielbetrieb – in allen Bereichen arbeite ich immer mit meinem Team zusammen. Ohne die Teamarbeit würde es nicht funktionieren, das ist mir wichtig zu betonen. Was sind die größten Herausforderungen bei der Leitung einer Nachwuchs-Akademie?Ich möchte drei große Herausforderungen nennen: Die größte Herausforderung für alle ist die Vereinbarkeit von Schule und Sport. Darüber hinaus der Umgang mit einer oft hohen Erwartungshaltung – den großen Träumen der Jugendlichen. Als dritte Herausforderung ist der Umgang mit der Konkurrenz zu erwähnen. Außerdem stellen wir fest: Die Digitalisierung ist eine zusätzliche Herausforderung. Kinder und Jugendliche bewegen sich heutzutage weniger als früher, treffen sich weniger draußen zum Kicken und halten sich sehr viel mehr an Computer und Konsolen auf. Das merken wir bei der Suche nach Bewegungstalenten. Was begeistert Sie an Ihrem Beruf?Mich begeistert an meinem Beruf, dass ich Wege begleite. Es ist toll mit unseren Jugendteams zu Turnieren ins Ausland zu reisen oder zu sehen, wie unsere Nachwuchsspieler ihre Träume erfüllen können. Großartig sind auch die Momente, in denen Profis, die wir auf ihrem Weg begleitet haben, auch mal im Büro vorbeischauen. Dass da noch die Verbindung zum Nachwuchs besteht, begeistert mich. Darüber hinaus ist es schön zu sehen, dass diejenigen, die es nicht in den Profisport schaffen, die Zeit in der Akademie nutzen, um später z.B. Studienplätze und Sportstipendien in den USA zu bekommen oder andere berufliche Wege einschlagen. Beispielsweise hat gerade ein ehemaliger Nachwuchsspieler von uns nach dem Abschluss seiner Ausbildung zum Physiotherapeuten in unserem Medizin- und Rehazentrum HerthaMed als Physiotherapeut angefangen. Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Das mag sich banal anhören, aber wenn ich einen Tipp geben kann, dann lautet der: Früh erste Praxiserfahrungen sammeln. Es hilft verschiedene Bereiche auszuprobieren, um über den Tellerrand hinauszuschauen und für sich selbst herauszufinden, was man will. Meine früheren praktischen Erfahrungen haben mir zum Beispiel die Gewissheit gegeben, dass ich dicht am Sport arbeiten möchte. °Sport-, Gesundheits- und Bewegungswissenschaften;
Porträt Benjamin Weber beige gerahmt
Eugen Benzel Teammanager der 1. Volleyball Bundesliga Damen des SC Potsdam Was machen Sie beruflich?Ich bin der Teammanager der 1. Volleyball Bundesliga Damen des SC Potsdam. Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Während meines Studiums habe ich ein Praktikum beim Verein erhalten. Dies war kurz vor meiner Bachelorarbeit. Was unterscheidet eine*n Teammanager*in von einem*r Trainer*in?Der Teammanager muss keine sportfachliche Qualifikation in der Sportart „Volleyball“ aufweisen. Der Teammanager ist ganz für die Organisation um die Mannschaft zuständig (Hotel, Zeiten, Ausrüstung, etc.). Entscheidungen treffen oder Entscheidungen umsetzen - Auf welche Fähigkeiten/ Kompetenzen kommt es als Teammanager*in an?Beides. Oftmals müssen schnelle Entscheidungen getroffen werden, z.B. bei Hotelangeboten oder wegen Zeitgründen bei der Ausrüstung. Ebenfalls müssen Entscheidungen vom Vorstand, welche man zusammen trifft, umgesetzt werden. In welchen Punkten kann ein (sportwissenschaftliches) Studium auf Ihren Beruf vorbereiten?Sportwissenschaftlich eher weniger. Das Hauptaugenmerk in meinem Job liegt an folgenden drei Faktoren: Zeitmanagement, gute Organisation, Menschen verstehen. Gibt es grundlegende Lizenzen/ Qualifikationen, die zur Ausübung Ihres Berufs erforderlich sind?Von der Volleyball Bundesliga wird eine Teammanager Lizenz verlangt, welche aber durch ein Workshop der Volleyball Bundesliga selber gemacht werden kann. Welche drei Sachen haben Sie bei der Arbeit zuletzt erledigt?Visumanträge/Einreise nach Deutschland von ausländischen Spielerinnen, Zusammenstellung/Bestellung der Ausrüstung für die neue Saison, Organisation von Testspielen inkl. Ticketing für Zuschauer, Erstellung des Hygienekonzeptes für den Spielbetrieb. Unterscheiden sich Ihre Arbeitstage voneinander? Gibt es Routinen?Jeder Tag ist anders. Meinen Tag teile ich immer in drei Teile: Teil 1: Büro, Teil 2: Erledigungen oder Abgabe von Unterlagen bei der Geschäftsstelle, Teil 3: Besuch der Mannschaft in der Halle. Arbeiten Sie im Arbeitsalltag meist im Team oder allein?Meistens im Team. Ich arbeite mit zwei Dualstudenten zusammen. Bei den Heimspielen habe ich zusätzlich noch 2 Aufbau-Teams, welche ich koordiniere und leite. Haben Sie die Möglichkeit in Ihrem Beruf sebst sportlich aktiv zu sein?Jederzeit, wenn ich die Kraft und die eigene Zeit dazu habe ;-) Was begeistert Sie an Ihrem Beruf? Was fordert Sie besonders heraus?Die Sportart an sich…. Meine persönliche Herausforderung ist es abzuschalten. Jeden Tag habe ich neue Ideen oder es fallen mir neue Sachen ein, die gemacht werden müssen. Wenn aber am Ende das Team zufrieden ist und man eine ausverkaufte Halle schafft, dann hat man seine Arbeit erfüllt. Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Einfach mal reinschnuppern. Seid offen und vor allem bereit für so einen Job. Je mehr Begeisterung man zeigt, desto mehr Aufmerksamkeit bekommt man vom Team und auch den Zuschauern. °Sport-, Gesundheits- und Bewegungswissenschaften;
Porträt Eugen Benzel beige gerahmt
Fabian Fürste Fabian Fürste arbeitet in der Abteilung „Onlinedienste und IT-Entwicklung (onIT)“ der Universitätsbibliothek der TU Berlin Wo arbeiten Sie?Ich arbeite seit 2011 an der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Berlin in der Abteilung „Onlinedienste und IT-Entwicklung (onIT)“. Wir entwickeln und betreuen in einem kleinen Team fast sämtliche internen und externen webbasierten Dienste der UB. Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen? Haben Sie ein Volontariat oder Traineeship absolviert?Ich habe Bibliotheks- und Informationswissenschaft und Neuere/Neueste Geschichte studiert und neben meinem Studium eine kleine IT-Firma betrieben. Weil ich meinen Magister mit einem technischen Thema gemacht habe („Linked Open Library Data : Bibliographische Daten und ihre Zugänglichkeit im Web der Daten“), bot sich mit der Stelle an der UB die großartige Möglichkeit, beide Gebiete miteinander verbinden zu können. Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?I. Das Metadatenschema des Solr-Servers für unsere Digitalisierungsplattform digital.ub.tu-berlin.de erweitert. II. Code für eine weitere Filtermöglichkeit in der Dissertationsdatenbank der UB hinzugefügt. III. 2 Datenmanagementpläne in unserer Anwendung „TUB-DMP“ formal überprüft. Schmökern Sie den ganzen Tag in Büchern oder mit welchen Medien arbeiten Sie?Ich arbeite fast ausschließlich am Computer, allerdings stapeln sich natürlich einige Fachbücher zu Themen wie SSL und Datenbanksystemen sowie der ein oder andere bibliotheksbezogene Fachaufsatz auf meinem Schreibtisch ;) Welche speziellen Kenntnisse sind für Ihren Beruf wichtig ? (z. B. Lizenzrecht, spezielle Datenbankprogramme, ...)?Für meine Arbeit sind gute bis sehr gute Kenntnisse erforderlich in: UNIX, Programmiersprachen (Python, Java, PHP, JavaScript), Datenbanken (z.B. PostgreSQL), Metadatenschemata, Lizenzfragen, Forschungsdaten, Serveradministration. Wenn alle Möglichkeiten offen stünden, welches Objekt würden Sie Ihrer Sammlung hinzufügen?Eine signierte Ausgabe von Donald Knuths vierbändigem The Art of Computer Programming. Arbeiten Sie eher für sich allein oder haben Sie auch Kontakt zu Kund*innen oder Kolleg*innen?Während der Konzeptions- und Spezifikationsphase von Projekten arbeite ich eng mit den Kolleg*innen anderer Abteilungen zusammen. In der Zeit der Implementierung wechseln sich Einzelarbeit und kollegiale Teamarbeit ab. Und was fordert Sie an Ihrem Beruf besonders heraus?Ich schätze das sehr breite Spektrum an Aufgaben: Technische Aufgaben sind die Regel, bibliotheksspezifische Fragen kommen dazu. Dazu wird man immer wieder durch neue Programmiersprachen und sich weiterentwickelnde Technik herausgefordert. Das „Alltagsgeschäft“ mit den Kolleg*innen rundet das Ganze ab. Es wird nicht langweilig :) Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen:Offen und flexibel sein, neugierig bleiben, auch außerhalb der Arbeitszeiten. Im technischen Bereich ist es unerlässlich, am Ball zu bleiben, weil sich die Dinge so schnell fortentwickeln. Das Interview wurde im Mai 2019 geführt.°Geistes-, Sprach-, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften;
Porträt Fabian Fürste beige gerahmt
Madlen Ziege Madlen Ziege Verhaltensbiologin, Autorin und Wissenschaftskommunikatorin Was verstehen Sie unter Wissenschaftskommunikation?Die allgemeinverständliche Darstellung der eigenen Forschung bzw. der Forschung anderer Wissenschaftler*innen gegenüber einer breiten Öffentlichkeit. Die Kommunikation kann dabei auf mehreren Wegen erfolgen, z.B. per Sachbuch oder Vortrag.  Was war das komplizierteste Thema, dass Sie je vermitteln mussten?Als ich Doktorandin an der Goethe-Universität war, habe ich das Thema „Artenentstehung“ im Rahmen der Kinderuniversität erklärt. Nicht nur das Thema war eine Herausforderung, sondern das sehr junge Publikum. Ich musste einen Weg finden, wie ich das komplexe Thema auf einfachste Weise erklären kann. Am Ende entschied ich mich für ein Beispiel der Artenentstehung bei Schnecken. Ich machte daraus eine Geschichte, die ich mittels kleiner Zeichnungen in PowerPoint erzählte.  Was haben Sie studiert?Ich habe Diplom-Biologie studiert.  Welche drei Sachen haben Sie für Ihre Arbeit zuletzt erledigt?Nummer 1:           Ich habe ein Radio-Interview zum Thema Wildtiere in der Stadt gegeben.Nummer 2:           Ich war Interviewpartnerin des Podcasts „Gegenwartsgeplapper“.Nummer 3:           Ich habe Bücher signiert und diese per Post an Kunden bzw. Geschäftspartner verschickt.  Sie haben gerade Ihr Buch veröffentlicht. Wie sind Sie dabei vorgegangen? Können Sie den Weg von der Idee bis zum veröffentlichten Buch kurz skizzieren?Wenn ich so zurückblicke, war der Weg von der Idee bis zum fertigen Buch ein sehr abenteuerlicher mit einigen „Herzinfarkt-Momenten“. Nachdem ich den Vertrag mit dem Verlag unterschrieben hatte, begann ich mehr oder weniger ohne Plan drauf los zu schreiben. Vor allem im ersten Jahr war ich Vollzeit als PostDoc an der Universität Potsdam angestellt und kam immer nur vor oder nach der Arbeit zum Schreiben. Das führte dazu, dass ich mich nicht wirklich in mein Konzept vertiefte, sondern immer nur hier und dort ein wenig rumschrieb. Als der Abgabetermin immer näher rückte, wurde mir dann doch langsam mulmig und ich musste eine Entscheidung treffen – Uni oder Buch. Ich entschied mich für Letzteres und fokussierte mich in den kommenden drei Monaten voll und ganz auf das Schreiben. Ich suchte mir Hilfe von erfahrenen Autor*innen und überarbeitete mein Buch noch einmal von Grund auf. Vor allem half mir die Idee einer „Take-Home-Message“, denn nun hatte ich einen Leitfaden im Kopf und konnte besser entscheiden, was in das Buch reingehört und was nicht. Sobald ich wusste worüber ich schreiben will, lief der Rest wie von allein. Ich freue mich auf mein zweites Buch, denn nun weiß ich ja, wie es geht (lacht).  Wann hatten Sie zum ersten Mal die Idee, ein Buch zu schreiben? War das ihr Kindheitstraum?Ich habe schon immer gern gelesen und kann mich sogar daran erinnern, dass ich als Kind einige Kurzgeschichten geschrieben habe. Der Wunsch danach ein eigenes Buch zu schreiben, kam aber viel später. Während meiner Doktorarbeit erforschte ich Wildkaninchen in Frankfurt am Main und erlebte dabei die witzigsten Dinge. Eine Studentin sprach mich eines Tages darauf an und meinte: „Madlen, darüber solltest Du ein Buch schreiben“. Die Idee geriet dann wieder in Vergessenheit und ereilte mich erst Jahre später. Wenige Tage nach meiner Verteidigung kam mir der Gedanke ein Kinderbuch über meine Forschung zu schreiben. Dieser Wunsch war auch der Auslöser, warum ich an meinem ersten Science Slam teilgenommen habe und dann als Autorin entdeckt wurde.  Welche Kompetenzen, abgesehen von den fachlichen, braucht man Ihrer Ansicht nach, um mit einer solchen Idee erfolgreich zu sein? Und wie haben Sie selbst diese Kompetenzen aufgebaut?Ein grundlegendes Interesse am Schreiben muss auf jeden Fall da sein, sonst ist meiner Meinung nach schnell die Luft raus. Wir sprechen hier von vielen Stunden, die ich allein am Laptop verbringe. Dieses „Einsiedler*innenleben“ muss man mögen. Auf der anderen Seite braucht es aber den Kontakt mit seinen Leser*innen. Als Autor*in hat man zwar viele Freiheiten, aber eben auch viele Verpflichtungen dem Verlag gegenüber. Hier ist oft Teamwork gefragt, damit am Ende alle zufrieden sind. Als Wissenschaftlerin kannte ich das Schreiben und die Isolation ja schon. Was ich erst noch lernen musste, war die Vermarktung der eigenen Person. Plötzlich brauchte ich eine Website, professionelle Fotos für die Medien und musste mich auf Radio- und Fernsehinterviews vorbereiten. Die Kompetenzen dafür kommen nach und nach mit dem „Tun“, da wächst man so rein. Wenn ich wirklich mal nicht weiter wusste, habe ich mir Hilfe gesucht. Das waren vor allem Menschen von denen ich dachte, dass die ihren Job so machen, wie ich es auch gern hinkriegen möchte. Dabei habe ich mich auch nicht gescheut berühmte Autor*innen anzuschreiben. Ich dachte mir, dass es einen Versuch wert sei und einige haben tatsächlich geantwortet.  Hatten Sie Hilfe auf Ihrem Weg? Welche Personen haben für Sie eine entscheidende Rolle gespielt?Ja, die hatte ich - Gott sei Dank (lacht). An erster Stelle war mein Partner für mich da. Er ermutigte mich immer wieder, dass ich es schaffe. Ich konnte viel von ihm lernen, denn er kennt sich selbst sehr gut aus mit dem Verfassen von Texten. Eine wichtige Rolle spielte auch meine Ansprechpartnerin vom Verlag. Sie gab mir Rückmeldung zu den Texten und war sehr verständnisvoll, wenn es dann doch mal etwas länger dauerte. Gute Freund*innen von mir (alles Biolog*innen) hatten sich dann auch die Zeit genommen, mein Werk zu lesen und gaben mir noch viele Tipps, was ich besser machen kann.  Haben Sie eine Lieblingspassage in Ihrem Buch? Worum geht es da?Mhm, das ist eine gute Frage. Ich hatte wohl am meisten Spaß beim Schreiben über mein Erlebnis in einem Brandenburger Naturpark. Während meines Studiums führte uns eine Exkursion in den Norden Brandenburgs, um die Großtrappe zu beobachten. Das ist eine kurz vor dem Aussterben stehende Vogelart. Wir hockten bei eisiger Kälte auf einem Hochsitz und warteten gespannt, dass sich der Vogel zeigte. Die Erinnerung daran war noch sehr lebendig in meinem Kopf und ich musste mehrfach schmunzeln, als ich darüber schrieb. Wir haben an diesem Tag tatsächlich die Großtrappe zu Gesicht bekommen und durften auch Zeuge des wahrlich verückten Paarungsverhaltens werden. Ich verrate nur soviel: Es ist die Brandenburger Version der Hollywood-Liebesgeschichte Vom Winde verweht.  Was planen Sie für die Zukunft? Haben Sie Lust weitere Bücher zu veröffentlichen oder haben Sie noch andere Ziele?Tatsächlich bin ich mit meiner Agentur gerade im Gespräch über ein neues Buch. Ich arbeite gerade das Exposé dazu aus und freue mich schon auf die Umsetzung des Buches. Ansonsten möchte in dieses Jahr meine ausgefallenen Lesungen nachholen und nun endlich mit meinen Leser*innen in persönlichen Kontakt kommen. Ein YouTube-Kanal sowie ein Podcast sind geplant. Zudem kommen Ende des Jahres die ausländischen Versionen meines Buches auf den Markt. Mit etwas Glück wird daraus dann eine weltweite Tournee.  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Auf jeden Fall die vielfältigen Möglichkeiten. Das Schreiben von Sachbüchern ist ja nur eine Art der Wissenschaftskommunikation. Ich picke mir die Dinge heraus, die mir Spaß machen und arbeite mich dann in die Techniken ein, z.B. in die Nutzung von Online-Medien. So lerne ich immer wieder etwas Neues. Außerdem mag ich den Kontakt mit dem Publikum, davon lebt die Wissenschaftskommunikation schließlich. So ist es bei jedem Thema, über das ich schreibe oder spreche, immer wieder eine Herausforderung die passenden Worte und Techniken zur Vermittlung zu wählen.  Ihre Tipps für Berufsinteressierte /-einsteiger*innen:Es bietet sich natürlich an, die eigene Forschung in die Öffentlichkeit zu bringen. Gerade wenn es sich zunächst „nur“ um kleine Abschlussarbeiten wie die Bachelorarbeit handelt, ist das ein guter Startpunkt. Der wissenschaftliche Hintergrund ist hier meist noch übersichtlich und auch die Ergebnisse sind überschaubar. Damit lässt sich gut ein Science Slam auf die Bühne bringen oder man kann einen kleinen Artikel für eine Zeitschrift verfassen. Inzwischen gibt es auch Konferenzen im Bereich Wissenschaftskommunikation bzw. Plattformen wie z.B. „Wissenschaft im Dialog“. Hier lohnt es sich Kontakt aufzunehmen.Das Aufarbeiten der eigenen Forschung für die Wissenschaft empfehle ich darüber hinaus jeder*m Wissenschaftler*in, denn es eröffnet einen ganz anderen Zugang zur eigenen Forschung. Dadurch wird man gezwungen nochmal von Grund auf neu über die eigenen Versuche und Ergebnisse nachzudenken. Nicht selten habe ich erlebt, dass sich dabei neue Ideen entwickelten oder eingefahrene Sichtweisen änderten.°Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften;
Porträt Madlen Ziege beige gerahmt
Katja Schulten Dolmetschen freiberufliche Konferenzdolmetscherin für die Sprachen Deutsch, Französisch und Englisch Wie bezeichnen Sie Ihren Beruf?Konferenzdolmetscherin. Was haben Sie studiert? / Welche Ausbildung haben Sie gemacht?Masterstudium Konferenzdolmetschen, vorher Bachelorstudium Mehrsprachige Kommunikation. Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen? War das ein Kindheitstraum, oder haben Sie erst später Ihr Talent entdeckt?Bei meinem ersten Schüleraustausch in Frankreich im 7. Schuljahr habe ich zum ersten Mal erlebt, wie faszinierend es ist, in eine andere Kultur einzutauchen und die dazugehörige Sprache zu sprechen; und mir wurde klar, dass Sprache mehr ist als trockene Grammatik und endlose Vokabellisten. Danach habe ich immer wieder die Möglichkeit genutzt, auch außerhalb von Urlauben Zeit im Ausland zu verbringen (z. B. bei meinem Au-pair-Jahr in den USA, bei verschiedenen Praktika und einem Studiensemester in Frankreich). Und ich habe schon immer gern Menschen mit meinen Sprachkenntnissen unterstützt, z. B. französische Schüler*innen in Deutschland oder deutsche Tourist*innen in Frankreich, die sich nicht ausreichend verständigen konnten.Nach Abitur und Auslandsjahr habe ich allerdings erst einmal eine zweijährige kaufmännische Ausbildung mit dem Abschluss „Kaufmännische Assistentin Fremdsprachen“ absolviert, weil ich mich für das Dolmetschen noch nicht bereit gefühlt habe und eine klassische Ausbildung machen wollte. Bei meiner Arbeit in einer Exportabteilung bei einer Maschinenbaufirma habe ich schnell gemerkt, dass ich in diesem Beruf auf Dauer nicht glücklich werde: Meine täglichen Aufgaben wurden sehr schnell zur Routine und die Arbeit innerhalb der von der Firma vorgegebenen Prozesse bot mir nur wenig Gestaltungsspielraum. Daher habe ich mich zwei Jahre später in Köln für das Dolmetschstudium eingeschrieben und bin sehr froh, heute diesen sehr abwechslungsreichen Beruf auszuüben, bei dem ich noch dazu meine eigene Chefin bin. Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Auf einem Businessmeeting gedolmetscht, Rechnungen geschrieben und meine Umsatzsteuervoranmeldung für das erste Quartal erstellt. Wie verlief der Einstieg in die Selbständigkeit? Wie haben Sie die ersten Kunden gefunden und Fuß gefasst?Da ich mich kurz nach der großen Finanzkrise von Ende 2008 selbständig gemacht habe, war der Anfang sehr schwer. Insofern habe ich mich zunächst mit einer Festanstellung in Teilzeit in der kaufmännischen Abteilung einer großen Firma und als freie Mitarbeiterin in der Untertitelungsredaktion eines Fernsehsenders über Wasser gehalten und nur sporadisch als Dolmetscherin gearbeitet. Nach und nach kamen dann immer mehr Aufträge über Kolleg*innen, meine Website und die Datenbank meines Berufsverbands. Nachdem ich mich ab Ende 2010 endlich voll auf meine Selbständigkeit konzentrieren konnte, hat es noch drei Jahre gedauert, bis ich wirklich von meiner Freiberuflichkeit leben und die noch verbliebenen Nebenjobs als Lehrbeauftragte und Englischtrainerin aufgeben konnte.    Wo arbeiten Sie normalerweise? Was sind Ihre liebsten Arbeitsorte?Meine Dolmetscheinsätze finden an ganz unterschiedlichen Einsatzorten statt. Das kann sowohl der Besprechungsraum einer Firma für ein Businessmeeting oder ein Tagungshotel für eine Konferenz sein. Oft bin ich aber auch an Orten unterwegs, an die man jetzt nicht sofort beim Dolmetschen denken würde, z. B. bei der Begleitung von Teilnehmer*innen einer Studienreise aufs Feld zu einer Photovoltaikanlage oder auf den Bauernhof zu einer Biogasanlage. Die Vor- und Nachbereitung der Einsätze (Recherchieren von Fachbegriffen, Vorbereiten von Präsentationen, Pflegen der Glossare etc.) erledige ich in meinem Arbeitszimmer.Es ist mir weniger wichtig, wo ich arbeite; viel wichtiger ist mir das wie, was und wofür. Am liebsten sind mir die Einsätze, bei denen ich Teil der Gruppe bin, für die ich dolmetsche, z. B. bei mehrtägigen Studienreisen. Oder Einsätze, durch die ich in eine ganz neue Welt eintauchen kann, weil das Thema komplett neu für mich ist. Und alle Einsätze, bei denen ich das Gefühl habe, dass es um ein wichtiges Thema geht, das die Gesellschaft voranbringt, wie z. B. bei meinen Einsätzen für eine Frauenrechtlerin aus der Demokratischen Republik Kongo oder auf einer Jugendkonferenz zur Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft. Was war Ihr bisher aufregendster Auftrag und warum?Die Verdolmetschung eines französischen Schriftstellers auf einem Literaturfestival. Ich war bei der Beauftragung davon ausgegangen, dass es sich um eine eher kleine Veranstaltung für ein paar Literaturfans handeln würde. Da wusste ich noch nicht, dass dieser Herr ein sehr spezieller Zeitgenosse ist, der nur sehr selten zu solchen Auftritten bereit ist und dass es schon allein deshalb ein großes Interesse an der Veranstaltung geben würde. Noch dazu ereignete sich ein paar Tage vor dem Einsatz ein Vorfall, durch den sich auf einmal gefühlt die halbe Welt für den Auftritt des Schriftstellers interessierte und viele Pressevertreter*innen aus verschiedenen Ländern vor Ort waren. Es gab sehr hohe Sicherheitsvorkehrungen und alle waren total nervös. Noch dazu wurde die Veranstaltung nun live gestreamt. Es war nicht leicht, das alles bei meinem Einsatz auszublenden. Erschwerend kam hinzu, dass ich außer dem Buch des Schriftstellers keinerlei Vorbereitungsmaterial hatte, der vereinbarte Ablauf spontan geändert wurde und ich die Antworten zusammenfassen sollte (was schwieriger ist, als alles Gesagte zu dolmetschen). Und der Schriftsteller ist eine alles andere als kommunikative Person. Das alles machte es nicht gerade einfach, eine souveräne Leistung auf der Bühne abzuliefern. Ich würde das quasi als meinen Champions-League-Auftrag bezeichnen. Welche Kompetenzen muss man Ihrer Meinung nach mitbringen, um in Ihrem Beruf erfolgreich zu sein? Was für ein Typ Mensch muss man da sein?Das Dolmetschen ist mehr als das bloße Übertragen von Wörtern. Man muss die Stimmung des Gesagten übertragen, sich in eine andere Person hineindenken können und ganz schnell erfassen, was diese ausdrücken möchte. Daher würde ich sagen, man braucht sehr viel Feingefühl und eine schnelle Auffassungsgabe. Und man muss neugierig sein und dazu bereit, sich immer wieder in neue Themen einzuarbeiten. Darüber hinaus sollte man ein kommunikativer Typ sein, weil man ständig mit unterschiedlichen Kund*innen und Ansprechpartner*innen zu tun hat und sehr eng mit verschiedenen Kolleg*innen zusammenarbeitet. Und wichtig ist auch eine gewisse Stressresistenz, damit man gut mit der Live-Situation beim Simultandolmetschen und beim Dolmetschen auf der Bühne zurechtkommt. Wenn Sie frei wählen könnten, wen würden Sie gerne mal verdolmetschen?Darüber habe ich bis jetzt noch nie nachgedacht. Vielleicht Greta Thunberg, während sie Politikern wie Trump (den ich übrigens NIE verdolmetschen möchte) die Leviten liest.     Wie sehen Sie sich selbst am ehesten beruflich: als Künstlerin, Handwerkerin oder Unternehmerin?Künstlerin ist vielleicht ein bisschen hochgegriffen; ich würde eher von mir als Sprach- und Kommunikationstalent sprechen. Und bei der Akquise, Preisverhandlung und den sonstigen Tätigkeiten im Büro muss ich auch ganz klar Unternehmerin sein. Dabei kommt mir übrigens meine kaufmännische Ausbildung, die ich vor dem Dolmetschstudium absolviert habe, sehr zugute. Welche Herausforderungen sehen Sie an Ihrem Beruf, die Außenstehende vielleicht gar nicht so wahrnehmen?Es ist nicht jedermanns Sache, nie selbst reden zu dürfen, sondern stets die Stimme für jemand anderen zu sein. Die eigene Meinung hat in der Verdolmetschung nichts zu suchen. Da muss man sich sehr gut zurücknehmen können und auch schon mal Dinge aussprechen, mit denen man selbst nicht einverstanden ist oder sich ganz anders ausdrücken, als man es im Privatleben tun würde. Und da es nur wenige feste Stellen für Dolmetscher*innen gibt, muss man es auch mögen, selbständig tätig zu sein. Haben Sie Tipps für Berufsinteressierte /-einsteiger*innen?Wenn man sich für den Beruf interessiert, findet man viele Informationen auf der Website des Verbands der Konferenzdolmetscher (VKD). Und Berufseinsteiger*innen empfehle ich das Nachwuchsprogramm des Verbands, denn es ist ganz wichtig, dass man sich möglichst bald nach dem Berufseinstieg gut vernetzt.°Geistes-, Sprach-, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften;
Porträt Katja Schulten beige gerahmt
Federica Salentino Dolmetschen und Übersetzen freiberufliche Konferenzdolmetscherin und Fachübersetzerin für die Sprachen Italienisch, Englisch und Deutsch Was machen Sie beruflich?Ich arbeite als freiberufliche Konferenzdolmetscherin und Fachübersetzerin. Meine Arbeitssprachen sind Italienisch (Muttersprache), Englisch und Deutsch. Was haben Sie studiert? / Welche Ausbildung haben Sie gemacht?Ich habe Angewandte interlinguistische Kommunikation (B.A.) und Konferenzdolmetschen (M.A.) an der Fakultät für Übersetzer und Dolmetscher der Alma Mater Studiorum Universität Bologna in Italien studiert. Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Nach meinem Studium habe ich als Nachhilfelehrerin für die italienische Sprache und als Office Manager in einer Forschungseinrichtung in Münster (NRW) gearbeitet. Nach drei Jahren in diesen zwei sehr interessanten Berufsbranchen, die aber mein Studium nicht wirklich tangierten, habe ich mich selbstständig gemacht. Damals war es mir endlich klar, dass mich Fremdsprachen und Übersetzen beruflich zufrieden machen und ich hatte auch die „wirtschaftliche Absicherung“, das Risiko der Selbstständigkeit einzugehen. Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?E-Mails gelesen/beantwortet, Wochen- und Tagesplan aktualisiert und eine kleine Eilübersetzung fertiggemacht und geschickt. Sind Sie freiberuflich tätig oder angestellt? Wie gestaltet sich Ihr Arbeitsalltag?Ich bin freiberuflich tätig und arbeite von Zuhause aus. Mein Arbeitsalltag ist sehr dynamisch und flexibel. Übersetzungsaufträge erhalte ich täglich per E-Mail und abhängig davon, wann die Deadline ist, gestalte ich den Wochen- und Tagesplan.Für mich gilt als allgemeine Regel: bis spätestens 19.30 Uhr und wenn möglich nicht am Wochenende zur Verfügung stehen bzw. arbeiten.Bei Dolmetschaufträgen ist es anders: es handelt sich meistens um Events, wovon ich lange im Voraus informiert werde, die eine mehrtägige Vorbereitung (Dokumentation zum Thema und Simultandolmetschen üben) benötigen und die nicht unbedingt in Berlin stattfinden. Also, ganz spannende Aufträge, leider nicht so häufig wie die Übersetzungsaufträge. Welche Texte übersetzen Sie? Haben Sie sich auf ein bestimmtes Fachgebiet spezialisiert?Dank meiner Berufserfahrung in der Forschungseinrichtung habe ich mich in dem medizinischen/pharmazeutischen Fachgebiet – oder Life Sciences, wie es meistens bezeichnet wird – spezialisiert. Ich übersetze auch technische Texte in den Bereichen IT, Technik und Technologie. In welchen Sprachen arbeiten Sie? Welche Sprache würden Sie gerne noch lernen?Ich übersetze aus dem Englischen und Deutschen ins Italienische. Ich lerne gerade Japanisch, weil ich Japan und die japanische Kultur reizend finde. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass diese eine meiner Arbeitssprachen wird. Würden Sie auch einfach mal für ein Jahr auf Bali arbeiten? Wäre das prinzipiell möglich und falls ja, welches Land würden Sie wählen?Nicht genau auf Bali (eher in Lateinamerika), aber es ist völlig möglich, als freelance ÜbersetzerIn von überall aus zu arbeiten. Man muss einfach die Zeitzonen bei den Deadlines beachten… Welche Kompetenzen muss man Ihrer Meinung nach mitbringen, um in Ihrem Beruf erfolgreich zu sein? Was für ein Typ Mensch muss man da sein?Meiner Meinung nach ist eine gute Ausbildung als DolmetscherIn und/oder ÜbersetzerIn sehr wichtig. Dann kommen die Technologien (Computer-Assisted-Translation (CAT)-Tools und ähnliche). Die sogenannten Soft-Skills für das Networking sind auch ein Plus. Als Mensch sollte man ganz flexibel und bereit sein, das Unerwartete zu meistern. Das gilt aber für alle freiberufliche Tätigkeiten, finde ich. Wenn Sie frei wählen könnten, welchen Text würden Sie gerne einmal übersetzen?Gute Frage! Ich würde gerne Texte übersetzen, die einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leisten, z.B. zum Thema Plastikmüll in den Ozeanen oder Klimawandel. Welche Herausforderungen sehen Sie an Ihrem Beruf?Die Kundenakquise in unserer Quantität-vor-Qualität-Zeit ist in diesem Beruf eine große Herausforderung. Haben Sie Tipps für Berufsinteressierte /-einsteiger*innen?Neugierig und stets informiert darüber bleiben, was in der Welt gerade passiert.Sich auf ein bestimmtes Fachgebiet spezialisieren.Den Umgang mit den CAT-Tools lernen.Ihren Wert nicht unterschätzen.°Geistes-, Sprach-, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften;
Porträt Federica Salentino beige gerahmt
Marc Helbling Lehrstuhlinhaber für Politische Soziologie an der Universität Bamberg und Fellow am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)Foto: David Ausserhofer  Was haben Sie studiert?Ich habe Politikwissenschaft an der Universität Lausanne und am Institut d’Etudes Politiques in Paris studiert. Danach folgte ein Promotionsstudium an der Universität Zürich mit einem Forschungsaufenthalt an der New York University.  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Da vor Kurzem das Sommersemester zu Ende ging, musste ich Klausuren korrigieren sowie diverse Promotionen und Masterarbeiten lesen und Gutachten dazu schreiben. Die Sommerpause erlaubt mir, mich verstärkt meiner Forschung zu widmen. Zur Zeit arbeite ich gerade an zwei Umfragen, in welchen wir den Einfluss von Überwachungsgesetzen auf das Vertrauen in den Staat sowie die Effekte von Terroranschlägen auf die Einstellungen gegenüber Eiwanderungsgesetzen untersuchen. Zudem habe ich in den letzten Wochen verschiedene Manuskripte für wissenschaftliche Zeitschriften begutachten müssen.  Hatten Sie schon immer den Plan, in der Wissenschaft zu arbeiten? Wer oder was hat Ihnen dabei geholfen, diesen Schritt zu gehen?Ich hatte zwar gegen Ende des Studiums schon mal überlegt, eine Dissertation zu schreiben, bin dann aber doch eher per Zufall in einem Dissertationsprojekt gelandet, nachdem ich für eine Assistentenstelle angefragt wurde. Die Promotionszeit war sehr bereichernd und interessant. Lange war für mich aber unklar, ob ich in der Wissenschaft bleiben möchte, da ich mir auch gut vorstellen konnte, in einem anderen Bereich zu arbeiten. Nach Abgabe der Diss habe ich mir dann ein/zwei Jahre Zeit gegeben, um zu sehen, ob es mir weiterhin in der Wissenschaft gefällt und ich meine Arbeiten überhaupt publizieren kann. Nachdem mir eine tolle Postdocstelle in Berlin angeboten wurde und es mit den Publikationen klappte, war klar, dass dies mein Weg sein wird. Insgesamt hat es mir sehr geholfen, in spannenden Projekten und mit interessanten Menschen arbeiten zu dürfen.  An wie vielen Hochschulen haben Sie auf Ihrem Weg in die Professur Station gemacht? Wie wichtig ist es für die wissenschaftliche Karriere, dass man unterschiedliche Hochschulen kennen gelernt hat?Ich war während des Studiums in Lausanne und Paris und während der Diss in Zürich und New York. Während meiner Postdoczeit in Berlin habe ich längere Forschungsaufenthalte in Princeton und Harvard eingelegt und für kürzere Zeit war ich u.a. in Oxford, Sydney und Montreal. Während meines Sabbaticals an der Uni Bamberg letztes Jahr habe ich je ein Semester am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz und der City University of New York verbracht. Ich fand diese Aufenthalte immer sehr bereichernd, auch weil ich generell gerne viel reise. Die Tatsache alleine, dass ich woanders sitze, hilft mir schon, auf neue Gedanken zu kommen. Und natürlich lernt man auch viele Leute kennen. Trotz aller moderner Kommunikationsmittel finde ich es immer noch wichtig, andere Wissenschaftler*innen persönlich zu treffen, um über ihre Arbeiten zu sprechen. Aufenthalte an anderen Universitäten und in anderen Ländern helfen sicherlich, Netzwerke auszubauen und den Horizont zu erweitern. Dies ist dann wiederum wichtig, um neue Projekte zu starten und Stellen zu finden.  Woran forschen Sie gerade?Neben den zwei oben erwähnten Umfragen zu Überwachungsgesetzen und Terrorismus arbeite ich u.a. an Projekten zum Einfluss von Klimawandel auf Migrationsströme, zu Einstellungen zu Klimaflüchtlingen und zur Frage wie sich die Regulierungen von Einwanderung und Einbürgerung auf die Wahrnehmung von Immigranten auswirken.  Wie finanzieren Sie Ihre Forschungsprojekte?Zwei meiner aktuellen Forschungsprojekte werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Leibniz Gemeinschaft über je drei Jahre finanziert. Kleinere Projekte kann ich aus meinen Lehrstuhlmitteln oder zusätzlichen Mitteln der Universität Bamberg finanzieren.  Stimmt das Klischee vom Elfenbeinturm oder gibt es in Ihrem Feld eine gute Rückkopplung von der Wissenschaft in die Praxis? Wie bringen Sie Ihre Forschungserkenntnisse unter die Leute?Meine Forschungsthemen im Bereich Migration sind so aktuell, dass man sich gar nicht dem Interesse der Praxis und der Medien entziehen kann. Einerseits kommen die Medien oft direkt auf mich zu. Wichtig sind aber auch die Kommunikationsabteilungen der Institutionen, an denen ich arbeite, die meine Forschungsergebnisse in Pressemitteilungen übersetzen und so unter die Leute bringen. Ein wenig Elfenbeinturm ist aber dennoch wichtig. Wissenschaft soll auch dazu dienen, Abstand zu aktuellen Problemen zu gewinnen und sich Zeit zu nehmen, soziale Probleme gründlich zu untersuchen. Dabei kann es nicht immer darum gehen, schnelle Antworten auf aktuelle Fragen zu finden.  Wie schaffen Sie sich neben Forschung und Lehre Zeit für Hobbies und Familie?Am besten ist es, Tatsachen zu schaffen, die einem nicht erlauben zu arbeiten: Pläne für das Wochenende machen, Treffen mit Freund*innen organisieren oder Urlaube buchen, die man nicht mehr rückgängig machen kann. Seit ich Kinder habe, arbeite ich nicht mehr an den Wochenenden.  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Eine große Herausforderung besteht darin, die zum Teil sehr verschiedenen Tätigkeiten, die an eine Professur gebunden sind, unter einen Hut zu bringen. Als Professor darf ich nicht nur forschen, sondern auch viel unterrichten, viele Tätigkeiten in der akademischen Selbstverwaltung übernehmen, fortlaufend Forschungsideen und -ergebnisse anderer begutachten und einige Doktorand*innen betreuen. Da besteht vor allem die Gefahr, dass die Forschung zu kurz kommt.  Was halten Sie von Hochschul-Rankings?Wie alle Rankings erlaubt uns auch das Hochschul-Ranking, ein wenig Orientierung zu finden. Wie auch in der Wissenschaft hilft oft erst ein Vergleich mit anderen zu verstehen, wie eine Hochschule oder ein Fachbereich funktioniert. Beim letzten Ranking unseres Fachbereichs fand ich es hilfreich zu sehen, wie wir wahrgenommen werden, wo wir wirklich erfolgreich sind und welche Aspekte wir noch verbessern können. Eine systematische Aufstellung erlaubt zudem, objektive Kriterien anzuwenden. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, die Grenzen solcher Rankings zu sehen, fortlaufend an der Methodik zu arbeiten und nur das aus den Daten zu lesen, was sie auch wirklich aussagen.  Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Einer der großen Vorteile wissenschaftlichen Arbeitens ist es, dass man wie in kaum einem anderen Beruf extrem viele Freiheiten genießt und meistens sein eigener Chef oder seine eigene Chefin im Angestelltenverhältnis ist. Das bedeutet aber, dass man viel Disziplin und Ausdauer mitbringen muss, um über Jahre eine Forschungsidee zu verfolgen. Es kann sicher nicht schaden als Student*in schon mal als Hilfskraft an einem Lehrstuhl oder in einem Projekt zu arbeiten, um zu sehen, wie das wissenschaftliche Arbeiten aussieht. Das Interview wurde im November 2019 geführt.°Politik-, Sozial-, Organisations-, Planungs- und Verwaltungswissenschaften;
Porträt Marc Helbling beige gerahmt
Margit Reimann Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Hochschulstudien am Zentrum für Qualitätsentwicklung in Lehre und Studium der Universität Potsdam Was haben Sie studiert?Ich habe noch einen Abschluss als Magistra-Artium in den Fächern Anthropogeographie und Soziologie gemacht. So bot sich mir die Möglichkeit, zwei Fächer gleichwertig zu studieren und diese durch interdisziplinäre Veranstaltungen oder auch meine Abschlussarbeit sinnvoll miteinander in Beziehung zu setzen. Auf diese Weise konnte ich zudem erste (eigenständige) Erfahrungen im Umgang mit quantitativen und qualitativen Befragungen und Auswertungen sammeln.  Wo arbeiten Sie und was ist dort Ihre genaue Aufgabe?Ich arbeite am wunderschönen Neuen Palais am Zentrum für Qualitätsentwicklung in Lehre und Studium (ZfQ) der Universität Potsdam für den Bereich Hochschulstudien. Als zentrale Einrichtung stehen wir sowohl Studierenden als auch Lehrenden, den Qualitätsbeauftragten und Gremien beratend zur Seite, wobei der Schwerpunkt meiner Arbeit auf der Einrichtung und Akkreditierung von Studiengängen liegt.  Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Ich habe bereits während meines Studiums im Qualitätsmanagement gearbeitet. Die dort gemachten Erfahrungen in den Bereichen Evaluation und Qualitätsentwicklung in Kombination mit meiner Methodenausbildung während des Studiums haben mich nicht nur für den Umgang mit Daten sensibilisiert, sondern auch die dahinter stehenden Strukturen und Institutionen besser verstehen lassen. Nach meinem Studium habe ich dann erst die Lehrveranstaltungsevaluation des ZfQ unterstützt und im Anschluss an meine Elternzeit in den Bereich der Internen Akkreditierung gewechselt.  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Fachgespräch mit StudiengangverantwortlichenNeuordnungen bzw. Änderungsfassungen von Studienordnungen auf das Einhalten von Akkreditierungsstandards überprüftJour Fixe mit den Kollegen/-innen des Akkreditierungsteam  Wie verstehen Sie Ihre Rolle - sind sie die Pingelige mit dem Rotstift?Natürlich achten wir im Zuge unserer Akkreditierungsverfahren auch auf die Einhaltung formaler Kriterien. Unsere Berichte (Qualitätsprofile) vereinen jedoch sowohl Studiengangevaluation als auch Akkreditierungsbericht und beziehen sich dazu auf qualitative und quantitative empirische Befunde. So können wir einerseits die Einhaltung von Akkreditierungskriterien überprüfen andererseits aber auch Einschätzungen zu möglichen Stärken oder Schwächen der Studiengänge äußern und durch entsprechende Empfehlungen zur Studiengangentwicklung beitragen. Zudem dienen unsere Berichte als Grundlage für spätere Entscheidungen der Internen Akkreditierungskommission. Einen Rotstift findet man bei mir auf dem Schreibtisch also nicht.  Was ist für Sie gute Qualität?Gute Qualität umfasst nicht nur das Einhalten von Standards und Regularien. Gute Qualität entsteht dort, wo schon bei der Konzeption von Abläufen oder Inhalten deren Auswirkungen und Ziele mitgedacht werden. Gute Qualität ist nicht statisch, sondern entwickelt sich ständig weiter. Die Beurteilung der Qualität von Studienprogrammen muss dabei vor allem unter Berücksichtigung des Erreichens eigener organisationaler und fachlich formulierter Ziele, aber auch unter Berücksichtigung externer, zum Teil gesetzlicher Vorgaben erfolgen. Um gute Qualität beurteilen zu können, muss festgestellt werden, ob die bestehenden Eigenschaften mit den vorher formulierten Anforderungen übereinstimmen.  Woher kommen Ihre Qualitätsziele und wer definiert sie?Die derzeitigen Ziele des Qualitätsmanagements und der Qualitätsentwicklung der Universität Potsdam wurden im Hochschulentwicklungsplan 2014-2018 formuliert. Dabei liegt der Fokus unserer Arbeit auf der Sicherstellung eines strukturierten Studiums mit studierbaren Curricula unter Einsatz wissenschaftsadäquater Verfahren und Instrumente. Unser zentrales Ziel ist es, eine Kultur an der Universität Potsdam zu etablieren, in der sich alle Angehörigen an der Entwicklung von Lehre und Studium aktiv und verantwortlich beteiligen.  Spielen QM-Normen, wie z. B. die DIN-ISO-Norm auch für soziale und Bildungseinrichtungen wie die Uni Potsdam eine Rolle?DIN-ISO-Normen kommen v.a. dann zum Einsatz, wenn es sich um zertifizierte Qualitätsmanagementsysteme handelt. Die Universität Potsdam hat hingegen ein eigenes strategisches Qualitätsmanagement aufgebaut, welches einem föderalen Steuerungsgrundsatz folgt und mit einem vergleichsweise hohen Grad an Dezentralisierung verbunden ist. Die Fakultäten haben bei der Ausgestaltung ihres Qualitätsmanagements zur Erreichung der universitätsweiten Qualitätsziele weitgehende Freiheiten. Zudem finden bei der Entwicklung von Qualitätszielen die fachkulturellen Besonderheiten entsprechend Berücksichtigung. Das ZfQ entwickelt das dezentral angelegte Qualitätsmanagementsystem weiter, steuert interne Prozesse und unterstützt die Fakultäten in ihrer Qualitätsentwicklung. Als Grundlage für die Ausgestaltung der Verfahren und Prozesse der Qualitätsentwicklung in den Fakultäten dient insbesondere die zentrale Evaluationssatzung der Universität.  Das Streben nach stetiger Verbesserung wird häufig als das Hauptziel von QM beschrieben – was ist, wenn irgendwann alles perfekt ist?Ich denke nicht, dass Verbesserung im Sinne einer Erhöhung der Qualität, automatisch mit dem Erreichen von Perfektion in Verbindung steht. Qualitätssicherungs- und Qualitätsentwicklungsprozesse stellen vielmehr die Reaktion und Umsetzung auf sich wandelnde Bedingungen und Anforderungen dar.  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus, was finden Sie daran spannend?Spannend finde ich die Einblicke, die wir in bestehende oder auch neue Studienprogramme der Universität Potsdam erhalten. Auch wenn generell die gleichen formalen Kriterien zu beachten sind, sind sowohl die inhaltliche Ausrichtung als auch die Auswirkungen der jeweiligen Fächerkulturen ebenso entscheidend für den Auslegungsspielraum, der uns zur Verfügung steht. Darüber hinaus erfordert unsere Arbeit den Umgang mit allen Statusgruppen: vom Studierenden, zur Verwaltung, über die Qualitätsmanagementbeauftragten bis hin zu den Professoren/-innen, als auch unseren Fach- und Berufsgutachtern/-innen. So erhalten wir spezifische Einblicke in die unterschiedlichen Perspektiven oder auch Wünsche und versuchen diese in Einklang mit den rechtlichen Rahmenvorgaben zu bringen.  Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Ganz klar: Schon vor dem Berufseinstieg Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln!Dazu ist es ganz egal, ob dies über ein Praktikum oder einen studentischen Nebenjob geschieht. Wichtig ist vielmehr, über einen längeren Zeitraum für einen Arbeitgeber tätig zu sein, Strukturen und Abläufe kennenzulernen, sich in ein Team zu integrieren, einen verantwortungsvollen Umgang mit seinen Aufgaben, aber auch mit dem Vertrauen, dass einem entgegen gebracht wird zu lernen. Dabei müssen diese praktischen Erfahrungen nicht immer den Kontext des eigenen Studiums widerspiegeln, sollten sich aber auch nicht völlig abseits persönlicher Interessen befinden. Das Interview wurde im September 2019 geführt.°Politik-, Sozial-, Organisations-, Planungs- und Verwaltungswissenschaften;
Porträt Margit Reimann beige gerahmt
Bastian Thaa medical writer bei der Agentur co.medical für medizinische Kommunikation Was haben Sie studiert?Ich habe in Konstanz Biologie studiert.  Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Ich habe eigentlich immer ganz gern wissenschaftlich geschrieben und wollte, nachdem ich einige Zeit in der universitären Forschung und Lehre verbracht hatte, die Perspektive wechseln und das Schreiben zu meiner Haupttätigkeit machen.  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Ich habe heute nach einer Kundenanfrage ein Angebot für ein neues Projekt erstellt und an den Kunden verschickt. Jetzt hoffen wir auf eine Beauftragung …Ich habe im Rahmen eines laufenden Projekts eine Telefonkonferenz mit mehreren Mitarbeitern des betreffenden Pharmaunternehmens abgehalten. Es ging um eine laufende statistische Auswertung und darum, wie die Analyseergebnisse in einem Manuskript dargestellt werden sollen. Und wer wann was erledigen soll.… und dann habe ich auch tatsächlich an einem konkreten Projekt gearbeitet. Ich schreibe gerade ein Protokoll eines Advisory-Board-Meetings, also einer Expertenrunde von Ärzten, die ein Pharmaunternehmen zu einem bestimmten Medikament beraten. Ich war bei diesem Meeting dabei und habe fleißig Notizen gemacht, die ich jetzt als Protokoll ausformuliere.  Mit welchen Textsorten arbeiten Sie am häufigsten?Das ist bunt gemischt. Mal sind es kurze Texte, zum Beispiel für einen Newsletter, mal längere, zum Beispiel Manuskripte zur Veröffentlichung in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift. Wobei auch E-Mails an Kunden einen nicht unwesentlichen Teil der Texte ausmachen, die ich so schreibe.  Hatten Sie schon immer ein Faible für das Schreiben?Im Prinzip schon. Ich stelle ganz gerne Ergebnisse in Form eines Textes dar. Bei der Arbeit an meinen akademischen Abschlussarbeiten gefiel mir das Schreiben eigentlich am besten; es hat mir immer mindestens ebenso viel Spaß gemacht wie beispielsweise das Durchführen von Experimenten im Labor.  Sind Sie auf eine bestimmte Fachrichtung spezialisiert?Nicht wirklich. Viele Projekte betreffen die Onkologie, auch weil es in diesem Bereich besonders viel Forschungs- und Entwicklungsaktivität gibt. Da kenne ich mich inzwischen ganz gut aus. Leider haben wir nur ganz ganz selten Projekte in der Virologie – der Fachrichtung, in der ich lange selbst geforscht habe.  Arbeiten Sie eher im Team oder alleine?Das kommt auf das Projekt an. Vieles erledige ich tatsächlich alleine, nur schon, weil sich die Projekte oft nicht so aufteilen lassen, dass mehrere Leute gleichzeitig daran arbeiten können. Wenn man sehr viel Material aufarbeiten muss, zum Beispiel klinische Studienberichte, dann ist es am besten, wenn das nur einer macht. Wir haben aber durchaus auch Projekte, an denen mehr als einer arbeitet. Das betrifft speziell Projekte, in denen auch Abbildungen gestaltet werden müssen – dafür haben wir in der Agentur Grafiker, mit denen ich dann eng zusammenarbeite.  Welche Rolle spielen Fremdsprachenkenntnisse in Ihrem Job?Englisch muss man natürlich sehr gut können, da die Fachliteratur ja meist auf Englisch ist und viele Projekte auch in englischer Sprache umgesetzt werden – wobei wir aber auch vieles auf Deutsch schreiben. Andere Sprachen spielen im Prinzip keine Rolle. Allerdings habe ich tatsächlich mal eine schwedischsprachige Quelle zu Rate gezogen.  Wie qualifiziert man sich zum „Scientific/Medical Writer“? Benötigt man eine spezielle Ausbildung?Scientific/Medical Writer ist keine geschützte Berufsbezeichnung, somit gibt es auch keine dezidierte Ausbildung dafür. Es gibt anscheinend Aufbaustudiengänge und solche Dinge, aber die benötigt man nicht unbedingt. Hingegen ist ein Studium der Medizin oder einer Lebenswissenschaft eigentlich die Grundvoraussetzung. Dadurch erlangt man die Fähigkeit, medizinisch-naturwissenschaftlich zu argumentieren und Studiendaten zu verstehen. Man benötigt ja auch die entsprechende Terminologie.Ansonsten lernt man viele Dinge dadurch, dass man sie tut. Das gilt auch für das Scientific/Medical Writing. Erfahrung ergibt sich daraus, dass man etwas häufig macht.  Was macht einen guten wissenschaftlichen Text aus?Dass er das hat, was man gerne einen „roten Faden“ nennt. Sprich: Die Aussagen bauen aufeinander auf und führen zu einer klaren Aussage, die sich aus dem ergibt, was davor dargelegt wurde. Die zentrale Botschaft muss unbedingt herauskommen und sollte Schritt für Schritt erarbeitet werden. Cliffhanger und unerwartete Wendungen sind hingegen fehl am Platz. (Ich wäre ein ganz schlechter Krimiautor …)  Was fordert Sie in Ihrem Beruf heraus?Jedes Projekt ist neu, oft zu einem neuen Thema. Das macht die Arbeit spannend, aber eben auch herausfordernd.  Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Erfahrung ergibt sich daraus, dass man etwas häufig macht. Das Interview wurde im April 2019 geführt.°Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften;
Porträt Bastian Thaa beige gerahmt

Medical writer

Bastian Thaa

Thomas Brünner Account Manager bei der Solutiance Services GmbH in Potsdam Wo arbeiten Sie und welche Produkte vertreiben Sie?Ich arbeite bei der Solutiance Services GmbH in Potsdam, einem Anbieter für softwaregestützte Dienstleistungen für das Gebäudemanagement. Unter anderem bieten wir unseren Kunden eine lückenlose Dokumentation von Wartungen und Prüfungen ihrer Immobilien an. Was haben Sie studiert? / Welche Ausbildung haben Sie gemacht?Geschichte, Politik und Soziologie auf Magister. Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Schaute man sich nur meinen Lebenslauf an, könnte man ja meinen, ich sei völlig „technikfrei“. Ich bin zwar Historiker mit Herz und Seele, aber auch ein richtiger „Schrauber“. Seit ich denken kann, begeistere ich mich für Werkzeuge, Motorräder und Technik im Allgemeinen. Nach meinem Studium arbeitete ich zunächst als Historiker in Museen und das auch mit sehr viel Freude und Engagement. Die Arbeitsbedingungen  empfand ich jedoch zunehmend als demotivierend und schaute mich daher auch in anderen Berufsfeldern um. Über Kontakte aus meinem Auslandsaufenthalt im Studium kam ich schließlich zu einem Job im Vertrieb bei einem Hersteller für Schmiedeteile für die Öl- und Gasindustrie in Rumänien. Die Firma wollte zu dieser Zeit den deutschen Markt erschließen und da kam ich goldrichtig. Inhaltlich war das für mich als Geisteswissenschaftler auch gar nicht so weit entfernt, wie man vielleicht meinen möchte. Ich habe dort fast täglich 4 Sprachen gesprochen – gute Kommunikationskompetenzen und die Fähigkeit sich schnell in neue Themen einzudenken waren unglaublich wichtig im täglichen Geschäft. Also genau das, was ich die ganze Zeit im Studium so oft gemacht habe. Den Rest habe ich dann schnell dazugelernt. Über diesen Umweg nach Rumänien kam ich zum Vertrieb. In Deutschland zurück, fand ich dann die Stelle in der ich jetzt auch tätig bin. Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?1.    Ich hatte einen Kundentermin. 2.    Ich war auf unserem wöchentlichen Sales-Meeting. 3.    Ich habe meinem Terminkunden zur Nachbereitung des Gesprächs eine E-Mail geschickt Haben Sie sich jemals wie ein „Klinkenputzer“ gefühlt? Wie laufen Ihre Verkaufsgespräche normalerweise ab?Nö! Man kann den B2B-Bereich überhaupt nicht mit B2C-Bereich vergleichen. Ich spreche ja nicht mit Menschen, die ihr eigenes Geld ausgeben, sondern mit Fachleuten, die genau wissen, was sie wollen und auch einen Bedarf für unser Produkt haben. Das ist ja nicht das Gleiche, als würde man einem nichtsahnenden Rentner am Telefon ein Finanzprodukt aufschwatzen, das er eigentlich nicht braucht. Klar passiert es auch mal, dass man einen schlechten Tag hat, Ablehnung erfährt und auch mal beleidigt ist – dafür muss man dann einen professionellen Umgang finden. Aber das passiert auch sehr selten. Wie viel Zeit verbringen Sie schätzungsweise pro Woche am Schreibtisch/im Auto/ bei Ihren Kund*innen?Auto fahre ich so wenig wie möglich. Die Zeit unterwegs (beim Kunden oder im Zug/Auto) und am Schreibtisch hält sich in etwa die Waage. Glauben Sie, dass Ihnen Ihr geisteswissenschaftlicher Bildungshintergrund im Berufsalltag zum Vorteil gereicht?Absolut! Im Museum habe ich gelernt, vor vielen Leuten zu reden, offene Dialoge zu führen und verschiedenen Zielgruppen Themen gut und verständlich darzustellen. Eine umfassende Bildung ist außerdem in vielen Situationen sehr hilfreich, um mit möglichst vielen Gesprächspartner*innen einen Anschlusspunkt zu finden. Sehr wichtig ist es auch, sich schnell in neue Thematiken einzuarbeiten, konzeptionell denken zu können und Konzepte auch einordnen und beurteilen zu können. Und klar, Sprachkenntnisse natürlich. Ich habe so vieler dieser Kompetenzen immer selbstverständlich genommen und es scheint mir, dass wir Geisteswissenschaftler*innen im Allgemeinen viel zu wenig stolz darauf sind. Jetzt, nach einigen Jahren im Beruf, ist mir erstmal bewusst geworden, wie viele Menschen all diese Kompetenzen eben nicht so ohne Weiteres mitbringen. Insbesondere bei Fremdsprachkenntnissen haben viele Leute so eine Distanz und beherrschen diese einfach nicht auf einem Niveau, das man eben benötigt, wenn man in dieser Sprache ein Produkt verkaufen will.  Welche Eigenschaften braucht ein Vertriebsprofi Ihrer Meinung nach?Das ist natürlich immer abhängig vom Produkt – den Vertrieb gibt es ja in den unterschiedlichsten Bereichen. Bei erklärungsbedürftigen Produkten, so wie die, die wir anbieten, ist Kommunikationsgeschick natürlich ganz weit oben auf der Liste. Generell ist es, glaube ich, wichtig ein offener Mensch zu sein, der keine Probleme hat auf Menschen zuzugehen. Jemand, der seriös und kein Großmaul ist. Wenn ich so darüber nachdenke, kann ich mir sehr gut so einen „Lehrertyp“ im Vertrieb vorstellen. Man muss gut erklären können und gleichzeitig auch geplant und zahlengetrieben arbeiten. Was ist die ultimative Verkaufstaktik?Das ist genau der Punkt, an dem es unseriös wird. Selbstverständlich gibt es auch im Vertrieb ein bestimmtes Handwerkszeug. Aber sobald manipulative Taktiken zu Rate gezogen werden, wird es auch unglaubwürdig. Mit einem guten Produkt, braucht man kein metaphysisches Gerede und keine Taktiken. Viel wichtiger ist: Wen spreche ich an? Wie spreche ich an? Und wie komme ich an die Kunden ran? Wenn ich sie ans Telefon bekomme, wie gewinne ich ihr Interesse? Dafür braucht man ein gutes Gespür. Ich muss herausfinden, wer eher Nähe verträgt und wer mehr Distanz braucht. Da sind die Menschen sehr unterschiedlich und je nachdem kommuniziere ich dann auch auf unterschiedliche Wege. Generell fühle ich mich da als Geisteswissenschaftler da sehr gut aufgestellt, weil ich gelernt habe, Komplexität anzunehmen und eben nicht auf 10- Punkte-Pläne reinfalle. Was finden Sie an Ihrem Beruf so richtig großartig?Das Kommunikative und die Produktentwicklung. Alles ist im Fluss ich kann auch an der Weiterentwicklung unserer Produkte teilhaben. Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Anwendungsbezogene BWL-Kenntnisse fehlen mir manchmal. Man muss Situationen systematisieren und in Zahlen ausdrücken können. Excel-Kenntnisse, Zahlen verstehen, deuten und auslegen – es ist schon wichtig, das zu können. Man muss auch wirtschaftlich denken und überlegen, für welchen Kunden man wieviel Zeit investieren möchte. Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen? Falls nicht vorhanden, BWL-Grundkenntnisse nebenbei draufschaffenSprachkenntnisse sind hilfreichDie eigenen Kompetenzen in der Bewerbung klar herausstellen Das Interview wurde im März 2019 geführt.°Geistes-, Sprach-, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften; °Politik-, Sozial-, Organisations-, Planungs- und Verwaltungswissenschaften;
Porträt Thomas Brünner beige gerahmt

Account Manager

Thomas Brünner

Peter Matzke Geschäftsführer des Krystallpalast Varietés Leipzig GmbH & Co KGWas haben Sie studiert?Ich habe Geschichte studiert und bin seit ca. 30 Jahren als Kulturarbeiter (angestellt und frei) und im Kulturdezernat der Stadt Leipzig tätig.  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Ein neue gewerbliche Haftpflichtversicherung für das Unternehmen abgeschlossen.Für eine Kollegin ein Monatsumweltticket-Abo abgeschlossen.Fünf Hotelzimmer für Künstler gebucht.  Wenn alle Möglichkeiten offen stünden, was für ein Projekt würden Sie gerne auf die Beine stellen?Eine artistisch-tänzerische Großchoreographie auf dem Marktplatz.  Was macht für Sie die Arbeit im Kulturbereich aus, welche Eigenschaften muss man dafür mitbringen?Man braucht Offenheit im Denken, Hingabe, Begeisterungsfähigkeit, Teamfähigkeit und Opferbereitschaft  Was kennzeichnet für Sie ein gutes Kulturprogramm?Dass es bei denen gut ankommt, für die es gemacht ist.  Was ist Ihre Inspirationsquelle für neue Ideen?Alles  Arbeiten Sie eher theoretisch oder praktisch?  Beides. Jedes zu seiner Zeit  Mit wem haben Sie täglich am häufigsten Kontakt (Kurator*innen, Künstler*innen, Zulieferer, Besucher*innen…)?In der Reihenfolge: MitarbeiterInnen, BesucherInnen, KünstlerInnen (bzw. deren Agenturen); DienstleisterInnen  Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Die zentrale Weisheit des Kulturmanagements lautet: „Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler.“  Das Interview wurde im April 2019 geführt.°Geistes-, Sprach-, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften;
Porträt Peter Matzke beige gerahmt

Kulturmanager

Peter Matzke

Simone Prühl arbeitet als Redenschreiberin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales Was haben Sie studiert?Dipl. Politikwissenschaften  Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Mehr oder weniger durch Zufall. Ich habe nach dem Studium im Deutschen Bundestag als Referentin für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik gearbeitet. Dort habe ich von Zeit zu Zeit auch Reden geschrieben - und gemerkt, dass ich Spaß am Formulieren habe. Später folgten zwei Jahre als Pressesprecherin bei einem Verband. Auch hier war das Redenschreiben nicht Hauptaufgabe, aber kam immer mal wieder vor. Erstmals offiziell als Redenschreiberin wurde ich 2017 im Außenministerium eingestellt.  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Die letzten beiden Reden drehten sich um Frauen in MINT-Berufen sowie Reformen im Bereich Rente. Hinzu kam ein längeres Vorwort für eine Publikation zur „Zukunft des Sozialstaates“.  Zu welchen Themen verfassen Sie Reden?Zur ganzen Bandbreite von Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, aber auch immer mal wieder exotischen Anlässen (Karnevalsrede, Trauerfeier, Eröffnung einer Fotoausstellung).  Für wen schreiben Sie Reden?Für den Minister.  Haben Sie eine bestimmte Vorgehensweise beim Redenschreiben?Das hängt ab vom Thema und Termin. Es gibt bestimmte Standardthemen, die ohne große Rücksprache funktionieren. Bei neuen oder strittigen Themen besprechen meine Kollegen und ich Tonlage und Kernbotschaften vorher.  Was macht für Sie eine gute Rede aus?Wenn ich Zuhörer nach der Rede frage, was für sie die zentrale Botschaft war, nennen sie das, was beim Schreiben als zentrale Botschaft gedacht war. Eine gute Rede ist deshalb kurz, pointiert und so eindeutig, dass das Publikum versteht, worum es geht.  Welche Rede hätten Sie selbst gern geschrieben?Die Rücktrittserklärung von Donald Trump.  Halten Sie selbst gern Reden?Es gibt selten die Notwendigkeit, bei Bedarf tue ich es aber ohne Angst.  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Die Vielfalt der Themen. Die Herausforderung, sehr technische Themen wie Arbeitsrecht oder Rentenreformen einfach und trotzdem korrekt zu erklären und in einen spannenden oder unterhaltsamen Rahmen einzubetten. Und man muss sich auf die Persönlichkeit des Redners einlassen, damit der Text zur Person passt.  Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Viel lesen, um inhaltliche und sprachliche Anregungen zu kriegen. Der Person, für die man schreibt, beim Reden zuhören, um ein Gefühl für Stil und Eigenheiten zu kriegen. Keinen falschen Autorenstolz haben. Nur selten wird eine Rede wirklich 100-% so verwendet, wie sie geschrieben wurde. Das Interview wurde im Februar 2019 geführt.°Politik-, Sozial-, Organisations-, Planungs- und Verwaltungswissenschaften;
Porträt Sabine Prühl beige gerahmt
Sebastian Baum ist Geschäftsführer der Unternehmensberatung ICB Welche Ausbildung bringen Sie mit?Ich habe eine Ausbildung zum Industriekaufmann und  im Anschluss sechs Monate Praktikum bei einem Tuchhändler in Paris gemacht. Von 1989–1992 folgte dann ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Bergischen Universität Wuppertal mit Vordiplom II und im Anschluss das Hauptstudium der Betriebswirtschaftslehre an der THB Brandenburg von 1996–1998.  Wie sind Sie zu Ihrer Tätigkeit als Unternehmensberater gekommen?Über 18 Jahre war ich in einem großen Textil- und Bekleidungsunternehmen bei einer uns eng verwandten Familie tätig. Zunächst lernte ich alle Bereiche des Unternehmens in Berlin und Wuppertal und schrittweise die Produktionsstätten in Tunesien und Griechenland kennen.  Ab 1986 führte ich ein von mir und einem Partner programmiertes Warenwirtschaftssystem in das Unternehmen ein.  Die Firmengruppe hatte etwa 2800 MitarbeiterInnen inkl. der sechs Produktionsbetriebe im Ausland. Mein Studium in Wuppertal verdiente ich mir mit einer eigenen Beratungsfirma für IT-Programmierung für verschiedene Textilbetriebe und der finanziellen Aufsicht und Erstellung der jährlichen Bilanz in Französisch als Verwaltungsratsmitglied und der Vorbereitung der Generalversammlung in La Marsa bei Tunis. Die Firmengruppe kaufte immer wieder andere Unternehmen aus der DOB- Industrie auf und ich konnte bei der Integration der Unternehmen besonders die EDV mitgestalten und bekam auf diese Weise Zugang zu praktisch allen Bereichen des Mutterunternehmens. Nach der Wende unterbrach ich mein Studium und ging nach dem Vordiplom 1992 nach Brandenburg/Havel, um dort für das Unternehmen den Aufbau einer Näherei mit 100 Näherinnen zu begleiten. Weitere Tätigkeiten waren die Beschaffung einer neuen Verbund-IT-Anlage für das Stammhaus in Wuppertal und die monatliche einwöchige Überwachung der Finanzen und Investitionen in den drei Betrieben in Nordgriechenland. 1996 beschloss ich dann, die Firmengruppe zu verlassen und mein Studium abzuschließen.  Welche Art von Unternehmen und Organisationen beraten Sie? Ich berate Unternehmen in den folgenden Bereichen:Gründung, Unternehmensentwicklung und UnternehmensnachfolgeGründung: Development Center für Gründer, Beratung zur Geschäftsmodellentwicklung und Begleitung bis zur FinanzierungUnternehmensentwicklung: Krisenberatung und Begleitung bei der Restrukturierung sowie Vorbereitung des Verkaufs von Unternehmen für die Nachfolge. Vielfach sind die Unternehmen noch nicht verkaufsfähig und müssen zunächst wieder positive Ergebnisse erwirtschaften. In der Regel ist damit eine grundlegende Reorganisation in allen Unternehmensbereichen erforderlich.Unternehmensnachfolge: Die Unternehmensnachfolge unterscheidet zwischen der Übertragung an die Kinder oder an Mitarbeiter bzw. der Aufnahme eines Teilhabers gegen eine Beteiligung (MBI) mit dem Ziel, in einem späteren Schritt die restlichen Anteile an den MBI-Kandidaten zu veräußern. Eine weitere Möglichkeit ist der Komplettverkauf an einen Nachfolger in einem Schritt mit einer Übergangsphase des Altunternehmers als Berater.  Welche Projekte bearbeiten Sie aktuell und welche Aufgaben fallen dabei konkret an? Ich berate einen größeren Motorradhändler im Berliner Umland und kenne ihn bereits seit fast zehn Jahren als Kunde. Das Geschäft hat sich sehr gut entwickelt. Bei steigenden Umsätzen ist es erforderlich, den Fahrzeugbestand zu erhöhen. Das Unternehmen benötigt dafür höhere Finanzmittel für die Vorfinanzierung der Fahrzeuge.Zuletzt erledigte Aufgaben:Gründliche Bestandsaufnahme aller Zahlen (Bilanzvergleich der letzten drei Jahre, um die Unternehmensentwicklung nachzuvollziehen)Vorgespräche mit der Hausbank und der Bürgschaftsbank im Hinblick auf eine Erweiterungsfinanzierung für die ansteigenden WarenvorräteZuletzt Aufbau einer dreijährigen Finanzplanung mit dem Unternehmer; bestehend aus Absatzplanung, Gewinn- und Verlustrechnung und Liquiditätsplanung  Wie planen Sie ein Beratungsprojekt? Gibt es bestimmte typische Prozessschritte?Die Abläufe bei meinen drei Beratungsfeldern sind in der Regel ähnlich, aber nie gleich. Ich verwende dazu eigene Excel-Tabellen und Word-Vorlagen und bei der Nachfolge Checklisten und Fragebögen, die Grundsätzliches erheben. Begleitend habe ich ein Qualitätsmanagement, um im Nachgang zu einer Beratung die Zufriedenheit meiner Beratungstätigkeit bei meinen Kunden abzufragen.  Arbeiten Sie als Unternehmensberater im Team?Je nach Fall arbeite ich im Team.  Ist Unternehmensberatung nur etwas für Wirtschaftswissenschaftler*innnen?Nein, ich arbeite mit einer Diplom-Psychologin (ehem. Uni Potsdam), einer promovierten Informatikerin und einem promovierten Humangeographen der Potsdamer Universität fallweise zusammen.   Spezialist*in oder Generalist*in – welche Kompetenzen werden im Consulting gebraucht?Ich profitiere von einem breiten Erfahrungsspektrum, welches ich mir in 18 Jahren in der Textilindustrie aufbauen konnte. Ich konnte während dieser Zeit vieles lernen und habe auch Schwierigkeiten bei den einzelnen Unternehmen erlebt. Dadurch kann ich mich immer wieder schnell in neuen Unternehmen zurechtfinden. In meiner Berufszeit konnte ich die kaufmännischen Aufgaben sehr gut mit den technischen Prozessen der Herstellung und Produktion verbinden.  Stimmt das Klischee von der 80-Stunden-Woche? Wie sieht es mit der Work-Life-Balance aus?Ich halte es für sehr wichtig, einen guten Ausgleich zu der Tätigkeit in der Beratung zu haben. Trotzdem gibt es Zeiten, in denen man mehr arbeiten muss, weil Projekte terminiert sind.  Haben Sie schon viele Unternehmen vor der Insolvenz gerettet?Aufgrund der guten Konjunktur sind Insolvenzen im Moment stark rückläufig. Die Restrukturierung ist vor der Insolvenz gelagert; dabei habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht, wenn der Unternehmer dazu bereit ist.  Wie oft müssen Sie einem Unternehmen raten, Personal zu entlassen?Im Moment überhaupt nicht.  Verbringen Sie für die Beratung mehr Zeit am Schreibtisch oder unter Menschen?Ich arbeite bevorzugt mehr unter Menschen. Die Beratung bringt aber gleichzeitig strukturierte Vorgänge mit sich, die am Schreibtisch erledigt werden müssen.  Was fordert Sie an Ihrer Tätigkeit heraus? Immer neue, interessante und andere Menschen und deren Tätigkeiten, die mich begeistern.  Was finden Sie daran besonders spannend?Die Gelegenheit, mich in viele verschiedene und teilweise auch komplexe Situationen hineinzudenken. Dabei geht es immer um die Suche nach guten Lösungen für die Zukunft der betroffenen Personen und Unternehmen. Wenn es gelingt, freue ich mich umso mehr.  Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Bleibt neugierig und nutzt alle Gelegenheiten, in die Betriebe und die Arbeitswelt zu schauen. Das Interview wurde im Februar 2019 geführt.°Wirtschaftswissenschaften;
Porträt Sebastian Baum beige gerahmt
Janna Degener-Storr arbeitet als selbständige Journalistin Was haben Sie studiert?Magister Allgemeine und Germanistische Linguistik, Neuere deutsche Literatur, Ethnologie + diverse journalistische Weiterbildungen  Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Praktika während der Schulzeit und während des Studiums, Austausch mit Dozenten an der Hochschule, einfach mal ausprobieren  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Ein Telefoninterview geführt, einen Artikel fertiggestellt, Belegexemplare an die Interviewpartner verschickt.  Über welche Themen berichten Sie?Meine Schwerpunkte sind Spracherwerb, Migration, Studium, Wissenschaft, Berufsorientierung, Berufseinstieg, Wissenschaft und Geschlechtergerechtigkeit  Wie kommen Sie an Ihre Informationen?Vor allem über Internetrecherchen und Experteninterviews.  Sind Sie rasende Reporterin?Nein. Da ich kleine Kinder habe, arbeite ich zurzeit meist vom Schreibtisch aus.  Was macht Ihrer Meinung nach eine*n gute*n Journalist*in aus?Vor allem Neugierde halte ich für wichtig.  Was lesen/sehen/hören Sie selbst am liebsten?Ich höre am liebsten Deutschlandradio.  Hat sich die Arbeit in der Medienbranche bzw. die Berichterstattung während Ihrer Berufstätigkeit verändert?Nein, es gab keine großen Veränderungen, die sich auf meine Tätigkeit ausgewirkt haben.  Was sind Hürden oder Schwierigkeiten im Journalismus?Die finanzielle Unsicherheit ist v.a. anfangs eine Herausforderung.  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus, was macht Ihnen Spaß?Inzwischen bekomme ich oft mehr interessante Aufträge, als ich erledigen kann. Und es fällt mir dann schwer, nein zu sagen. Spaß machen mir alle meine Tätigkeiten - von der Themensuche über den Kontakt zu Interviewpartnerinnen bis hin zum Schreiben der Texte. Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Einfach ausprobieren und nicht zu schnell aufgeben. Das Interview wurde im Februar 2019 geführt.°Geistes-, Sprach-, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften;
Porträt Janna Degener-Storr beige gerahmt

freiberufliche Journalistin

Janna Degener-Storr

Dr. Marion Kiffe Redakteurin für Bildungsmedien in der Englischredaktion des Cornelsen Verlags Berlin Was haben Sie studiert?Lehramt für die Sekundarstufe I und II, in den Fächern Deutsch und EnglischPromotion zu EnglischlehrwerkenReferendariat  Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Während meines Studiums war ich bei einer Informationsveranstaltung, in der eine Schulbuchredakteurin ihr Arbeitsfeld vorstellte. Das fand ich damals schon interessant, habe es aber erst einmal vergessen; mein Berufsziel war ja Lehrerin. Auch das Thema meiner Doktorarbeit war eher ein Zufall, aber während der Arbeit daran fand ich den Bereich Lehrwerksentwicklung immer spannender. Nach dem Referendariat und einem halben Jahr Schulerfahrung lag es dann für mich auf der Hand, mich bei Schulbuchverlagen zu bewerben.  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Ich habe Teile eines Manuskripts redigiert, einer Handreichung zu einer Sammlung englischer Kurzgeschichten. Das bedeutet zuerst eine inhaltliche Prüfung und (in Zusammenarbeit mit der Autorin) ggf. eine Überarbeitung: Funktionieren die vorgeschlagenen Aufgaben; werden mit ihnen alle Kompetenzen abgedeckt und die Kurzgeschichten angemessen ausgewertet? Sind die Lösungen vollständig und richtig? Werden vorher vereinbarte Anforderungen an das Manuskript erfüllt? Wird der geplante Umfang eingehalten und wenn nicht, wo kann gekürzt/etwas ergänzt werden? Dabei wird das Manuskript, wenn notwendig, sprachlich geglättet, und am Ende steht eine Rechtschreibkorrektur. Nach dem Satz muss ggf. erneut gekürzt werden.Für unsere Lehrwerke lizensieren wir häufig auch Fremdmaterialien wie Texte aus englischen Zeitungen oder Romanauszüge. Damit die darauf spezialisierte Fachabteilung die Texte lizensieren kann, habe ich die bibliographischen Informationen von Texten in einer Excel-Liste zusammengestellt.Bevor ein Titel gedruckt wurde, habe ich geprüft, ob die Fachabteilung die Rechte für alle Texte und Bilder eingeholt hat.  Wie eng arbeiten Sie mit Schulen und Lehrer*innen zusammen?Unsere AutorInnen und BeraterInnen sind in der Regel Lehrkräfte, insofern arbeiten wir sehr eng mit Praktikern zusammen. Wir Redakteure bemühen uns auch, regelmäßig an Schulen zu hospitieren, denn eine konkrete Vorstellung vom Unterrichten hilft ungemein beim Redigieren.  Gibt es Richtlinien oder Vorgaben, nach denen Sie sich bei der Gestaltung der Schulmaterialien richten müssen?Wir müssen uns natürlich an den Richtlinien/ Lehrplänen/ Kerncurricula/ Bildungsstandards der verschiedenen Bundesländer orientieren.  Muss man Lehramt studiert haben, um im Schulbuchverlag tätig zu sein?Nicht notwendigerweise, ich habe auch KollegInnen, die ein Magisterstudium oder BA/MA abgeschlossen haben. Aber wenn eine Stelle ausgeschrieben und die Bewerberzahl groß ist, wird in aller Regel den ausgebildeten Lehrkräften der Vorzug gegeben. Ich persönlich halte Unterrichtserfahrung auch für sehr wichtig, um ein Lehrwerk zu redigieren; ich profitiere bei jedem Projekt von meiner Unterrichtserfahrung.  Was macht ein gutes Schulbuch aus?Hier lassen sich bestimmt Hunderte von Kriterien nennen – ich nehme mal drei heraus: Es muss sachlich/fachwissenschaftlich korrekt sein, die Inhalte lernergerecht aufbereiten, ein klares, lernförderndes Layout haben.  Produzieren Sie selbst die Beiträge für Ihre Lehrmittel oder akquirieren sie diese?In Englischlehrwerken für die Unterstufe werden alle Inhalte vollständig von Autorinnen und Autoren verfasst, d. h. Texte, Aufgaben, Merkkästen etc. Ab der Mittelstufe nimmt der Anteil der Texte zu, die nicht selbst geschrieben, sondern (ggf. in vereinfachter Form) lizensiert werden; AutorInnen schreiben dann Aufgaben, Merkkästen, Skills Files etc. Das heißt, der Anteil der lizensierten Inhalte nimmt in Englisch von Schuljahr zu Schuljahr zu. Auch wenn Texte und Aufgaben von AutorInnen entwickelt werden, heißt das nicht, dass die Redaktion nur noch eine Rechtschreibkorrektur vornimmt. Je nach Projekt und Arbeitsform kann der Anteil der Redaktion an der Erstellung von Texten und Aufgaben erheblich sein, bis hin zur Mit-Autorenschaft. Ich persönlich halte es immer so, dass ich beim Redigieren nicht nur Schwächen oder Lücken des Manuskripts aufzeige, sondern möglichst gleich einen konkreten Verbesserungsvorschlag mache, wenn ein Manuskript Lücken oder Mängel hat. Dann geht meine Arbeit über eine reine Qualitätskontrolle hinaus und impliziert dann auch Autorentätigkeit.  Wie bringen Sie Ihre Materialien an die Schulen bzw. wer entscheidet, welche Lehrmittel eine Schule verwendet?In vielen Bundesländern müssen Lehrwerke für die meisten Unterrichtsfächer vom Kultusministerium genehmigt werden. Die Schulen entscheiden dann frei, welche der genehmigten Lehrwerke sie verwenden wollen, und das können auch Materialien verschiedener Verlage sein.  Wie stehen Sie zu Unterrichtsmaterialien, die Unternehmen, NGOs oder Player wie die Bundeszentrale für politische Bildung den Schulen zur kostenfreien Verwendung anbieten? Arbeiten Sie bei der Erstellung von Inhalten auch mit solchen externen Playern zusammen?Meines Wissens gibt es bei Cornelsen keinerlei solche Kooperationen; wir verwenden aber durchaus ausgewählte Materialien von NGOs in unseren Lehrwerken. Gegenüber Lehrmaterialien von Unternehmen bin ich persönlich eher skeptisch – altruistische Motive haben diese ja in der Regel nicht ...  Welche Arten von Medien stellen Sie in Ihrem Verlag zur Verfügung?Es gibt eine kaum überschaubare Vielzahl an Printmedien wie Schülerbuch, Lehrerhandreichung, Arbeitsheft, Nachschlagewerke, Lernhilfen und Übungshefte, die die Lernenden in Eigenregie einsetzen, Klassenarbeitstrainer, Vorschläge für die Leistungsmessung...  Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf die Wissensvermittlung in Schulen (und Ihre Produktpalette)?Zunehmend bieten wir auch digitale Medien an wie Apps, einen digitalen Unterrichtsmanager (d.h. ein PDF des Schülerbuchs, von dem aus verschiedene Begleitmedien wie Arbeitshefte, Audios, Videos angesteuert werden können). Seit neuestem gibt es für verschiedene Fächer auch ein komplett digitales Schulbuch, das mBook.  Haben sich die Werte und Inhalte, die Schulen wichtig sind, über die Jahre verändert? Wie spiegelt sich das in Ihren Materialien wieder?Lehrwerke spiegeln ja immer die Gesellschaft wider, in der sie verwendet werden; eine wirklich fundamentale Veränderung kann ich da innerhalb der letzten 15 Jahre nicht feststellen. Aber natürlich verändern sich die Themen, die in Lehrwerken behandelt werden. Sie spiegeln ja zu einem Teil die Themen, die in der Gesellschaft diskutiert werden. Aus meiner Sicht sind es vor allem die Methoden, die sich während meiner Zeit als Schulbuchredakteurin verändert haben: weg von Lernzielen, hin zu Kompetenzen.  Welches Ziel möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?Ein Unterrichtsmaterial, das es Lehrkräften leicht macht, einen motivierenden, methodisch wie sachlich angemessenen, erfolgreichen Unterricht zu machen.  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus, was macht ihn spannend?Auch wenn ich schon zig Schülerbücher, Handreichungen, Themenhefte betreut habe, ist jedes Material wieder neu. Ich komme mit vielen unterschiedlichen Sachthemen in Verbindung und muss mich in sie eindenken. Mir macht vor allem die Zusammenarbeit mit AutorInnen Spaß: Wenn ich Mängel oder Lücken in einem Manuskript entdecke und dann mit Autor/Autorin an einer Verbesserung feile, wenn eine Idee durch das Zutun von Autorin wie Redakteurin zu einer funktionierenden Aufgabe reift, ist das ein wunderschöner kreativer Prozess!  Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Wenn Sie sich für das Berufsfeld interessieren, versuchen Sie, Praxiserfahrung zu sammeln. Das Interview wurde im Januar 2019 geführt.°Bildungs-, Erziehungswissenschaften, Pädagogik und Soziale Arbeit;
Porträt Marion Kiffe beige gerahmt
Annabelle Wischnat koordiniert die Arbeitsgemeinschaften für die Abteilung Mobilisierung des SPD Parteivorstands Was sind Ihre Aufgaben?Ich bin im SPD-Parteivorstand in der Abteilung Mobilisierung tätig. Dort arbeite ich im Referat Arbeitsgemeinschaften, welches die insgesamt zehn Arbeitsgemeinschaften in der SPD betreut. Ich koordiniere die Arbeit von fünf Arbeitsgemeinschaften, organisiere Konferenzen, Gremien- und Vernetzungstreffen, bin Ansprechperson für die Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen der Arbeitsgemeinschaften. In Wahlkampfzeiten plane ich außerdem Kampagnen der einzelnen Arbeitsgemeinschaften und organisiere den Zielgruppenwahlkampf der SPD mit.  Was haben Sie studiert?Ich habe in Mannheim Politikwissenschaften und Anglistik im Bachelor studiert, ein Auslandssemester im Bereich European Studies gemacht, und dann wieder Politikwissenschaften im Master an der FU Berlin studiert.  Wie sind Sie an Ihre derzeitige Stelle gekommen?Ich wollte eigentlich in die politische Bildungsarbeit oder im Stiftungsbereich arbeiten, was ich als Studentin auch schon gemacht habe. Aufgrund meines Studiums und ehrenamtlichem Engagements bei der SPD habe ich mich dann doch für die politisch hauptamtliche Arbeit entschieden. Und da dann den klassischen Weg genommen: Ausschreibung gesehen, beworben, Bewerbungsgespräch.  Ist es leicht, an eine hauptamtliche Stelle in einer Partei zu kommen?Jein. Ich habe als Studentin schon mal für die SPD in Berlin gearbeitet und engagiere mich auch ehrenamtlich in der Partei, das hat mir sicherlich geholfen, da ich die Strukturen und Arbeitsweisen der Organisation kannte. Wie bei allen Bewerbungsgesprächen zählten aber vor allem Arbeitserfahrung und bei meinem Job spezifisch Erfahrungen in der Organisation von Veranstaltungen, der Öffentlichkeitsarbeit und der Koordination von Ehrenamtlichen.  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?In einer Runde gesessen, in der wir ein Konzept für eine Veranstaltung zum Frauentag am 8. März weiter ausgearbeitet habenEin Konzept zur Mobilisierung von Frauen ausgearbeitetEine Konferenz im gesundheitspolitischen Bereich und Gremiensitzungen weiter vorbereitet: Referent*innen angefragt, Tagesordnungen geschrieben, Einladungen versendet, Cateringabsprachen, Veranstaltungsvorbereitungen  Wie nehmen Sie konkret Einfluss auf die Politik?Ich formuliere keine politischen Inhalte der Partei, sondern nehme vor allem durch die Unterstützung ehrenamtlicher Strukturen Einfluss. Meine Aufgabe ist es, Zielgruppen zu definieren; die Arbeitsgemeinschaften als Multiplikatoren unserer politischen Arbeit mit gesellschaftlichen Akteuren zu vernetzen und Mobilisierungsstrategien zu entwerfen.  Politik – wird da nicht immer nur rumdiskutiert? Wie zufrieden sind Sie mit der Umsetzung Ihrer politischen Ideen?Dieser Vorwurf ist alt – und teilweise auch berechtigt. In einem politischen System wie in Deutschland und mit immer mehr Parteien in den Parlamenten (und Regierungen) wird das Regieren, also das Finden von inhaltlichen Kompromissen zwischen den Koalitionsparteien, immer schwieriger und langwieriger. Als SPD haben wir in dieser Legislatur (2017-2021) bisher viel durchgesetzt: Von der Vollzeit in die Teilzeit und zurück, berufliche Förderung von Langzeitarbeitslosen, Entlastungen bei den Kita-Gebühren und Krankenkassenbeiträgen, Investitionen in den sozialen Wohnungsbau, Ausweitung des Mietschutzgesetzes, Aufstockung von Pflegeberufen, Stabilisierung der Rentenbeiträge. Trotz dieser Erfolge konnten wir wichtige gesellschaftliche Vorhaben in der Koalition mit der Union bisher nicht angehen, dazu zählen bspw. die Abschaffung des §219a, die Erhöhung des Rentensatzes, die Einführung einer Bürgerversicherung und die Vermögenssteuer.  Sind Sie immer auf dem aktuellsten politischen Stand?Ich versuche es. Ich höre viel Radio und lese (online) Zeitungen.  Was ist Ihre größte politische Vision?Vollkommene Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern auf allen Ebenen.  Was sind die nächsten Schritte, die Sie in Ihrer politischen Karriere planen? - Fernziel Bundeskanzlerin?Auf gar keinen Fall, zu wenig Freizeit. Eine politische Karriere hat für mich keine Priorität. Politische Entscheidungen und Strukturen hauptberuflich mitentwicklen zu können, ist super spannend, ich muss das nicht vor Kameras tun.  Welches sind die wichtigsten Fähigkeiten, die man für die Arbeit in der Politik mitbringen muss? Was braucht man, um sich intern durchzusetzen?Das Wichtigste sind eigentlich die Soft Skills. Organisationsgeschick und strategisches Denken, schnelles Auffassungsvermögen und Beurteilung von politischen Lagen. Was man aber auch mitbringen muss: Ausdauer, Empathie, Frustrationstoleranz, die Bereitschaft wenig zu schlafen – und vor allem: Spaß an der politischen Arbeit und den Willen, die Gesellschaft zum Besseren zu verändern. Wie man sich am besten durchsetzt: Kenne die Strukturen, Verfahren und Zusammenhänge, wende dich an die Personen an bestimmten Schnittstellen und lass dich nicht von deinem Standpunkt abbringen, sei hartnäckig.  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus, was ist besonders spannend?Ich koordiniere Arbeitsgemeinschaften in verschiedenen thematischen Bereichen. Ich muss keine Expertin sein, mir aber die inhaltlichen Zusammenhänge in jedem Feld zu eigen machen können und habe so Einblick in die unterschiedlichsten inhaltlichen Politikfelder auf unterschiedlichen politischen Ebenen. Besonders spannend sind natürlich auch die Wahlkampfzeiten, wenn das politische Tagesgeschäft ganz anderen Regeln unterliegt, Entscheidungen und Prozesse sich von heute auf morgen ändern können. Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen? Lasst euch nicht vorschreiben, was ihr studieren, welche Sprache ihr lernen oder welches Praktikum ihr machen sollt. Macht das, was für euch am besten erscheint.Und vor allem: Nehmt keine unbezahlten Praktika an. Das ist Arbeit und muss honoriert werden. Ein Praktikum in bspw. einem Ministerium oder in einer Internationalen Organisation ist sicherlich spannend, es gibt aber auch andere Möglichkeiten, dort beruflich Fuß zu fassen, als unentgeltlich für auch nur ein paar Wochen (ohne richtig anzukommen) dort zu arbeiten. Ich finde es sinnvoller, in der Studienzeit eine Stelle anzunehmen und so über eine längere Zeit einen tiefen Einblick in die Prozesse und Strukturen zu erhalten und so selbst auch intensiver, eigenverantwortlicher und verantwortungsvoller zu arbeiten.  Das Interview wurde im Januar 2019 geführt.°Politik-, Sozial-, Organisations-, Planungs- und Verwaltungswissenschaften;
Porträt Annabelle Wischnat beige gerahmt
Antje Sachs arbeitet als Bildungsmanagerin im Paritätischen Bildungswerk in Potsdam Was haben Sie studiert?Diplom- Heil- und Rehabilitationspädagogik an der Fachhochschule, Master in Osteuropastudien mit dem Schwerpunkt Politikwissenschaften und ein berufsbegleitendes Zertifikatsstudium Kulturmanagement  Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Über mehrere Stationen: als Kulturmanagerin in Mittel- und Osteuropa (Stipendiatin der Robert Bosch Stiftung), als Mitarbeiterin für Projektmanagement und Öffentlichkeitsarbeit in einem Architekturbüro, als Heilpädagogin in der ambulanten Psychiatrie, in der interkulturellen Altenhilfe und in der Demenzbegleitung (als Angehörige eines demenzerkrankten Familienmitglieds)  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Einen Kurs mit neuen Referent*innen geplantRücksprache mit einer Einrichtungsleitung der ambulanten Psychiatrie zu einer Inhouse-Schulung gehaltenHausarbeiten mit einer Referentin besprochen  Zu welchen Themen und mit welcher Zielgruppe arbeiten Sie?Erwachsenenbildung für Tätige in der Sozialwirtschaft, in den Feldern: Arbeit mit alten Menschen, Arbeit mit Menschen mit Behinderungen, psychiatrische/ psychosoziale Arbeit und Gesundheitsförderung/ Gesundheitsmanagement  Haben Sie ein Lieblingsthema?Neue Fortbildungsideen und -themen in enger Absprache mit Einrichtungsleitungen und Referent*innen entwickeln  Und eine Lieblingsmethode?Lachen nicht vergessen! (Kinder lachen bis zu 400-mal täglich)  Welche Ziele verfolgen Sie und wie werden die Themen für Ihren Bereich gesetzt?Externe Themensetzung durch gesellschaftspolitische Entwicklungen und neue Herausforderungen, aber auch durch eigene Werte von sozialgerechtem, gendergerechtem Denken und Handeln in einer wertschätzenden und kritisch sich selbst hinterfragenden vielfältigen Gesellschaft  Was sind die Früchte Ihrer Arbeit?Positive Rückmeldungen und konstruktive Kritik von Teilnehmer*innen und Referent*innen  Wer ist Ihr Auftraggeber bzw. woher kommt das Geld für Ihre Arbeit?Das Geld kommt von den Teilnehmer*innen der Fort- und Weiterbildungsangebote  Arbeiten Sie im Team oder alleine und vernetzen Sie sich auch mit anderen Playern? Ich arbeite sowohl im Team als auch allein – je nach Tätigkeitsbereich; Vernetzung findet mit Kolleg*innen in anderen Bildungswerken, mit Weiterbildungsbeauftragten von Einrichtungen/ Unternehmen sowie mit Qualitätsmanager*innen statt.  Was gefällt Ihnen an der Tätigkeit als Bildungsreferentin besonders gut?Der Facettenreichtum an Menschen und Themen.  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Interessante und abwechslungsreich verschiedene Menschen kennenzulernen und mit ihnen zusammen zu arbeiten; sowie kurzfristig Weiterbildungsbedarfe zu erkennen, zu entscheiden und zu handeln. Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Erfahrungen sammeln: sich ausprobieren, sich engagieren (auch ehrenamtlich), lesen, nachfragen, Menschen befragen Das Interview wurde im November 2018 geführt.°Geistes-, Sprach-, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften; °Bildungs-, Erziehungswissenschaften, Pädagogik und Soziale Arbeit;
Personen von hinten Platzhalter Antje Sachs beige gerahmt
Anna Heyer-Stuffer Fraktionsgeschäftsführerin bei der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Brandenburger LandtagFoto: Franziska Petruschke/Fraktion Bündnis 90/Die Grünen  Was haben Sie studiert? Ich bin Volljuristin und habe Rechtswissenschaft und European Integration Law als postgraduales LL.M.- Studium absolviert.  Wie sind Sie zu Ihrer Stelle gekommen und wie leicht ist es grundsätzlich, an eine hauptamtliche Stelle in einer Partei zu gelangen? Die Stelle war 2009 ausgeschrieben, ich habe mich ganz normal beworben. Fraktionsarbeit und Parteiarbeit sind formal strikt voneinander zu trennen, auch wenn die inhaltliche Ausrichtung die gleiche ist. Alle Stellen in der Fraktion werden öffentlich ausgeschrieben.  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt? Jour Fixe mit den FachreferentInnen gehalten und gemeinsam mit ihnen die Übersicht unserer parlamentarischen Initiativen aktualisiert.Einen Arbeitsvertrag verfasst.Die IT-Rechteverwaltung mit dem Administrator besprochen.  Wie nehmen Sie konkret Einfluss auf die Politik? In dem ich den Abgeordneten unserer Fraktion die bestmöglichen Rahmenbedingungen für ihre Arbeit sichere.  Wie zufrieden sind Sie mit der Umsetzung Ihrer politischen Ideen? Als Opposition machen wir auf Defizite aufmerksam und zeigen Alternativen auf. Wir unterstützen Ansätze, die dem ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Wandel Kraft verleihen und Richtung geben. Unsere Möglichkeiten schöpfen wir voll aus und sind als konstruktive Kraft im Parlament anerkannt.  Sind Sie immer auf dem aktuellsten politischen Stand? Wie halten Sie sich am Laufenden? Ich wäre falsch am Platz, wenn das so nicht wäre. Tägliche Presselektüre, Gremiensitzungen, Ausschüsse, Plenum, fachlicher Austausch, Tagungen...  Was ist Ihre größte politische Vision? Helmut Schmidt sagte: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen!“, Ich sage: „Wer Visionen hat, sollte zu uns kommen!“, denn uns geht es ums Ganze!  Was sind die nächsten Schritte, die Sie in Ihrer politischen Karriere planen? Fernziel Bundeskanzler*in?Das verrate ich nicht!Foto: EigendesignWelches sind die wichtigsten Fähigkeiten, die man für die Arbeit in der Politik mitbringen muss? Was braucht man, um sich intern durchzusetzen?Haltung zeigen, Authentizität, Glaubwürdigkeit, Durchhaltevermögen, Kampfgeist und emotionale Intelligenz. Nicht nur die Fähigkeit rational zu argumentieren ist gefragt, sondern auch die Herzen der Menschen müssen erreicht werden.Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus, was ist besonders spannend?Spannend sind die Gestaltungsspielräume und die Vielfältigkeit der Arbeit. Kein Tag ist wie der andere.  Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen? Seien Sie neugierig und haben Sie Mut, sich einzumischen!Foto: Eigendesign°Rechtswissenschaften;
Porträt Anna Heyer-Stuffer beige gerahmt
Ina Westphal ist geschäftsführende Gesellschafterin bei "Hellmund. Die Personalberater." Was haben Sie studiert?Ich habe zunächst Lehramt (Grundschule) studiert und im Anschluss noch eine kaufmännische Ausbildung absolviert.  Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Nicht sofort und direkt. Wie viele andere auch bin ich eine typische Quereinsteigerin in diesen Beruf. Zunächst habe ich 13 Jahre lang in einem Großkonzern in verschiedenen operativen (Produktion) und Stabsfunktionen (Personalentwicklung, Recruiting, Interne Kommunikation) als Führungskraft gearbeitet und so unterschiedliche Bereiche eines Unternehmens durchlaufen. 2006 entschied ich mich für die Selbständigkeit (Unternehmensberatung). 2012 wechselte ich in die Personalberatung. Eine ehemalige Kollegin bat mich um Unterstützung. Seitdem bin ich Mitinhaberin und Partnerin einer Personalberatung mit Sitz Potsdam.  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?mit KandidatInnen telefoniert (wie eigentlich jeden Tag)weiter an der Neukonzeption diagnostischer Verfahren für ein Auswahlverfahren eines Kunden gearbeiteteinen Kundentermin vorbereitet  Welche Art von Unternehmen und Organisationen beraten Sie?Wir arbeiten bundesweit für Unternehmen (Mittelstand und Konzerne) aber auch für einige Verbände. Im Schwerpunkt sind wir in den Branchen Telekommunikation/CRM/Kundenservice, Gesundheitswirtschaft und Dienstleistungswirtschaft (Professional Services) tätig. Darüber hinaus nehmen wir auch Mandate anderer Branchen an, z. B. wenn es sich um enge Bewerbermärkte handelt, da dies eine unserer Expertisen ist.  Welche Dienstleistungen gehören zu Ihrem Portfolio?Überwiegend sind wir im Executive Search tätig, unterstützen also Unternehmen bei der Besetzung von offenen Vakanzen. Darüber hinaus bieten wir eignungsdiagnostische Leistungen (Management- und Auswahl-Diagnostik) an, entweder zur Unterstützung des Recruitments (externer Markt) oder für die interne Personalauswahl und Talententwicklung eines Unternehmens. Schließlich beraten wir im Rahmen der Karriereberatung Kandidaten, die sich beruflich neu orientieren möchten. Wir beraten somit beide Seiten, unser Schwerpunkt liegt aber eindeutig im Executive Search („Headhunting“).  Wie viele potentielle Kandidat*innen stellen Sie Ihren Kund*innen pro Stelle ungefähr vor?Bei uns bestimmen die Qualität, der Arbeitsmarkt und die Rahmenbedingungen darüber, wie viele Kandidaten wir für eine Position vorstellen. In der Regel sind es 3 bis 5 Kandidaten. In sehr engen Bewerbermärkten, in denen es beispielsweise nur wenige Spezialisten mit einer bestimmten Expertise gibt, können das auch nur ein oder zwei Kandidaten sein. Entscheidend ist, dass die Kandidaten den Anforderungen für die Position möglichst nahekommen, was wir durch ein mehrstufiges Verfahren für unsere Kunden absichern.  Wie lange brauchen Sie, um eine Stelle zu besetzen?Das hängt von mehreren Faktoren ab, die wir nicht allein beeinflussen können. Es ist durchaus möglich, dass wir nach 2 bis 6 Wochen Kandidaten vorstellen, unser Auftraggeber sich schnell entscheidet und dem Kandidaten fix einen Vertragsvorschlag unterbreitet. Was den Prozess tatsächlich häufig verlängert, sind aber die internen Entscheidungsprozesse, das aufwändige Bewerbungsprocedere (Zahl der Termine etc.) beim Auftraggeber und manchmal schlicht die Urlaubzeit. Das heißt für uns, die Kandidaten intensiv betreuen und dem Unternehmen „gewogen“ halten. Darüber hinaus gibt es auch Positionen, für die beispielsweise in Deutschland z.B. nur 30 Kandidaten (mit exakt dieser Expertise) am Markt verfügbar sind. Da braucht es manchmal viel Zeit, mehrere Gespräche und jede Menge Überzeugungsarbeit, um solche Kandidaten zu einem Wechsel zu bewegen. Das geht nicht immer von heute auf morgen.  Woran erkennt man eine gute Stellenausschreibung?Eine gut gemachte Stellenausschreibung gibt kurz und bündig Auskunft überdas Unternehmen, die suchende Abteilungdie konkrete Aufgabedie konkreten Anforderungenund das, was der Bewerber seinerseits dafür erwarten kann (Rahmenbedingungen, Vertragliches, Benefits)Sie vermeidet Worthülsen: „Sie sind teamfähig“, „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“, denn das können Kandidaten tatsächlich nicht mehr hören. Sie darf ungewöhnlich aufgemacht und formuliert sein, damit sie die Aufmerksamkeit der Bewerberzielgruppe erhält, denn das wird heute bei Stellenausschreibungen immer wichtiger: zu informieren (wahrheitsgemäß und eindeutig) und für ein Unternehmen zu werben.  Und woran eine gute Bewerbung?Darüber könnte ich jetzt einen längeren Vortrag halten, denn wir sind immer wieder überrascht, dass wir selbst für hochdotierte Führungsfunktionen Unterlagen von Kandidaten erhalten, die die Minimalanforderungen nicht erfüllen. Ich versuche es kurz:Lebenslauf: ist die Visitenkarte des Bewerbers, weshalb er alle wesentlichen Stationen, alle Qualifikationen, alle nötigen Informationen zur Person enthält, die es einem Personaler möglich machen, ein erstes (aber schon möglichst umfassendes) Bild der Person zu haben. Ordentlich gestaltet, fehlerfrei und wahrheitsgemäßZeugnisse: alle Zeugnisse zu Berufsabschlüssen, Studienabschlüssen und die Arbeitszeugnisse. Heute werden keine Zertifikate mehr an Unternehmen verschickt, der letzte Excel-Kurs interessiert den HRler oder Personalberater nicht. Im Lebenslauf kann aufgezählt werden, welche Zusatzqualifikationen jemand erworben, welche Seminare er besucht hat. Ausnahme: Es sei denn, es sind spezielle Abschlüsse oder Berufungen erworben worden, die explizit im Jobprofil erwähnt wurden, z.B. eine Auditoren-Qualifikation).Anschreiben/Motivationsschreiben: Da gehen die Meinungen auseinander, wir selbst fordern dies nicht ab, wir sprechen ja mit unseren Kandidaten ausführlich zu seiner Wechselmotivation. Wem dies aber wichtig ist, der kann im Lebenslauf auch auf einer extra Seite sein „Profil“ und seine Motivation darstellen.  Wie sehen Sie die Diskussionen um den Fachkräftemangel? Sehen Sie einen erhöhten Bedarf in bestimmten Branchen?Da wir mittlerweile einen großen Teil der Mandate in sogenannten „engen Bewerbermärkten“ haben, können wir dies – zumindest für Teile des Arbeitsmarktes – so bestätigen. Die Diskussion wird aber noch sehr einseitig geführt. Ich sehe große Reserven bei bestimmten Arbeitsmarktzielgruppen, die noch nicht genügend aktiviert werden (z.B. Frauen in bestimmten Lebensphasen, ältere Arbeitsnehmer, Arbeitnehmer mit anderer Nationalität etc.). Bei unseren Kunden spüren wir aber eine immer größer werdende Offenheit, sich solchen Zielgruppen zu öffnen und gegebenenfalls in die Ausbildung, Qualifikation und Einarbeitung zu investieren. Aus unserer Sicht sind derzeit bestimmte Positionen schwierig zu besetzen, z.B. spezialisierte Vertriebs- und Außendienstfunktionen, Consulting-Funktionen, Expertenfunktionen in der Begutachtungsbranche und schließlich Mediziner (im Klinikbereich).  Inwiefern beeinflussen neue digitale Entwicklungen das Recruiting oder die Personalauswahl Ihrer Kund*innen und auch Ihre eigene Arbeit?Unsere Branche wird zurzeit stark von digitalen Entwicklungen beeinflusst (um nicht zu sagen, eingeholt…). Gerade im HR-Bereich von Unternehmen ist die digitale Transformation (die ja nicht nur die Implementierung einer neuen Software umfasst) ein ganz großes Thema und wird auf Veranstaltungen und Konferenzen viel diskutiert. Es vergeht kein Monat, in dem nicht ein neuer Anbieter eine neue Plattform für Bewerber, für Personalberater, für Unternehmen vorstellt. Da ist der Markt in den letzten 2 bis 3 Jahren geradezu explodiert, jedoch ist die „Halbwertzeit“ sowie der Nutzen und Umfang dieser Anwendungen teilweise gering. Das Problem, die Anwendungen sind sich zu ähnlich, sprechen die gleiche Zielgruppe an. Für uns bedeutet das: Die Identifikation von Kandidaten wird immer stärker durch gute Software, große Datenbanken unterstützt. Wir nutzen verschiedene digitale Tools, die uns die Suche vereinfachen. Algorithmen sind aber nur so gut, wie die Personen, die sie programmieren. Sie erleichtern enorm die Arbeit, machen die Suche effizient. Was Algorithmen aber auch naher Zukunft nicht leisten können, ist das Gespräch mit dem Menschen und die finale Entscheidung über eine Einstellung zu ersetzen.  Gibt es generelle Empfehlungen, die Sie Bewerber*innen aus Ihren Erfahrungen mitgeben können? Wie geht man die Stellensuche erfolgreich an?Auch hier gilt, bei der Erstellung der Unterlagen immer Bezug auf die konkrete Position und das Unternehmen, bei dem man sich bewerben möchte, nehmen. Heute ist es wichtig, über viele verschiedene Kanäle nach einem Job zu suchen. Jobportale und Karriereseiten der Unternehmen sind wichtige Quellen für die Suche. Darüber hinaus sollte man bereits im Studium/in der Ausbildung konsequent sein eigenes Netzwerk aufbauen. Kommilitonen, frühere Kollegen, Sandkastenfreunde, Nachbarn – das können alles wichtige „Gatekeeper“ sein, um bei einem Stellenwechsel Hilfe zu bekommen. Darüber hinaus gehört es heute für viele Berufe zum „guten Ton“, sich via Business-Netzwerke (XING, LinkedIn) miteinander zu vernetzen. Die Chance, sich dort miteinander zu vernetzen, eröffnet weitere Netzwerke und Kontakte, die vielleicht später, bei einem anstehenden Jobwechsel, einmal eine Rolle spielen könnten. Darüber hinaus gibt es auch noch Plattformen, bei denen man sich als interessierter Bewerber listen lassen kann (beispielhaft: Experteer) und so schneller von suchenden Unternehmen oder Personalberatungen gefunden wird.  Verbringen Sie für die Beratung mehr Zeit am Schreibtisch oder unter Menschen?Ich würde gern mehr Zeit für Gespräche, Austausch und für das Netzwerken haben wollen. Als Unternehmerin muss man sich allerdings um viele andere Aufgaben und Themen ebenfalls kümmern. Es hält sich ganz gut die Waage, ca. 50 % am Schreibtisch, 50 % in Gesprächen, bei Interviews mit Kandidaten oder im Kundentermin.  Was fordert Sie an dieser Tätigkeit heraus, was finden Sie daran spannend?Als Personalberaterin lernt man viele Menschen näher kennen. Die Arbeit und die Gespräche mit dem einzelnen Kandidaten empfinde ich als sehr intensiv. Ob im ersten Kontakt, in Telefoninterviews, in persönlichen Gesprächen - Ich möchte herausfinden, was er kann, was ihn ausmacht und wer er ist. Dann bin ich in der Lage, eine Empfehlung meinem Auftraggeber gegenüber auszusprechen. Man erfährt manchmal auch viel Persönliches über Menschen, auch Dinge, die mit der eigentlichen Besetzung nichts zu tun haben. Das fordert mich zum einen, zum anderen freue ich mich darüber, Menschen kennenzulernen, die Schicksalsschläge überwunden, berufliche Krisen gemeistert haben oder sich im Laufe des Berufslebens weiterentwickelt haben und/oder ihre Profession gefunden haben. Das finde ich unglaublich spannend und persönlich sehr bereichernd!  Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?BerufseinsteigerInnen haben es traditionell etwas schwerer, den Einstieg zu finden, als Berufserfahrene. Unternehmen erwarten meist „fertige“, gereifte und erfahrene Mitarbeiter, aber wie soll ein Absolvent die Erfahrung sammeln? Das Problem ist uns bewusst. Deshalb helfen wir unseren Auftraggebern auch dabei, Trainee-Programme zu installieren, über Praktika den künftigen Mitarbeiter näher kennenzulernen und über Einarbeitungs- und Mentoring-Programme BerufseinsteigerInnen eine Chance zu geben. AbsolventInnen/BerufseinsteigerInnen können wir deshalb auch raten, (studienbegleitende) Praktika in solchen Unternehmen zu absolvieren, die man sich als künftigen Arbeitgeber gut vorstellen kann. Es gibt viele gute Trainee-Programme, die den Berufseinstieg erleichtern. Viele Kongresse und Veranstaltungen sind für Absolventen gemacht, um potenzielle Arbeitgeber kennenzulernen. Und was grundsätzlich gilt, die Zeit des Studiums oder der Ausbildung sollte man gut nutzen, um sich mit Kollegen, Kommilitonen zu vernetzen und über soziale Netzwerke in Kontakt zu bleiben. Und als Alumni einer Universität ist es immer sinnvoll, sich in solchen Netzwerken zu engagieren, denn da begegnet man immer Menschen, die man auf Jobchancen ansprechen kann. Dieser Mix aus vielen unterschiedlichen Maßnahmen ist zwar aufwändig, aber es lohnt sich definitiv. Das Interview wurde im August 2018 geführt.°Bildungs-, Erziehungswissenschaften, Pädagogik und Soziale Arbeit;
Porträt Ina Westphal beige gerahmt

Personalberaterin

Ina Westphal

Dusan Balaban ehrenamtlicher Consultant in der studentischen Unternehmensberatung uniClever Was studieren Sie?Ich studiere im 4. Semester im Master „Zeitgeschichte“ und werde das Studium demnächst erfolgreich abschließen.  Wie sind Sie zu Ihrer Tätigkeit als studentischer Unternehmensberater gekommen?Während der Studienzeit an der Universität Potsdam lernte ich uniClever über einen Kommilitonen kennen, der mir von der Idee der studentischen Unternehmensberatung erzählte. Ich war sofort Feuer und Flamme! Die Idee, gemeinsam mit Studenten unterschiedlicher Fachrichtungen geschäftliche Lösungen für Unternehmen zu entwickeln, hat mich begeistert und stellte eine Herausforderung zugleich dar. Seitdem engagierte ich mich bei uniClever, war unter anderem als geschäftsführender Vorstand des Vereins tätig und führte mehrere Beratungsprojekte mit Start-ups und kleinen wie mittelständischen Unternehmen durch. Ich spezialisierte mich dabei durch meine Vorerfahrungen im Start-up-Umfeld auf die digitale Geschäftsmodellentwicklung sowie die Marketing- und Kommunikationsplanung.  Welche Art von Unternehmen und Organisationen beraten Sie? uniClever berät vorrangig Start-ups sowie kleine und mittelständische Unternehmen. Sie schätzen unsere maßgeschneiderten Lösungen, die interdisziplinären Projektteams und unseren engen Kontakt zur Hochschule. Sie profitieren dabei von akademisch fundierten Lösungen, die die Studenten innovativ wie kreativ mit dem neusten Stand der Wissenschaft entwickeln und umsetzen.  Mit welchen Fragestellungen wenden sich Ihre Kund*innen an Sie?Grundsätzlich decken wir zunächst das gesamte Spektrum der klassischen Beratungsleistungen ab. Neben Markt- und Wettbewerbsanalysen bieten wir Prozessoptimierung, (Online)-Marketingmanagement und Webentwicklung an. Während Start-ups oft nach Unterstützung in der Entwicklung einer Markteintritts- oder (Online)-Marketingstrategie anfragen, beraten wir kleine und mittelständische Unternehmen in wesentlich spezielleren Fragen. Dabei reichen die Projekte von Projektmanagement umfangreicher Vorhaben, strategisches Social-Media-Marketing, Begleitung von IT-Einführungen bis zur Prozessmodellierung und -optimierung.  In welchen Projekten haben Sie zuletzt mitgearbeitet und welche Aufgaben haben Sie dabei persönlich übernommen? Meine Projekte waren zuletzt äußerst vielfältig. Mein erstes Beratungsprojekt war z. B. mit einem Berliner Start-up. Ich unterstützte die Gründer für knapp drei Monate in der Entwicklung einer Markteintrittsstrategie für ihre “Business Intelligence”-Software. In einem anderen Projekt war ich dagegen Teil eines bestehenden Projektteams einer Strategieberatung. Als Junior Consultant war ich in der Vorbereitung einer digitalen Produkteinführung eines Kunden aus der Bankbranche involviert. Das letzte Projekt, an dem ich als Projektleiter tätig war, war die Entwicklung eines Markennamens für einen neuen digitalen Ausschreibungsservice im Agrarbereich. In diesem konkreten Fall war ich für das Projektmanagement zuständig. Ich sorgte für die Einhaltung der besprochenen Ergebnisse, Meilensteine sowie Termine und hielt ständige Rücksprache mit dem Auftraggeber. Allerdings war ich auch unmittelbar in die Projektarbeit involviert und leitete z. B. die Kreativworkshops zur Entwicklung des Markennamens. Entsprechend waren die Aufgaben und Tätigkeiten äußerst vielfältig, spannend und lehrreich!  Wie planen Sie ein Beratungsprojekt? Gibt es bestimmte typische Prozessschritte?In der Regel bestehen studentische Beratungsprojekte bei uniClever  aus folgenden Arbeitsschritten: dem Erstgespräch mit dem Kunden, der Angebotserstellung, der Projektdurchführung und der abschließenden Abschlusspräsentation bzw. Projektdokumentation.Grundsätzlich kann man sich darunter folgendes vorstellen:Im Erstgespräch werden die grundlegenden und spezifischen Fragen zum Projekt geklärt. Auftraggeber und -nehmer lernen sich gemeinsam kennen und spezifizieren das Problem, das vom Berater gelöst werden sollAnschließend wird basierend auf diesen Informationen ein Projektangebot erstellt. Das Projektangebot beinhaltet das genaue Ziel, die Aufgabenkomponenten, die zur Problemlösung notwendig sind, einen Zeitrahmen und das dafür vorgesehene HonorarSofern das Projektangebot vom Auftraggeber angenommen wurde, beginnt auch schon die unmittelbare ProjektarbeitDas Projekt endet meist mit einer Abschlusspräsentation und der Übergabe einer Projektdokumentation, die alle Projektinformationen und ihre -schritte beinhaltetÜber den gesamten Projektverlauf ist die regelmäßige Rücksprache mit dem Klienten der wichtigste Aspekt, damit dieser notfalls in die Projektarbeit eingreifen kann, sofern der Projektverlauf nicht seinen Vorstellungen entspricht.Ist Unternehmensberatung nur etwas für Wirtschaftswissenschaftler*innnen?Bei den meisten Unternehmensberatungen ist das Studienfach kein Ausschlusskriterium, schließlich geht es im Consulting vorrangig darum, Probleme zu lösen. Heutzutage sind “Exoten”, wie Absolventen anderer Fachrichtungen genannt werden, äußerst gefragt! Die Top-Management- und Strategieberatungen à la MCKinsey oder auch BCG machen es erfolgreich vor: die Vielfalt ihrer Mitarbeiter und das interdisziplinäre Denken und Handeln ist die Stärke der Unternehmensberatung - unabhängig von der Fachrichtung, die jeder Einzelne an der Universität eingeschlagen hat. Mich hat es schließlich als Absolvent der Zeitgeschichte auch in die Unternehmensberatung getrieben. Um einer vielfältigen wie kreativen Problemlösung gerecht zu werden, setzt auch uniClever auf Interdisziplinarität. Unsere Projektteams bestehen aus Studierenden aller Fachbereiche, die die Universität heutzutage so aufbieten kann. Seien es Physiker, Medienwissenschaftler oder auch Psychologen: Die wesentlichen Voraussetzungen zur Mitarbeit bei einer studentischen Unternehmensberatung sind ein fundiertes Fachwissen aus dem Studium, eine schnelle Auffassungsgabe und eine hohe Begeisterungsfähigkeit für jegliche Themen der Wissenschaft und Wirtschaft.  Verbringen Sie für die Beratung mehr Zeit am Schreibtisch oder unter Menschen?Die Durchführung von Beratungsprojekten findet immer gemeinsam in Teams statt. Sicherlich werden einzelne Aufgaben auch delegiert und erfordern, insbesondere bei Recherche- oder Analyseaufgaben, die eine oder andere Stunde am Schreibtisch; doch die gemeinsame Zusammenarbeit ist unerlässlich für einen erfolgreichen Projektabschluss. Am Ende überwiegen die Momente der Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen, statt die einsamen Stunden am kaffeebefleckten Schreibtisch.Welche Rolle spielen studentische Unternehmensberatungen auf dem Markt – sind Sie eine Konkurrenz zu den großen Beratungsfirmen? Die studentischen Unternehmensberatungen werben mit kreativen Ideen, innovativen Ansätzen und der akademischen Nähe der Lösungskonzepte. Sie stellen für kleine und mittelständische Unternehmen eine günstige wie unkonventionelle Alternative zur klassischen Unternehmensberatung dar. Sie schätzen die individuelle und erfrischende Projektarbeit, gleichzeitig aber auch die Professionalität. Dabei sehen uns größere Beratungsunternehmen keineswegs als bedrohliche Konkurrenz. Im Gegenteil: Unsere Junior Consultants betrachten sie als engagierte Studenten, die mit viel Herzblut und Leidenschaft die angelernte Theorie in die Praxis umsetzen. Seien es kleine, mittelständische oder auch große Konzerne: Die ehrenamtliche Vereins- wie auch die externe Projektarbeit erhalten eine große Wertschätzung und werden als erkenntnisreiche Projekt- und Praxiserfahrung wahrgenommen. Tatsächlich kooperieren Unternehmen dagegen sehr gerne mit studentischen Unternehmensberatungen. uniClever pflegt z. B. schon seit mehreren Jahren mit AIOS, einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft aus Berlin, eine erfolgreiche Kooperation. Mit unseren Formaten, wie z. B. dem TrainingDay, einer eintägigen Fortbildungsveranstaltung, haben aber auch schon Unternehmen wie Accenture, msg systems oder auch KPMG teilgenommen. Ihre Teilnahmen an unseren Formaten, wozu auch die Karrieremesse uniContact zählt, zeigen, was für eine große Wertschätzung die Kombination aus ehrenamtlichen Engagement und die Durchführung von Beratungsprojekten erhalten.  Was fordert Sie an dieser Tätigkeit heraus, was finden Sie daran spannend?Was mich bei der Tätigkeit als Unternehmensberater besonders begeistert, sind drei Dinge:Zunächst ist es die Vielfältigkeit der Kunden und die komplexen Fragestellungen, die die Projekte beinhalten. Kein anderes berufliches Umfeld gibt mir die Möglichkeit, mit unterschiedlichsten Fragen und Aufgaben konfrontiert zu werdenJeden Tag etwas Neues zu lernen! Die Herausforderung, sich in neue Probleme, Sachverhalte und Aufgabenstellungen einzuarbeiten, reizt mich und macht die Tätigkeit als Unternehmensberater gewissermaßen zu einem täglichen AbenteuerDie Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen - ein hervorragendes Resultat ist das Ergebnis einer hervorragenden Zusammenarbeit und einem ansteckenden Teamspirit! Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Die Universität bietet vielfältige Möglichkeiten zur beruflichen Orientierung an. Sei es mit einer studentischen Unternehmensberatung, dem Career Service oder auch unterschiedlichen Hochschulgruppen: Nutzt die Chancen, die sich euch schon an der Universität bieten! °Geistes-, Sprach-, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften;
Porträt Dusan Balaban beige gerahmt
Sabine Kuhlmann Stellvertretende Vorsitzende des Nationalen Normenkontrollrats der Bundesregierung Deutschland (NKR)Bildquelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung  Wo arbeiten Sie?Ich bin Inhaberin des Lehrstuhls für Politikwissenschaft, Verwaltung und Organisation an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam. Darüber hinaus bin ich die stellvertretende Vorsitzende des Nationalen Normenkontrollrats der Bundesregierung Deutschland (NKR) mit Sitz im Kanzleramt und als wissenschaftliche Gutachterin für verschiedene öffentliche Auftraggeber (insbes. Landesregierungen) zu Fragen der Verwaltungsreform tätig.  Was haben Sie studiert?Ich habe Sozialwissenschaften studiert, dann promoviert und schließlich habilitiert.  Wie sind Sie zu Ihrer Tätigkeit als Politikberaterin gekommen und wen beraten Sie genau zu welchen Themen?Ich bin durch eine informelle Anfrage zu meinem Amt gekommen. Als stellvertrende Vorsitzende des Normenkontrollrates berate ich die Bundesregierung u.a. zu Themen der besseren Rechtsetzung und Verwaltungsvereinfachung. Als wissenschaftliche Gutachterin berate ich darüber hinaus vor allem Landesregierungen zu Themen der Verwaltungsstrukturreform, Gebietsreform und Funktionalreform.  Welche drei Sachen haben Sie in dieser Funktion zuletzt erledigt?Prüfung von Gesetzgebungsvorhaben der Bundesregierung (speziell im Asylbereich) im Hinblick auf Verwaltungsvereinfachung und Folgekosten für Bürger, Wirtschaft und Verwaltung; Verabschiedung von entsprechenden (teils kritischen) StellungnahmenDiskussion neuer Ansätze im Bereich der besseren Rechtsetzung mit Vertretern des Kanzleramtes, insbesondere zur Weiterentwicklung des systematischen ex post-Evaluationsverfahrens im GesetzgebungsprozessErörterung von Möglichkeiten zur Gründung von Normenkontrollräten auf der Länderebene gemeinsam mit dem Chef der Staatskanzlei Schleswig-Holstein und den Vorsitzenden der Normenkontrollräte aus Sachsen und Baden-Württemberg  Beraten Sie alleine oder im Team?Wir beraten im Team und stimmen uns dabei untereinander ab.  Beraten Sie unparteiisch oder nutzen Sie Ihr Amt auch, um eigene politische Vorstellungen durchzusetzen?Nein, ich berate parteiunabhängig.  Was macht für Sie eine erfolgreiche Beratung aus? Was sind die größten Erfolge, die Sie mit Ihrer Arbeit erzielen konnten?Kriterien einer erfolgreichen Beratung sind für mich, wenn der Adressat Punkte der Beratung aufgreift, diese umsetzt und so Verbesserungen erreicht werden können; wenn Transparenz/Evidenz über bestimmte Sachverhalte, Wirkungen etc. hergestellt werden kann; Entscheidungen stärker evidenz-basiert erfolgen und dadurch „besser“ werden und wenn ein Beitrag zur Versachlichung von öffentlichen Debatten oder Entscheidungen geleistet wurde. Erfolge sind für mich Beratungsprozesse, in denen genau dies erreicht werden konnte, was nicht immer aber manchmal vorkommt. Im Normenkontrollrat ist zudem die Reduzierung von Erfüllungsaufwand und die Nachbesserung von Gesetzesvorhaben nach NKR-Kritik ein Erfolg.  Schreibtischarbeit oder Kommunikation? Was überwiegt in der Politikberatung?Im Normenkontrollrat überwiegt die Kommunikation, bei meiner Politikberatung für Landesregierungen und den wissenschaftlichen Gutachten, die Schreibarbeit.  Wie läuft die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Politik? Kommt es manchmal zu Konflikten, gibt es Unterschiede in den Denkkulturen?Ja, Politik hat immer mit Macht- und Interessensfragen zu tun, Wissenschaft hingegen vertritt die Sachlogik und Evidenzbasierung; beide Logiken müssen in der Beratung verzahnt werden.  Beeinflusst die Beratungstätigkeit auch Ihre eigene wissenschaftliche Arbeit? Profitieren Sie davon?Ja, ich profitiere sehr stark von der Beratungstätigkeit. Wissenschaftliche Erkenntnisse können mit der Praxis rückgekoppelt werden und die Praxis inspiriert zu neuen wissenschaftlichen Themen und zeigt neue Forschungsfelder auf. Vom wechselseitigen Transfer profitieren beide Seiten.  Was macht Politikberatung für Sie besonders spannend?Wissenschaftliche Erkenntnisse mit der Praxis rückzukoppeln, durch Einblicke in die reale Verwaltungs- und Regierungspraxis neue Erkenntnisse zu gewinnen und wissenschaftliche Evidenz in konkrete Entscheidungsprozesse und öffentliche Debatten einzuspeisen, vor allem wenn es zur Wahrnehmung und teilweisen Umsetzung von wissenschaftlichen Empfehlungen und Beratungsinhalten durch die Entscheidungsträger kommt.  Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Praxiskontakte frühzeitig herstellenwiss. Abschlussarbeiten mit Praxisbezügen kombinierenPraktika bei Beratungsfirmen durchführenProfilierung der eigenen Analyse-, Kommunikations-, Präsentations- und (schriftlichen/mündlichen) Formulierungsfähigkeit Das Interview wurde im Juli 2018 geführt.°Politik-, Sozial-, Organisations-, Planungs- und Verwaltungswissenschaften;
Porträt Sabine Kuhlmann beige gerahmt

Politikberaterin

Sabine Kuhlmann

Jenny Krüger Intendantin sowie Gesellschafterin und Geschäftsführerin beim Filmplus-Festival Was haben sie studiert?Ich habe Europäische Medienwissenschaft an der Universität Potsdam im Bachelor und Master studiert und anschließend ein Tranieeprogramm als Filmproducer*in absolviert.  Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Ich habe während und nach dem Studium in verschiedenen Bereichen der Filmproduktion gearbeitet, zuletzt mehrere Jahre als Produktionsleiterin für Dokumentarfilme. Nach meiner Elternzeit habe ich als organisatorische Leiterin bei Filmplus angefangen. Ich hatte mich schon immer für Festivalarbeit interessiert und auch während des Studiums schon mal eine Filmreihe kuratiert und organisiert, aber bis dahin nie die Gelegenheit gehabt, in dem Bereich zu arbeiten. Als ich die Stellenanzeige gesehen hatte, habe ich mich sofort beworben. Glücklicherweise konnte ich damit überzeugen, dass sich die Arbeit nicht grundsätzlich von der einer Produktionsleiterin unterscheidet. Im vergangenen Jahr habe ich gemeinsam mit zwei Kolleg*innen das Festival als Gesellschafterin übernommen und bin seitdem auch Geschäftsführerin.  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Mit der Grafikerin über die Gestaltung eines neuen Flyers gesprochen, einen Zeitplan für zwei Projekte ausgearbeitet, mich auf die Suche nach einer bestimmten Filmkopie begeben, mit dem Ministerium bezüglich einer Förderung telefoniert, drei potenzielle Sponsor*innen angesprochen, Fragen zu den Einreichungen beantwortet, die Buchhaltung des letzten Monats vorbereitet, einen Newsletter verschickt und mit meinen Kolleg*innen die Kinofoyer-Playlist für eine Vorführung in der kommenden Woche zusammengestellt.  Ist Kultur gleich brotlose Kunst?Grundsätzlich sind die Gehälter und Honorare im Bereich der Festivalarbeit in aller Regel eher gering, vor allem im kuratorischen Bereich, aber auch in der Organisation. Zudem ist vieles Saisonarbeit - viele meiner Kolleg*innen arbeiten bei mehreren Festivals oder Veranstalter*innen oder haben ein zweites Standbein im Filmbereich. Dennoch kann man mit Engagement und Können durchaus sein Auskommen finden.  Wie häufig besuchen Sie kulturelle Veranstaltungen?Ein- bis zweimal pro Woche. In der Regel sind das Filmpremieren oder Festivals und Filmreihen, die von Kölner Kolleg*innen veranstaltet werden.  Was möchten Sie mit Ihrer Arbeit vermitteln?Im Vordergrund steht für meine Kolleg*innen und mich die Mission, Filmeditor*innen, die ja sonst eher wenig im Rampenlicht stehen, eine Plattfom zu geben, sich und ihre Arbeit zu präsentieren und selbstbewusst ihre entscheidende Rolle bei der Entstehung eines Films herauszustellen. Ein Film entsteht in der Montage - wie und mit welchem künstlerischen Anspruch, das möchten wir auch unserem Publikum vermitteln. Immer, wenn nach der Vorstellung ein*e Zuschauer*in zu mir kommt und sagt: "So habe ich diesen Film noch nie gesehen.", habe ich das Gefühl, meine Aufgabe erfüllt zu haben.  Was macht Ihre Arbeit interessant?Meine Arbeit ist äußerst abwechslungsreich, ich treffe auf viele interessante Menschen und darf mich intensiv mit Filmen beschäftigen.  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Mein Team ist sehr klein, das heißt, ich muss vieles selbst machen und kann wenige Aufgaben delegieren. Zudem ist die Arbeit sehr kleinteilig, d. h. ich muss immer den Überblick über sehr viele verschiedene Dinge haben, die an einem Tag erledigt werden müssen.  Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Schon während des Studiums ein Praktikum oder, noch besser, einen Nebenjob im Wunschbereich suchen. Für verschiedene Berufswege offen sein. Bei Chancen sofort zugreifen. Das Interview wurde im Juli 2018 geführt.  Ab in die Filmbranche Crew-United - Jobbörse rund um Film und Festivals°Geistes-, Sprach-, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften;
Porträt Jenny Krüger beige gerahmt
Juliane Thiem Eventmanagerin im Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Universität Potsdam Was haben Sie studiert? Ich habe Anglistik/Amerikanistik, Literaturwissenschaft und Medienwissenschaft auf Magister an der Uni Potsdam studiert.  Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Über ein Praktikum im Pressereferat. Im September 2010, ein halbes Jahr nachdem ich meinen Abschluss in der Tasche hatte, trat ich das Praktikum an. Ursprünglich interessierte mich die Pressearbeit und das Schreiben viel mehr, aber durch einige glückliche Umstände bin ich im Bereich Veranstaltungsorganisation des Referats gelandet und habe so meinen Traumjob gefunden.  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Derzeit bin ich u.a. mit der Nachbereitung des Uniballs befasst, koordiniere die Programmbeiträge der Uni Potsdam zum Potsdamer Tag der Wissenschaften (PTdW) und beginne mit der Planung der Absolventenfeier. Das bedeutet, dass ich oft über Excel-Listen sitze, Materialien vom Uniball wegräume, die Programmbeiträge für den PTdW in die Onlinemaske der PTdW Webseite eintrage bzw. dort bearbeite, Rücksprache mit den Teilnehmern halte und einen Projektplan für die Absolventenfeier erstelle.  Wie viele Events organisieren Sie pro Jahr?Gemeinsam mit meiner Kollegin organisiere ich ca. 8 Veranstaltungen, die jedes Jahr stattfinden. Dazu kommen ca. 3-4 Sonderveranstaltungen, wie letztes Jahr z.B. der Festakt anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Uni Potsdam. Wir bearbeiten nicht beide alle Veranstaltungen, sondern teilen uns die Veranstaltungen bzw. Aufgabenbereiche auf.  Was für Events organisieren Sie?Ich organisiere z. B. hauptverantwortlich die Absolventenfeier, WarmUP und den Weihnachtsmarkt, meine Kollegin organisiert Veranstaltungen wie z. B. die Kinderuni, das Große Professorium und den Neujahrsempfang. Gemeinsam bearbeiten wir Veranstaltungen wie den Uniball oder den Potsdamer Tag der Wissenschaften (hier ist der Arbeitsaufwand sehr unterschiedlich je nachdem ob die Uni Gastgeber der Veranstaltung ist oder an einem anderen Standort mit Programmbeiträgen zu Gast ist).  Was ist bei einer Eventplanung unbedingt zu beachten?Wichtig ist, den Überblick nicht zu verlieren. Dabei hilft uns, dass wir für jede Veranstaltung einen Projektplan erstellt haben, sodass wir wissen an was zu denken ist und wann welche Aufgaben erledigt werden müssen. Außerdem ist wichtig, dass man einen guten Kontakt zu seinen Dienstleistern und den Gewerken der Uni hat, ohne die würde nämlich gar nichts gehen.  Was ist / war ihr Lieblingsevent?Das ist der Potsdamer Tag der Wissenschaften und der Weihnachtsmarkt. Ich finde es total spannend beim PTdW, dass man über 7-9 Monate an einem Projekt arbeitet, es sich Stück für Stück entwickelt und an einem Samstag im Mai sieht man dann das finale Ergebnis. Und wenn dann die Besucher, vor allem Potsdamer Familien, begeistert nach Hause gehen, dann haben wir alles richtig gemacht.Der Weihnachtsmarkt ist eigentlich eine ziemliche Herausforderung, da wir den bei teilweise eisigen Temperaturen aufbauen und vorbereiten. Aber wenn man dann sieht, wie sehr sich alle darüber freuen, dann bin ich auch zufrieden. Das ist für mich dann ein schöner Jahresabschluss.  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Den Überblick zu behalten, v.a. wenn viele Akteure mitwirken und eine Meinung haben. Dann muss ich manchmal meine eigenen Ansprüche/Vorstellungen zurückstellen. Das fiel mir früher noch schwer, aber mittlerweile habe ich gelernt damit umzugehen. Zeit ist manchmal auch ein Problem. Ich würde gern mehr konzeptionell arbeiten, um bestehende Veranstaltungen neu zu bewerten oder vielleicht sogar neue zu entwickeln. Da wir aber schon so viele Veranstaltungen betreuen, kommen wir leider nicht oft dazu.  Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Eventmanagement ist nicht gleich Eventmanagement. Wenn man sich für diesen Beruf interessiert, sollte man auf jeden Fall in verschiedenen Agenturen/Einrichtungen Praktika machen. Wir organisieren Veranstaltungen sicher anders als eine Eventagentur, die für verschiedene Auftraggeber arbeitet. Dem einen liegen Empfänge und Tagungen, der andere mag vielleicht lieber open-air Events bzw. Großveranstaltungen. Eventmanagement bedeutet viele Excel-Listen, E-Mails, Telefonate, Kommunikation mit Dienstleistern und Gewerken. Das muss man mögen und ein Händchen dafür haben. Manchmal bedeutet es auch körperliche Arbeit, wenn Stehtische aufgebaut, Materialien von einem Standort zum nächsten transportiert und vielleicht auch mal Getränkekisten geschleppt werden müssen. Da muss man sich ausprobieren. Das Interview wurde im Februar 2017 geführt.°Geistes-, Sprach-, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften;
Porträt Juliane Thiem beige gerahmt

Eventmanagerin

Juliane Thiem

Sophia von Schenck Praktikantin in der Verwaltung des Europäischen ParlamentsWas haben Sie studiert?Im Bachelor habe ich an der Uni Potsdam Politik und Verwaltung und Französische Philologie, im Master an der gleichen Uni Verwaltungswissenschaft studiert. Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Ich bewarb mich im Herbst 2015 online für das Praktikantenprogramm des Europäischen Parlaments. Da mein Lebenslauf gut zu den Anforderungen des Europäischen Parlaments passte – und sicherlich auch ein Quäntchen Glück im Spiel war ;-) –  erhielt ich Mitte November eine Zusage. Am 1. Februar 2016 startete ich schließlich in den Brüsseler Praktikanten-Alltag. Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Mein Lieblingsprojekt als Praktikantin war die Initiierung eines Alumni-Netzwerks für ehemalige Praktikanten des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission. Aus einer anfangs vagen Idee entwickelte ich in mehreren Verhandlungsrunden mit Referatsleitungen und Praktikantenvertretern ein fertiges Konstrukt. Gegen Ende meines Praktikums konnte ich den ersten Entwurf der Netzwerkstatuten niederschreiben. Darüber hinaus habe ich, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus drei weiteren Generaldirektionen, einen gemeinsamen Stand für den Tag der offenen Tür des Europäischen Parlaments mit vorbereitet. Wir haben Aktivitäten für die Besucher – bspw. Quizfragen und Kinderspiele – konzipiert und umgesetzt. Das Ergebnis durfte ich als freiwillige Helferin beim Tag der offen Tür in Straßburg und Brüssel selbst bestaunen. Schließlich habe ich das Korrektur-Lesen und den Druck der Broschüre „Wege ins Europäische Parlament“ in 24 EU-Amtssprachen koordiniert. Dafür stand ich mit Muttersprachlern – meist Kolleginnen und Kollegen – und dem Druckservice des Europäischen Parlaments in engem Kontakt. Haben Sie schon einmal berufsbedingt im Ausland gelebt? Wenn ja, wo?Ich habe während meines Studiums Auslandspraktika in Italien, Kamerun und Vietnam gemacht. In Vietnam habe ich zusätzlich Expertengespräche für meine MA-Arbeit geführt. Was sind die Herausforderungen eines internationalen Arbeitsumfeldes?Eine große Herausforderung, die mir vor allem in Kamerun und Vietnam begegnet ist, sind unterschiedliche Mentalitäten einheimischer Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsplatz, bspw. was Pünktlichkeit, Deadlines oder das offene Ansprechen von Problemen betrifft. Viele dieser Probleme ließen sich später durch genaueres Kennenlernen, Empathie und Gespräche lösen. Eine weitere Herausforderung, mit der ich hauptsächlich in Kamerun zu kämpfen hatte, ist der dortige, vollkommen anders strukturierte Alltag. Bspw. gibt es in Kamerun keine öffentlichen Verkehrsmittel in unserem Sinne und oft kein fließendes Wasser. Ich benötigte damals (2012) mehr als vier Wochen, um mich einigermaßen in meiner neuen Umgebung zurechtzufinden. Was waren Ihre Arbeitssprachen? Wie viele Sprachen beherrschen Sie?Obwohl Deutsch auf dem Papier eine offizielle EU-Arbeitssprache ist, wurde sie in meinem Arbeitsalltag kaum gesprochen. Der Schriftverkehr erfolgte in Englisch, Meetings fanden entweder in Englisch oder Französisch statt. Ich selbst beherrsche neben meiner Muttersprache Deutsch auf verhandlungssicherem Niveau Englisch und Französisch. Auch kann ich mich mündlich gut auf Italienisch verständigen.  Was forderte Sie an Ihrem Beruf heraus?Nicht leicht war es für mich anfangs, nur auf Englisch und Französisch zu arbeiten und ständig zwischen beiden Sprachen zu wechseln. Im ersten Praktikumsmonat hatte ich deshalb häufiger Kopfweh und war nach getaner Arbeit sehr müde. Nach ca. vier Wochen setzte jedoch ein Gewöhnungseffekt ein, Kopfweh und Müdigkeit verschwanden. Auch bekam ich auf der Arbeit bereits nach kurzer Zeit eine Vielzahl anspruchsvoller Aufgaben anvertraut. Ich fühlte mich anfangs dadurch etwas überfordert, wuchs jedoch durch die sehr gute Einarbeitung meiner Kolleginnen und Kollegen und eigenes Ausprobieren schnell in die neuen Tätigkeiten hinein. Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Ich empfehle Berufseinsteigern, in Bewerbungsprozessen selbstbewusst aufzutreten und sich für die eigenen Traumstellen zu bewerben. Die Bewerberzahlen für EU-Praktika sind hoch und mögen deshalb entmutigen. Allerdings haben Bewerberinnen und Bewerber mit guten Sprachkenntnissen und relevanter Berufserfahrung sehr gute Chancen, am Ende einen interessanten Praktikumsplatz zu ergattern. Auch empfehle ich, mit früheren Kolleginnen und Kollegen sowie Vorgesetzten in Kontakt zu bleiben, ab und zu ein paar E-Mails hin- und herzuschicken und/oder einen Besuch der ehemaligen Arbeitsstelle einzuplanen. Nach Ende des Studiums ist die Stellensuche mit einem großen Netzwerk viel einfacher. °Geistes-, Sprach-, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften; °Politik-, Sozial-, Organisations-, Planungs- und Verwaltungswissenschaften;
Porträt Sophia von Schenck beige gerahmt
Anna Veigel Leiterin des internationalen Freiwilligendienstes kulturweit bei der Deutschen UNESCO-KommissionWas haben Sie studiert? / Welche Ausbildung haben Sie gemacht? Diplom Soziologie und Diplom Erziehungswissenschaften in Marburg und Edinburgh; Ausbildung zum systemischen Coach und zur Prozessberaterin  Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen? Ergebnis verschiedener Arbeitserfahrungen im In- und Ausland, im NGO Bereich und im Wirtschaftsbereich  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt? Personaljahresgespräch geführt, zum Geburtstag gratuliert, Projektantrag überarbeitet  Retten Sie die Welt? Nein, aber ich hoffe der Welt zu mehr gegenseitigem Verständnis und zu mehr Verständigung zu verhelfen.  Reisen Sie von Demo zu Demo? Nein.  Wie sieht die Lobbyarbeit in Ihrer Organisation konkret aus? Vielfältige Info- und Bildungsveranstaltungen mit ganz unterschiedlichen Zielgruppen in ganz Deutschland  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus? Eine große, positive Herausforderung ist die Kommunikation und Zusammenarbeit mit zahlreichen, unterschiedlichen und vielseitigen Playern und Zielgruppen, die unterschiedliche Bedürfnisse haben, auf unterschiedlichen Ebenen  Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen? Die Augen offen halten, Geduld haben, sich nur auf Stellen bewerben, die einen tatsächlich interessieren und „packen“. Das Interview wurde im März 2017 geführt.°Politik-, Sozial-, Organisations-, Planungs- und Verwaltungswissenschaften; °Bildungs-, Erziehungswissenschaften, Pädagogik und Soziale Arbeit;
Porträt Anna Veigel beige gerahmt
Stefan Seidler Lehrer für Geschichte und Politik/Wirtschaft an der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Garbsen Was haben Sie studiert?Ich habe nach meinem Grundwehrdienst im Jahr 2003 an der Universität Leipzig das Studium der Politikwissenschaften und Geschichtswissenschaften für das höhere Lehramt begonnen. Dies beinhaltete auch die Fächer Erziehungswissenschaften, einschließlich pädagogischer Psychologie und allgemeiner Didaktik. Zusätzlich dazu musste ich mein Latinum ableisten, um Geschichte in der gymnasialen Oberstufe unterrichten zu können.  Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Im 12. Jahrgang hatten wir auf unserer Schule die Möglichkeit, Studieninformationstage an Hochschulen wahrzunehmen. Mit einigen Mitschüler*innen habe ich dann den Informationstag der Uni Leipzig besucht. Da mir die Stadt und die Uni wirklich gefallen haben, war für mich klar, dort studieren zu wollen. Ein konkretes Fach oder einen Studiengang hatte ich noch nicht im Auge. Zur Abi-Zeit war dann für mich klar, dass es Geschichte und Politik sein soll. So kam es, dass ich mich für diese beiden Fächer in Kombination mit dem Lehramt eingeschrieben habe. Meine Motivation dahinter war, dass ich nach dem Studium unbedingt auch in die Arbeitswelt eintauchen wollte. Zudem waren meine Lehrer*innen Vorbilder für mich, sodass ich mir diesen Beruf für mich persönlich gut vorstellen konnte. Also studierte ich bis 2008, ging dann zum Referendariat nach Nordrhein-Westfalen und wechselte nach dem Ref nach Niedersachsen.  Welche drei Sachen haben Sie auf der bzw. für die  Arbeit zuletzt erledigt?Zuletzt war ich als Begleitung einer Kollegin mit einer 11. Klasse in Berlin auf Studienfahrt. Hier habe ich natürlich vor allem die Organisation der einzelnen Programmpunkte mitgestaltet und die Betreuung der Gruppe übernommen. Nach der Fahrt stand dann am Wochenende die Planung der neuen Schulwoche auf dem Programm, vor allem die Detailplanung für meinen Politik-Leistungskurs. Am ersten Tag nach der Fahrt startete der normale Schulalltag. Hier standen vor allem Gespräche mit meiner Kerngruppe (8. Jahrgang), Organisation einer Schulwanderung und der Fachunterricht in einem Politik-Grundkurs im Mittelpunkt.  Welche Fächer unterrichten Sie?Ich unterrichte schwerpunktmäßig meine studierten Fächer Politik/Wirtschaft und Geschichte. Da ich an einer IGS arbeite, sind in der Sekundarstufe I die Fächer Geschichte, Politik und Erdkunde in einem Fach (Gesellschaftslehre) zusammengefasst. Hierfür muss ich also auch Grundkenntnisse im Fach Erdkunde vermitteln. Da man jedoch im Schulalltag teilweise auch Fächer unterrichtet, in denen man nicht ausgebildet ist, unterrichte ich zusätzlich noch Werte und Normen im 11. Jahrgang sowie Arbeitslehre und Verbrauchererziehung im 8. Jahrgang.  Sind Sie gerne zur Schule gegangen?Tatsächlich bin ich gern zur Schule gegangen. Sonst hätte ich wahrscheinlich auch diesen beruflichen Weg nicht eingeschlagen.  Was haben Sie als Lehrer Neues (in der Schule) gelernt?Vor allem habe ich gelernt, dass nicht nur die Wissensvermittlung und das didaktische Aufarbeiten von Themen zum Alltag gehören. Sehr viel Zeit muss man in die Organisation des Schulalltags investieren (Elterngespräche, Schülergespräche, Fahrten, Fachkonferenzen, Fortbildungen). Zudem habe ich gemerkt, dass Schule auch sehr stark von Improvisation geprägt ist. Oftmals gelingt Unterricht, oder Projektarbeit nicht so wie gewünscht. Hier ist spontane Kreativität und schnelle Lösungsfindung gefragt. Auch der Umgang mit Kolleg*innen und Schüler*innen gestaltet sich vollkommen anders, als man es als Schüler oder Referendar gewohnt ist. Man erhält einen ganz anderen Einblick in die Welt der Schule und muss auch hier seine Position neu finden.  Was ist Ihnen wichtig, zu lehren?Ich sehe meine Aufgabe nicht nur darin, den Schüler*innen Wissen zu vermitteln, um sie auf einen Abschluss vorzubereiten. Vielmehr bin ich in der Position, die Schüler*innen auf das Leben vorzubereiten. Dazu gehört es auch, Grenzen aufzuzeigen (geistige, wie physische) oder neue Horizonte zu eröffnen. Ich möchte, dass meine Schüler*innen sich in der Gesellschaft zurechtfinden und möglichst das Beste aus ihrem Leben machen. Sie sollen sich mit der bunten, weltoffenen Gesellschaft kritisch auseinandersetzen können. Dabei sollen ihre Leitlinien Toleranz, Respekt, Frieden, Freiheit und Demokratie sein.  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Die größte Herausforderung ist wohl, dass eigentlich jeder Tag anders verläuft. Zwar plant man seinen Unterricht, strukturiert die Unterrichtstage durch, aber es kann dann doch plötzlich alles anders kommen: es fällt Unterricht aus, die SchülerInnen machen nicht so mit wie geplant, es fehlt an Arbeitsmaterial und und und. Zudem ist auch der tägliche Erziehungsauftrag sehr herausfordernd, vor allem in der Sekundarstufe I. Gerade an der IGS, an der diverse Schüler*innen mit unterschiedlichsten Voraussetzungen unterrichtet werden. Eine Weitere positive Herausforderung ist auch, dass ich gerade im Fach Politik immer auf dem Laufenden bleibe und mich in den verschiedenen Schwerpunktthemen weiterbilden muss.  Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Ich kann nur raten sich während des Studiums ein genaues Bild von den Aufgaben einer Lehrerkraft zu machen. Hierfür empfiehlt es sich sehr, vor oder auch während des Studiums, Praktika an Schulen zu absolvieren. Hierbei kann man mit den Lehrenden vor Ort Gespräche führen und auch den Arbeitsalltag an diversen Schulformen kennen lernen. Auch die unterschiedlichen Anstellungsverhältnisse (und damit auch Besoldungen) in den Bundesländern sollte man sich genauer anschauen. Das Interview wurde im März 2017 geführt.°Bildungs-, Erziehungswissenschaften, Pädagogik und Soziale Arbeit;
Porträt Stefan Seidler beige gerahmt
Tanja Berger Bildungsreferentin zu Themen der politischen Bildung beim Verein HochDrei e.V. Was haben Sie studiert?Ich habe den Magister Artium Abschluss in Philologie - Germanistische Linguistik, Theaterwissenschaften und Pädagogik.  Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Zum Beruf kam ich durch meine aktive Mitgliedschaft in der Gewerkschaft GEW, später IG BCE und bei der Gewerkschaftsjugend sowie durch meine Teilnahme an außerschulischen Bildungsveranstaltungen der politischen Bildung. Ich habe mich weiter qualifiziert und bin in die Tätigkeit als Teamerin (weil im Team mit der Gruppe, möglichst auf Augenhöhe) und Bildungsarbeiterin hineingewachsen.  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Eine E-Mail beantwortet, einen Sachbericht geschrieben, einen Finanzierungsplan erstellt.  Zu welchen Themen referieren Sie?Ich arbeite zumeist ganzheitlich mit Gruppen zu bestimmten Themen und das eben nicht mit einem Referat, sondern mit Übungen, Diskussion, Reflexion u. Ä. Die Themen sind: Arbeitswelt, Lebensperspektive, Gender, Diversity, Kommunikation, Nachhaltigkeit, inter-/transkulturelles Lernen.  Haben Sie ein Lieblingsthema?Ja, auch: Feminismus und Geschlechtergerechtigkeit; interkulturelle Sensibilisierung und Vorurteilsbewusstsein. Aber generell macht es Spaß mit Menschen reflexiv, mit Zeit und ohne Zwang, an Themen zu arbeiten.  Wie alt sind die Teilnehmer*innen Ihrer Veranstaltungen?Ab 14 Jahren, mehrheitlich aber zwischen 16 und 26 Jahren, manchmal in der Erwachsenenbildung auch bis 70 Jahre.  Was sind die merkwürdigsten Fragen, die Ihnen gestellt wurden?Von Teilnehmenden kommen keine merkwürdigen Fragen, da bringt jede Frage und jeder Zweifel einen Denkprozess voran. Von Lehrer*innen gibt es manchmal Fragen, bei denen ich staune, dass sie als Lehrpersonen, und damit Personen mit Einfluss, das überhaupt fragen; bspw. Was ist Gender Mainstreaming?  Was sind die Früchte Ihrer Arbeit?Die Früchte sind oft nicht messbar, weil es sich ja um Kurzzeitpädagogik und -bildung handelt. Aber schön sind Rückmeldungen aus Klassen, dass sie jetzt anders zusammenarbeiten, mehr auf ihre Kommunikation achten. Oder, wenn Teilnehmende als Freiwillige wiederkommen oder sogar einen Beruf im Zusammenhang mit Bildung oder Politik ergreifen. Wenn den Teilnehmenden im Seminar offensichtlich Anregungen zum Denken gegeben wurden und sie nunmehr kritisch hinerfragen und ahnen, dass es noch etwas hinter dem Horizont zu entdecken gibt. Außerdem ist es mir wichtig, dass Jugendliche ohne die Wörter ‚müssen’ und ‚sollen’ angeleitet und begleitet werden.  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Herausfordernd sind die Formate und Kontexte, in denen politische Bildung stattfinden kann – die stete Suche nach anregenden Methoden und Formen. Auch sind politische und gesellschaftliche Stimmungen eine Herausforderung, ebenso wie die Zusammenarbeit mit Schulpersonal. Besonders Spaß macht es, sich in die unterschiedlichsten Themen einarbeiten zu können, Wissen und Erkenntnis zu generieren und intensiv mit Menschen zu tun zu haben.  Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Schauen, welche Organisationen, Vereine nicht-formale, politische Bildung anbietenBildungsveranstaltungen besuchen; sich auf Lernprozesse einlassendie Qualifikation zur Jugendleiter*innen-Card machensich ehrenamtlich engagieren; in Bildungsstätten in die nebenamtlichen Teams reinwachsen – bereits während des StudiumsLesen :) Das Interview wurde im März 2017 geführt.°Geistes-, Sprach-, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften;
aufgeschlagene Bücher Platzhalter Tanja Berger beige gerahmt

Bildungsreferentin

Tanja Berger

Nadine Fricke Sozialpädagogin im Bereich des Integrationsmanagements einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung beim Träger Fliedners LAFIM-Dienste für Menschen gAG Was haben Sie studiert?Erziehungswissenschaften und Germanistische Linguistik  Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?In meiner Bewerbungsphase habe ich von einer Freundin erfahren, dass Fliedners engagierte Leute sucht. Nach 2 Vorstellungsgesprächen begann ich zunächst als soziale Fachkraft im ambulanten Bereich an zu arbeiten. Dort betreute ich Menschen mit einer geistigen Behinderung und/oder psychischen Erkrankung in ihrem Alltag. Durch Motivation, Beratung und Begleitung werden die Menschen individuell gefördert und in allen Lebenssituationen unterstützt. Dokumentationen und die Erstellung eines Hilfeplans gehörten dabei ebenso zu meinem Tätigkeitsfeld. Nach einem Jahr wechselte ich den Fachbereich. Seit September 2016 vertrete ich eine Kollegin, die in Elternzeit ist.  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Im Moment vertrete ich meine Kollegin aus dem sozialen Fachdienst. Das heißt ich bin für die Beschäftigten und Gruppenleiter aus der Werkstatt in allen täglichen Belangen zuständig. Heute Morgen musste ich zwei Beschäftigte, die aneinander geraten sind, beruhigen und anschließende Reflexionsgespräche mit ihnen führen. Die Situation musste darauf hin dokumentiert werden. Eine meiner letzten Tätigkeiten war es außerdem Verträge und andere Formulare für ein Praktikum zusammenzustellen und vorzubereiten. Dazu gehört es, eine Art Personenakte anzulegen, in der der Weg zum, im und nach dem Praktikum aufgeführt und schriftlich begleitet wird. Der ausgefüllte personifizierte Praktikumsvertrag wurde heute im jeweiligen Unternehmen mit der Personalabteilung besprochen. Danach besuchte ich den Praktikanten, um zu schauen ob an seinem ersten Tag alles gut geklappt hat.  Für welchen Fachbereich sind Sie Pädagogin?Sozialpädagogin - Rehabilitation von Menschen mit Behinderung  Mit welchen Altersklassen bzw. Zielgruppen arbeiten Sie?Als Integrationsbegleitung arbeite ich mit Menschen zusammen, die eine geistige sowie psychische Erkrankung haben. Die Altersstufen sind dabei sehr unterschiedlich. Menschen zwischen 20 Jahre bis 64 Jahren werden von mir betreut.  Was zeichnet für Sie eine*n gute*n Pädagog*in aus?Eine „gute“ Pädagogin sollte unvoreingenommen, offen und ehrlich auf Menschen zugehen können. Sicher sollte sie über pädagogisches Wissen verfügen, dabei aber stets die Lust und Freude haben mit Menschen zu arbeiten. Empathie ist ebenso eine der wichtigsten Eigenschaften, die ein Pädagoge haben sollte.  Wie sehen Sie Ihr Potential, die Welt zu verändern?Meine Arbeit gibt den Menschen mit Behinderung, die bisher nur innerhalb der Werkstatt gearbeitet haben, die Möglichkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt Erfahrungen zu sammeln und gegebenenfalls dort einen festen Arbeitsplatz zu bekommen. Ich betreue all diejenigen Menschen mit Handikap die einen ausgelagerten Arbeitsplatz haben. Dabei gehört es auch zu meinen Aufgaben, neue Unternehmen für eine Kooperation mit der Werkstatt zu gewinnen. Es bereitet mir sehr viel Freude zu sehen, dass beide Seiten, die Menschen mit Behinderung und die Firmen, von diesem Austausch profitieren. Zum einen sieht man deutlich die Entwicklungssteigerung und die Freude an der Teilhabe bei den Beschäftigten und zum anderen verlieren die Unternehmen die Scheu vor der Person mit Behinderung.  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Jeder Beschäftigte ist etwas Besonderes. Jeder hat seine individuellen Wünsche und Bedürfnisse. Meine Herausforderung ist es auf diese Wünsche und Bedürfnisse adäquat einzugehen. Es ist immer wieder toll mit Menschen zusammenzuarbeiten und Teil dieser meist erfolgreichen Integration zu sein.  Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Versucht so viele Praktika im Berufsfeld zu machen wie nur möglich. Gebt niemals auf, glaubt an euch. Und habt den Mut etwas Neues auszuprobieren. Das Interview wurde im April 2017 geführt.°Bildungs-, Erziehungswissenschaften, Pädagogik und Soziale Arbeit;
Porträt Nadine Fricke beige gerahmt

Sozialpädagogin

Nadine Fricke

Mirjam Langer Social-Media-Redakteurin bei dem Medienunternehmen Media Partisans Wo arbeiten Sie?Ich arbeite bei Media Partisans als Online-Redakteurin. Das Unternehmen wurde 2014 gegründet und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Informationen aus dem Internet zu sammeln und diese in Form von Artikeln dem Leser näher zu bringen.  Was haben Sie studiert?Ich habe Germanistik und Geschichte im Zweifach-Bachelor studiert. Eigentlich wollte ich in die Geschichtsforschung gehen, habe aber nebenbei auch schon immer gerne nicht-wissenschaftliche Texte geschrieben. Nach meinem Abschluss machte ich sowohl ein Praktikum in einem Sachbuchverlag und in einer PR-Agentur, da ich mich der geschriebenen Sprache nun doch mehr hingezogen fühlte.  Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Bevor ich meinen jetzigen Job annahm, machte ich ein Volontariat in einer Online-Redaktion, die sich mit Urlaubsreisen beschäftigte. Dort lernte ich das gezielte Schreiben für Webseiten und entdeckte meine Leidenschaft für die Redaktionsarbeit. Nach meinem Volontariat wollte ich endlich mit einer Vollzeitstelle ins Berufsleben starten und schaute mich nach einer neuen Herausforderung um. Nachdem ich mich bei verschiedenen Redaktionen beworben hatte und Probearbeitstage hinter mich gebracht hatte, wurde ich neue Redakteurin bei Media Partisans.  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?1) Ich habe einen Artikel geschrieben, mit Bildern versehen und Korrektur gelesen2) Außerdem habe ich Bilder und Überschriften für den Pinterest-Auftritt unserer Seite erstellt.3) Als letztes habe ich mir eine To-Do-Liste gemacht, die ich an den folgenden Tagen abarbeiten werde.  Ist für den Einstieg als Social-Media-Redakteurin ein Volontariat nötig?Ein Volontariat ist nicht verpflichtend, da gerade der Bereich einer Redaktion auch für Quereinsteiger*innen geeignet ist. Dennoch haben mir Praktika im Vorfeld und das genannte Volontariat sehr geholfen, praktische (Berufs-)Erfahrung nach dem Studium zu sammeln, um mich danach auf mehr Arbeitsstellen bewerben zu können. In meinem Volontariat habe ich gelernt, wie man Texte speziell für den Internetauftritt und die Auffindbarkeit bei Google verfasst. Des Weiteren wurde mir beigebracht, auf welche Art und Weise ich bestimmte Zielgruppen mit meinen Artikeln ansprechen kann. Zu meinen Aufgaben gehörten Blogeinträge, Artikel für die Webseiten der Firma und die Betreuung des Facebook-Accounts.Persönlich habe ich eine ganz andere, nicht-wissenschaftliche Art zu schreiben erlernt und lieben gelernt. Mir ist außerdem klar geworden, wie viel Arbeit hinter einem noch so kurzen und locker-geschriebenen Text stehen kann.  Welche Art von Texten schreiben Sie?Ich schreibe Artikel über Gesundheitsthemen, die von Symptomatik über Körpergefühl bis hin zu Tipps für den Alltag alles beinhalten. Die Artikel werden bei Facebook und Pinterest veröffentlicht, wo sie jede*r Nutzer*in mit Freund*innen teilen kann.  Welche sozialen Netzwerke spielen in Ihrem Beruf die größte Rolle und welches technische Wissen benötigt man als Social-Media-Redakteur*in?Wie bereits erwähnt sind Facebook und Pinterest die Plattformen, auf denen unsere Texte gepostet werden. Darüber hinaus führt mich die Recherche, sei es für Informationen oder Bilder, auch auf die sozialen Netzwerke Instagram und Twitter. Das technische Wissen ist von Firma zu Firma unterschiedlich, denn jede*r Arbeitgeber*in legt einen anderen Fokus auf die eigene Sichtbarkeit im Netz. Grundlegend sollte man aber Erfahrung mit Content-Management-Systemen wie Wordpress haben. Diese sind essentiell, um mit Online-Inhalten zu arbeiten. Bei meiner jetzigen Tätigkeit sind zudem Grundkenntnisse im Umgang mit den oben genannten Netzwerken von Bedeutung. Weiter ist es wichtig, die Prozesse wie Keywords und Suchmaschinenoptimierung im Blick zu haben, um auch jenseits von den sozialen Netzwerken über Google gefunden zu werden.  Welche beruflichen Perspektiven haben Sie als Social-Media-Redakteurin?Im Online-Bereich gibt es sehr viele Weiterbildungsmöglichkeiten, die nicht nur zu einer leitenden Position führen können. Marketing, PR, aber auch Social-Media-Management sind Dinge, die man neben reiner Redaktionsarbeit machen kann. Persönlich würde ich mich in Zukunft noch mehr mit der Suchmaschinenoptimierung (SEO) beschäftigen wollen. Des Weiteren würden mich auch andere Themenbereiche und Konzepte reizen.  Was macht in Ihrem Bereich einen guten Text aus?Ein guter Text langweilt den/die Leser*in nicht und bleibt bis zum Schluss spannend und informativ zugleich. Er besteht aus starken Emotionen, welche die Leser*innen fesseln und dazu bringen, diese schöne/tragische/lerhrreiche Geschichte mit ihren Mitmenschen zu teilen.  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Ich werde täglich aufs Neue gefordert, da ich jeden Tag ein neues Thema und eine neue Geschichte vor mir habe, die ich den Menschen in gebündelter Form vermitteln möchte. Nicht nur ist jede Recherche anders, sondern auch die Art und Weise, wie ich etwas beschreibe.  Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Ein (dreimonatiges) Praktikum ist eine gute Gelegenheit, in die Arbeit einer Online-Redaktion reinzuschnuppern und herauszufinden, ob dies das richtige für einen ist. Denjenigen, die sich schon sicher sind, würde ich raten: Bewerbt euch bei den Redaktionen, auch wenn ihr nicht alle Anforderungen erfüllt, denn in den meisten wächst man bei der Arbeit automatisch hinein und die meisten Redaktionen legen mehr Wert drauf, ob ein*e Bewerber*in gut schreiben kann, als dass er/sie technisch versiert ist.°Geistes-, Sprach-, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften;
Porträt Mirjam Langer beige gerahmt
Claudia Thieße Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die Musikfestspiele Sanssouci und den Nikolaisaal PotsdamWas haben Sie studiert?Magister Musikwissenschaft und Theater-, Film- und Medienwissenschaft; danach berufsbegleitend Zertifikate Kulturmanagement (Kulturbetriebssteuerung, Kulturfinanzierung, Kulturmarketing)  Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Wie das so oft ist bei breit aufgestellten Fächern: Man versucht sich durch Jobs und Praktika in verschiedenen Branchen aus, entscheidet sich grob für einen Weg und gelangt dann mit etwas Glück und durch die Arbeitserfahrung tatsächlich an eine solche Stelle.  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Die Website des Nikolaisaals mit Inhalten für die neue Saison bestückt; einem Autor, der einen Vorbericht über die Musikfestspiele schreibt, Informationen geliefert; ein Abendprogramm für die Musikfestspiele Korrektur gelesen. Danach eines unserer Konzerte im Nikolaisaal besucht.  Was ist das Spezielle an PR für den Kulturbereich?Sie ist stark an den Inhalten orientiert und richtet sich an spezialisiertes Fachpublikum und -Medien. Generell sind weitaus weniger Ressourcen (finanzieller wie personeller Art) für PR vorhanden, vieles muss „nebenbei“ laufen. Außerdem werden die Feuilletons immer mehr zurückgefahren.  Wie läuft eine erfolgreiche PR-Maßnahme ab?Sie besteht aus vielen, unzähligen Puzzlesteinen und mündet in ein qualitativ hochwertiges Festival (das ist die Ausgangsbasis von allem) mit vielen Zuschauern unterschiedlicher Publika und mit entsprechender Medienrepräsentanz.  Wie viele PR-Aktionen organisieren Sie pro Jahr?Schwierig zu sagen – bei den Musikfestspielen Potsdam Sanssouci arbeiten wir ganzjährig auf 2,5 Wochen Festival im Juni hin, hier gibt es zwei heiße Phasen: die Programmveröffentlichung mit Pressekonferenz im Januar sowie die Festspiele und ihre unmittelbare Vorbereitung. Aber natürlich laufen auch in der Zwischenzeit Aktivitäten …  Was ist Ihre Inspirationsquelle für neue PR?Die Inhalte selbst (z. B. eröffnet die Zusammenarbeit mit der Universität Potsdam bzw. dem Wissenschaftscampus Golm neue Zielgruppen und -medien), neue Formate in der sich ändernden Medienwelt.  Wie kulturbezogen ist Ihre Arbeit tatsächlich?Die Inhalte, die wir vermitteln, sind Kultur pur - die Musikfestspiele haben einen starken dramaturgisch-historisch-musikwissenschaftlichen Hintergrund mit einem durchdachten und durchdeklinierten Jahresthema. Zwar stelle ich weder das Programm zusammen noch mache ich selbst Musik, aber ohne mein Wissen über Musik und Kultur könnte ich die Inhalte nicht vernünftig vermitteln. Und oft genug findet sich man mitten in Fachgesprächen wieder.  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Manchmal die schiere Menge an Dingen, die abzuarbeiten sind (gerade kurz vor den Festspielen), aber letztlich ist das Ergebnis – wenn es gut läuft – dann doch umso befriedigender. Außerdem der eigene Anspruch, neue Wege gehen zu wollen und kreativ zu sein.  Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Es klingt abgedroschen, und es mag auch anders gehen, aber letztlich ist es doch so: Was für die Berufsfindung wichtig ist, sind Erfahrungen und Netzwerke, die man sich durch praktische Tätigkeit neben dem theoretischen Studium aufbaut. Und außerdem: Bitte nicht unter Wert verkaufen – das ist leider üblich im Kulturbetrieb. Gute Arbeit sollte honoriert werden! Das Interview wurde im Mai 2017 geführt.°Geistes-, Sprach-, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften;
Streichorchester Platzhalter Claudia Thieße beige gerahmt
Alexander Schirrmeister Projektmitarbeiter in einem Beratungsbüro für Stadtentwicklung und -planung Was haben Sie studiert?B. Sc. Urbanistik an der Bauhaus-Universität Weimar Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Ich habe mich nach meinem Bachelorstudium auf ein Praktikum beworben und dann als Trainee im Unternehmen angefangen. Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept für einen Konversionsbereich einer Stadt als Voraussetzung für Städtebaufördermittel erarbeitet.Aktuelle und kontroverse Beispiele der Stadtentwicklung in Berlin für eine Ausstellung recherchiert und die Ergebnisse grafisch aufbereitet.Angebotsakquise für weitere Projekte Was für Projekte betreuen Sie?Ich arbeite derzeit für einen Stadtbereich an sogenannten vorbereitenden Untersuchungen. Diese dienen dazu, die derzeitige städtebauliche und soziale Situation zu bewerten sowie Missstände darzustellen, um daraus Ziele und Maßnahmen für eine Sanierung bzw. Entwicklung abzuleiten.In einem anderen Projekt erarbeiten wir eine gesamtstädtische integrierte Entwicklungsstrategie. Ein zentrales Vorhaben ist dabei die städtebauliche Entwicklung eines großflächigen, brachgefallenen sowie denkmalgeschützten Areals.Unterscheiden sich Ihre Arbeitstage voneinander?Ja, es gibt immer neue Herausforderungen sowohl strategischer als auch technischer Art. Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf am meisten?Die Aufgabe, verschiedenste Ansprüche, Vorstellungen und Wünsche zusammenzubringen und damit die Zukunft unserer Städte zu gestalten. Arbeiten Sie in Ihrem Beruf viel im Team oder eher für sich alleine?Die Arbeit erfolgt soweit wie möglich im Team, der Austausch und gegenseitiges Feedback ist enorm wichtig, da Stadtentwicklung immer vielfältige Interessen berücksichtigen muss.Wie viel von Ihrem erlernten Wissen aus dem Studium brauchen Sie in Ihrem Arbeitsalltag?Nach dem Studium dachte ich zuerst, dass ich noch nicht viel und nicht ausreichend gelernt habe. Während der Arbeit konnte ich feststellen, dass die wichtigen Grundlagen vorhanden sind und ich mich somit schnell in verschiedene Fragestellungen hineinarbeiten konnte. Gegenüber dem Studium sind die Themen aufgrund der realen Umsetzbarkeit und der vorhandenen Arbeitszeit eingeschränkter und nicht immer in der gleichen Tiefe bearbeitbar. Wie viel Verantwortung tragen Sie?Als Projektmitarbeiter trage ich schon relativ viel Verantwortung, da ich im direkten Kontakt mit den Kund*innen stehe. Die Projektleiter*innen können nicht alle Aufgaben und erstellten Berichte im Detail lesen und kontrollieren. Dazu kommt die Eigenverantwortung seine Aufgaben und das Zeitmanagement im Blick zu behalten. Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Immer wieder neue Fragestellungen und vielfältige Interessenslagen der Akteur*innen. Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Ein Praktikum hilft immer weiter. Das Feld der Stadtentwicklung ist vielfältig, so bieten die verschiedenen Büros, Verwaltungen, Institutionen, Initiativen unterschiedliche Aufgabenschwerpunkte. Allgemein kann ich empfehlen, sich am Anfang auf ein bis zwei Themen zu spezialisieren und zu sagen: "Hallo, ich bin der/ die...und das sind derzeit meine Themenschwerpunkte...!". Dann wissen alle im Unternehmen, wozu sie einen ansprechen können. °Politik-, Sozial-, Organisations-, Planungs- und Verwaltungswissenschaften;
Porträt Alexander Schirrmeister beige gerahmt
Liane von Droste Journalistin sowie Inhaberin einer Textagentur und eines Buchverlages Wo arbeiten Sie?Ich bin seit 17 Jahren selbstständig und Inhaberin einer Textagentur und eines Buchverlages.  Was haben Sie studiert?Vom Studium her bin ich Geisteswissenschaftlerin. Ich habe an der Universität Tübingen ein Staatsexamen in Anglistik und Germanistik abgelegt mit dem Schwerpunkt Linguistik. Danach schloss ich ein Volotariat bei einer Tageszeitung ab.  Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Das werde ich nie vergessen: Einer meiner Germanistikdozenten hat mich buchstäblich zwischen Tür und Angel eines Unigebäudes angesprochen und mich gefragt, ob ich mich für Journalismus interessiere. Er empfahl mir, Kontakt aufzunehmen mit der Lokalredaktion einer Tageszeitung an meinem Wohnort. Die würden freie Mitarbeiter*innen suchen und er könnte sich vorstellen, dass das etwas für mich wäre. Bis dahin wollte ich eher den Weg in Richtung Dolmetscherin oder Übersetzerin einschlagen. Ich habe meinen ersten Probetermin für die Zeitung gemacht, einen Artikel geschrieben und ich wusste: Ich hatte meinen Traumjob gefunden.  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Biografische Texte von Studierenden korrigiert für eine Seminarzeitung und für eine Ausstellungeine 32-seitige Broschüre über die 100-jährige Geschichte eines 3000-Mitglieder-Vereins recherchiert geschrieben und produziertmir in der knappen Freizeit Themen für meinen lokal(geschichtlich)en Blog www.steinlachgeschichten.de überlegt.  Über welche Themen berichten Sie?Das Schöne am Journalistenberuf ist, dass es DIE Themen gar nicht gibt. Ich genieße die Vielfalt der Möglichkeiten und lasse mich leiten von meinen Interessen und Menschen, die mir begegnen. Dennoch haben sich natürlich über die Jahre Schwerpunkte herausgebildet. So bin ich Spezialistin für historische Migration aus Deutschland in andere Länder und habe zwei Bücher und viele  Portraits und andere Artikel über Menschen verfasst, die Deutschland in den letzten 200 Jahren verlassen haben, zum Beispiel in Richtung Amerika oder Richtung Ost- und Südosteuropa.Die faszinierendsten Auswanderergeschichten habe ich veröffentlicht in meinen Büchern „Lebenswege von Auswanderern. Aus dem Steinlachtal in die Welt“ (attempto, Tübingen, 2008)  und „Dazwischen der Ozean. Biografien, Erinnerungen und Briefe von Deutschen in Amerika nach 1848“ (edition steinlach, Glienicke, 2013). Ein weiterer Schwerpunkt meiner journalistischen Arbeit waren Portraits und Interviews mit Menschen mit Behinderungen oder Einschränkungen durch das Alter. Das Titelmädchen meines Buches „Neele ist da geblieben“ (edition steinlach, 2010) ist ein kleines Mädchen, das die Ärzte wegen einer offenen Schädeldecke schon im Bauch ihrer Mutter aufgegeben hatten und die doch ein fröhliches Kind wurde und ihre Eltern glücklich machte. Die älteste Interviewpartnerin für diese Portraitsammlung war eine alte Dame, die mit 102 Jahren in einer Tagespflege war und ansonsten den Alltag noch in ihrem eigenen Haus bewältigte.   Sind Sie rasende Reporterin?Ich bin sehr viel unterwegs, ja. Aber weniger in meiner Rolle als Journalistin, sondern vielmehr, weil ich inzwischen mit Begeisterung Lehraufträge an den Universitäten in Potsdam, Tübingen und Konstanz und zwei Wohnsitze am Stadtrand von Berlin und bei Tübingen in Baden-Württemberg habe. Es ist wunderbar, die Neugierde junger Leute auf den Beruf des/ der Journalist*in und das journalistische Schreiben beantworten zu können. Das meiste, das ich tue, hat mit Schreiben zu tun. Journalistisches Können und Wissen, wie Medien(leute) ticken, ist auch Teil meiner Kurse zur Einführung in die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Und aus ziemlich vielen nervigen Redaktionskonferenzen früher als angestellte Redakteurin ist mein Konzept für Seminare zur Moderation entstanden: Wie lassen sich Besprechungen effizient führen?  Welche Medien nutzen Sie, um die Ergebnisse Ihrer Arbeit zu veröffentlichen?Artikel in Zeitungen und Zeitschriften, meine Bücher, Broschüren und Firmenbiografien, das Internet (z. B. in meinem Blog).  Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrer Arbeit?Ich lebe davon ;) Und Freude macht mir das Schreiben auch.  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Dass es nie langweilig wird, empfinde ich als Geschenk. Dass es Menschen gibt, die glauben, gut schreiben könne doch jeder, dafür müsse man doch nicht auch noch was bezahlen - daran werde ich mich, glaube ich, nicht gewöhnen.  Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Wichtig finde ich, die Studienzeit oder die Zeit unmittelbar davor oder danach zu nutzen, um so viel praktische Erfahrung wie möglich zu sammeln. Nur so kann ich herausfinden, ob mir der Beruf der/ des Journalist*in liegt, oder nicht. Das muss und sollten übrigens keineswegs nur schlecht oder gar unbezahlte Erfahrungen sein. Ich habe als freie Mitarbeiterin bei einer Tageszeitung angefangen, parallel zum Studium. Da wird man als ungelernte Kraft nicht reich, aber es ist eine tolle Gelegenheit zum Reinschnuppern in den Beruf. Ohne freie Mitarbeiter*innen kommen die Medien nicht aus: Gleich ob Print, Radio, Fernsehen oder Online. Das Interview wurde im März 2018 geführt.  Öffentlichkeitsarbeit Liane von Droste ist neben Ihrer Tätigkeit als Journalistin auch noch im PR-Bereich tätig. Lesen Sie hier ihre Eindrücke aus diesem Feld°Geistes-, Sprach-, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften;
Porträt Liane von Droste beige gerahmt
Daniela Gutzeit Personalentwicklerin beim Medienunternehmen Rundfunk Berlin-BrandenburgFoto: Thomas Ernst Wo arbeiten Sie?Ich arbeite in der Personalentwicklung eines Medienunternehmens und betreue dort die Führungskräfteentwicklung. Daneben bin ich verantwortlich für die Traineeprogramme, duale Studiengänge und Volontariate des Senders.  Was haben Sie studiert?Nach einer kaufmännischen Ausbildung habe ich Betriebswirtschaft mit den Schwerpunkten Personalmanagement und Controlling studiert.  Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Auslöser war meine kaufmännische Ausbildung, in der ich einen ersten Kontakt mit den Bereichen Unternehmensführung und Personal hatte. Darüber hinaus interessiere ich mich schon lange für das Miteinander von Führungskräften und ihren Mitarbeiter*innen. Das brachte mich dazu, ein BWL-Studium nebem meinem damaligen Vollzeitjob zu absolvieren.  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Gerade schreibe ich an einer Informationsbroschüre für neue Führungskräfte und werte die gerade abgeschlossenen Trainings unserer erfahrenen Führungskräfte mit den Trainer*innen aus.Darüber hinaus organisiere ich Kamingespräche der Teilnehmer*innen unseres Entwicklungsprogramms für potenzielle Führungskräfte mit dem Top-Management unseres Hauses.Dann steht noch das Abschlusszeugnis für einen Trainee auf meiner To-Do-Liste.  Wie viel Personal "betreuen" Sie?In unserem Unternehmen arbeiten ca. 150 Führungskräfte. Daneben kümmere ich mich um Seminarangebote für bestimmte Zielgruppen. Hier können gut und gerne bis zu 120 Teilnehmer*innen zusammenkommen, die nach bestimmten Kriterien in verschiedene Seminargruppen eingeteilt werden müssen. Derzeit sind vier Trainees, zwei dual Studierende und eine Volontärin beschäftigt, die sich bei allen organisatorischen Fragen an mich wenden können.  Welche Themen sind in der Personalentwicklung wichtig?Ich sehe derzeit den Umgang mit Veränderungsprozessen ganz klar im Fokus. Wir befinden uns in einer sehr schnelllebigen Zeit, in der es immer wichtiger wird, sich ändernden Bedingungen in einem hohen Tempo anzupassen. Dazu gehört auch das Thema "Selbstmanagement". Es wird immer wichtiger, dass Mitarbeiter*innen bei allen äußeren Einflüssen auf sich selbst schauen.  Nach welchen Kriterien wählen Sie Personal aus?In erster Linie geben die Fachbereiche die Auswahlkriterien vor. Neben den rein fachlichen Anforderungen haben methodische und sozial-kommunikative Kompetenzen einen immer größeren Anteil.  Wie treffen Sie Personalentscheidungen?Mich überzeugen Menschen, die für die Aufgaben brennen und das auch glaubhaft darstellen können.  Was halten Sie von dem Begriff "human resources"?Ich persönlich mag den Begriff nicht, weil er sich nicht an den Menschen orientiert.  Was sind die Früchte Ihrer Arbeit?Wenn unser dualer Student im 3. Semester nebenbei als Tutor an der Uni beschäftigt ist, ist das Beweis dafür, dass wir ihn bei uns gut ausbilden und wir mit ihm die richtige Entscheidung getroffen haben.Führungskräfte, die mir nach einem Training erzählen, dass sie mit der Übung aus einem Seminar das gewünschte Ziel erreicht haben, sind ebenso ein Erfolg.  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Jeder Tag ist anders. Es gibt Tage, die sind voll mit organisatorischen Aufgaben. An anderen Tagen führe ich zahlreiche Beratungsgespräche, die mitunter auch emotional werden können. Daneben brauche ich den Kopf frei, um Dinge auf Papier zu bringen. Das ist im Tagesgeschäft nicht immer einfach.Für die meisten Personalentwicklungsmaßnahmen beauftrage ich externe Berater*innen, Trainer*innen und Coaches. Der Markt ist unerschöpflich. Die Berufsbezeichnungen sind häufig nicht geschützt. Es ist immer wieder eine Herausforderung, den/ die richtige*n Expert*in für die individuellen Fragestellungen zu finden. Ich habe mir hierfür einen Leitfaden entwickelt, mit dem ich bislang ganz gut durch den Berater*innendschungel gekommen bin. Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Egal, ob man einen Job in der Personalentwicklung eines Unternehmens anstrebt oder als Trainer*in oder Berater*in arbeiten möchte, in jedem Fall sollte man ein gutes Gespür für Menschen haben und unternehmerische Zusammenhänge verstehen. Dazu braucht man neben Organisationstalent und Flexibilität auch den Mut, gelegentlich über den Tellerrand hinaus zu schauen. Das Interview wurde im Mai 2018 geführt.°Wirtschaftswissenschaften;
Porträt Daniela Gutezeit beige gerahmt
Timo Geisler Consultant bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers GmbH Was haben Sie studiert?Business Administration (Bachelor of Arts, Hochschule für Wirtschaft und Recht, Berlin)  Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Die Welt der Zahlen lag mir schon immer mehr als alles andere. Im Studium haben mir besonders Kurse der Rechnungslegung bzw. Finanzierung und Steuern gelegen. Unter dem Bereich der Wirtschaftsprüfung konnte ich mir während meines Studiums noch nicht viel vorstellen, lediglich dass man mit all meinen Lieblingsfächern des Studiums in irgendeiner Art und Weise in Berührung gelangt.Nach einem Pflichtpraktikum während des Bachelorstudiums war mir klar, dass das Berufsbild genau dem entspricht, welches ich gesucht hatte. Nach anschließender Werkstudententätigkeit konnte ich im Anschluss an meinen Abschluss als Festangestellter einsteigen.  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Schlussbesprechung zum Abschluss der Prüfung eines Mandats mit Geschäftsführung, dem Leiter der Finanzen sowie meinem TeamPrüfung von Pflichtangaben im Anhang eines IFRS [International Financial Reporting Standards] KonzernabschlussesPrüfung einer Änderung in der Rechnungslegungsmethodik nach IAS 8 [Regelwerk zur Rechnungslegung]  Arbeiten Sie in Ihrem Beruf viel im Team oder eher für sich alleine?Wir arbeiten in der Regel in Teams von 2 bis 4 Personen für die jeweiligen Mandate. Je nach Größe und Komplexität hat man zwischen 3-10 Mandant*innen im Jahr mit unterschiedlichen Teams. Da ich bei einem Großmandaten eingesetzt werde, sind wir innerhalb der Wintermonate bis zu 13 Teammitglieder.  Wie genau gestaltet sich eine Jahresabschlussprüfung?Den Ablauf kann man schwer pauschalisieren. Jede Prüfung ist anders und abhängig vom Geschäftsmodell, dem Personal und der allgemeinen Komplexität des/ der Mandant*innen. Grundsätzlich erfolgt in den ersten Schritten eine Prozessaufnahme, in der man sich mit dem Unternehmen vertraut macht. Das Team muss zum Beispiel verstehen, wie der Prozess von der Materialbeschaffung, über die Produktion bis zum Vertrieb erfolgt und inwieweit das interne Kontrollsystem Sicherheit zur korrekten Abwicklung  und Darstellung in der Buchhaltung gewährleistet. Sofern die finalisierten Zahlen in der Buchhaltung feststehen, müssen die Posten der Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung und alle zusätzlichen Anlagen geprüft werden. Bei Großmandant*innen kann dieser Prozess leicht bis zu fünf Monate andauern, bei kleineren Start-Ups wäre die Prüfung bereits nach einer Woche fertig.  Welche Aufgaben haben Sie selbst dabei?Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt Mandate, in denen ich mein eigenes Team leite und Mandate, in denen ich ein "normales" Teammitglied mit. Je nachdem fallen unterschiedliche Aufgaben an. Grundsätzlich hat man in jedem Jahr andere Aufgaben und ist immer Ansprechpartner für die Person, die die Aufgaben aus meinem Vorjahr nun zu machen hat. Mit mehr Verantwortung kommen zusätzliche Aufgaben auf einen hinzu, wie zum Beispiel das Schreiben des Prüfungsberichts oder die Koordination mit der Leitung der Finanzen und der Geschäftsführung während der Prüfung.  Welche Tätigkeiten gehören noch zu Ihrem Beruf?Referent auf SchulungenAnleiten von jungen KollegenHochschulförderung  Haben Sie eine klassische 40-Stunden-Woche?Nein, wir haben ein saisonales Geschäft. In der Regel stellen Gesellschaften ihre Zahlen zum 31.12. eines Jahres auf, wodurch wir eine sogenannte „Busy Season“ von Oktober bis März haben. In denen arbeiten wir so viel, dass wir uns unsere geleisteten Überstunden im Sommer freinehmen können (das sind in der Regel ca. 4-6 Wochen extra Urlaub). Ab April/ Mai wird es langsam wieder ruhiger und wir haben bis Oktober eine klassische 40 Stunden – Woche mit Gleitzeit (jede nicht geleistete Stunde kann später zum Beispiel ausgeglichen werden).  Wie sehr hilft Ihnen das Wissen aus dem Studium im Beruf?Das Fachwissen erlernt man eindeutig erst im Beruf selbst. Grundlegende Dinge habe ich trotzdem aus dem Studium mitnehmen können. Klassische Rechnungslegungsthemen wie Buchungssätze und Grundlagen des HGB’s [Handelsgesetzbuch] sollten vorhanden sein. Viel wichtiger war jedoch die Persönlichkeit, die man während des Studiums entwickelt hat – wie gehe ich mit Problemen um? Wie arbeitet man effizient im Team? Wie werden Konflikte im Team oder mit dem/ den Mandant*innen gelöst? Wie priorisiere ich meine Aufgaben?  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Alles, einfach alles. Man wird in der Wirtschaftsprüfung ins kalte Wasser geworfen, lernt dafür aber jeden einzelnen Tag dazu. Ich hab während meines Praktikums (6 Monate) mehr gelernt als in den 3 Jahren Studium zuvor. Es gibt täglich neue Herausforderungen, weil kein Mandat gleich ist und lernt jede Menge Menschen kennen und jede*r bedarf eines anderen Umgangs. Meine Lernkurve geht auch in meinem derzeit dritten Jahr bei PwC immer noch steil bergauf. Das hat man in klassischen Berufen der Industrie wahrscheinlich weniger. Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Fangt auf jeden Fall mit einem Praktikum an, man kann sich ohne es gemacht zu haben, den Berufsalltag noch gar nicht vorstellen und auch nicht abschätzen, ob man der Belastung im Winter gewachsen ist. Lernt die Wirtschaftsprüfung kennen, indem ihr auf Hochschulevents geht, oder die Ansprechpartner der Gesellschaften auf Messen ansprecht. Hört euch um und macht euch ein eigenes Bild!  Das Interview wurde im Mai 2018 geführt.°Wirtschaftswissenschaften;
Porträt Timo Geisler beige gerahmt
Lotte J. Hiller Doktorand*in im Bereich Humangeographie an der Universität Potsdam Wo arbeiten Sie?Ich arbeite am Institut für Geographie an der Universität Potsdam als wissenschaftliche Mitarbeiter*in und Doktorand*in.  Was haben Sie studiert?Ich studierte Deutsch und Geographie auf Lehramt am Gymnasium.  Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Während des Studiums hatte ich immer wieder den Gedanken zu promovieren, hielt aber doch am Ziel des Lehrer*innenberufs fest. Als ich nach dem Studium angefragt wurde, mich auf die Stelle zu bewerben, fasste ich Mut.Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Für das nächste Semester hielt ich Absprachen mit dem geladenen Gastdozenten per E-Mail. Außerdem überarbeitete ich den Online-Auftritt des Seminars und wählte Texte hierfür aus.  Woran forschen Sie gerade?In meiner Forschung bringe ich die Themen Flucht und sexuelle Vielfalt zusammen. Ganz konkret bedeutet das derzeit, dass ich mit verschiedenen Institutionen Kontakt aufnehme, die queeren Geflüchteten Schutz und (rechtlichen) Rat geben, sie empowern und bei der Netzwerkbildung unterstützen. In Expert*inneninterviews untersuche ich deren Arbeit unter den jeweils unterschiedlichen Bedingungen in den verschiedenen Städten. Spannend ist dabei, wie verschiedene Narrative den Diskurs bestimmen. Im Fokus stehen deshalb die Fragen: Wie werden Sicherheit und Unsicherheit konstruiert und welche politischen Folgen resultieren daraus?Wie unterscheidet sich Ihre Promotion von Ihrem Studium?Der große Unterschied zum Studium ist: Ich habe deutlich mehr Zeit, um mich mit wissenschaftlichen Themen zu beschäftigen. Der Druck ist nicht so groß wie bei Hausarbeiten mit einer zweimonatigen Frist, sodass ich mich mit einem besseren Gefühl in die Literatur stürzen und offener für die Vielfalt im wissenschaftlichen Diskurs sein kann. Das bedeutet allerdings auch, dass die Gefahr größer ist, sich zu verlieren. Meine Betreuer und meine Mentorin geben mir regelmäßig eine gute Unterstützung, sodass ich die Zielorientierung nicht verliere.Zudem verlangt die Promotion noch mehr Selbstständigkeit und Disziplin. Es gibt nun keine Seminare mehr und auch keine Dozent*innen, die mir eine klare Struktur und befristete Aufgaben geben. Ich musste erst lernen, mir diese selbst zu erteilen, nicht nur um voranzukommen, sondern auch, um das motivierende Gefühl zu bekommen, etwas geschafft zu haben. Die freie Zeiteinteilung ist für mich insgesamt jedoch ein großer Gewinn, um besser mit Kind, Familie und Freund*innen, die alle an verschiedenen Orten leben, Zeit zu verbringen.Neue Aufgaben beziehen sich auf die Betreuung meiner Seminare: Texte und Materialien herraussuchen, Seminarplan erstellen, Studierende betreuen, Hausarbeiten bewerten. Außerdem integriere ich mich nun aktiver in den wissenschaftlichen Diskurs. Die ersten Vorträge wurden gehalten und bald steht die erste Konferenz an.  Was sind klassische Schwierigkeiten beim Schreiben einer Promotion?Wie bereits erwähnt ist es schwierig, aus den vielen Ideen ein fokussiertes Forschungsthema auszuwählen. Hohe Ansprüche an mich selbst und ein interdisziplinärer Ansatz erleichtern das nicht gerade. Ständiger Austausch mit Kolleg*innen und Freund*innen gibt dafür eine gute Unterstützung.Eine weitere Schwierigkeit ist die Zeitplanung. Ich bin noch ziemlich am Anfang, weiß aber durch Erfahrungen anderer, dass die Datenauswertung, das Schreiben und das Veröffentlichen der Artikel meistens deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt als zunächst angenommen. Es ist immer damit zu rechnen, dass etwas dazwischenkommt. Das sehe ich aber keineswegs als Bedrohung, sondern als Bereicherung, als etwas, das den Forschungsprozess spannend gestaltet.  Wieso haben Sie sich zu einer Promotion entschlossen?Die Promotion ist für mich selbst eine große Bereicherung. Für das Lesen, Forschen und den Austausch mit anderen bringe ich viel Leidenschaft mit.Mit meinem Forschungsthema möchte eine kritische Perspektive und marginalisierte Themen in den wissenschaftlichen Diskurs bringen. Ich verstehe meine Arbeit deshalb auch als Aktivismus, der Intersektionalität und Diskriminierung eine größere Sichtbarkeit schafft– im wissenschaftlichen Diskurs wie auch bei Studierenden und bestenfalls in den Schulen.  Lässt die Promotion Ihnen noch Zeit für andere Projekte und Aufgaben?Obwohl die Promotion viel Zeit einnimmt, finde ich Gelegenheit für andere Projekte.Mir ist es wichtig, einen Austausch über bestimmte Themen anzuregen, weshalb ich viel Wert auf die Gestaltung von Seminaren lege. In mein nächstes Seminar kommt ein Gast, der mit den Studierenden eine Einführung in die Sexualpädagogik der Vielfalt geben wird, um anschließend den Mehrwert für den modernen Geographieunterricht zu diskutieren. Darüber hinaus organisiere ich gerade einen Vortrag der queer-feministischen Hip-Hop-Künstlerin Sookee in Golm, die über Sexismus im Alltag referieren wird.Ich plane, Mitglied in der Arbeitsgruppe Gender-Forschung in Rostock zu werden, von der ich mir einen lebhaften Austausch mit Expert*innen aus verschiedenen Disziplinen erhoffe.Ich bin im Verein Schreibende Schüler aktiv, der mir die Möglichkeit gibt, Workshops zum kreativen Schreiben für junge Menschen anzubieten, in denen auch geographische Themen und die der gender- und sexuellen Vielfalt Anwendung finden. Einen Ausgleich zum wissenschaftlichen Arbeiten bietet auch die Anleitung eines Theaterworkshops für Abiturient*innen. Wissenschaft und Kunst, forschen und künstlerisch gestalten miteinander zu verknüpfen kann somit auch als ein Projekt betrachtet werden.  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Ein Gleichgewicht zu finden zwischen dem Anspruch auf Vollständigkeit und der Umsetzbarkeit. Herausfordernd ist auch der Umgang mit den Studierenden. Es ist ein spannender Aushandlungsprozess herauszufinden, welche Rolle ich als Dozent einnehmen möchte – vor allem als junger Mensch. Letztlich ist es immer wieder herausfordernd fachfremden Menschen meine Forschung näher zu bringen. Wenn ich das schaffe, weiß ich aber auf jeden Fall, dass ich wirklich verstanden habe, was ich tue. Außerdem erscheint mir die Vermittlung als ein wichtiger Bestandteil der Wissenschaft. Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Neugier und Leidenschaft sind eine gute Voraussetzung. Die Promotion ist allerdings kein Alleingang. Mit meinen Kolleg*innen habe ich ein gutes Team an meiner Seite, das mich unterstützt und mit dem ich mich jederzeit austauschen kann. Ansonsten ist YouTube eine lebensrettende Plattform.  Das Interview wurde im Mai 2018 geführt.  Ein Promotionsstudium Dinge, die einem vorher niemand sagt°Bildungs-, Erziehungswissenschaften, Pädagogik und Soziale Arbeit;
Porträt Lotte Hiller
Michael Körner Berater bei der Beauftragen des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur Was haben Sie studiert?Ich habe Jura studiert und eine Ausbildung zum Heilpraktiker gemacht.  Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Da war diese Stellenausschreibung …  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Face-to-Face-Beratung eines ehemaligen politischen Häftlings zu Fragen der Wiedergutmachung erlittenen Unrechts. Hier geht es um die Bewertung der Glaubwürdigkeit ehemaliger DDR-Strafakten und die Erpressung von Geständnissen in der Untersuchungshaft der Staatssicherheit.Erarbeitung einer Stellungnahme in einem strafrechtlichen Rehabilitierungsverfahren vor dem Landgericht. In dem Verfahren geht es um ein ehemaliges DDR-Heimkind, dessen Mutter aus politischen Gründen zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde und die sich davon auch nach ihrer Entlassung gesundheitlich nicht mehr erholte. Der Betroffene musste deshalb die meiste Zeit seiner Kindheit in einem Kinderheim verbringen.Erarbeitung einer Stellungnahme zu einem fachärztlichen Gutachten im Rentenverfahren eines ehemaligen politischen Häftlings vor dem Landesamt für Soziales und Versorgung. In diesem Verfahren geht es um die Schwierigkeit, psychische Folgen von DDR-Hafterfahrungen richtig zu bewerten.  Wen beraten Sie?Alle, die was von mir wissen wollen. In der Regel berate ich zu Rehabilitierungsfragen, zu den Stasi-Akten oder zu Überprüfungsverfahren auf Stasi-Mitarbeit. Immer mehr Bedeutung bekommt auch die Aufarbeitung der eigenen Lebensgeschichte oder das Schicksal Angehöriger.  Haben Sie von allem eine Ahnung?Nein, aber es geht langsam in die Richtung.  Welche Methoden verwenden Sie in der Beratung?Ich habe keine Ahnung, ob man meinem Beratungsstil einen Namen geben kann. Vermutlich ist es eher Freestyle. Es kommt auch immer darauf an, wer einem gegenüber sitzt. Wenn jemand eine schwere posttraumatische Belastungsstörung aus seiner Haftzeit mit sich rumschleppt, dann bedeutet das auch für die Beratung eine erhöhte Sensibilität.  Wie viel Organisation steckt hinter einer Beratung?Vor einer Erstberatung nicht viel. Man muss nur einen gemeinsamen Termin finden. Und Papier und Stift bereitlegen. Über ein Glas Wasser freuen sich die Meisten auch.  Was für ein Ziel möchten Sie mit einer Beratung erreichen?Das mein Gegenüber versteht, was ich ihm erklären will (was bei den komplexen Wiedergutmachungsgesetzen nicht immer einfach ist) und dass er es schafft, auch enttäuschende Mitteilungen gut für sich anzunehmen.  Wie läuft eine Beratung ab?Es klingelt an der Tür, ich mache auf und geleite den zu Beratenden in mein Büro. Dann versuche ich mit freundlichem, zugewandtem Ton eine vertrauensvolle Atmosphäre herzustellen. Dann bitte ich meinen Gesprächspartner sein Anliegen zu formulieren. Und dann berate ich.  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Ich habe einen sehr hohen Anspruch, sowohl an meine Beratungsarbeit als auch an das Verfassen von Schriftsätzen. Es ist für mich jeden Tag eine neue Herausforderung diesem Anspruch gerecht zu werden Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Seid offen, neugierig und kreativ. Das Interview wurde im März 2017 geführt.°Rechtswissenschaften;
Porträt Michael Körner beige gerahmt
Melinda Erdmann Bildungsforscherin im Bereich Hochschulstudien des Zentrums für Qualitätsentwicklung in Lehre und Studium der Uni Potsdam. Was haben Sie studiert?Ich habe noch einen alten Magister Artium mit dem Hauptfach Soziologie und den Nebenfächern Philosophie und BWL studiert. Dabei habe ich mich im Hauptfach vor allem im Bereich der empirischen Sozialforschung und der Sozialstrukturanalyse gebildet. Dieses Wissen kann ich jetzt in meinem Beruf anwenden und immer weiter ausbauen.  Wo arbeiten Sie?Ich arbeite seit sieben Jahren beim Zentrum für Qualitätsentwicklung in Lehre und Studium an der Universität Potsdam, und zwar konkret im Bereich Hochschulstudien. Die Mitarbeiter*innen des Zentrums unterstützen die Universität durch viele verschiedene Angebote, um die Qualität der Lehre und der Studiengänge an der Universität zu sichern und zu verbessern. So werden beispielsweise Weiterbildungen für Lehrende und Beratungen für Studierende und Absolvent*innen angeboten. Im Bereich Hochschulstudien beschäftigen wir uns konkret mit der Entwicklung von Instrumenten zur Qualitätsentwicklung auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse aus der Bildungs-, Evaluations- und Sozialforschung. Dazu zählen etwa die Fragebögen zur Lehrveranstaltungsevaluation oder die weiteren Befragungen von Studierenden und auch anderer Hochschulmitglieder. Zudem gestalten und begleiten wir komplette Evaluationsprozesse, wie zum Beispiel die Begutachtung von Studiengängen in Form der internen Programmakkreditierung.  Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Ich habe bereits als Studentin hier am Zentrum gearbeitet und wurde nach meinen Abschluss als wissenschaftliche Mitarbeiterin eingestellt.  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Eine eingegangene Anfrage zu einer Befragung habe ich beantwortet.Ich habe die erhobenen Daten aus einer Befragung bereinigt und plausibilisiert. Das heißt, ich habe mir die Rohdatensätze unserer aktuellen Befragung angeschaut und diese mithilfe des Statistikprogramms SPSS für weitere Auswertungen und Berichte aufbereitet.Gemeinsam mit Kolleg*innen haben wir einen Workshop vorbereitet, der demnächst für Hochschulmitglieder angeboten wird.  Sind Sie gerne zur Schule gegangen?Oh ja! Ich bin sehr gern zu Schule gegangen.  Arbeiten Sie in einem Labor?Nein, ich verbringe die Arbeitszeit in meinem Büro oder auch in Beratungsräumen.  Nehmen Sie Einfluss auf Bildungsreformen?Dass unsere Arbeit einen Einfluss auf die Bildungspolitik hat, wünschen wir uns in meinem Team sehr, aber der Weg von unserer Arbeit bis in die Bildungspolitik ist sehr weit. Wir am Zentrum arbeiten teilweise an ziemlich universitätsspezifischen Problemen, was somit nicht gleich unmittelbar zu konkreten Bildungsreformen führt. Dennoch haben wir die Möglichkeit, Beschlüsse des Brandenburgischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung etwas mitzugestalten, indem wir "der" Politik unsere Ergebnisse und Belange vortragen. Aber natürlich führt dies nicht immer und sofort zu unseren gewünschten Änderungen. Innerhalb der Universität stoßen unsere Ergebnisse dafür öfter gewünschte Veränderungen an, zum Beispiel bei der Überarbeitung von Studiengängen oder von unterstützenden Angeboten der Universität.Foto: EigendesignWas ist die große Erkenntnis Ihrer Forschung?Bildung ist gleich Ungleichheit! Wichtig für die soziologische Bildungsforschung ist aufzuzeigen, welche Mechanismen zu Ungleichheiten beim Zugang zu Bildung führen, damit bildungspolitische Gegenmaßnahmen entwickelt werden können.  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Eine immer wieder kehrende Aufgabe ist vor allem, die Herausforderungen zu bewältigen, die man im Vorfeld nicht bedacht hat. Ich habe an vielen Projekten mitgearbeitet, die sehr gut vorbereitet und durchgeplant waren, aber in jedem einzelnen gab es teilweise unvorhersehbare Ereignisse oder auch Probleme, die wir schnell lösen mussten. In diesen Situationen muss man dann ruhig bleiben und ab und zu auch sehr kreativ werden, um Lösungen zu finden. Zudem arbeite ich oft interdisziplinär, also mit Kolleg*innen aus anderen Fachbereichen, und somit mit unterschiedlichen Fachkulturen; dabei ist es nicht immer ganz leicht, alle verschiedenen Perspektiven in einem Projekt zu vereinen. Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Aus meiner Sicht ist es wichtig, sich bereits im Studium beruflich auszuprobieren. Einerseits bekommt man dadurch erste Einblicke in die beruflichen Anforderungen. Das kann mitunter dazu führen, dass bestimmte Themen des Studiums, wie z. B. Statistik oder die Anwendung von bestimmten Software-Programmen, auch gleich viel interessanter werden. Und andererseits ermöglicht es den Aufbau eines sozialen Netzwerks, das bei der zukünftigen Jobsuche sehr hilfreich sein kann.Foto: Eigendesign°Politik-, Sozial-, Organisations-, Planungs- und Verwaltungswissenschaften; °Geistes-, Sprach-, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften;
Porträt Melinda Erdmann beige gerahmt

Bildungsforscherin

Melinda Erdmann

Martin Schüler Intendant beim Staatstheater CottbusWas haben Sie studiert?Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin (5 Jahre) und anschließend 2 Jahre an der Akademie der Künste der DDR als Meisterschüler von der Regisseurin Ruth Berghaus. Fachrichtung: Opernregie, Abschluss: DiplomWie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Ausgangspunkt und Voraussetzung war das Singen als Mitglied des Dresdner Kreuzchores (9 Jahre). In der Zeit des Stimmbruchs begann ich verstärkt Opernaufführungen der Dresdner Staatstheater - die Semperoper war noch Ruine :( - im jetzigen Schauspielhaus zu besuchen. Die Aufführungen überwältigten mich, besonders das Geheimnis der Szene eröffnete mir damaligem Chorknaben, der „nur“ Konzerte mitsang, eine neue künstlerische Dimension. Und: Ich hatte keine Ahnung, wie man das macht, herstellt. Es hatte einen großen Charme des Rätselhaften und Geheimnisvollen …. es entstand der Wunsch, diesem Geheimnis „auf die Spur“ zu kommen: Wie stellt man solche faszinierenden Opernaufführungen auf der Bühne her? Wie organisiert man die Sänger, wie erfindet man ein Bühnenbild? Ich bewarb mich für ein Praktikum bei Chefregisseur Harry Kupfer und lernte so das Berufsbild des Opernregisseurs kennen. Mit 16 Jahren stand für mich mein Berufsziel fest.Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?1.    Eine Inszenierung der Oper TURANDOT erfolgreich zur Premiere gebracht. 2.    Einen neuen Schauspieldirektor für die kommenden drei Jahre engagiert. 3.    Die 21. Schüler-Kunst-Tage mit Preisverleihung veranstaltet.Ist Kultur gleich brotlose Kunst?Kultur ist NICHT gleich brotlose Kunst. Vorausgesetzt, man KANN etwas (Kunst kommt von KÖNNEN), dann kann man gut davon leben. Es setzt aber voraus, dass man nicht nachlässt in seinem Können. Es gilt der Satz: Wenn du denkst, du kannst es – dann kannst du es nicht mehr! Man muss in der Kunst ständig nach Vervollkommnung des eigenen Könnens streben – Zufriedenheit gibt es nur für wenige Augenblicke / Momente, die man auch sehr genießen sollte.Wie häufig besuchen Sie kulturelle Veranstaltungen?2 bis 7mal pro Woche.Was möchten Sie mit Ihrer Arbeit vermitteln?Ich möchte mit meiner Arbeit bewirken, dass das Theater „wiederverzaubert“ wird. Den Eindruck für die Zuschauer herstellen, welchen ich seit meinem 14. Lebensjahr empfand, als ich meine ersten überwältigenden Theatereindrücke hatte. Jeder Theaterabend sollte vom Besucher so empfunden werden, dass die Zeit, die er im Theater verbrachte, als eine sinnvoll verbrachte Lebenszeit empfunden wird. Im Idealfall wird der Zuschauer süchtig nach Theater – nach dem kollektiven Erleben von THEATER gemeinsam mit fremden, aber dennoch gleichgesinnten Besuchern.Was macht Theater interessant? Theater sollte in der Regel unaustauschbar sein. Faszinierend ist, wie Menschen auf der Bühne – dicke Wälzer auswendig gelernt – Anderen anspruchsvolle Geschichten vortragen / vorsingen. Jeder Theaterabend ist ein UNIKAT. Er entsteht nur im Augenblick und ist dann unwiederbringlich „verloren“. Manchmal – wenn alle bestens „drauf“ sind – entstehen Sternstunden, die alle glücklich machen: Publikum wie Darsteller, Orchestermusiker etc.Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Dass man geistig (und auch körperlich :) ) JUNG bleibt. Als Intendant die Chance für andere Erfolgserlebnisse zu organisieren und dafür Sorge zu tragen, dass die Lebenszeit aller Kollegen – zu einer sinnvoll genutzten wird – und als Glück und Auszeichnung empfunden wird „Kunst machen zu dürfen“.Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen? Für die Ausübung des Theaterberufs sollte man über viel ENERGIE (oder Power) verfügen, denn Ausstrahlung ist eine wichtige Voraussetzung. Und man sollte „kreativ-sein“ als Lust empfinden – nicht als Last oder Überforderung.  Das Interview wurde im Juni 2017 geführt.°Geistes-, Sprach-, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften;
Porträt Martin Schüler beige gerahmt
Tanja Wiehn Doktorandin am Institut für Kunst und Kulturwissenschaft der Universität Kopenhagen Was haben Sie studiert?Ich habe Kulturwissenschaft mit dem Nebenfach Romanistik (im Bachelor) studiert. Dabei habe ich im Master einen Schwerpunkt auf digitale Kultur in meiner Abschlussarbeit gelegt.  Wie sind Sie auf die Idee gekommen, zu promovieren?Nach dem Abschluss wollte ich zunächst einen Job im Kultursektor in Berlin finden, da ich bereits einige Arbeitserfahrungen in Galerien, Museen und NGOs gesammelt hatte. Die Idee für eine Promotion war allerdings immer im Hinterkopf, da mir wissenschaftliches Arbeiten und Schreiben immer große Freude bereitet hat. Zunächst habe ich dann eine Teilzeitstelle an der FU Berlin angenommen und nebenbei an meinem Promotionsvorhaben gearbeitet. Parallel habe ich mich dann mit meiner Projektidee auf offenen Stellen für Doktorand*innen in Kopenhagen und Utrecht beworben. Letztlich ist es dann Dänemark geworden :-)  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Zurzeit schreibe ich an einem Artikel, den ich bei einer Summer School in Portugal im Juli vorstellen möchte. Abgesehen davon habe ich mich mit meiner Forschungsgruppe getroffen, um einen kommenden Workshop mit Kolleg*innen in Israel zu besprechen. Und ich habe eine Kursbeschreibung für meine erste Lehrveranstaltung im kommenden Wintersemester verfasst. Letzteres war eine besonders spannende Erfahrung, da ich mir nun zum ersten Mal von der anderen Seite her überlegen musste, was denn eigentlich die Studierenden interessant finden würden.   An was forschen Sie gerade?Ich forsche zurzeit zu künstlerischen Arbeiten, die sich mit der Analyse von DNA befassen und diese kritisch betrachten. Dabei schaue ich mir Positionen aus der Kybernetik, Posthumanismus und Theorien zu algorithmischen Kulturen an.  Wie unterscheidet sich Ihre Promotion zu Ihrem Studium, welche Aufgaben sind neu hinzugekommen?Die Promotion unterscheidet sich für mich deutlich dadurch, dass es selbstständigeres Arbeiten über einen wesentlich längeren Zeitraum ist, was Vor- und Nachteile bringen kann. Einerseits bietet es die Freiheit ein eigenes Forschungsprojekt voranzutreiben, andererseits kann es auch eine einsame Angelegenheit sein. Ich glaube der Austausch mit und die Unterstützung durch andere Doktorand*innen ist dabei sehr wichtig. Neue Aufgaben sind für mich auf jeden Fall das Planen und Durchführen von eigenen Lehrveranstaltungen. Das wird für mich eine komplett neue Erfahrung sein, bei der ich sicher sehr viel Neues lernen kann.  Was sind klassische Schwierigkeiten beim Schreiben einer Dissertation?Ich glaube, das hängt sehr von der individuellen Situation der Doktorand*innen ab, die durchaus sehr prekär in finanzieller Hinsicht sein kann. Aber die Balance zu finden zwischen dem Arbeiten an einem eigenen Projekt, das sehr viel Zeit in Anspruch nimmt und intellektuell sehr fordernd ist und einem Sozialleben ist immer schwierig. Außerdem ist man in der Wissenschaft auch immer der Versuchung ausgesetzt, noch mehr zu machen, den Stift quasi nie aus der Hand zu legen. Hier könnte man noch eine Konferenz besuchen oder da noch einen weiteren Forschungsaufenthalt planen. Also die klassische fomo (fear of missing out) gibt es auch im akademischen Betrieb ;)  Wieso haben Sie sich zu einer Promotion entschlossen? Welche Absichten verfolgen Sie damit?Ein eigenes Promotionsprojekt durchzuführen ist für mich eine der größten beruflichen Freiheiten, die ich mir vorstellen kann. Auch wenn einige administrative Aufgaben hinzugekommen sind, ist es doch das Forschen an Inhalten, die meinen Interessen liegen, die mich immer wieder motivieren. Ich kann mir vorstellen in der Wissenschaft zu bleiben, sehe die Promotionsphase aber gleichzeitig als persönlichen Testlauf, ob ich auch in Zukunft akademisch arbeiten möchte. Lässt Ihnen die Promotion auch noch Zeit für andere Projekte?Ich bin vor ca. einem halben Jahr von Berlin nach Kopenhagen gezogen. In diesem Zeitraum hatte ich tatsächlich wenig Zeit für andere Projekte außerhalb der Universität und dem eigentlichen Ankommen in Kopenhagen. Allerdings gibt es in Dänemark aus meiner Perspektive ein ausgeprägtes Verständnis von Work-Life-Balance, was auch neben der Arbeit Freizeitaktivitäten und Privatleben zulässt. Also niemand erwartet, dass man freitags bis 19 Uhr im Büro sitzt.  Was fordert Sie an Ihrer Tätigkeit heraus?Immer auf dem Laufenden zu bleiben, sich mit den aktuellen wissenschaftlichen Diskursen zu befassen, was besonders in meinem Forschungsgebiet der digitalen Kultur eine echte Herausforderung ist. Und auch das Schreiben, was für mich immer eine sehr intensive, aber auch gewinnbringende Erfahrung ist, wenn das Endprodukt steht.  Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Der Einstieg in eine Promotion, inklusive der Organisation einer adäquaten Finanzierung ist sicher der schwierigste Teil.  Zukünftigen Doktorand*innen kann ich aber empfehlen schon mal die Fühler auszustrecken und sich für Graduiertenkonferenzen oder wissenschaftliche Workshops zu bewerben. Aus meiner Erfahrungen lernt man dadurch nicht nur interessante Forscher*innen kennen, sondern erhält auch wichtige Informationen, wie z.B. kommende Ausschreibungen für Stipendien oder Stellen. Das Interview wurde im Mai 2018 geführt.°Geistes-, Sprach-, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften;
Porträt Tanja Wiehn beige gerahmt
Annika Lingk Erzieherin im Evangelischen Internat in Potsdam. Was haben Sie studiert?Erziehungswissenschaft und Germanistische Linguistik (M.A.)  Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Besonders die Möglichkeiten, die mir das Studienfach Erziehungswissenschaft bot, waren vielseitig. Gerade deshalb war für mich irgendwie nichts wirklich fassbar. Erziehungswissenschaft? Was machst du denn dann damit? - War so eine Frage, die ich öfter hörte. Meine Antwort dazu lautete dann immer, dass ich damit Vieles machen kann. Genaueres hatte ich nicht im Kopf. Ich konnte mir den Bereich der Erwachsenenbildung ebenso gut, wie Jugendarbeit vorstellen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich mein Lebenslauf doch tendenziell: Noch während meines Studiums prägte der Werkstudentenjob im Bereich Marketing/Admissions für bilinguale Kindergärten und Schulen in ganz Deutschland mein Interesse. Ich war hier unter anderem für die Begleitung der Eltern bei den Aufnahmeprozessen ihres/r Kinder zuständig und agierte in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Einrichtungen. Der Job forderte mich und war ein guter Ausgleich zur Uni. Im Anschluss war ich als Praktikantin bei einem Fortbildungsinstitut für die pädagogische Praxis im Aufgabenfeld der schulbezogenen Sozialarbeit tätig. Der Bereich Schule ließ mich, wie ich rückblickend bemerkte, irgendwie nicht los. Hier übernahm ich Einzelförderstunden, war in der Elternarbeit aktiv und leitete eine Mädchen AG. Nach der Verteidigung meiner Magisterarbeit zum Thema "Pädagogisches Beratungshandeln" hatte ich den Abschluss Magister Artium in der Tasche und es folgte ein Auslandsjahr in Australien. Super Sache!Wieder in Deutschland angekommen, folgte relativ schnell der erste "richtige" Job, den ich als Pädagogin bei einem Familienservice im Bereich der Kinderbetreuung bekam. Der Fokus lag hier auf der Beratung von Eltern zum Thema Kinderbetreuung und zu ihrer Unterstützung in problematischen Lebenssituationen. Zudem reiste ich im Rahmen meiner Anstellung und hielt Elternseminare. Nach 16 Monaten Schreibtisch und Reisen bemerkte ich jedoch, dass mir das direkte persönliche Arbeiten mit Menschen fehlte. Ich wusste, dass wenn ich mich jetzt nicht für die pädagogische Praxis bewerbe, ich aufgrund meiner eher schreibtischlastigen Tätigkeit, die ja die erste Vollzeittätigkeit nach dem Studium war, nur wieder schwer den Einstieg ins aktive pädagogische Handeln erreichen kann. Ich bewarb mich folglich beispielsweise als Integrationsbegleiterin, als pädagogische Fachkraft fürs Jugendwohnen und unter anderem auch als Erzieherin/Sozialpädagogin im Evangelischen Internat, wo ich dann genommen wurde.  Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?Leitung der Theater AGSupervisionAbreise der Schüler*innen in die Ferien  Welche Altersklasse bzw. Zielgruppe betreuen Sie?Kinder und Jugendliche im Alter von 12 - 18 Jahren und ihre Eltern.  Haben Sie den Erziehungsplan?DEN Erziehungsplan gibt es meiner Meinung nach nicht. Situationsspezifisches Handeln und Flexibilität sind im Rahmen des Umgangs/Begleitens/Unterstützens der Kinder und Jugendlichen überaus bedeutend. Für mich ist es wichtig, niemals zu denken, dass ich von meinem Gegenüber alles weiß. Vielmehr sollte es grundsätzlich, um ein Verstehen der Person, des Problems, seines/ihres Umfelds und der spezifischen Situation gehen. Die Art und Weise, wie man seinem Gegenüber entgegen tritt, ist ausschlaggebend für den weiteren Verlauf der Beziehung zueinander. Diesbezüglich stellt für mich der lösungsorientierte Ansatz in jeder Hinsicht den optimalen Weg dar, um einander zu verstehen.  Was macht für Sie eine „gute Erziehung“ aus?Natürlich geht es in meinem Berufsfeld um Erziehung. Viel bedeutender ist für mich jedoch der Begriff der Beziehung. Denn nur durch diese können Lehr-/Lernprozesse greifen bzw. Entwicklungsprozesse aktiv gefördert und authentisch unterstützt werden.  Was können Sie aus Ihrem Studium im Beruf anwenden?Eine grundsätzliche Empathie mit Menschen umzugehen und eigene Kompetenzen einzuschätzen stellen unter anderem Fertigkeiten dar, die meine Arbeit noch heute prägen. Während des Studiums suchte ich viel nach "anwendbaren" Wissenskontexten, bemerkte aber erst zum Ende dieser Zeit, welche Eigenheiten des jeweiligen Studienganges ich mir letztendlich zu Nutzen machte. Verstehen lernen stellte dabei für mich eine enorme Bereicherung dar, die ich nicht missen möchte.  Was war Ihr schönstes/spannendstes Erlebnis? In meinem Berufsfeld ist es für mich das Schönste, individuelle Entwicklungen zu beobachten. Zudem werden Vertrauensverhältnisse aufgebaut, die ich nicht missen möchte. Das Feedback der eigenen Arbeit ist oftmals in kleinen Ansätzen zu sehen, die aber schon völlig ausreichen, um zufrieden mit sich selbst zu sein. Zudem gehört ein tolles Team für mich ebenso zu den wichtigen und schönen Sachen, die meinen Arbeitsalltag ausmachen. Schon schön der Job :)!  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Herausfordernd in meinem Job sind immer wieder neue Ereignisse, die nicht planbar oder vorhersehbar sind. Neue Situationen entstehen von jetzt auf gleich und dies täglich. Spannende, aber zugleich auch fordernde Ereignisse bedürfen einer gewissen Klarsicht, die es in jeglichen Situationen zu bewahren gilt. Ob in der Elternarbeit, im Kontext des Internatsalltags oder beispielsweise bei unseren Campusveranstaltungen - der Durch- und Weitblick sollte nicht fehlen.  Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Ja, habe ich :)... Auch wenn es vielleicht niemand mehr hören kann, aber Praktika und Werkstudentenjobs sind die beste Vorbereitung für den Alltag nach dem Studium. Nutzen Sie die Zeit, um Erfahrungen zu sammeln, erste Kontakte zu knüpfen und selbst einen Hauch Ahnung davon zu bekommen, was Sie eventuell interessieren könnte. Sie müssen sich mit Ihren Nebentätigkeiten nicht verheiraten, aber ein Kennenlernen möglicher Felder ist schon eine feine Sache! Das Interview wurde im April 2017 geführt.°Bildungs-, Erziehungswissenschaften, Pädagogik und Soziale Arbeit;
Porträt Annika Lingk beige gerahmt
Anke Adebahr Coach und Inhaberin von | TheBlueRoom Organistation . Mediation . Coaching Was haben Sie studiert? Welche Ausbildung haben Sie gemacht?Studium der Wirtschaftswissenschaften,Ausbildung zum Systemischen Coach/ Business- und Management Coach,Mediatorin und Trainerin  Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?Nach 20jähriger Konzernkarriere hatte ich Lust auf eine neue Ausrichtung. Dabei sollten meine wirtschaftlichen und sozialen Kernkompetenzen weiterhin die Basis der neuen Aufgabe darstellen. Die Themen, die ich heute abdecke – Coaching, Beratung, Mediation und meine Lehrtätigkeit – bedienen alle das Thema ‚Kommunikation‘ auf Ihre eigene Art und Weise. Das war auch eine meiner wichtigsten ‚Tätigkeiten‘ in der Zeit als Leitende Angestellte. Mit meiner Spezialisierung auf den Wirtschaftssektor bleibe ich auch hier in meinem langjährigen Erfahrungsbereich und bin damit ein Ansprechpartner ‚auf Augenhöhe‘.  Welche drei Sachen haben Sie bei der Arbeit zuletzt erledigt?Akquise Gespräche, Angebote und Rechnungen schreibenDokumentation laufender und Vorbereitung anstehender Termineeine Coaching-Session umgesetzt  Haben Sie eine Coaching-Couch?Ich motiviere meine Klienten zu einer ‚körperlich aktiven Teilnahme‘ am Coaching-Prozess. Viele Coaching-Methoden erfordern sogar Bewegung. Es ist bei Bedarf natürlich immer möglich, eine entspannte und entlastende körperliche Haltung einzunehmen.  Für welche Bereiche bieten Sie Coachings an?Im Bereich Unternehmensorganisation und Prozesse sowiBusiness CoachingExecutive Coaching undKonflikt Coaching / (außergerichtliche) Mediation  Wie lange dauert ein Coaching?Ich biete ein Coaching ab 120 Minuten (Impulscoaching) an. Die tatsächliche Ausprägung eines Coachings bestimmt der Klient selbst nach seinen eigenen Bedürfnissen.  Coachen Sie sich selbst bzw. kann man sich selbst coachen?Im Sinne eines strukturierten Coaching Prozesses – nein. Natürlich lebe ich mit Denk-, Frage- und Handlungsmodellen im Kopf, das kann ich ja nicht ausschalten. Ich bin wahrscheinlich sensibilisierter im Sinne von Perspektivenwechsel, Selbstreflexion, Ziele formulieren und im eigenen Veränderungsprozess. Ich würde das eher als ‚selbst managen‘ bezeichnen. Der Vorteil von Coaching ist ja, dass man einen Sparringspartner hat, mit dem man in einem vertraulichen Bereich über schwierige Themen sprechen kann. Ein Coach führt den/die Coachee strukturiert und zielführend durch den Prozess. Ein Coach vermittelt mit seinen virtuellen Werkzeugen (Kommunikationsmuster) eine nützliche Orientierung, so dass sich der/ die Coachee auf die Zielerreichung fokussieren kann. Ein kompetenter Coach ist mit seiner Auffassungsgabe in der Lage, die aktuelle Situation zu erkennen und mögliche Ursachen zu analysieren. Es entstehen essenzielle Wirkungsprinzipien, welche in der realen Welt den aktuellen Themen angepasst werden müssen. Er kann auf verschiedene Anforderungen flexibel reagieren. Ein Coach kann als ‚aufmerksamer Zuhörer‘ bis hin zum ‚unbequemen Sparringspartner‘ handeln und Botschaften in Frage stellen. In eine solch ausgeprägte Interaktion geht man selten mit sich selbst!  Wann ist für Sie ein Coaching erfolgreich?Ein gelungenes Coaching bewirkt eine spürbare Verbesserung. Nach einem erfolgreichen Coaching befindet sich der/die Coachee in einem signifikant besseren Zustand, verfügt über ein funktionierendes Konzept zur weiteren Vorgehensweise und hat Zugriff auf die dafür benötigten eigenen Ressourcen. Im Coaching zählen die Resultate! Die Frage ist: „Wer beurteilt das?“ „Wer nimmt einen Vorher-Nachher-Vergleich vor?“ und „Wie lässt sich Wirksamkeit als Maßstab zur Bewertung messen?“ Entscheidend ist die Sicht des Cochees! Dies ist zwar eine subjektive Einschätzung, im Laufe der Zeit sollte ein verantwortlicher Manager jedoch in der Lage sein, den Nutzen seiner eingekauften Dienstleistung zu bewerten. Wird das Coaching durch den Arbeitgeber finanziert, ist auch die Bewertung durch die Vorgesetzen/ die Personalabteilung entscheidend. In der modernen Welt bestehen kaum mehr eindeutige Parameter. In der Business-Welt bestehen komplexe Anforderungen an verantwortliche Manager, welche zuverlässig quantifiziert werden sollen. Doch wer kann diese unspezifischen Dimensionen wirklich zuverlässig messen, wer will Wertschöpfungs-Bewusstsein, Innovationskraft, Führungsqualität und Teamgeist, Prozesskompetenzen, intrinsische Motivation und kreative Leistung quantifizieren? Es gilt jedoch auch auf die Nachhaltigkeit zu achten: Die Coaching-Maßnahme hat eine hohe Wirksamkeit, wenn eine langanhaltende Veränderung eintritt, welche auch unter Druck eine Stabilität aufweisen kann und der/ die Cochee nicht in alte Verhaltensmuster zurück fällt. Eine gute Wirksamkeit lässt sich schlussfolgern, wenn alle Instanzen eine positive Einschätzung abgegeben.  Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?Die unterschiedlichen Rollen des Coachs fordern mich heraus. Eine für mich treffende Umschreibung (vgl. Böning,U./Fritschle,B.,2005):"(….) Modelle sprechen vom Coach als Denker, Macher und Prozessor, wobei diese Skizzierungen das personenbezogene Spannungsgefüge beschreiben, in dem sich ein Coach bewegt. Der Denker steht für ein kognitiv basiertes, Wahrheit und Wissenschaft verpflichtetes Auftreten. Er bewegt sich in komplexen Milieus und will Dinge analytisch erfassen und beschreibt Prozesse konstruktivistisch bis detailgetreu. Der Prozessor hat eine sozialwissenschaftliche Prägung, legt Wert auf Zwischenmenschlichkeit und Emotion und erfasst die Komplexität der Prozesse intuitiv-ganzheitlich. Der Macher sucht nach pragmatisch Machbarem, reduziert Komplexität und sucht sichtbare Ergebnisse."Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?Professionelles Coaching ist eine komplexe Dienstleistung, die in ihrer Umsetzung umfangreiche Fähigkeiten verlangt. Erfolgreiches Coaching erfordert eine souveräne Prozessgestaltung, die nur durch eine sehr gute Ausbildung, gekoppelt mit intensiver Erfahrung und konstruktivem Feedback erworben werden kann. Wissenschaftliche Untersuchungen zum Coaching zeigen auf, dass eine intensive Beziehung zwischen Coach und Coachee eine unentbehrliche Arbeitsgrundlage ist. Damit ist neben Lebenserfahrung und fachlichem Know-How zu prüfen, inwieweit das Selbstverständnis mit dem Rollen-Modell des Coachings kompatibel ist. Ich empfehle zunächst nebenberuflich eine erfolgreiche Teilnahme an einer seriösen Coaching-Ausbildung, um die notwendige Orientierung zu erhalten.Und dann gilt: Übung macht den Meister! Das Interview wurde im März 2017 geführt.°Wirtschaftswissenschaften;
Porträt Anke Adebahr beige gerahmt

Systemischer Coach

Anke Adebahr